Summer School ☀️: Urlaubszeit ist Lesezeit: 3 weitere Bücher, die Sie diesen Sommer lesen sollten
Lust auf Zukunft
Man stelle sich vor, die Revolutionäre in Frankreich hätten 1789 nicht „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gerufen, sondern „Es lebe der Postabsolutismus!“ Wahrscheinlich würden wir noch heute von Kaisern und Königen regiert. Umso mehr erstaunt die Karriere der Vorsilbe Post in der Moderne: Man genügt sich darin, die Gegenwart als Nachzeit einer Vorzeit auszugeben. Der Philosoph Dieter Thomä findet: So kommen wir nicht weiter. Und hat einen launigen Nachruf auf alle Post-Boten geschrieben: „Nicht auf den Blick zurück, sondern auf den Blick nach vorn kommt es an“, so Thomä. Und empfiehlt uns Deutschen eine Sonderportion „Schwellenlust“.
Dieter Schnaas
Nawalnys Vermächtnis
Wer im vierten Kriegsjahr abstumpft angesichts der täglichen Schreckensmeldungen aus der Ukraine, wer für eine Annäherung an Russland eintritt, wer von Deals mit Wladimir Putin träumt, gerade dem sei die Autobiografie von Alexej Nawalny empfohlen: als Beleg, wie repressiv und menschenverachtend das Land aus dem Kreml heraus regiert wird.
Und als Erinnerung, dass es trotz aller Verfolgung noch Andersdenkende in Russland gibt. Wer „Patriot“ liest, stellt sich unwillkürlich die Frage: Warum tauscht jemand das Exil gegen die todbringende Gefangenschaft in der Heimat ein? Die Antwort gibt das Buch selbst: aus Liebe. Gepaart mit Galgenhumor.
Leonard Knollenborg
Vision mit Hoffnung
Deutschland muss den liberalen Westen retten. Das klingt gefährlich – endete es doch oft böse, wenn Deutschland Führungsanspruch proklamierte. Trotzdem ist dies heute richtig. Warum? Das zeigt der Politologe Timo Lochocki in seinem Buch „Deutsche Interessen“: Ihm geht es um Verantwortung in einer Welt, in der wegen autokratischer Tendenzen in den USA alles auf eine deutsche Führungsrolle unter den Demokratien zuläuft. Seine Vision basiert auf mehr als 200 Expertengesprächen. Wie sie Wirklichkeit werden kann, beschreibt er konkret, heruntergebrochen auf die großen politischen und ökonomischen Bereiche.
Martin Seiwert
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