Friedensnobelpreis: So wird mit dem Nobelpreis Politik gemacht
Der Friedensnobelpreis wird in Oslo bekannt gegeben.
Foto: dpaEr ist der wohl mit Abstand wichtigste und renommierteste Preis überhaupt: Der Friedensnobelpreis. Kein anderer Preis ist allerdings auch ein so großes Politikum. Als 2009 dem US-Präsidenten Barack Obama die Ehre zu Teil wurde, fühlten sich seine Anhänger mehr denn je bestätigt, während seine Gegner vor Wut kochten. Deren Vorwurf: Obama, damals nicht einmal ein Jahr im Amt, habe politisch noch nichts vorzuweisen.
Das Nobelkomitee begründete damals seine Entscheidung mit Obamas „außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Es war der neue Ton, der vom Weißen Haus ausging, und der im Begriff war, die Welt zu verändern, der die Jury überzeugt hatte. Und es war ein politisches Zeichen, um die neu angestrebte Politik Obamas zu unterstützen.
Das Nobelkomitee hat den Nobelpreis immer wieder politisch vergeben, um eine bestimmte Politik zu unterstützen. Beispielsweise bekam Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) 1971 den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik verliehen. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Ostpolitik noch in vollem Gange war. Der Grundlagenvertrag oder der Prager Vertrag mussten damals noch ausgehandelt werden. Aber das Nobelkomitee wollte diese neue Richtung unterstützen.
Auch das Komitee kann nicht frei wählen
Dieses mächtige Komitee, das Jahr für Jahr entscheidet, wem diese Ehre zu Teil wird, besteht aus gerade einmal fünf Personen. Diese werden vom norwegischen Parlament für eine Dauer von sechs Jahren gewählt und können auch wiedergewählt werden. Das ist auch eine der Besonderheiten am Friedensnobelpreis. Während alle anderen Nobelpreise in Schweden ausgewählt und verliehen werden, ist der Friedensnobelpreis eine norwegische Angelegenheit.
So wird der Preis auch nicht in Stockholm, sondern im Rathaus von Oslo verliehen. Warum der Preisstifter Alfred Nobel den Friedensnobelpreis unter norwegische Obhut stellte, ist nicht vollends geklärt. Ein Erklärungsansatz ist, dass zu Nobels Lebenszeit das Königreich Norwegen zu Schweden gehörte und das norwegische sich nur mit innenpolitischen Fragen beschäftigen konnte und es deshalb in Nobels Augen gegenüber der schwedischen Regierung unabhängiger war.
2017
Mit dem Friedensnobelpreis 2017 für die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) hat die Jury ein klares Signal für ein Verbot von Atomwaffen gesetzt. „Wir leben in einer Welt, in der das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kommen, größer ist als lange Zeit“, sagte die Chefin des norwegischen Nobel-Komitees Berit Reiss-Andersen am Freitag. „Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen.“ Sie seien aufgefordert, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Nuklearwaffen einzuhalten.
Ican erhält die weltweit wichtigste politische Auszeichnung unter anderem für ihre „bahnbrechenden Bemühungen um ein vertragliches Verbot solcher Waffen“. Die Organisation hat maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird.
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"Das norwegische Nobelkomitee hat entschieden, den Friedensnobelpreis für 2016 dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos für seine entschlossenen Anstrengungen zu verleihen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden - ein Krieg, der mindestens 220 000 Kolumbianer das Leben gekostet und nahezu sechs Millionen Menschen vertrieben hat", hieß es in der Begründung des Nobelkomitees.
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Den Friedensnobelpreis 2015 erhielt das tunesische Quartett für den nationalen Dialog - für die Bemühungen, eine pluralistische Demokratie in Tunesien im Zuge des Arabischen Frühlings aufzubauen. Es stieß einen friedlichen politischen Prozess an, als das Land kurz vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs stand. Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Diese vier Mitglieder repräsentieren verschiedene Bereiche und Werte in der tunesischen Gesellschaft: das Arbeitsleben, die staatliche Fürsorge, Grundsätze des Rechtsstaates und die Menschenrechte.
Quelle: BR
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2014
Die Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi aus Indien und Malala Yousafzai aus Pakistan werden für ihr Engagement gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen ausgezeichnet. Das Komitee begründete seine Entscheidung mit der großen Bedeutung von Bildung für Kinder. Satyarthi habe großen persönlichen Mut bewiesen und in der Tradition von Mahatma Ghandi auf unterschiedliche Weise gegen die Ausbeutung von Kindern für wirtschaftliche Ziele protestiert. Die 17-jährige Malala, die 2012 von radikalislamischen Taliban angeschossen und schwer verletzt wurde, habe trotz ihrer Jugend schon jahrelang für die Rechte von Mädchen in ihrer Heimat Pakistan gekämpft. Sie sei ein gutes Beispiel dafür, wie junge Menschen selbst zur Verbesserung ihrer Lage beitragen könnten.
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Mit den Chemiewaffen-Vernichtern der OPCW wurde ebenfalls eine Organisation ausgezeichnet.
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Der Friedensnobelpreis geht an die Europäische Union. Die EU erhalte die Auszeichnung, weil sie "mehr als sechs Jahrzehnte zur Verbreitung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beigetragen hat", begründete der Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, in Oslo am Freitag die Entscheidung. Die EU war bereits mehrfach als möglicher Träger des Friedensnobelpreises gehandelt worden.
2010
Sehr zum Ärger der chinesischen Machthaber zeichnet das Nobelkomitee den chinesischen Regimekritiker Liu Xiaobo (rechts) aus. Er unterstützte im Dezember 2008 mit 302 anderen chinesischen Intellektuellen das im Internet veröffentlichte Bürgerrechtsmanifest Charta 08.
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Sehr überrascht reagiert US-Präsident Obama auf seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis 2009. Das Nobelpreiskomitee begründete seine Wahl damit, dass Obama "außergewöhnliche Bemühungen für die Zusammenarbeit zwischen den Völkern" geleistet habe. Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern.
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Der frühere finnische Ministerpräsident Martti Ahtisaari erhält den Friedensnobelpreis für seine Vermittlung bei internationalen Konflikten. Zu seinen wichtigsten Leistungen zählt die die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh (2005). Er vermittelte auch im Kosovo-Konflikt.
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Ein Jahr später erhielten die Internationale Atomenergie Behörde und ihr Chef Mohamed ElBaradei den Nobelpreis. Der Ägypter argumentierte, dass es im Irak keine Atomwaffen gäbe. Er kritisierte den Irak-Krieg der USA scharf. Im Interview mit der WirtschaftsWoche sprach er im September 2014 über Probleme in Ägypten, den Islamischen Staat – und warum deutsche Waffenlieferungen an die Kurden nicht ausreichen, um den Konflikt zu lösen.
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Das Nobelpreiskomitee zeichnet die kenianische Umweltaktivistin Kenyan Wangari Maathai aus. Sie sah in der Förderung afrikanischer Frauen das beste Rezept zur Vorbeugung von Wasser- und Umweltschäden.
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Die Juristin Schirin Ebadi wird für ihren Einsatz bei der Demokratisierung Irans und im Kampf um mehr Frauenrechte ausgezeichnet. Sie setzte sich für Kinder- und Frauenrechte sowie für politische Dissidenten ein.
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Der frühere US-Präsident Jimmy Carter wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz für friedliche Konfliktlösungen, Demokratie und Menschenrechte geehrt.
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Die Vereinten Nationen (UN) und ihr Generalsekretär Kofi Annan (Ghana) werden für ihren Einsatz für eine friedlichere und besser organisierte Welt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
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Kim Dae Jung (Südkorea) - im Bild mit Norwegens damaligem Premier Kjell Magne Bondevik - wird für seinen Einsatz als oppositioneller Menschenrechtler und als Staatsmann für ein friedliches Verhältnis zu Nordkorea ausgezeichnet.
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Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières) erhält den Friedensnobelpreis für humanitäre Pionierarbeit.
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John Hume (rechts) und David Trimble werden für ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung des Nordirlandkonflikts geehrt. Hier ein Bild mit Tony Blair (Mitte).
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Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne gegen Landminen und Jody Williams für ihren Einsatz zum Verbot von Anti-Personen-Minen. Hier ist Williams 2014 mit dem Dalai Lama zu sehen.
Foto: dpa1996
Carlos Filipe Ximenes Belo und José Ramos-Horta (im Bild) erhalten die Auszeichnung für ihren Einsatz zur Lösung des Konflikts in Osttimor.
Foto: AP1995
Joseph Rotblat und die Pugwash Conferences on Science and World Affairs werden für ihre Bemühungen zur Abschaffung von Atomwaffen geehrt.
Foto: AP1994
Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzchak Rabin bekommenden Nobelpreis für ihre Bemühungen um Frieden im Nahen Osten.
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Das Nobelkomitee vergibt den Preis an drei Frauen. Die afrikanischen Bürgerrechtlerinnen Leymah Gbowee (v.l.), Tawakkul Karman und Ellen Johnson Sirleaf. Alle drei gelten als Vorkämpferinnen für die Frauen- und Menschenrechte.
Foto: dapd2006
Muhammad Yunus aus Bangladesch erhält den Friedensnobelpreis. Er gründete die Grameen Bank für Mikrokredite.
Foto: REUTERS2007
Das Nobelkomitee zeichnet den früheren US-Vizepräsident Al Gore aus - vor allem für sein Engagement im Kampf gegen den Klimawandel.
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Heute spiegelt die Besetzung des Komitees meistens die Machtverhältnisse im norwegischen Parlament wieder. Wobei die Mitglieder in ihrer Urteilsbildung vollkommen unabhängig sind. Sie sind nur dem Testament von Alfred Nobel, mit dem der Nobelpreis gestiftet wurde, verpflichtet.
Dort heißt es, dass derjenige den Preis bekommen solle, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“. Weiter heißt es: „Es ist mein ausdrücklicher Wille, dass bei der Preisverteilung die Zuteilung nicht an irgendeiner Nationalität festgemacht wird, so dass der Würdigste den Preis erhält, ob er Skandinavier sei oder nicht.“
Das Komitee darf auch nicht frei wählen, wer Preisträger wird. Nur wer bis zum 1. Februar des jeweiligen Jahres nominiert wurde, kann auch gewählt werden. Nominieren dürfen neben den aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Komitees auch ehemalige Preisträger, Mitglieder einer nationalen Regierung, der Internationale Gerichtshof in den Haag sowie Universitätsprofessoren gesellschafts- oder geisteswissenschaftlicher Disziplinen.
Der Großindustrielle Alfred Nobel war mit der Erfindung des Dynamits ein reicher Mann geworden, hatte aber keine Kinder, denen er sein Geld hätte vermachen können. Deshalb überführte er sein Vermögen in eine Stiftung, die nach seinem Tod die Arbeit auf nahm und seitdem den Preis verleiht. Die Erträge, die die Stiftung mit dem Vermögen Nobels erzielt, werden bis heute als Preisgeld an die Preisträger ausgeschüttet. Seit 2012 ist der Preis mit etwa 861.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet immer an Alfred Nobels Todestag statt, dem 10. Dezember.