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Aktuelle Lage an den BörsenFrankreich war nur der Anfang

Die Regierung in Paris stürzt. Und die Finanzmärkte? Die richten den Blick nach vorn: auf einen neuen potenziellen Krisenherd.Sebastian Schug 09.09.2025 - 14:40 Uhr
Frankreichs Premier François Bayrou scheitert bei der Abstimmung in der Nationalversammlung. Foto: dpa

Die französische Regierung stolpert über ihre Reformunfähigkeit, doch eine heftige Marktreaktion bleibt aus: Am Dienstagmittag, dem Tag nachdem Premierminister François Bayrou die Vertrauensfrage verlor, lagen sowohl der französische CAC 40 als auch der breitere Euro Stoxx 50 im Plus. Kümmert es Investoren so wenig, dass eine der zentralen Volkswirtschaften der Europäischen Union vor Unregierbarkeit und Schuldenkollaps steht?

Anscheinend ja. Andererseits kam Bayrous Scheitern mit Ansage. Direkt nach der Ankündigung der Vertrauensabstimmung in der französischen Nationalversammlung waren die Kurse gefallen. Das Abstimmungsergebnis selbst hat die Erwartungen der Investoren nun lediglich bestätigt. Auch die zuletzt deutlich gestiegenen Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen zeigen: Anleger haben diese Krise vorweggenommen.

Und der nächste Großkampftag für die Märkte steht bereits bevor: die Sitzung der US-Notenbank Fed am 16. und 17. September.

Das Ende der Zurückhaltung

Die Fed und ihr Chef Jerome Powell stehen seit geraumer Zeit unter Druck. US-Präsident Donald Trump fordert vehement Zinssenkungen – auch, um die enorme Schuldenlast der USA ertragbarer zu machen. Doch die Notenbanker zögern: Sie befürchten steigende Inflationsraten, ausgelöst durch Trumps Zölle.

Die neusten Zahlen zum US-Arbeitsmarkt könnten die Lage nun ändern. Im August wurden nur 22.000 neue Jobs geschaffen. Der Markt hatte mit 75.000 gerechnet. Das erste Mal in vier Jahren gab es mehr Jobsuchende als offene Stellen. Und die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll nicht nur für Preisstabilität sorgen, sondern auch den Arbeitsmarkt unterstützen.

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Nach den jüngsten, schwächeren Jobdaten wetten Händler darauf, dass Powell sich genötigt sieht, die Zinsen zu senken. Das zumindest schreiben Analysten der US-Großbank JP Morgan. Statt einer moderaten Senkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) erwarten manche gar einen Abwärtsschritt um 50 Basispunkte. Aktuell liegt der US-Leitzins – seit Dezember unverändert – in einer Spanne zwischen 4,25 und 4,5 Prozent.

Wichtig sind jetzt die Veröffentlichungen der US-Produzentenpreise (PPI) am Mittwoch und der US-Verbraucherpreise (CPI) am Donnerstag. Deuten beide Indikatoren auf eine weiterhin niedrige Inflation hin, würde dies Zinssenkungen wahrscheinlicher machen.

Ende des Höhenflugs?

Trotz aller Risiken zeigen sich Aktienanleger optimistisch. Sowohl in den USA als auch in Europa kletterten wichtige Aktienindizes zuletzt auf neue Höchststände. Dabei spielt wohl auch die Hoffnung auf Zinssenkungen eine Rolle. Diese dürften den Kursen vieler Aktien Rückenwind verleihen.

Sinkende US-Zinsen hätten allerdings eine Kehrseite: Sie würden die Inflation befeuern. Daher Fed-Chef Powells Zurückhaltung. So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass die Zinserwartungen der Investoren nicht nur die Kurse von US-Aktien in die Höhe treiben, sondern auch den Goldpreis. Am Mittwoch erreichte der Preis des Edelmetalls einen neuen Höchststand. „Investoren stocken ihre Goldbestände auf, insbesondere, da Zinssenkungen der Fed bevorstehen“, kommentiert Joni Teves, Rohstoffstrategin der UBS.

Senkt die Fed die Zinsen zu schnell oder zu stark – auch wegen des Drucks aus dem Weißen Haus –, besteht die Gefahr einer langfristig höheren Teuerung. Und Gold gilt traditionell als gute Absicherung gegen Inflation.

Aber, wie so oft in den vergangenen Monaten: Es könnte alles auch ganz anders kommen. Bei JP Morgan etwa warnt man davor, dass eine Zinssenkung im September nicht den Risikoappetit der Investoren verstärken, sondern stattdessen zu einem kurzfristigen Einbruch der Kurse führen könnte.

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