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GrönlandSchluss mit dem Appeasement

Grönland ist nicht Venezuela. Die US-Drohung mit Gewalt gegen Europa kann nicht mehr mit Rücksicht auf Trumps Launen beantwortet werden. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Daniel Goffart 15.01.2026 - 13:34 Uhr
Die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt und der dänische Außenminister Lars Loekke Rasmussen. Foto: via REUTERS

Stellen Sie sich vor, Sie wären schon sehr lange Eigentümer eines riesigen, aber ziemlich abgelegenen Grundstücks, von dem Sie wissen, dass darunter ein Schatz verborgen ist. Plötzlich steht einer Ihrer Nachbarn auf Ihrem Grundstück und sagt mit sehr aggressivem Unterton, dass er es unbedingt haben will. Sie entgegnen, dass Sie nicht verkaufen wollen, aber der Nachbar meint nur, dass es ihm nicht um den Kauf ginge, sondern dass er es „übernehmen“ wolle, weil er es dringend brauche.

Sie schütteln den Kopf, aber das hilft nicht. Der lästige Nachbar wiederholt seine Forderung ein ums andere Mal und fängt dann sogar an, Ihnen mit Gewalt zu drohen.

Was machen Sie? Würden Sie der „Einladung“ des Nachbarn folgen und sogar extra zu ihm hinreisen, um „die Angelegenheit“ zu besprechen? Wären Sie nicht viel mehr der Meinung, dass es nichts zu besprechen gibt, weil Sie der Eigentümer sind und weder verkaufen noch sich von Drohungen einschüchtern lassen wollen?

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Sicherheit ist Nato-Sache

Es war schon ein Fehler der dänischen Regierung, sich auf die Causa Grönland überhaupt in dem Sinne einzulassen, als ob die „Übernahme“ ein nachvollziehbares, ja sogar verständliches Anliegen der USA sei, über das man selbstverständlich „verhandeln“ könne wie über die Höhe der Nato-Beiträge. Über die Arktis-Insel entscheiden die Grönländer und Dänen und niemand sonst. Das ist und bleibt die Ausgangslage, mag Donald Trump auch noch so sehr drängen und drohen.

Und wenn es bezüglich der angeblich bedrohten Sicherheit der Insel und der Vereinigten Staaten etwas zu bereden gibt, dann hätte man ein Treffen der Nato an deren Sitz in Brüssel einberufen und mit allen Mitgliedstaaten über die vermeintlich so dringenden Sicherheitsfragen sprechen können.

Es geht um Bodenschätze, nichts sonst

Ja, es stimmt: Wenn das Eis um Grönland in den nächsten Jahrzehnten mehr und mehr schmilzt, sind die Schifffahrtswege durch die Nordpassage irgendwann ganzjährig offen – für zivile Frachter, aber auch für die russische und chinesische Marine. Ist es jetzt schon so weit? Sind Grönland und dahinter Amerika, aber auch Europa akut schon so bedroht, wie Trump behauptet? Glaubt man europäischen Militärexperten, dann kann davon aktuell keine Rede sein.

Die Sicherheitsfrage dient Trump lediglich als Vorwand, um seine imperialen Machtgelüste auszuleben und den nächsten Raubzug der USA vorzubereiten. In Wahrheit geht es ihm, wie bei den „Verhandlungen“ in Washington am Mittwoch bereits anklang, vor allem um die unter dem Grönlandeis liegenden Bodenschätze.

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Die gewaltigen Vorkommen an Seltenen Erden und anderen Rohstoffen ziehen ihn, den Geschäftsmann, magisch an – ebenso wie das Öl in Venezuela. Auch dort war die Behauptung, die USA seien durch die aus Venezuela geschmuggelten Drogen bedroht, nur der vorgeschobene Grund, um die Kontrolle über die im karibischen Becken liegenden, gewaltigen Erdölvorkommen übernehmen zu können.

Es wird Zeit für Dänemark und die anderen Europäer, die bisherige Strategie des Appeasements zu ändern. War es im Fall Maduro vielleicht noch klug, sich hinter wachsweichen Formulierungen zu verstecken, um Trump nicht unnötig zu reizen, so findet diese Haltung ihr Ende, wenn es um die Sicherheit und Existenz eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union und der Nato geht.

Das Argument „wir brauchen die USA“ kann nicht die Rechtfertigung dafür sein, sich jede Unverschämtheit aus Washington gefallen zu lassen.

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