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Fehlzeiten im JobSind Ärzte an den hohen Krankenständen schuld?

In Deutschland fallen immer mehr Arbeitnehmer krankheitsbedingt aus. Ein Leser fragt sich, ob das an einer sinkenden Medikamentenvergabe liegt.Julika Henke 08.09.2025 - 11:39 Uhr
Liegen die Rekordkrankenstände an zurückhaltender Medikamentenvergabe? Symbolbild Foto: picture alliance / dpa-tmn

Im Jahr 2024 waren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland durchschnittlich 14,8 Tage krankgemeldet. Das verraten Daten des Statistischen Bundesamts. Drei Jahre zuvor waren es noch 11,2 Tage. Viele Medien berichten über die Rekord-Krankenstände. Manche fragen sich, ob die Deutschen einfach nur gerne blaumachen – und Erkrankungen vortäuschen.

Doch so eindeutig ist der Befund gar nicht. Denn 2022 stieg der Krankenstand erstmals sprunghaft an. Das lässt sich mit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zu Beginn dieses Jahres erklären. Die eAU ersetzt seither den „gelben Schein“ und sorgt für eine genauere Erfassung von Fehlzeiten.

Vor allem kürzere Arbeitsunfähigkeiten werden so häufiger von den Krankenkassen aufgenommen. Nach diesjährigen Angaben der DAK, einem der größten gesetzlichen Krankenkassenanbieter Deutschlands, ist allein dieser Effekt für 80 Prozent des Anstiegs der Fehltage verantwortlich.

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Ein direkter Vergleich mit den Krankenständen in anderen europäischen Ländern ist ohnehin schwierig. Denn in den EU-Ländern gibt es verschiedene Regelungen für den Umgang mit Ausfällen im Arbeitsumfeld. Um dennoch einen Vergleichswert zu schaffen, untersucht die OECD jährlich, wie europäische Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen selbst über ihre verlorene Arbeitszeit durch Krankheit in einer Woche berichten. Deutschland liegt hier mit 6,8 Prozent im „oberen Mittelfeld“. In Ländern wie Norwegen (10,7), Spanien (8,6) und Frankreich (7,7) werden aber beispielsweise noch höhere krankheitsbedingte Zeitverluste vermeldet.

Dennoch denken viele Menschen darüber nach, wie die zahlreichen Krankmeldungen in Deutschland zustande kommen. Ein Leser vermutet, dass die Entwicklung mit der sinkenden Vergabe von Medikamenten, insbesondere von Antibiotika, zusammenhängen könnte.

Gründe für Zurückhaltung bei der Antibiotikavergabe gibt es durchaus. Besonders, wenn man die Berichterstattungen über die Folgen von Antibiotikaresistenz verfolgt. Jüngst teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit, dass allein im Jahr 2019 rund 9600 Menschen in Deutschland an den Folgen resistenter Erreger gestorben sind.

Setzen Mediziner in Deutschland Antibiotika daher zurückhaltender als in anderen Ländern ein, was Krankheitsverläufe in die Länge zieht und die Krankenstände erhöht?

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Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK deuten nicht darauf hin, im Gegenteil: Im Jahr 2023 wurden 36,1 Millionen Packungen Antibiotika verordnet, 18,4 Prozent mehr als 2022. Hinter der AOK stehen insgesamt elf eigenständige regionale Krankenkassen. Im Verbund betreuen sie rund 27 Millionen Menschen. Damit ist die AOK einer der größten Anbieter innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung.

Auch Reserveantibiotika werden den Angaben zufolge immer häufiger verschrieben. Diese kommen nur als letzte Behandlungsoption bei Infektionen mit multiresistenten Bakterien zum Einsatz, da sie das Risiko für Resistenzen stark erhöhen.

Bei anderen Medikamenten ist es ähnlich. So ist auch die Anzahl aller Verordnungen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, nicht gesunken. Von einer übermäßigen Zurückhaltung bei der Vergabe von Antibiotika ist also nichts zu spüren.

Vielmehr lässt sich der viel debattierte Rekordkrankenstand weitgehend mit der vollständigeren Erfassung der Krankheitstage durch die eAU erklären. Dazu kommt, dass Beschäftigte seit der Corona-Pandemie im Umgang mit Infektionen vorsichtiger geworden sind. Nach Angaben des Gesundheitsreports 2025 der DAK lässt sich jeder Fünfte bei Erkältungssymptomen eher krankschreiben.

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