Vertragsverlängerung für den Bayer-Chef: Diese Belohnung ist ein Vorschuss
Bill Anderson hängt sich voll rein. Um endlich die Glyphosat-Prozesse zu befrieden, die Bayer seit Jahren belasten, redet der Bayer-Chef derzeit viel mit Entscheidungsträgern in Washington und den US-Bundesstaaten. Selbst während seines Urlaubs, den Anderson in seiner amerikanischen Heimat verbrachte, war das so.
Es ist das große Thema, an dem Anderson letztlich gemessen wird – ob es ihm gelingt, Bayer von sich ständig erneuernden finanziellen Glyphosat-Risiken zu befreien. Dann, und nur dann, dürfte auch die Aktie wieder frühere Höhen erreichen. Bis 2026, so hat es Anderson versprochen, will er die Glyphosat-Prozesse befrieden.
Für seine Agenda hat Anderson nun mehr Zeit bekommen. Der Aufsichtsrat hat seinen Vertrag gerade um drei Jahre bis 2029 verlängert. Anderson, der vieles angestoßen hat, muss jetzt aber auch liefern.
Pharma läuft, Agrar schwächelt
Es ist nicht nur das Glyphosat-Thema, das drängt: So muss Bayer auch sein schwaches Agrargeschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut deutlich rentabler machen – insgesamt fünf Jahre hat sich der Konzern dafür Zeit gegeben. Erste Maßnahmen befinden sich laut Bayer in der Umsetzung; in den aktuellen Zahlen spiegelt sich das noch nicht wider.
Luft nach oben gibt es auch noch beim Schuldenabbau: Per Ende März lagen die Finanzschulden bei 34,3 Milliarden Euro – deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings lag der Wert auch schon mal bei 32 Milliarden Euro.
Besser läuft es beim Ausbau der Pharma-Pipeline und dem Aufbau der neuen Organisationsstruktur – zwei weitere Ziele, die Anderson ausgegeben hat und an denen er gemessen wird. In der Medikamenten-Sparte stehen in den nächsten Monaten einige spannende Zulassungen an – unter anderem ein hormonfreies Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden, von dem sich Bayer einen Milliardenumsatz verspricht.
Schneller am Markt – dank DSO
Die neue Organisationsstruktur „Dynamic Shared Ownership“ (DSO) scheint das Unternehmen an vielen Stellen weiterzubringen. Bei DSO entscheiden weniger Führungskräfte, dafür mehr Teams – mit weniger Bürokratie und näher an den Kunden. Auf diese Weise ist es an vielen Stellen gelungen, die Markteinführungs-Phase neuer Medikamente zu verkürzen. Zwei Milliarden Euro Einsparungen durch DSO hat Anderson ab 2026 versprochen. Und natürlich hat er sich damit nicht nur Freunde gemacht; im Konzern gibt es jetzt 11.000 Stellen weniger.
Alles wird jedoch überlagert von der Causa Glyphosat. Der Einfluss des CEO, so sehr Anderson sich auch müht, ist dabei allerdings begrenzt: Viel hängt davon ab, ob sich der Oberste Gerichtshof der USA auf die Seite von Bayer schlägt. Falls es schiefgeht, könnte Anderson in seiner zweiten Amtsperiode radikal reagieren – mit einem Verkaufstopp für Glyphosat in den USA oder einer Teilinsolvenz von Monsanto.
Im Falle des Nichts-Erfolgs werden Investoren Anderson wohl auch mit ihrer alten Forderung konfrontieren, Bayer aufzuspalten, um den Aktienkurs wieder nach oben zu bringen. Dann bekäme Andersons zweite Amtszeit bei Bayer einen ganz anderen Schwerpunkt als gedacht.
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