Handel: Luxusmode in Deutschland tut sich schwer
Rang 30: Escada (15)*
Escada erwirtschaftet nach Jahren der Krise wieder einen positiven Cashflow. 2009 hatte Megha Mittal, die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, das Münchner Modehaus aus der Insolvenz herausgekauft. Heute setzen Escadas Designer unter anderem auf kräftige Farben, große Blumenaufdrucke und Metalltöne. Kritiker loben die Stücke als prächtig und stylisch. Das Modehaus konzentriert sich zurzeit vor allem auf die Märkte USA, Deutschland, Spanien, Russland, Japan und China.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 116 (144)*
Trend seit 2011: ⇘ **
* in Klammern: 2011
** Trendanzeige ab 5 Punkten
Der Luxusmarkenindex basiert auf einer Befragung von 163 Branchenexperten zu den drei Kriterien relativer Preisabstand des Luxusmarkenanbieters zu einem Mainstream-Markenanbieter, absolute Preishöhe und Anziehungskraft einer Marke
Quelle: Biesalski & Company und Brand Networks
Foto: dpaRang 29: Hotel Adlon (25)
1907 eröffnete das Hotel Adlon am Berliner Boulevard Unter den Linden und beherbergte im Laufe der Jahre viele berühmte Gäste, darunter Thomas Alva Edison, Henry Ford, John D. Rockefeller, Walther Rathenau, Gustav Stresemann und Aristide Briand. Durch die schlechte Finanzlage seines Investors, der Fundus-Gruppe, geriet das Hotel zuletzt oft in die Schlagzeilen. Laut einer Schätzung der Ratingagentur Moody’s sollte das Hotel am Brandenburger Tor im Vorjahr nur noch 182 Millionen Euro wert sein.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 117 (121)
Trend seit 2011: NEU
Foto: dpa/dpawebRang 28: Nymphenburg (-)
Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg kooperiert schon seit Jahren mit namhaften Künstlern wie dem Niederländer Joep van Lieshout, dem Franzosen Saâdane Afif oder dem deutschen Schmuckdesigner Patrik Muff. Er lässt Schriftsteller Texte zu seinen Porzellanvasen schreiben und gibt der traditionsreichen bayerischen Marke so ein hippes Image. Zählt doch die klassische Sammeltasse nicht zu den angesagtesten Objekten bei der Generation Facebook.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 118 (-)
Trend seit 2011: NEU
Foto: WirtschaftsWocheRang 27: Tobias Grau (-)
Betriebswirt und Designer Tobias Grau ist bekannt für seine Leuchten in Tropfenform. 1984 entwickelte er seine erste Leuchtenkollektion, 1992 baute er sie zusammen mit seiner Frau Franziska zu einer Leuchtenmarke aus. 150 Mitarbeiter beschäftigt Grau heute. Rund 95 Prozent der Fertigung erfolgt heute in Deutschland, die Endmontage in der Nähe von Hamburg.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 119 (-)
Trend seit 2011: NEU
Foto: ScreenshotRang 26: Schloss Elmau (-)
Dietmar Müller-Elmau, Chef des Hotels Schloss Elmau in Oberbayern, wurde 1954 auf dem Schloss geboren und führt heute das Fünf-Sterne-Hotel. Neben seiner Lage ist es bekannt für seine renommierten klassischen Konzerte. Über 17 Millionen Euro Umsatz machte das Nobelhotel 2010.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 120 (-)
Trend seit 2011: NEU
Foto: WirtschaftsWocheRang 25: Wempe (30)
Als der gelernte Uhrmacher Gerhard Diedrich Wilhelm Wempe am 5. Mai 1878 mit 21 Jahren und einem Startkapital von 80 Mark den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, ahnt er noch nicht, dass er den Grundstein für ein internationales Uhren- und Juwelen-Imperium schafft. Heute zählt Wempe über 700 Mitarbeiter, unterhält 30 Niederlassungen und ist einer der größten und umsatzstärksten Händler von Luxusuhren und Schmuck in Europa.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 125 (118)
Trend seit 2011: ⇗
Foto: Presse
Rang 24: Marktex (33)
Die Möbelmanufaktur aus Kronberg im Taunus ist das Reich von Ettore Palmiota. Er ist Inhaber und kreativer Kopf von Marktex. Typisch für die Schränke und Sideboards sind grafische Elemente wie gerade Linien, Quadrate und Andreaskreuz. Palmiota bevorzugt Pinienholz, gerne im Kontrast zu Nussbaum, aber auch Kirschholz und Eiche. Bei den Polsterstoffen dominieren Naturmaterialien wie Wolle und Leinen. Martex-Möbelhäuser gibt es in Berlin, Hamburg, Köln, Kronberg, Mannheim und München.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 126 (114)
Trend seit 2011: ⇗
Foto: ScreenshotRang 23: Koch&Bergfeld (-)
Seit1829 fertigen die Bremer Silberschmiede Bestecke, Manschettenknöpfe und Geschenkartikel wie Geburtslöffel, Lupen, Bieröffner, Tranchierbesteck, Stollenmesser und Flaschenöffner. Derzeit sind 30 Mitarbeiter bei der Manufaktur beschäftigt - darunter Silberschmiede, Graveure und Werkzeugbauer. Jährlich verarbeitet Koch&Bergfeld eine Tonne Silber. Der Marktpreis dieser Menge liegt derzeit bei etwas 850.000 Euro. Etwa zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet Neubauer in Deutschland.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 128 (-)
Trend seit 2011: NEU
Foto: GemeinfreiRang 22: Occhio (-)
Die Designer Axel Meise und Christoph Kügler sind die kreativen Köpfe des Leuchtenherstellers Occhio (ital. "Auge"). Die ersten Skizzen für das modulare Leuchtensystem brachte Meise Mitte der 1990er Jahre zu Papier. Seit 1999 befindet sich die Firmenzentrale von Occhio am Wiener Platz in München Haidhausen. Hier steuert ein Team von 50 Mitarbeitern die Bereiche Design und Entwicklung, Marketing, Sales und Service.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 129 (-)
Trend seit 2011: NEU
Foto: ScreenshotRang: 21: Dornbracht (27)
Dornbracht steht seit 1950 für die Herstellung hochwertiger Design-Armaturen und –Accessoires für Bad und Küche. Die Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG wird in dritter Generation geführt. Hauptsitz ist Iserlohn.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 130 (119)
Trend seit 2011: ⇗
Foto: PresseRang 20: Interlübke (20)
Die Brüder Hans und Leo Lübke gründeten 1937 eine "Spezialfabrik für polierte Schlafzimmer" heute arbeiten 245 Mitarbeiter für die Möbelhersteller mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück. Mit Wohn- und Schlafzimmermöbeln machen die Ostwestfalen einen Umsatz von mehr als 30 Millionen Euro. Der Name Interlübke entstand 1963 als Kombination aus "Inter" für "Interieur" und dem Familiennamen. 2012 schlitterte Interlübke in die Insolvenz, konnte im Januar 2013 aber in Form einer übertragenen Sanierung wieder durchstarten.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 136 (139)
Trend seit 2011: ⇒
Rang 19: Montblanc (18)
Der Hersteller hochwertiger Schreibgeräte hat sein Portfolio den vergangenen Jahren um Uhren, Lederwaren und Gürtel, Schmuck, Brillenkollektionen und sogar Düfte erweitert. So wurde das Unternehmen mit Stammsitz in Hamburg zu einer internationalen Luxusmarke mit Standorten in mehr als 70 Ländern. Gut 90 Prozent seines Umsatzes (672 Millionen Euro in 2011 erwirtschaftet Montblanc im Ausland, vor allem im asiatischen Raum. Seit 1993 gehört der Montblanc zur Schweizer Richemont-Gruppe.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 142 (141) *
Trend seit 2011: ⇒
Rang 18: Robbe & Berking Silber (18)
Die Silbermanufaktur ist für ihr klassischen Bestecke aus 925-Sterlingsilber und Tafelaufsätze wie Schalen und Servierplatten bekannt. Seit 2009 werden auch Münzen und Barren aus Gold und Silber angeboten. Die Anfänge der Flensburger gehen bis auf das Jahr 1874 zurück. Das Unternehmen beschäftigt rund 170 Mitarbeiter und verarbeitet nach eigenen Angaben über 20 Tonnen Silber pro Jahr.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 146 (141)
Trend seit 2011: ⇗
Rang 16: Wellendorff (22)
Wellendorff, der in vierter Familiengeneration geführte Schmuckhersteller aus dem Badischen Pforzheim, erobert gerade den japanischen Markt. Das Geschäft brummt seit Jahren, selbst während der Finanzkrise konnte das Unternehmen die Nachfrage kaum bedienen. Seine Spezialität sind farbige in sich verdrehte Ringe, simple Colliers kosten zwischen 4000 und 50000 Euro, mit Edelsteinen verzierte 200.000 bis 500.000 Euro. Das Unternehmen Wellendorff ist es auch, das die Metallarmbänder für den Glashütter Uhrenhersteller A. Lange & Söhne fertigt.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 150 (133)
Trend seit 2011: ⇗
Foto: WirtschaftsWocheRang 17: Jil Sander (14)
Das Label geht auf die 1943 geborenen deutsche Modeschöpferin zurück. Der Name steht für elegante, zeitlose Schnitte mit klaren Linien. 1999 verkaufte Jil Sander ihre Anteile an die Prada-Gruppe, Prada verkaufte wiederum 2006 an die Beteiligungsgesellschaft Change Capital Partners (CCP). Doch auch diese Liaison hielt nicht lange. CCP verkaufte 2008 für 167 Millionen Euro an den japanischen Textilkonzern Onward. Aktuelle Umsatzzahlen sind nicht bekannt.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 147 (151) *
Trend seit 2011: ⇒
Rang 15: Cor (13)
Im Herbst 1954 gründeten Leo Lübke im Namen seines Sohnes Helmut Lübke und Adolf Fürst zu Bentheim-Tecklenburg die "Fabrik zur Herstellung von Polstermöbeln". 1955 begann sie Polstermöbel zu fertigen. Unter dem Namen COR, lateinisch Herz. Denn drei Herzen zieren das Wappen des Mitbegründers. COR und Interlübke agieren als Schwesterfirmen. COR ist auf Sitz- und Polstermöbel spezialisiert, Interlübke stellt Schränke, Tische, Regale, Kommoden und Raumtrenner für Wohn- und Schlafzimmer her. Kreuzfahrer werden die COR--Möbeln von Schiffen wie der MS Europa 2 kennen.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 151 (152)
Trend seit 2011: ⇒
Foto: PR
Rang 14: Dedon
Die Lüneburger sind auf luxuriöse Außenmöbel spezialisiert. Der ehemalige Fußballprofi Bobby Dekeyser gründete das Unternehmen 1990. Dedon beschäftigt 3000 Mitarbeiter.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 152 (-) *
Trend seit 2011: NEU
Foto: PR
Rang 13: Thonet (17
Thonet ist einer der ältesten Möbelhersteller der Welt und war einst der erste, dem es gelang, gebogenes Holz herzustellen. Zwar stammt das in fünfter Familiengeneration geführte Unternehmen ursprünglich aus Wien, sitzt heute jedoch in Hessen. In den 1920er Jahren ließ es Möbel von Architekturlegenden wie Ludwig Mies van der Rohe entwerfen. Heute setzt Thonet neben den Klassikern nach wie vor auf Arbeiten junger Designer.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 154 (142) *
Trend seit 2011: ⇗ **
Rang 12: SieMatic (11)
August Siekmann gründete 1929 die "August Siekmann Möbelwerke", seit 1960 firmieren die Westfalen unter SieMatic. Das mittelständische Unternehmen produziert in Löhne und beliefert rund 60 Ländern.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 156 (161)
Trend seit 2011: ⇘
Rang 11: Poggenpohl (7)
Und noch ein ostwestfälisches Traditionsunternehmen, das anderen zeigt, wie's geht. 1892 gründete der Tischlermeister Friedemir Poggenpohl in Bielefeld einen Tischlerbetrieb mit Möbelhandlung. Heute setzt der Küchenmöbelhersteller über 100 Millionen Euro um und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 164 (174)
Trend seit 2011: ⇘
Rang 10: Staatliche Porzellan Manufaktur Meissen (10)
Seit über 300 Jahren stellt das Traditionsunternehmen mal mehr, mal weniger Barockes her, vom Kaffeeservice mit Zwiebelmuster über Kerzenständer im Rosendesign bis zum Tässchen mit Goldrand. Gegründet wurde die Manufaktur 1710 vom Sachsenkönig August dem Starken. In den folgenden Jahrhunderten überlebte sie elf Kriege und sieben politische Systeme, seit 1991 gehört sie dem Freistaat Sachsen. Heute setzt das Unternehmen auch auf Mode.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 166 (162) *
Trend seit 2011: ⇒
Foto: dpa
Rang 9: Leica (35)
Seit über 100 Jahren steht der Name Leica für Kameras und optische Geräte. Doch der einstige Pionier verschlief den Wandel zur Digitaltechnik. Jetzt besinnt man sich jetzt auf alte Stärken und punktet bei Modellen im Retrolook mit neuester Technik. Seit 2012 ist Leica nicht mehr börsennotiert. Leica gehört über eine Stiftung dem Österreicher Andreas Kaufmann und dem Finanzinvestor Blackstone.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 171 (111)
Trend seit 2011: ⇗
Rang 8: Chronoswiss (8)
Im Vergleich zu den vielen oft weit über hundert Jahre alten Luxusmarken ist Chronoswiss ein Jungspund. 1981 gründetet Gerd-Rüdiger Lang die Uhrenmarke, die seither hochwertige mechanische Uhren fertigt. Bekannt wurde die Marke auch durch die Régulateur-Uhren. Diese hier zeigt die Stunde digital an, die Minute oben, unten dreht das Sekundenrad. In Rotgold kostet sie 13.800 Euro
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 175 (170) *
Trend seit 2011: ⇗
Foto: PresseRang 7: T+A
Siegfried Amft gründete 1978 die T+A Elektroakustik GmbH - wobei T+ A für Theorie und Anwendung steht. Das Unternehmen mit Sitz in Herford ist vor allem für seine Lautsprechersysteme bekannt.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 183 (-) *
Trend seit 2011: NEU
Rang 6: Gaggenau (9)
Der Gerätehersteller aus München ist bekannt für seine Backöfen, Gas-, Induktions- und Glaskeramik-Kochfelder, Kühl- und Eisschränke, Geschirrspüler, aber auch Weinschränke. Gaggenau beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter und ist in über 50 Ländern aktiv.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 190 (163) *
Trend seit 2011: ⇗
Foto: PR
Rang 5: Bulthaup (5)
Der aus Ostwestfalen stammende Martin Bulthaup gründete 1949 die „Martin Bulthaup Möbelfabrik“. Heute arbeiten über 500 Menschen für den Hersteller Küchenmöbelhersteller, der Tochtergesellschaften in Europa, Asien und den USA unterhält. Rund 80 Prozent seines Umsatzes macht Bulthaup mit Export seiner Waren ins Ausland.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 191 (184)
Trend seit 2011: ⇗
Rang 4: Burmester (12)
Ob Vor- oder Endverstärker, CD-Player- und Laufwerke oder FM-Tuner und Lautsprecher: die Berliner Firma Burmester fertigt mit ihren 50 Mitarbeitern vieles noch per Hand. Die hochwertigsten Bauteile kosten bis zu 150.000 Euro. 2013 stieg der Umsatz um 13 Prozent auf geschätzt über zehn Millionen Euro.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 206 (156)
Trend seit 2011: ⇗
Rang 3: Porsche (4)
Porsche ist auch unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns immer noch der Inbegriff des deutschen Edel-Sportwagens. Bei keinem anderen Autobauer Deutschlands haben die Ingenieure so viel Macht und Einfluss wie hier. Seit Ende 2013 bietet das schwäbische Unternehmen mit seinem Modell 918 den ersten Supersportwagen der Welt mit Hybridantrieb an. Grundpreis: 768026 Euro.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 212 (195)
Trend seit 2011: ⇗
Rang 2: Glashütte (3)
Das aus dem VEB Glashütter Uhrenbetriebe hervorgegangene Unternehmen betreibt auch eigene Läden unter anderem in Dresden, Paris, Peking, Shanghai, Hongkong und Tokio. Es gehört heute zur Schweizer Swatch Group.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 214 (204)
Trend seit 2011: ⇗
Foto: Presse
Rang 1: A. Lange & Söhne (1)
Der Luxusuhrenhersteller aus Glashütte führt die Liste der wichtigsten deutschen Luxusmarken an. Das zum Schweizer Luxuskonglomerat Richemont gehörende Unternehmen bietet Uhren zwischen 15.000 und 1,92 Millionen Euro an.
Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 244 (239)
Trend seit 2011: ⇗
Krise, Insolvenz und Chefwechsel - aus der Luxus- und Designermodebranche in Deutschland kommen seit einiger Zeit wenig glamouröse Nachrichten. Dabei gönnen sich die Schönen und Reichen in der Zinsflaute gerne kostspielige Roben und edle Accessoires, das verschafft internationalen Anbietern wie Hermès und LVMH kräftige Umsatzzuwächse. Warum also tun sich manche deutsche Unternehmen so schwer? Neben hausgemachten Problemen macht ihnen auch der massive Branchenwandel zu schaffen.
Der Damenmode-Konzern Escada beispielsweise soll nach dem Einstieg von Investorin Megha Mittal zwar geschäftlich nach Einschätzung aus Branchenkreisen zuletzt wieder eine ganz gute Figur gemacht haben. Doch Führungsprobleme trüben seit einiger Zeit das Bild: Schon als der frühere Chef Bruno Sälzer seinen Abschied verkündete, fand sich ungewöhnlich lange kein Nachfolger für den Mode-Manager. Nun hat der Amerikaner Glenn McMahon nach nur einem halben Jahr an der Unternehmensspitze das Handtuch geworfen, und Escada steht schon wieder ohne Chef da. Eigentlich sollte McMahon der Marke, die vor allem für ihre opulenten Abendkleider bekannt ist, zu neuem Glanz verhelfen. Vorübergehend muss nun Finanzvorstand Jörg Wahlers einspringen, der erst im vergangenen Jahr vom Keramikhersteller Villeroy & Boch zu Escada gekommen war.
Der Designermode-Anbieter Strenesse war nach dem Weggang der früheren Kreativchefin Gabriele Strehle nicht mehr richtig in Schwung gekommen. 2014 musste das hoch verschuldete Unternehmen aus dem schwäbischen Nördlingen Insolvenz anmelden. Unter der Halbjahresbilanz 2014/15 (30. Juni) standen zwar wieder schwarze Zahlen. Doch die Umsätze des Unternehmens mit zuletzt noch rund 250 Beschäftigten beliefen sich in den ersten sechs Monaten 2014/15 (30. Juni) auf lediglich 20 Millionen Euro.
Für den großen Auftritt in der Modebranche gilt das als zu wenig: Werbung in Hochglanz-Magazinen und andere Marketingmaßnahmen, hohe Model-Gagen bei Modenschauen und Foto-Shootings und der Betrieb von Flaghip-Stores in Metropolen wie London, Moskau oder New York kosten viel Geld. Dafür müssten die Unternehmen schon eine ordentliche Finanzkraft mitbringen, heißt es bei Branchenkennern. Das Münchner Modehaus Rena Lange beispielsweise konnte nicht mehr mithalten: Im vergangenen September meldete das 1916 gegründete Traditionshaus Insolvenz an - inzwischen ist der Betrieb eingestellt.
Die Textilbranche und der Trend zu ultragünstiger Kleidung in Industrieländern steht seit einiger Zeit in der Kritik, spätestens seit dem verheerenden Unfall in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka im Frühjahr 2013. Doch Veränderungen ergeben sich nur langsam, dies zeigten zuletzt Rückblenden ein Jahr nach der Katastrophe, die vor allem die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken in den Fokus nahmen.
Foto: APEinen weiteren Aspekt, der nach diesem und weiteren Unfällen stark diskutiert wurde, behandelt der aktuelle Clean Cloth Kampagne Firmencheck 2014: die unwürdigen Löhne, für die viele Arbeitnehmer bei Zulieferern von Kleidungsherstellern wie hier in Bangladesch schuften müssen. Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Kampagne (CCK) hat 48 Firmen auf diesen Aspekt hin untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Die meisten Firmen bieten vollkommen unzureichende Standards.
Foto: WirtschaftsWocheMit 15 Firmen bekamen die meisten der getesteten Unternehmen ein Ungenügend – setzen sich also „kaum für die Bezahlung eines Existenzlohnes ein“. 13 Firmen antworteten indes gar nicht und haben somit vermutlich ebenfalls keine sonderlich präsentablen Zustände vorzuweisen. Diese Profile, etwa von Mexx, Benetton, Armani und Hugo Boss recherchierten die Analysten selbst aus öffentlichen Quellen. Hier eine Übersicht über die schwarzen Schafe der Branche laut der Clean Clothes Kampagne.
Foto: WirtschaftsWocheAldi
Aldi gibt an, der eigene Kodex sehe den gesetzlichen Mindestlohn in allen Produktionsländern vor und das Unternehmen arbeite in der Business Social Compliance Initative (BSCI) darauf hin, dass dies auch eingehalten werde. Das bewertet die NGO jedoch offenbar als Lippenbekenntnis: Es gebe „kaum Anhaltspunkte“, dass Aldi das Problem der Niedriglöhne wirklich angehe. Da das Unternehmen alle Waren von Agenturen, also Mittelsmännern, kaufe, entziehe sich Aldi der Verantwortung, die eigenen Zulieferer zu kontrollieren. Diese Verantwortung bleibe aber bestehen.
Foto: WirtschaftsWocheCarrefour
Der französische Konzern lässt in verschiedensten Ländern wie Brasilien, aber auch Bangladesch produzieren, allerdings nicht in eigenen Fabriken. Deshalb, so Carrefour, sei man auch nicht für die Angestelltenlöhne zuständig. Man sehe in der eigenen Charta aber vor, dass die Löhne die Grundbedürfnisse abdecken sollten. Dies ist der Clean Clothes Kampagne zu wenig: Allein ein Bekenntnis zu Grundbedürfnis deckenden Löhnen helfe den Arbeitnehmern wenig, wenn Carrefour keine Verantwortung für die Umsetzung übernehme.
Foto: REUTERSCharles Vögele
Das Schweizer Unternehmen beantwortete die Anfrage der Kampagne mit vorgefertigten Standardantworten der Businessvereinigung BSCI, beruft sich darauf, mit der Initiative auf Existenzlöhne hinzuarbeiten. Die BSCI ist eine Industrie-Initiative von mehr als 600 Unternehmen und wurde gegründet, um die Bemühungen der Branche zu bündeln. CCK kritisiert, dass der Standard nicht verpflichtend sowie kaum extern nachvollziehbar sei und dass er die Zulieferer nicht bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstütze. Eine Firma wie Vögele, die im Heimatland und in Deutschland mit einer verantwortlichen Mitarbeiterpolitik und Ausbildungsbedingungen werbe, verstecke sich hinter der intransparenten Vereinigung. Noch dazu scheint problematisch, dass Vögele die Freiwilligkeit des Existenzlohns betont.
Foto: Handelsblatt OnlineDecathlon
Man bevorzuge eine „Schritt-für-Schritt“-Methode für die eigene Lieferkette, nach und nach sollten die Bedingungen verbessert werden. Das antwortete das französische Unternehmen Declathon von der Oxylane-Gruppe, das hier bei einer Expo-Aktion für Nacktshopper 2001 eine gewisse Lässigkeit und Humor zeigt, auf die CCK-Anfrage. Grundsätzlich stimme es einem Existenzlohn aber zu. Diese Form von Lockerheit und Lässigkeit findet die Organisation unpassend: „Ein Großunternehmen wie Oxylane kann es sich nicht leisten, keinen klar definierten Standpunkt zur zentralen Frage des Existenzlohns zu haben“, lautet der vernichtende Kommentar von CCK. Stattdessen müsse es seine Marktmacht nutzen, um die Zulieferer per Richtlinie an einen Existenzlohn zu binden.
Foto: APEsprit
Wie die meisten der untersuchten Firmen erreicht auch Esprit in den vier Bereichen Befähigung der Arbeiter, Transparenz und Bekenntnis, Mitarbeiter- und Gewerkschafts-Dialog und Strategie zur Erreichung eines Existenzlohnes minimale Bewertungen: Drei von 40 möglichen Punkten – Executive Director Jose Manuel Martinez Gutierrez (links) hätte angesichts dessen eigentlich nichts zu lachen. Auch die Modemarke mit Hauptsitz in Hongkong beruft sich auf BSCI, geht also nicht mit verbindlichen Vorgaben an die 455 Erstzulieferer heran, die hauptsächlich in China sitzen. Während es mehr als 1000 Shops weltweit unterhalte und 10.000 Mitarbeiter beschäftige, habe das Unternehmen mit nur elf Mitarbeitern im Bereich der Kommunikation mit Zulieferern in den Produktionsländern kaum einen Überblick über die eigene Produktionskette, so CCK. Der Konzern habe „keine Strategie entwickelt, um die Lohnbedingungen in den Zulieferer- Fabriken zu verbessern“.
Foto: REUTERSGucci
Hundert Prozent der Produktion liege in Italien selbst, gibt der italienische Konzern an. Dort werde die Maxime der Zahlung eines Existenzlohnes eingehalten, so der Modemacher und Trendsetter bei Modeschauen. Doch CCK hat seine Zweifel, dass das stimmt.
Foto: REUTERSDenn Gucci habe 3.000 Zulieferer, von denen nicht klar sei, ob sie alle in Italien arbeiteten. In der Vergangenheit seien auch schon Produkte aus anderen Fertigungsländern nachgewiesen worden. Zudem sei es problematisch, dass Gucci Italien als vollkommen unbedenkliches Produktionsland darstelle: Im Dezember 2013 seien in der Fabrik eines Zulieferers sieben Menschen verbrannt. Gewerkschaften halten die Zustände dort für die Regel.
Foto: WirtschaftsWocheIC Companys
Die Dänen, die hauptsächlich in China und Europa produzieren, unternehmen laut CCK keine konkreten Bemühungen, um die Lohnbedingungen der Arbeiter entlang der Produktionskette zu verbessern. IC Companys betonen in Orientierung an BSCI, nicht nur die Höhe des Lohns sei relevant, sondern auch qualitative Standards wie rechtzeitige Zahlung und Arbeitnehmer-Wertschätzung über Lob und Feedback. Diese Hinweise auf softe Entlohnungsmechanismen seien angesichts der vollkommen unzureichenden finanziellen Entlohnung unpassend, urteilt CCK.
Foto: WirtschaftsWocheMango
Eineinhalb von 40 zu erreichenden Punkten – damit ist Mango eines der Unternehmen, die laut CCK die geringsten Anstrengungen zur Lohnverbesserung der Mitarbeiter unternehmen. Dies dürfte auch daran liegen, dass der spanische Händler 100 Prozent der Bestellungen direkt an Zulieferer-Fabriken vergebe und sich demnach komplett auf die Kontrollen an den Schnittstellen verlasse. Doch diese hätten sich als ineffektiv erwiesen, da das Beschaffungsmodell Existenzlöhne genauso wenig berücksichtige wie die Organisationsfreiheit zur Gründung eines Betriebsrates oder ähnlichen Vereinigungen.
Foto: WirtschaftsWocheOrsay
Das deutsche Unternehmen, das sich auch gern auf Modeschauen präsentiert, führt CCK aktuell noch unter den schwarzen Schafen, doch das könnte sich bald ändern: Orsay hat angekündigt, zum Herbst den Existenzlohn in seinen Code of Conduct zu implementieren und diesen dann bis 2015 auf der Basis dieser Roadmap 2015 entlang der gesamten Produktionskette verpflichtend zu machen. Dies sei ein guter Beginn, schreiben die CCK-Autoren – aber vom Vorhaben zur umgesetzten Tat sei es noch sehr lang.
Foto: WirtschaftsWochePentland Brands
Auch Pentland Brands, vor allem bekannt durch die beliebte Schwimmbekleidungsmarke Speedo, will sich künftig in die Richtung Existenzlöhne bewegen. Diese sind schon im Kodex vorgeschrieben, Realität sind aber Mindestlöhne in den jeweiligen Zuliefererländern. CCK hofft künftig auf eine bessere Kooperation des Unternehmens mit Partnern der Ethical Trading Initiative, der die Firma beigetreten ist.
Foto: ReutersPimkie
Mit Verweis auf die Asian Floor Wage Initiative gibt Pimkie an, mit ihr bald einen Aktionsplan für einen Existenzlohn entwerfen zu wollen. Bisher sieht CCK allerdings keine Strategie, um die Lohnmarke auch bei den Zulieferern wirklich durchzusetzen. Das bedürfe Verhandlung und aufwändiger Vorbereitung.
Foto: WirtschaftsWochePromod
Um angemessene Arbeitslöhne ermöglichen zu können, will Promod zunächst einmal die Produktivität erhöhen und dadurch andere Kosten verringern. Das reiche nicht, findet die NGO mit Blick auf die Arbeitnehmer: „Diese müssen einen angemessenen Lohn erhalten, unabhängig von der Notwendigkeit der Unternehmen, die Marktpreise zu erfüllen.“
Foto: WirtschaftsWocheVersace
Wie Gucci zieht sich auch Versace – die bei vielen Promis beliebte italienische Marke– hauptsächlich darauf zurück, mit 82 Prozent der Komponenten einen Großteil der Produktion in Italien selbst zu organisieren. Auch Versace arbeitete mit Fabrikanten in der Region zusammen, in der Ende vergangenen Jahres in einer Werkshalle sieben chinesische Arbeitskräfte umkamen. Dass in Italien produziert werde, sei kein Beweis für gute Arbeitsstandards: „Dafür gibt es keinerlei konkrete Anzeichen“, meint CCK.
Foto: WirtschaftsWocheVF (Lee, Eastpak, Wrangler, Vans)
VF erkennt laut dem Clean Clothes Check 2014 nicht einmal an, dass ein Existenzlohn Teil der Unternehmensverantwortung sein könnte – von der konkreten Umsetzung ganz abgesehen. „Es ist beschämend, dass sich ein Unternehmen dieser Größe nicht für dieses wichtige Thema einsetzt“, schreiben die Report-Autoren.
We Fashion
Genauso attestiert CCK auch We Fashion keinerlei erkennbare Ambitionen, einen Existenzlohn in den Zuliefererbetrieben durchzusetzen. Stattdessen arbeitet das Unternehmen wie andere unter dem Dach der Business Social Compliance Initiative, deren Bemühungen die NGO jedoch für zu intransparent hält.
Foto: Handelsblatt OnlineHugo Boss
Eines der Unternehmen, das keine Angaben gegenüber CCK machte, war der Ausstatter Hugo Boss. Also recherchierte die NGO selbst und kam offenbar zu recht unbefriedigenden Ergebnissen: Der „Spiegel“ hatte unter Berufung auf eine Mitarbeiterin bei CCK berichtet, Zulieferer von Hugo Boss zahlten ihren Mitarbeitern in der Türkei und in Kroatien zu wenig. Demnach liegen die durchschnittlichen Nettogehälter dort zwischen 308 und 440 Euro. In der Türkei etwa liege das Existenzminimum pro Familie aber bei 1002 Euro.
Foto: WirtschaftsWocheHugo Boss, im Bild Vorstand Claus-Dietrich Lahrs in der Firmenzentrale in Metzingen, hält dagegen: „Das ist kein Hugo-Boss-spezifisches Problem“, sagte eine Sprecherin. Anlass, sich von einzelnen Lieferanten zu trennen, sehe das Modeunternehmen daher nicht. „Wir bewegen uns selbstverständlich stets im Rahmen der gesetzlichen Mindestlöhne“, betonte die Sprecherin. Doch dass der Mindestlohn auch zum Leben reicht, ist in sehr vielen Fällen eben nicht gesichert – zumindest wenn man Leben wie die Clean Clothes Kampagne nicht als bloßes Nichtverhungern interpretiert.
Foto: WirtschaftsWocheMethode
Die NGO befragte die Firmen und bewertete mithilfe zusätzlicher Internetrecherche anhand bestimmter Kriterien, wie ihre Unternehmenspolitik und aktuelle Praktiken zur Lohnsteigerung in Ländern wie China aussehen, in denen ihre Textilien in Fabriken gefertigt werden. Hier geht es um Faktoren wie Schulungen für die Mitarbeiter, die ihnen Aufstieg ermöglichen, aber auch um Lohnrichtwerte und Strategien zur Umsetzung eines Existenzlohnes, die Unternehmen anwenden. Im Mittelpunkt stand also die Offenheit der Unternehmen für einen so genannten Existenzlohn in den Fabrikländern – Zustände bei vorgelagerten Produktionsschritten wie auf Baumwollplantagen oder in Färbereien wurden nicht einbezogen.
Foto: WirtschaftsWocheEin Existenzlohn ist ein Lohn, der auch über dem bestehenden Mindestlohn liegen kann, da über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinaus ein frei verfügbarer Betrag enthalten sein soll. Arbeiter wie hier in Bangladesch sollen nicht nur gerade eben so überleben können, das ist das Ziel von Clean Clothes. Zusätzlich wurden auch Bemühungen für Gewerkschaftsfreiheit und Mitarbeiterdialog, sowie nachhaltige Einkaufspraktiken berücksichtigt, sodass insgesamt je zehn Punkte in vier Bereichen möglich waren. Dabei war unerheblich, wie hoch die aktuellen Löhne sind –die Ergebnisse sind dennoch alles andere als ansehnlich.
Foto: WirtschaftsWocheElf sind wie etwa C&A nachlässig – sie erkennen also „die Notwendigkeit eines Existenzlohnes an, unternehmen aber wenig für dessen Umsetzung“. Vier sind wie etwa Tchibo – hier mit einer Werbekampagne – laut der NGO „auf dem Weg“, ebenfalls vier bewegen sich wie etwa Adidas auf einem nicht befriedigenden aber auch nicht vollkommen mangelhaften Niveau: Sie haben laut der NGO „erste Ansätze zur Bezahlung von Existenzlöhnen, diese sind bisher aber nicht überzeugend“ .
Foto: obsKein einziges der Unternehmen treibt die Verbesserung der Entlohnung der Arbeitskräfte aktiv und mit einem erkennbaren Konzept voran. Die Autoren schreiben: „Keines der untersuchten Unternehmen bezahlt den Arbeitern, die ihre Produkte herstellen, einen Lohn zum Leben.“
Foto: WirtschaftsWoche
Zudem steht die Modewelt vor den gleichen Herausforderungen, die alle Branchen derzeit zu bewältigen haben - allen voran die Digitalisierung. Vor allem jüngere Kundinnen tauschen sich über soziale Netzwerke über Mode aus und suchen bei Online-Händlern wie dem Münchner Unternehmen mytheresa.com nach Designer-Stücken, die sich auch mal zur Jeans von Zara oder H&M kombinieren lassen. Wer solche Kanäle nicht nutzt, vertut wichtige Chancen, sagt die Chefin der Modemesse „Premium“, Anita Tillmann. „Es liegt in der Natur der Mode, dass man sich bewegt.“ Am Bewusstsein für neue Trends jedenfalls hapert es in Deutschland nach Überzeugung Tillmanns nicht - und auch nicht am kreativen Potenzial: „Wir haben unfassbar tolle Talente in Deutschland.“
Bis die sich international etablieren können, dürfte es aber noch ein längerer Weg sein. Viele junge und inspirierte Designer seien derzeit noch mehr Geheimtipp als Superstars, sagt Mark Sievers, Partner beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. „Zum großen Durchbruch fehlt es nicht immer nur an finanziellen Mitteln, manchmal ist es auch einfach nur ein Quäntchen Glück.“ Der Online-Handel ist für den Konsumgüter-Experten dabei kein Erfolgsgarant. „Über den globalen Laufsteg Internet verbreiten sich Trends schneller als früher, zugleich verkürzt sich aber deren Halbwertszeit.“ Hinzu komme der Preisdruck durch eine totale Preistransparenz im Netz, die zwar gut für die Kunden, aber anstrengend für die Branche sei.
Die Traditionsunternehmen wiederum müssen sich nach Sievers` Einschätzung ganz neu aufstellen und dabei nicht nur Absatz und die Sortimente, sondern auch die Kundenkommunikation neu ausrichten. Allerdings mangele es teils an Investoren, „aber auch an Visionären, die sich der Herausforderung annehmen wollen, einem traditionellen Namen neues Leben einzuhauchen“.