1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel
  4. Donald Trump schließt Steuerschlupfloch: US-Käufer lassen Shein und Temu fallen

Trump schließt SteuerschlupflochUS-Käufer lassen Shein und Temu fallen

Der Handelsstreit zwischen China und den USA fordert seinen Preis: Einst auf Wachstumskurs in den USA, richten die Onlinehändler Temu und Shein ihren Fokus nun auf Europa.Laura Onita 02.07.2025 - 09:18 Uhr
Während die Zahl der Nutzer in den USA rückläufig ist, wächst sie in Deutschland. Foto: IMAGO / W2Art

Die Onlinehändler Temu und Shein legten in den USA ein rasantes Nutzerwachstum hin. Ein Steuerschlupfloch ermöglichte es den beiden Firmen, die Konkurrenz zu unterbieten. Seitdem US-Präsident Donald Trump aber hohe Zölle auf chinesische Waren verhängt und somit das Steuerschlupfloch geschlossen hat, bleibt das Wachstum aus.

Die Anzahl der aktiven US-Nutzer von Temu ist zwischen März und Juni um 51 Prozent auf 40,2 Millionen gesunken, wie Daten des Marktforschungsunternehmens Sensor Tower zeigen. Die Summe an US-amerikanischen Shein-Nutzern verringerte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls, wenn auch nicht so drastisch. Der Fast-Fashion-Händler verzeichnete laut Sensor Tower einen Rückgang der monatlich aktiven Nutzer um 12 Prozent auf 41,4 Millionen.

Shein und Temu waren Pioniere eines neuen E-Commerce-Modells, das in den letzten fünf Jahren den Einzelhandel in der gesamten westlichen Welt auf den Kopf gestellt hat. Beide Unternehmen umgehen Einfuhrzölle, indem sie in China hergestellte Ware in einzelnen Paketen direkt zu den Verbrauchern nach Hause schicken. Billige Preise und Blitzkampagnen in den sozialen Medien haben Shein und Temu geholfen, innerhalb weniger Monate einen riesigen Kundenstamm aufzubauen.

Shein wollte sein Wachstum zu Geld machen und sich an der Börse listen lassen. Am Ende hatte der Händler aber Schwierigkeiten mit den Aufsichtsbehörden, die einen Börsengang in den USA und im Vereinigten Königreich untersagten. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll Shein einen baldigen IPO in Hongkong planen. Das Unternehmen selbst wollte sich zu Plänen für eine Börsennotierung oder zur Geschäftsentwicklung nicht äußern.

Am 2. Mai schaffte Trump eine Ausnahmeregelung namens „De minimis“ ab. Sie galt für Waren mit geringem Wert, wenn diese aus China und Hongkong verschickt wurden. Der US-Präsident nannte diese Waren „einen großen Betrug an unserem Land“. Bis dahin konnten Pakete bis zu einem Wert von 800 Dollar zollfrei in die USA eingeführt werden. Laut der neuen Regelung galt ein Zollsatz von 90 Prozent. Aufgrund der Handelsspannungen mit China wurde der Satz später auf 30 Prozent gesenkt.

Aufgrund von Trumps Kurswechsel hat Temu sein Geschäftsmodell in den USA überarbeitet. Anstatt Produkte direkt aus chinesischen Fabriken zu versenden, kommen die Bestellungen nur noch von Herstellern mit Sitz in den USA.

Der Nutzerrückgang bei Temu und Shein könnte auch darauf zurückgehen, dass die jeweiligen Werbeausgaben bei den Unternehmen gesunken sind. In den letzten drei Monaten seien die Werbekosten für den US-Markt bei Temu um 87 Prozent und bei Shein um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gefallen, so Sensor Tower. Letztes Jahr machten die Händler noch Platz 10 und 11 der größten digitalen Werbetreibenden in den USA aus – jetzt liegen sie außerhalb der Top 60, so der Marktforscher.

Handelskonflikt

Kaufen die Menschen wegen Trump weniger US-Produkte?

Viele Verbraucher in Deutschland möchten wegen des Zollstreits mit der US-Regierung Konsequenzen ziehen. Marktforscher haben untersucht, ob sich tatsächlich etwas geändert hat.

Da das Umfeld in den USA feindseliger geworden ist, haben Temu und Shein ihren Schwerpunkt nach Europa verlagert. Im Juni stieg die Zahl der Temu-Nutzer in Frankreich um 76 Prozent, in Spanien um 71 Prozent und in Deutschland um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erhöhte sich die Summe der Shein-Nutzer in Großbritannien, Deutschland und Frankreich um 13 bis 20 Prozent.

Allerdings könnte auch das Wachstum in Europa gefährdet sein: Die EU plant eine Gebühr von zwei Euro auf kleine Pakete, die aus Drittstaaten eingeführt werden. Die britische Regierung erwägt ebenso, ihre eigene Regelung zu Einfuhrzöllen zu überarbeiten.

Temu wolle sich nicht zu Geschäftskennzahlen oder Werbeausgaben äußern, der Schwerpunkt liege aber auf der „Zusammenarbeit mit Händlern in allen Regionen“. Es heißt: „In über 20 Märkten haben lokale Verkäufer mittlerweile Zugang zu unserem Marktplatz. Wir helfen ihnen beim Aufbau ihrer Reichweite und des Geschäfts.“

Dieser Artikel entstammt der Seite ft.com. Er wurde übersetzt von Lisa Ksienrzyk und unter Lizenz publiziert. Der Originalartikel auf Englisch ist hier zu finden: US shoppers ditch Shein and Temu as Trump closes tax loophole

© The Financial Times Limited 2024. Alle Rechte vorbehalten. Der Artikel darf nicht weiterverbreitet, kopiert oder in irgendeiner Weise verändert werden. Die WirtschaftsWoche ist für die Bereitstellung dieser Übersetzung verantwortlich und die Financial Times übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit oder Qualität der Übersetzung.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick