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BMWWie sich Norbert Reithofer ein Denkmal setzt

Mit einem Rekordgewinn verabschiedet sich Norbert Reithofer von der BMW-Spitze. Seine Entscheidungen haben diesen Erfolg erst ermöglicht – und machen seinem Nachfolger das Leben schwer.Rebecca Eisert, Sebastian Schaal 17.03.2015 - 17:00 Uhr

Der scheidende BMW-Chef Norbert Reithofer im Porträt

Foto: Bloomberg

So gelöst und fröhlich hat man BMW-Chef Norbert Reithofer selten erlebt. Auf dem Genfer Autosalon ruft er den Journalisten lachend ein "Hallo, wie geht es Ihnen?" zu. Und nach dem eigenen Befinden gefragt, entgegnet er: "Jede Woche besser."

Am Mittwoch tritt Reithofer zum letzten Mal vor die versammelte Wirtschaftspresse, um die Jahresbilanz des Autokonzerns vorzustellen. Der operative Gewinn vor Steuern liegt bei 8,7 Milliarden Euro – so hoch wie noch nie in der 99-jährigen Unternehmensgeschichte.

Trotz der guten Zahlen: Reithofer war nie ein Mann der großen Auftritte. Die Jahrespressekonferenz ist für ihn künftig ein weiterer öffentlicher Termin, den sich der freundliche und zurückhaltende Manager sparen kann. Denn bei der Hauptversammlung am 13. Mai wird er aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln.

Die wichtigsten Kennzahlen des BMW-Geschäftsjahres 2014
2014: 80,401 Milliarden Euro2013: 76,059 Milliarden EuroQuelle: BMW
2014: 5,817 Milliarden Euro2013: 5,329 Milliarden Euro
2014: 8,707 Milliarden Euro2013: 7,893 Milliarden Euro
2014: keine Angabe2013: 9,4 Prozent
2014: 2,118 Millionen Fahrzeuge2013: 1,964 Millionen Fahrzeuge
2014: 116.324 Angestellte2013: 110.351 Angestellte
2014: 41.252 Euro2012: 40.039 EuroQuelle: CAR-Institut

Den Chefposten übernimmt Harald Krüger, wie Reithofer vor dessen Berufung an die Konzernspitze BMW-Produktionsvorstand. Seinem Nachfolger hinterlässt Reithofer reichlich Arbeit, aber einen aufgeräumten Schreibtisch. BMW steht gut da, soll aber auch noch 2020 der Oberklasse-Hersteller Nummer 1 sein und die Rivalen Daimler und Audi auf Distanz halten. Drängende Themen wie alternative Antriebe und die fortschreitende Digitalisierung dürften Krüger dabei täglich auf Trab halten.

Reithofer brachte BMW sicher durch Krisen

Die Freude auf den baldigen Rückzug aus dem Tagesgeschäft ist dem sonst so zurückhaltenden BMW-Chef ins Gesicht geschrieben. Achteinhalb Jahre stand er den Bayerischen Motorenwerken vor. "In der ganzen Zeit war kein normales Jahr dabei", sagt er selbst. Die schwierigste Etappe kam mit der Finanzkrise 2007, als in Folge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers der amerikanische Markt völlig zusammenbrach.

Schon vor der schweren Branchenkrise 2008 und 2009 begann Reithofer, BMW einen harten Sparkurs zu verordnen. Tausende Stellen wurden gestrichen, Milliarden Euro eingespart. Bei all der sonstigen Freundlichkeit eine harte Entscheidung, aber sie half BMW, alles glimpflich zu überstehen. Die Münchner schrieben unmittelbar nach der Krise wieder Milliardengewinne, während es Audi und Daimler deutlich schlechter ging.

Toyota – 1. Halbjahr 2016

Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor.

Foto: AP

Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016

Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben.

Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen.

Foto: dpa

BMW – 1. Halbjahr 2016

Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus?

Foto: dpa

Audi – 1. Halbjahr 2016

Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an.

Foto: obs

Daimler – 1. Halbjahr 2016

BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge.

Foto: dpa

Porsche – 1. Halbjahr 2016

Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar.

Foto: dpa

Toyota – Gesamtjahr 2015

Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen.

Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft.

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Volkswagen (Konzern) – Gesamtjahr 2015

Der Autoriese muss 2015 im Jahr des Abgas-Skandals einen Rückgang bei den Autoverkäufen verkraften. Die Verkäufe von Europas größtem Autobauer sanken um zwei Prozent auf 9,93 Millionen Fahrzeuge. Allein im Monat Dezember musste der Konzern noch einmal ein Absatzminus von 5,2 Prozent hinnehmen. Damit fallen die Verkaufszahlen wieder unter die Marke von zehn Millionen. Gleichzeitig schrammte der Konzern an seinem Ziel vorbei, 2015 so viele Autos zu verkaufen wie im Jahr zuvor, als die VW-Marken zusammen noch knapp 10,14 Millionen Fahrzeuge losschlagen konnten.

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Volkswagen (Marke) – Gesamtjahr 2015

Die Delle geht vor allem auf das Konto der Kernmarke VW. Der Absatz sackte im Dezember um 7,9 Prozent ab. Unterm Strich ist VW im vergangenen Jahr mit 5,82 Millionen Einheiten 4,8 Prozent weniger Autos losgeworden als ein Jahr zuvor.
Vor allem in China, dem wichtigsten Absatzmarkt des VW-Konzerns, mussten die Wolfsburger ein schmerzhaftes Minus beim Verkauf einstecken: Auf Jahressicht ging es bei den Verkaufszahlen im Konzern um 3,4 Prozent abwärts. In Europa und Nordamerika, wo VW in den vergangenen Monaten die Auswirkungen des Diesel-Skandals am heftigsten zu spüren bekam, stieg der Absatz dagegen auf Jahressicht. In Deutschland konnte Volkswagen zumindest verteidigen: Der Golf bleibt das mit Abstand beliebteste Auto, auch auf den Rängen zwei und drei liegen VW-Modelle.

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Skoda – Gesamtjahr 2015

Besser lief es bei der tschechischen Tochter Skoda. Trotz des VW-Abgasskandals konnte Skoda im vorigen Jahr die neue Rekordzahl von 1,06 Millionen Fahrzeugen ausliefern. Das sind 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland stieg der Absatz demnach um 6,2 Prozent auf 158.700 Autos. Auf dem Heimatmarkt Tschechien fiel der Anstieg mit plus 21,1 Prozent auf 85.000 Fahrzeuge besonders stark aus. In China blieb der Absatz stabil. Skoda profitiert unter anderem von dem 2015 eingeführten Flaggschiff Superb (im Bild), dessen dritte Generation sich sehr gut verkauft. Derzeit arbeitet die VW-Tochter an einem eigenen SUV.

Foto: AP

Porsche – Gesamtjahr 2015

Gute Zahlen hatte auch der neue Porsche-Chef Oliver Blume bei seinem ersten Messe-Auftritt in Detroit im Gepäck. Der Sportwagenbauer hat im vergangenen Jahr mit 225.121 ausgelieferten Fahrzeugen und einem Plus von 19 Prozent einen neuen Rekord aufgestellt. Auf das gesamte Jahr gesehen war China stärkster Einzelmarkt für den Sportwagenbauer. Dort kletterten die Auslieferungen um 24 Prozent. Auf dem China-Erfolg sollte sich Blume aber nicht ausruhen, denn die Flaute auf dem chinesischen Automarkt hat sich zum Jahresende in den Auslieferungen von Porsche bemerkbar gemacht. Im Dezember ging die Zahl der an Kunden übergebenen Fahrzeuge in dem Land gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf 3707 zurück.

Der Absatz als Erfolgsmaßstab sei für Porsche allerdings zweitrangig, sagte Blume. „Viel wichtiger sind für uns Kundenbegeisterung, Rendite und sichere Beschäftigung.“

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Audi – Gesamtjahr 2015

Audi hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 1,8 Millionen Autos verkauft. Die deutlich höhere Nachfrage in Europa und den USA machte den geringeren Absatz in China mehr als wett. Dennoch konnte Audi nicht die Delle ausgleichen, welche die Marke Volkswagen in der Konzernbilanz hinterlassen hat. „2015 hat gezeigt, dass Audi wetterfest aufgestellt ist“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Mit dem Verkaufsstart des neuen Modells des meistverkauften Audi A4 und des großen Q7-Geländewagens hofft Audi jetzt auf einen stärkeren Wachstumsschub.

Im vergangenen Jahr legte der Audi-Absatz um 3,6 Prozent auf 1,803 Millionen Autos zu. In Europa stieg der Verkauf um 4,8 Prozent auf rund 800.000 Autos. Nach dem Start des neuen A4 in Europa schnellte der Absatz hier im Dezember um 17,5 Prozent hoch. In den USA, wo Audi im Vergleich zu BMW und Mercedes noch eher schwach unterwegs ist, legten die Auslieferungen im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 202.000 Auto zu. Im größten Automarkt China dagegen, wo Audi Marktführer in seinem Segment ist, sank die Nachfrage um 1,4 Prozent auf rund 571.000 Fahrzeuge.

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Daimler – Gesamtjahr 2015

Deutlich selbstbewusster kann sich Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigen. Mit 1,99 Millionen verkauften Autos stellte der Stuttgarter Konzern 2015 einen neuen Verkaufsrekord auf – ein Plus von 14,4 Prozent. Wichtig für den Vergleich mit den anderen beiden deutschen Premium-Autobauern sind jedoch nicht die Absatzzahlen des Konzerns (mit Smart und Mercedes-Benz Vans), sondern die der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars. Hier kommen die Stuttgarter auf 1.871.511 ausgelieferte Fahrzeuge – und schiebt sich damit wieder an Audi vorbei.

China hatte die USA im Laufe des vergangenen Jahres als größter Einzelmarkt mit 373.459 verkauften Autos der Marke Mercedes-Benz abgelöst. Daimler verbuchte dort ein Plus von 32,6 Prozent und wuchs damit weitaus stärker als der schwächelnde chinesische Automarkt. Daimler war allerdings deutlich später auf den wichtigsten Automarkt der Welt gekommen und reicht beim Absatz in dem Land noch nicht an die Rivalen Audi und BMW heran.

Daimlers Verkaufsschlager war die kompakte C-Klasse mit 443.909 verkauften Autos – ein Plus von 40,1 Prozent. Den Absatz seiner sportlichen Geländewagen (SUV) steigerte Daimler um 26,6 Prozent auf 525.866 Fahrzeuge. Die neue E-Klasse, ein besonders wichtiges Modell für Mercedes, soll den Absatz auch 2016 hoch halten.

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BMW – Gesamtjahr 2015

Dank guter Geschäfte in Europa hat BMW 2015 einen weiteren Rekordabsatz eingefahren und den Spitzenplatz im Dauer-Dreikampf mit Mercedes und Audi verteidigt. Die Verkäufe der drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce stiegen um sechs Prozent auf insgesamt knapp 2,25 Millionen Fahrzeuge. Die Kernmarke BMW legte um fünf Prozent auf knapp 1,91 Millionen Fahrzeuge zu. Mit einem Vorsprung von rund 33.700 Fahrzeugen hielten sich die Münchner auf Platz 1 im Oberklasse-Segment, wo sie seit 2005 führend sind. Eigentlich wollte Audi schon längst ansetzen, BMW als größten Oberklasse-Hersteller zu überholen, doch stattdessen fiel die Marke mit den vier Ringen hinter Mercedes zurück. Audi hatte sich 2011 an den Stuttgartern vorbei auf Platz 2 geschoben und in den vergangenen Jahren kräftig vom Marktwachstum in China profitiert. Daimlers Oberklasse-Marke holte dort 2015 deutlich auf – die Volksrepublik ist jetzt für alle drei Premium-Hersteller der größte Einzelmarkt.

Die BMW-Kleinwagenmarke Mini steigerte den Absatz im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf rund 338.500 Fahrzeuge. Bei der Superluxusmarke Rolls-Royce sackten die Verkaufszahlen dagegen um fast sieben Prozent auf 3785 Wagen ab, vor allem weil die Kunden in China sich zurückhielten.

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Opel – Gesamtjahr 2015

Opel hat trotz des Rückzugs aus dem russischen Markt im abgelaufenen Jahr europaweit so viele Autos verkauft wie seit vier Jahren nicht mehr. 2015 seien mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge vom Band zu den Kunden gerollt, 3,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Damit sind Opel und die britische Schwester Vauxhall etwas stärker gewachsen als der europäische Gesamtmarkt, der Marktanteil liegt bei 5,8 Prozent. Dieser habe in zehn Ländern zugelegt. Besonders gut verkauften sich der Mokka und der Corsa. Auch der Nutzfahrzeugverkauf legte zu, um 24 Prozent auf mehr als 100.000 Stück.

2011 hatte Opel nach jahrelanger Krise die Wende eingeleitet. Die Rüsselsheimer legten mit einem Sparprogramm die Grundlage für massive Investitionen der US-Mutter in neue Modelle der Europa-Tochter. Die Modelloffensive habe sich ausgezahlt, resümierte Opel-Vertriebschef Peter Christian Küspert. Die Rüsselsheimer seien zuversichtlich, den Erfolg 2016 fortschreiben zu können. "Ein Grund für unseren Optimismus ist der neue Opel Astra." Obwohl das Modell in den meisten europäischen Märkten erst seit November verkauft werde, gebe es bereits mehr als 80.000 Bestellungen.

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Renault – Gesamtjahr 2015

2015 hat Renault dank neuer Fahrzeugmodelle 2,8 Millionen Autos und Transporter ausgeliefert – so viel wie niemals zuvor. Damit wuchs der französische Autobauer mehr als doppelt so stark wie der weltweite Automarkt, der ein Plus von 1,6 Prozent verzeichnete. Die Franzosen bauten ihren Marktanteil in Europa aus und verteidigten ihre Position in den Schwellenländern. In Deutschland konnte Renault über 110.000 Autos verkaufen. Nach dem Rekordjahr setzen sich die Franzosen auch neue Ziele: "Unser Wachstum wird sich 2016 beschleunigen und wir werden unsere Position in all unseren Regionen verbessern", so Vertriebschef Thierry Koskas.

Gleichzeitig sieht sich Renault aber auch mit einem Problem noch unbekannten Ausmaßes konfrontiert. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es bei Renault im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bei Volkswagen zu Durchsuchungen kam. Die Aktien verloren zeitweise knapp 23 Prozent an Wert. Welche Folgen – etwa Rückrufe, Schadenersatz- oder Strafzahlungen – daraus resultieren, ist noch unklar.

Foto: REUTERS

Mit Grauen denkt Reithofer an 2011. Dem Jahr, in dem im japanischen Fukushima eine Tsunami-Welle ein Atomkraftwerk so schwer beschädigte, dass es zur Kernschmelze kam und das ganze Land über Monate in einen Ausnahmezustand versetzte. "Auf einen Schlag ist uns die komplette Zuliefererkette weggebrochen." Reithofer hat BMW erfolgreich durch all diese Probleme gesteuert. "Wir laufen momentan gut, aber man weiß nie was kommt", mahnt Reithofer.

BMW verkauft mehr Autos als Audi und Mercedes

Als er im September 2006 die BMW-Führung übernahm, notierte die Aktie bei rund 40 Euro, heute steht sie bei gut 112 Euro. Allein 2015 hat das Papier bereits um stolze 26 Prozent zugelegt. Würde er rückblickend etwas anders machen? Gab es Entscheidungen, die er heute bereut? "Da fällt mir spontan nichts ein", sagt Reithofer.

Der gebürtige Oberbayer hat BMW zur erfolgreichsten deutschen Premiumautomarke gemacht. Mit rund 1,8 Millionen verkauften Autos im Jahr 2014 hat BMW erneut Audi und Mercedes hinter sich gelassen. Die Ingolstädter konnten 1,74 Millionen Fahrzeuge absetzen, die Stuttgarter 1,65 Millionen Autos. Rechnet man bei BMW noch die Konzernmarken Mini und Rolls-Royce hinzu, kommen die Münchner auf 2,118 Millionen Fahrzeuge. Falsch war der Kurs des Managements sicher nicht: Es war der vierte Absatzrekord in Folge.

Absatztrends Platz 5: Ford

Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hat die Geschäftsberichte und Marktkennzahlen der ersten elf Monate des Jahres 2014 genauer analysiert und in der Prognose "Automotive Performance 2014" zusammengefasst. Die Forscher um Professor Stefan Bratzel gehen dabei von einem globalen Wachstums des Pkw-Markts auf 75 Millionen Fahrzeuge aus – was einem Plus von rund 3,7 Prozent entspricht.

Mit diesem globalen Wachstum kann Ford nicht ganz Schritt halten. Der US-Autokonzern stagniert laut der CAM-Studie bei einem weltweiten Absatz von 6,3 Millionen Fahrzeugen (-0,5 Prozent) im Jahr 2014. Die vom Hersteller veröffentlichten Absatzzahlen weisen nach drei Quartalen nur ein minimales Plus von 20.000 Fahrzeugen (4,72 Millionen in Q1-Q3 2013 zu 4,74 Millionen 2014) aus.

Foto: CLARK/obs

Absatztrends Platz 4: Hyundai

Die großen Drei der Branche sind zwar noch ein Stück entfernt, doch der Hyundai-Kia-Konzern holt auf – und das in großen Schritten. Die Koreaner entfalten die größte Dynamik im Gesamtjahr und werden laut der CAM-Prognose 2014 zum ersten Mal mehr als acht Millionen Pkws verkaufen. Gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Plus von 5,8 Prozent. Bereits nach neun Monaten konnte der Konzern einen kräftigen Zuwachs verbuchen, in dem Bericht zum dritten Quartal werden 5,88 Millionen Fahrzeuge genannt. Im selben Zeitraum 2013 waren es noch 5,58 Millionen Autos.

Foto: REUTERS

Absatztrends Platz 3: General Motors

Zum ersten Mal seit dem Aufstieg zum Weltmarktführer im Jahr 1931 wird General Motors im globalen Absatzranking nur auf Rang 3 landen. Zwar dürften die Amerikaner trotz des Zündschloss-Skandals um 1,4 Prozent wachsen, doch nicht stark genug: Mit einer Prognose von 9,85 Millionen verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (LCV) wie diesem Chevrolet Silverado listet das CAM GM nur auf dem Bronzerang.

Foto: AP

Absatztrends Platz 2: Volkswagen

Der Kampf um die Absatzkrone der globalen Pkw-Hersteller entscheidet sich im Zieleinlauf zwischen Volkswagen und Toyota, die am Ende Jahres bei rund 10 Millionen Einheiten fast gleichauf liegen. Nach drei Kalenderquartalen konnte Volkswagen mit 7,50 gegenüber Toyota mit 7,49 Millionen Pkw und LCV nur noch ganz knapp seinen Absatzvorsprung des Halbjahres behaupten, die hohe Dynamik des ersten Halbjahres (+5,8 Prozent) aber vor allem aufgrund hoher Absatzrückgänge in Südamerika und Russland nicht aufrechterhalten. Seit dem Herbst halbierte sich das Wachstum, im November konnte VW nur noch 0,7 Prozent zulegen. Nach der aktuellen Prognose des CAM könnte Volkswagen im Gesamtjahr 2014 mit 9,95 Millionen Pkw (+4,4 Prozent) noch knapp von Toyota abgefangen werden. Inklusive der schweren Nutzfahrzeuge MAN/Scania wird Volkswagen das Ziel von mehr als 10 Millionen verkauften Fahrzeugen jedoch erfüllen.

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Absatztrends Platz 1: Toyota

Auf das Gesamtjahr gerechnet dürfte Toyota Volkswagen dennoch die Rücklichter zeigen. Ohne die Lkw-Marke Hino geht das CAM von 10,25 Millionen Toyota-Fahrzeugen aus. Der Zuwachs lag allerdings nur bei 0,6 Prozent. Sollte der Volkswagen-Konzern seine höhere Dynamik beibehalten, könnte sich 2015 das Bild ändern – und die Wolfsburger zum absatzstärksten Autobauer der Welt aufsteigen. Bei einer anderen Kennziffer hat Volkswagen aber noch Aufholbedarf, wie die folgenden Bilder zeigen.

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Finanzielle Performance Platz 5: General Motors

Beim Absatz hat sich das Rückruf-Debakel bei zahlreichen GM-Marken noch nicht niedergeschlagen, wohl aber im Konzernergebnis. Zusammen mit den Verlusten in Europa bricht der Gewinn der Amerikaner nach drei Kalenderquartalen um über ein Drittel auf 3,2 Milliarden Euro ein. Folglich sinkt auch die Marge nach drei Quartalen von 5,8 Prozent im Vorjahr auf nur noch 3,6 Prozent.

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Finanzielle Performance Platz 4: Ford

Auch bei Ford sinken die Gewinne um rund 30 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro (Q1 bis Q3). Als Grund nennt das CAM hohe Entwicklungsaufwände für neue Modelle, wie etwa die neueste Generation des Ford Mustang (im Bild) oder den eingangs gezeigten Ford Mondeo. Dieser Rückgang schlägt sich natürlich auch auf die Gewinnmarge durch: In den ersten drei Quartalen blieben nur noch 4,8 statt 6,6 Prozent des Umsatzes im Unternehmen als Gewinn hängen.

Foto: CLARK/obs

Finanzielle Performance Platz 3: Volkswagen

Bei einem Ebit von 9,4 Milliarden Euro nach neun Monaten muss sich Volkswagen nur hinter Toyota einreihen. Wird aber nach der Ebit-Marge gelistet, landet VW lediglich auf dem Bronzerang. Zwar stieg die Konzernmarge nach neun Monaten von 5,9 auf 6,4 Prozent, doch das ist eher auf die renditestarken Premiummarken wie Audi und Porsche zurückzuführen. Die Marge der Kernmarke liegt knapp unter diesem Wert. Hier gibt es noch Luft nach oben, was auch der Konzern so sieht: Mit einem Milliarden-Sparprogramm will Konzernboss Winterkorn die finanzielle Performance stark verbessern.

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Finanzielle Performance Platz 2: Hyundai

In Europa kennt man Hyundai eher als Hersteller von Klein- und Kompaktwagen oder trendigen SUVs. In Asien und den USA haben die Koreaner aber auch renditestarke Limousinen im Angebot. Folglich kommen die Koreaner auf eine Marge von 7,7 Prozent. Doch auch sie bekommen den Preisdruck zu spüren: Vor einem Jahr waren es nach den ersten drei Quartalen 8,7 Prozent.

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Finanzielle Performance Platz 1: Toyota

Auch in dieser Wertung holen die Japaner Gold. Beim Ebit von 12,9 Milliarden Euro und einer Marge von 9,2 Prozent liegt Toyota unangefochten vorn. Nur ein kleiner Trost bleibt VW: Die Deutschen konnten als einziger unter den Top5 bei der Marge zulegen, denn auch Toyota musste einen Rückgang von 9,6 auf 9,2 Prozent verkraften.

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Reithofer blickt auf eine erfolgreiche Ära als Automanager zurück. Dabei galt er nie als Car-Guy, der mit dem sprichwörtlichen Benzin im Blut. Stattdessen genießt er in der Branche einen exzellenten Ruf als Produktionsexperte. In seine Zeit an der Spitze des Konzerns fallen einige Entscheidungen, die stark zum heutigen Erfolg von BMW beigetragen haben. Das SUV-Angebot wurde Stück für Stück ausgebaut und um auf den ersten Blick unlogische Zwitter-Modelle wie den X6 und dessen kleinen Bruder X4 ergänzt. Damit haben die Münchner Nischen geschaffen, die die Konkurrenz erst noch besetzen muss. BMW verkauft den X6 seit 2008, Mercedes bringt in diesem Jahr erst das GLE Coupé als Konkurrenten auf den Markt, einen Audi Q6 wird es wohl nicht vor 2018 geben.

Im September 2013 stellte BMW den i8 auf der IAA vor. BMW-Chef Norbert Reithofer präsentierte dort das grüne Vorzeigemodell, mit dem Smog und Großstadtlärm der Vergangenheit angehören sollen. Im April hat BMW mit der Serienproduktion begonnen und im Juni 2014 rollen die neuen Elektroautos zum Händler. Vorbestellungen nimmt der Autobauer bereits seit Herbst 2013 entgegen. Schon jetzt sei absehbar, dass die Nachfrage in der Anlaufphase die Produktion deutlich übersteigen wird. Ein guter Grund, einmal zu schauen, was der Neue aus München so drauf hat.

Foto: Presse

Das Plug-in-Hybrid-System des i8 setzt sich aus einem Dreizylinder-Ottomotor mit einer Höchstleistung von 170 Kilowatt (231 PS) und einem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmetern sowie einem Hybrid-Synchron-Elektromotor mit einer Höchstleistung von 96 Kilowatt (131 PS) und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern zusammen.

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Zur eDrive-Technologie gehört außerdem ein Lithium-Ionen-Hochvoltspeicher mit 5,2 Kilowattstunden und ein intelligentes Energiemanagement mit einer Gesamtleistung von 266 Kilowatt (362 PS).

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Der Aufladevorgang der Batterie dauert zwischen zwei und drei Stunden. Die Lithium-Ionen-Batterie kann sowohl an einer ganz gewöhnlichen Steckdose als auch an speziellen Ladestationen für Elektroautos aufgeladen werden. Dazu gehört neben der öffentlichen Ladestation an Tankstellen auch die BMW i Wallbox.

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Der i8 beschleunigt dank seines Antriebskonzeptes "eDrive" in 4,4 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Dabei verbraucht er im Durchschnitt nur 2,1 Liter Super pro 100 Kilometer. Im Berufsverkehr verbraucht der Wagen bei vollständig geladener Batterie weniger als fünf Liter Sprit.

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Wer nicht nur innerhalb der Stadt, sondern auch auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs ist, verbraucht immer noch weniger als sieben Liter Sprit auf 100 Kilometern. Und auch auf längeren Strecken mit höherer Geschwindigkeit sind immer noch weniger als acht Liter Verbrauch drin. Damit fallen die Verbrauchswerte des Plug-in-Hybrid-Modells insgesamt um rund 50 Prozent niedriger aus als bei herkömmlich angetriebenen Sportfahrzeugen.

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Darüber hinaus verbraucht der i8 auf 100 Kilometern durchschnittlich 11,9 Kilowattstunden Strom und kommt auf eine CO2-Emission von 49 Gramm pro Kilometer.

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Der i8 schafft - rein elektrisch - eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern, im Sportmodus sind Zwischenspurts von 80 auf 120 Stundenkilometer in 2,6 Sekunden möglich. Die Höchstgeschwindigkeit bei reinem Elektroantrieb beträgt 250 Stundenkilometer, die maximale Reichweite des Elektromotors 37 Kilometer.

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BMW i8

Der E-Hybrid-Flitzer aus München ist vorne dabei, wenn es um Schnelligkeit geht. Mit Hybridunterstützung liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 250 Km/h, rein elektrisch sind es 120 Stundenkilometer.

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Der i8 ist außerdem das erste Serienfahrzeug mit Laserlicht. Im Vergleich zu LED-Scheinwerfern haben die Laserscheinwerfer eine um 30 Prozent höhere Energieeffizienz und eine Reichweite von gut 600 Metern. Das Laserlicht ist dem natürlichen Tageslicht ähnlich und blendet entgegenkommende Fahrzeuge nicht.

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In den Ausstattungslinien „Carpo“ und „Neso“ kommt das besonders leichte Leder „Spheric“ zum Einsatz. Dieses Material wird erstmalig in einem Serienfahrzeug verbaut und ist über 20 Prozent leichter als herkömmliches Leder. Das Leichtbauprinzip findet auch seine optische Umsetzung, so betonen Sichtcarbonteile im Einstiegsbereich beispielsweise das geringe Gewicht.

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Die drei Ausstattungslinien „Halo“, „Carpo“ und „Neso“ unterscheiden sich in der charakterbildenden Materialauswahl. „Halo“ und „Carpo“ sind Volllederausstattungen, wobei „Halo“ die hochwertigste Linie ist – mit einem Leder, das rein pflanzlich mit Olivenblattextrakt gegerbt wurde. „Carpo“ wird in zwei Farbvarianten angeboten: „Elfenbeinweiß“ und „Amido“. Das Ausstattungskonzept „Neso“ kommt mit ressourcenschonenden Materialien und Kontrasten daher.

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Die Mittelkonsole neigt sich dem Fahrer zu. Alle Instrumente und die Anzeigen der digitalen Instrumententafel mit ihren zwei großen Displays sind mühelos zu bedienen. Die Sitzposition aller Passagiere ist besonders tief, und die schmalen Leichtbausitze geben auch bei rasanter Kurvenfahrt zuverlässigen Halt und bieten hohen Komfort. Auf der Mittelkonsole, die das Fahrzeug optisch in zwei Zonen teilt, ist der iDrive Controller bequem erreichbar.

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Zu haben ist der Zweisitzer für rund 126.000 Euro.

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Kleiner Haken: Flügeltürer mögen zwar in Parklücken seitlich weniger Raum brauchen als normale Fahrzeuge. Aber über den breiten Chassisrahmen hinweg und ohne anzustoßen unter der mächtigen Tür hindurch auszusteigen, das ist schon was für Yoga-Fans.

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Bei den Antrieben ist die BMW-Spitze um Reithofer konsequenter vorgegangen als jeder Wettbewerber. Lange galt der Reihensechszylinder als der BMW-Motor schlechthin. Diese Motoren, für ihren seidenweichen Lauf berühmt, passen aber nicht in das Downsizing-Konzept – für BMW-Romantiker ist in Reithofers Konzern kein Platz.

Saugmotoren sind längst aus dem Programm geflogen, in den meisten Modellen kommen Turbo-Vierzylinder zum Einsatz. Im Mini und der 1er-Baureihe läuft neuerdings ein 1,5-Liter-Dreizylinder. Immerhin in den großen Modellen hat der Reihensechser noch überlebt – wenn auch mit Turbolader.

BMW drückt beim Ausbau seines weltweiten Produktionsnetzwerks aufs Tempo. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" prüft der Konzern intensiv den Bau eines zweiten großen Werks in Übersee, der Favorit soll Mexiko sein. Gebaut werden sollen dort die Kompakten der Einser- und Dreier-Reihe sowie der Mini. Der neue Standort würde BMW mindestens eine Milliarde Dollar kosten, berichtet das Blatt weiter. Mit einem Ausbau in Startanburg und dem angedachten neuen Werk wolle BMW sein Produktionsvolumen in Amerika auf mehr als 600.000 Autos pro Jahr verdoppeln.

Ein Blick auf die innovativsten Auto-Standorte der Welt:

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Russland

"Wie wettbewerbsfähig sind Ihrer Meinung nach folgende Automobilstandorte hinsichtlich ihrer Innovationskraft?", lautete eine der Fragen, die die Berater von Ernst & Young den Managern von 300 Unternehmen aus der europäischen Automobilbranche stellten. Im Falle Russlands antworteten sieben Prozent mit "sehr wettbewerbsfähig", 24 Prozent sagten "wettbewerbsfähig".

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Frankreich

Frankreich gehört nach wie vor zu den bedeutendsten Automobilstandorte der Welt. Allerdings hat das Land sehr unter der Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt gelitten. Das zeigt sich in den Bewertungen der Europäischen Automanager: In den Bereichen Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität verlor Frankreich als Standort zwischen sieben und 21 Prozentpunkten. 34 Prozent der Befragten halten Frankreich in puncto Innovation für wettbewerbsfähig beziehungsweise sehr wettbewerbsfähig. Das reicht für Platz neun.

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Schweden

43 Prozent der Manager aus der Automobilbranche halten Schweden als Automobilstandort für wettbewerbsfähig bis sehr wettbewerbsfähig, was die Innovationskraft anbelangt. Besser schneiden die skandinavischen Autobauer bei der Qualität ihrer Produkte ab: 2013 landet Schweden auf dem dritten Platz des Produktqualitäts-Rankings.

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Indien

In Indien haben derzeit 14 Automobilhersteller ihren Hauptsitz, darunter Ashok Leyland, Bajaj Auto oder Tata Motors. Tata Motors ist der größte Automobilhersteller Indiens. Was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in puncto Produktionskosten angeht, belegt Indien sogar den zweiten Platz. Nur bei der Innovation sind die befragten Manager skeptischer. Da reicht es nur für Platz sieben.

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Brasilien

Brasilien ist der viertgrößte Autoproduzent der Welt. Doch nur zehn Prozent der Automobilhersteller halten den Standort für "sehr wettbewerbsfähig", 39 Prozent schätzen das Land immerhin als wettbewerbsfähig ein, was die Innovationsfähigkeit anbelangt.

Foto: dpa

USA

56 Prozent der Automanager sind der Meinung, dass die Vereinigten Staaten als Automobilstandort 2013 in Sachen Produktqualität wettbewerbsfähig sind. 13 Prozent schätzen den Standort als "sehr wettbewerbsfähig" ein. Im Vergleich zu 2011 entspricht das einem Zuwachs von sieben Prozent. Damals hielten etwas weniger als die Hälfte der Automanager die USA für einen wettbewerbsfähigen Standort in der Kategorie Innovationskraft.

Foto: AP

China

Für China sind die europäischen Autobauer geteilter Meinung: 60 Prozent der Befragten bezeichnet die Innovationskraft des chinesischen Autostandorts als wettbewerbsfähig beziehungsweise sehr wettbewerbsfähig. Im Gesamtvergleich gibt es dafür den vierten Platz.

Foto: dpa

Südkorea

Satte 61 Prozent der europäischen Befragten bescheinigen Südkorea eine hohe Wettbewerbsfähigkeit in der Kategorie Innovationskraft. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 40 Prozent. Jeder Fünfte spricht davon, dass Land sei sogar "sehr wettbewerbsfähig". Dafür gibt es im Ländervergleich Rang drei.

Foto: REUTERS

Japan

Mit einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten seit 2011 landet Japan in der Kategorie Innovationskraft auf dem zweiten Rang. 65 Prozent der befragten Automanager halten das asiatische Land für wettbewerbsfähig. 24 Prozent schätzen Japan sogar als "sehr wettbewerbsfähig" ein.

Foto: dpa

Deutschland

Satte 81 Prozent der Befragten schätzen die deutsche Innovationskraft als "wettbewerbsfähig bis sehr wettbewerbsfähig" ein. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich damit kaum etwas verändert: Damals hielten 79 Prozent der Automanager den Automobilstandort Deutschland hinsichtlich seiner Innovationskraft für wettbewerbsfähig.

Foto: dapd

Dass Reithofer in seinem Streben nach neuen Kunden und sparsameren Autos keine Tabus kennt, hat er spätestens mit dem 2er Active Tourer bewiesen. Erstens: es ist ein Van. Zweitens: er hat den bereits erwähnten Dreizylinder. Drittens: der Wagen hat Frontantrieb. Für einen Autobauer, der wie keine andere deutsche Marke für den Heckantrieb steht und sich die "Freude am Fahren" auf die Fahnen geschrieben hat, kam das einer Zäsur gleich.

Doch Reithofer ließ durchblicken: Er glaubt an das Konzept, auch die kommende Generation des Kompaktmodells 1er soll auf der Frontantriebs-Plattform aufbauen. Die ersten Zahlen untermauern Reithofers Kurs: In drei Monaten konnte BMW über 13.000 Vans verkaufen. Nicht das Niveau der 3er-Baureihe, aber auch kein Flop.

BMW i3 bleibt eine Wette auf die Zukunft

Zu seinen mutigsten Entscheidungen gehörte zweifellos der Bau der Elektro-Modelle i3 und i8. Nicht nur, dass BMW als erster eine eigene Elektro-Auto-Linie aus dem Boden stampfte. Reithofer brachte damit auch Carbon als neuen Leichtbau-Stoff in Serie. Dafür waren horrende Investitionen notwendig, die das Ergebnis belasteten.

Reithofer ließ sich davon nicht schrecken: "Wir bereiten damit den nächsten Wachstumsschritt vor und stärken die Zukunftsfähigkeit", sagt er. Wer die Mobilität von morgen bestimmen wolle, müsse heute in Vorleistung gehen. "Für diese Fahrzeuge braucht man einen langen Atem, mindestens zehn Jahre. Und wir brauchen den i3 auch, um die CO2-Ziele der EU-Kommission zu erreichen."

Bisher hat BMW über 16.000 Stück des Elektro-Flitzers i3 verkauft. Vom Supersportwagen i8 wurden rund 1700 Modelle ausgeliefert. Derzeit warten i3-Käufer drei bis vier Monate auf ihr Fahrzeug, i8-Kunden sogar bis zu acht.

Ob sich die riskante Carbon-und Elektro-Strategie letztendlich auszahlt? Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh. Der neue Chef Harald Krüger, wie Reithofer zuvor Produktionsvorstand bei BMW, übernimmt mit der i-Familie eine Wette auf die Zukunft. Aber immerhin: BMW wagt, und wartet nicht einfach nur ab.

Bei seinen Aufgaben kann Krüger auf den Rat seines Vorgängers zählen – als Aufsichtsrat wird Reithofer weiter Einfluss auf den Kurs von BMW haben. Der Wechsel dürfte reibungslos über die Bühne gehen. Öffentlichen Streit oder Skandale gab es in der Ära Reithofer nicht. Der Manager genießt hohes Ansehen und gilt auch intern als uneitel. Das Scheinwerferlicht meidet er soweit wie möglich. Das schätzt nicht nur die Eigentümerfamilie Quandt, sondern auch die Arbeitnehmervertreter.

Seit Reithofer BMW von Rekord zu Rekord geführt hat, schmücken den studierten Maschinenbauer auch zahlreiche Titel und Ehrungen. Unter anderem bekam er 2010 den Bayerischen Verdienstorden, 2011 die Ehrendoktorwürde der TU München, wurde im selben Jahr zum Manager des Jahres gewählt und bekam 2012 das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion überreicht.

Über den Menschen Reithofer ist dagegen wenig bekannt. "Was machen Sie denn ab Mai mit Ihrer Freizeit?" will eine Journalistin wissen. "Das weiß ich noch gar nicht", entgegnet Reithofer. Man glaubt es dem 58-Jährigen aufs Wort.

Golf? "Ich spiele kein Golf". Vielleicht Segeln? Reithofer bleibt stumm. Er weiß es nicht. Und wirkt tatsächlich wie jemand, der es noch gar nicht fassen kann, dass er fortan nicht mehr von sechs Uhr morgens bis spät in die Nacht mit Haut und Haar im Dienste seines Arbeitgebers steht. "Ich war jetzt 15 Jahre Vorstand. Da führt es durchaus zu einem positiven Gefühl, wenn einem jetzt mehr Freiheit zur Verfügung steht", sagt er nur – und strahlt.

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