Jahresendgeschäft: Viele Einzelhändler fürchten schlechtes Weihnachtsgeschäft
Wegen der wirtschaftlichen Dauerkrise in Deutschland werden die Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr in vielen Familien voraussichtlich ein wenig bescheidener ausfallen: Nur eine Minderheit von 10 Prozent der Einzelhändler erwartet nach einer Unternehmensumfrage des Münchner Ifo-Instituts ein gutes Weihnachtsgeschäft.
Knapp die Hälfte rechnet demnach mit durchschnittlichen Umsätzen, ein Viertel erwartet ein schlechtes Geschäft. „Viele Händler gehen ohne große Hoffnung in die wichtigste Verkaufsphase des Jahres“, sagte Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe.
Gut 42 Prozent erwarten eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr. Überdurchschnittlich pessimistisch sind demnach die Spielwarengeschäfte, nur bei den Buchhändlern sind laut Ifo die Optimisten in der Mehrheit. Das Ifo-Institut befragt für seine Konjunkturerhebungen allmonatlich mehrere tausend Unternehmen.
Weniger Umsatzplus als im vergangenen Jahr
Insgesamt erwartet der deutsche Einzelhandel dieses Jahr nur ein leichtes Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft. Die Einnahmen dürften im November und Dezember um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 126,2 Milliarden Euro klettern, erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE) jüngst. Das Plus würde damit deutlich kleiner ausfallen als 2024 mit 3,8 Prozent. Rund um die Schnäppchentage Black Friday und Cyber Monday befürchtet der HDE sogar erstmals ein Umsatzminus. Erwartet werden Erlöse von 5,8 Milliarden Euro und damit zwei Prozent weniger als vor einem Jahr.
Etwas bessere Konsumlaune – aber „keine durchgreifende Erholung“
Entgegen der Erwartung der Händler stabilisiert sich die Stimmung der Verbraucher in Deutschland zum Schlussspurt des Weihnachtsgeschäfts etwas. Das Konsumklima für Dezember steigt leicht um 0,9 auf minus 23,2 Punkte, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Donnerstag mitteilten. Trotzdem blicken die Menschen wieder skeptischer auf ihre künftigen Finanzen. Nach der monatlichen Umfrage unter rund 2000 Verbraucherinnen und Verbrauchern liege das Stimmungsbarometer damit fast genau auf dem Niveau des Vorjahres und zeige keinen einheitlichen Trend.
„Dies ist auch für den Einzelhandel mit Blick auf das Jahresendgeschäft eine gute Nachricht“, erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl. Die Daten deuteten auf ein stabiles Weihnachtsgeschäft hin. Die Verbraucher seien in vergleichbarer Konsumlaune wie Ende 2024. Dies zeige auf der einen Seite eine gewisse Stabilität, „andererseits aber auch, dass die Konsumenten kurzfristig keine durchgreifende Erholung erwarten“.
Für die leichte Verbesserung sorgte vor allem die zum zweiten Mal in Folge gestiegene Anschaffungsneigung. Dieser Indikator misst die Bereitschaft zu größeren Einkäufen etwa von Möbeln, Autos oder Fahrrädern und stieg auf minus 6,0 Punkte. Dies ist der zweithöchste Wert in diesem Jahr. Zudem sank die Sparneigung, was tendenziell den Konsum stützt.
Eine stärkere Erholung des Konsumklimas verhinderten jedoch eingetrübte Aussichten. So sanken die Einkommenserwartungen den zweiten Monat in Folge und fielen auf minus 0,1 Punkte – den niedrigsten Wert seit März. Auch die Konjunkturerwartungen sanken leicht. „Die Verbraucher bleiben damit auch in diesem Monat bei ihrer Einschätzung, wonach für die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten keine durchgreifende Erholung zu erwarten ist“, erklärte die GfK.