Kunst: Wie Museen gegen das Spardiktat kämpfen
Kino: Eine Horde Streber sieht den großen Crash voraus
Warum noch einen Film über die Weltwirtschaftskrise anschauen? Zum einen handelt es sich bei „The Big Short“ um eine wahre Geschichte: Vier streberhafte Hedgefondsmanager sehen unabhängig voneinander das Platzen der Immobilienblase auf dem US-Markt voraus – und wetten dagegen. Zum anderen seien da noch ein paar Namen erwähnt: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des berühmten Wirtschaftsjournalisten Michael Lewis. Aber auch die Besetzungsliste liest sich illuster: Neben Brad Pitt und Christian Bale spielt auch Ryan Gosling mit. Kinostart ist am 14. Januar.
Foto: APKonzert: Adele singt "Hello", und 27 Millionen gefällt das
27 Millionen Mal „Hello“: Nur 24 Stunden, nachdem Adele Laurie Blue Adkins die erste Single-Auskopplung ihres neuen Albums bei YouTube hochgeladen hatte, verzeichnete es schon 27 Millionen Abrufe. Und damit nicht genug: Die Single landete in mehr als 100 Ländern auf Platz 1 der iTunes-Charts, das Album verkaufte sich allein in den USA fünf Millionen Mal. Und das innerhalb der ersten zwei Wochen – mehr geht kaum. Klar, dass auch die geplante Europatournee nicht mit Superlativen spart: Sechs Konzerte spielt die britische Sängerin Anfang Mai in Köln, Berlin und Hamburg. Wer der 27-Jährigen einmal persönlich „Hello“ sagen möchte, der muss sich allerdings auf Ebay umsehen. Denn natürlich waren alle 49 Termine nach Minuten ausverkauft.
Foto: dpaStadt: Über polnische Brücken sollst du gehen
Seit 1985 wird der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ vergeben, 2016 ist neben dem spanischen San Sebastián die Hauptstadt Niederschlesiens, Breslau, dran – nach Krakau als zweite polnische Stadt. Im nationalen Wettbewerb setzte sie sich sogar gegen Warschau und Danzig durch. Umso ernster nehmen die Verantwortlichen die Auszeichnung. Bereits seit acht Jahren bereitet sich die Stadt auf ihren großen Auftritt vor, insgesamt investierte sie 50 Millionen Euro. Neben drei neuen Museen werden in den kommenden zwölf Monaten 350 Projekte und Veranstaltungen realisiert, darunter Welt-Jazztage, der Europäische Filmpreis und eine Theaterolympiade. Der Stadtpräsident Rafal Dutkiewicz hofft, das Geld durch den Tourismus wieder reinzuholen.
Foto: dpaHotel: Ein himmlischer Ort - zumindest für Hemingway
„A Legend in Progress“ ist auf dem Schild vor der Baustelle am berühmten Place Vendôme in Paris zu lesen. Die Legende ist das Nobelhotel Ritz, Lieblingsherberge allerlei Prominenter. Zum Beispiel von Modeikone Coco Chanel, die dort mehr als 30 Jahre lang eine Suite bewohnte, Schriftsteller Ernest Hemingway oder Popstar Madonna. Außerdem nahm hier Prinzessin Diana ihr letztes Mahl ein, bevor sie am Abend des 31. August 1997 tödlich verunglückte. Knapp drei Jahre lang war das in die Jahre gekommene Luxushotel geschlossen. In diesem März eröffnet es wieder. Das Geld muss wieder reinkommen, das Zimmer kostet pro Nacht mindestens 1000 Euro. Im Preis inbegriffen ist das Gefühl, das niemand schöner beschrieb als Hemingway: „Wenn ich von einem späteren Leben im Himmel träume, dann spielt sich immer alles im Ritz ab.“
Foto: dpaFilm: Aus dem TV ins Kino - und wieder zurück
30 Jahre nachdem das Ruhrpott-Raubein Horst Schimanski erstmals im Kino ermittelte, verlässt der „Tatort“ erneut das gewohnte Terrain am Sonntagabend im Ersten. Ab dem 4. Februar ermittelt Til Schweiger alias Nick Tschiller in ganz Europa. Der neue Fall soll alle Dimensionen sprengen. Nicht nur inhaltlich und finanziell, sondern auch filmisch soll das Heiligtum der Deutschen neue Wege gehen. Wer den Film im Kino sehen will, sollte jedoch zunächst wie gewohnt Fernsehen gucken: Im Januar zeigt die ARD „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“. Der Kinofilm baut auf dieser Handlung auf. Clever.
Foto: dpaMusik: Öfter mal was Neues - David Bowie goes Jazz
Von Ziggy Stardust zu Miles Davis? Auch im Alter von 68 ist David Bowies Experimentierfreude ungebrochen. Am 8. Januar macht sich der britische Musiker selbst ein Geburtstagsgeschenk: An diesem Tag erscheint sein 25. Studioalbum „Blackstar“. Für die Aufnahme der sieben neuen Lieder holte sich Bowie unter anderem New Yorker Jazzmusiker ins Studio, Kritiker unken schon von Chaos mit Methode. Und von arabischen Klängen, die sich mit jazzigem Saxophon und Punk mischen. David Bowie eben – aber mal wieder ganz anders.
Foto: dpaBuch: Von Nierenkranken, Schülern und freien Märkten
Im Jahr 2012 erhielt der US-Amerikaner Alvin Roth den Ökonomienobelpreis gemeinsam mit seinem Landsmann Lloyd Shapley. Beide entwickelten Erkenntnisse, wie man verschiedene wirtschaftliche Akteure auf nicht funktionierenden Märkten zusammenbringt. Roth, der erst in Harvard und nun in Stanford lehrt, entwarf Regeln für die Zuteilung von Schülern auf High Schools oder die Verteilung von Spenderorganen auf Nierenkranke. Am 8. März erscheint Roths Buch „Wer kriegt was – und warum?“. „Unterhaltsam und unwiderstehlich“, befand der renommierte US-Ökonom Gregory Mankiw, „Sozialwissenschaften in Höchstform.“
Foto: dapdAusstellung: Bier. Braukunst und 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot
Am 23. April 1516 wurde in Bayern das Reinheitsgebot erlassen. Für das Technoseum Mannheim Anlass genug, zum 500-jährigen Jubiläum die Geschichte der Braukunst zu erzählen. Vom Brotbrei der Sumerer bis zur industriellen Massenherstellung setzt sich die interaktive Ausstellung mit einem der wichtigsten deutschen Kulturgüter auseinander. Vom 19. Februar bis zum 24. Juni können die Besucher alles über Technik, Kultur und Wirtschaft des Bieres erfahren. Zum Beispiel die unterschiedlichen Sorten und Herstellungsprozesse kennenlernen; sehen, wie sich die Werbung mit Bier im Laufe der vergangenen Jahrhunderte verändert hat; und erfahren, warum der Erfolg des Gerstensaftes ohne die Erfindung des Kühlschranks nicht möglich gewesen wäre. Ach ja – und den ein oder anderen Schluck zu trinken gibt es selbstverständlich auch.
Foto: PRSerie: "Game of Thrones" - lebt er oder lebt er nicht?
Im April 2016 soll die sechste Staffel der mittelalterlichen Saga in den USA anlaufen, deutsche Fans werden vermutlich im Herbst erlöst. Noch ist unklar, welche Charaktere wiederkehren, bislang gibt es nur Gerüchte. Am Ende der letzten Staffel lag Jon Schnee, von zahlreichen Dolchstichen durchlöchert, scheinbar tot am Boden. Die Fans waren schockiert. Nun darf seine Gefolgschaft wieder hoffen: Er ist auf dem ersten Teaser-Bild der neuen Staffel zu sehen. Zudem wurde er vor Kurzem bei der Abschlussparty der Dreharbeiten in Nordirland gesichtet. Dutzende von Internetseiten beschäftigen sich mit solchen Spekulationen – dem produzierenden US-Sender HBO dürfte es recht sein.
Foto: APKunst: Christo verpackt nicht, er will übers Wasser
Dieses Mal ist alles anders. Der für seine verhüllten Gebäude berühmte Künstler Christo legt für sein nächstes Projekt Stoffbahnen kreuz und quer über den norditalienischen Iseosee. Besucher der Installation The floating piers werden auf den 16 Meter breiten und rund drei Kilometer langen Stegen übers Wasser wandeln können. Jesus-Feeling inklusive: Die Wellen sollen unter den Fußsohlen zu spüren sein. Für das Projekt verarbeitet der 80-jährige Künstler rund 70 000 Quadratmeter Stoff, der je nach Lichteinfall in strahlendem Gelb oder warmem Orange schillern soll. Die Eröffnung ist im Juni 2016.
Foto: APGenuss: Vom Walpenis zum besten Restaurant der Welt
Er hat es schon einmal getan. Der Däne René Redzepi, angesagtester Koch der Welt, packte sein Team, Rezepte und Ideen ein und zog damit von Kopenhagen nach Tokio. Ein riesiger logistischer Aufwand – für zwei Monate. Jetzt wiederholt er das Brimborium: Im Januar zieht das Noma erneut um. Nach Australien. In der Zwischenzeit wird die dänische Heimat das Noma – Abkürzung für nordisches Essen – vermissen. Mittlerweile sagt jeder dritte Tourist, er komme aufgrund der Gastronomie. Und meint damit das Noma. Mit regionalen, oft abenteuerlichen Zutaten und sehr viel weniger Tamtam als die Kollegen aus Frankreich mauserte sich Redzepis Küche zum Gourmettrend der vergangenen Jahre. Auch er selbst ist zum Star geworden. Haben sie das Menü hinter sich, fragen seine Gäste nach Autogrammen. Im Juli erscheint eine Dokumentation über ihn. „Noma – My Perfect Storm“ erzählt die Geschichte seines Restaurants, dass von Kollegen zunächst als „Walpenis“ verspottet – und schließlich viermal zum besten der Welt gewählt wurde.
Foto: APTheater: Düstere Fiktion trifft auf düstere Realität
Am 7. Januar 2015 erschien der neue Roman des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. „Unterwerfung“ handelt vom Verenden der französischen Kultur durch die Islamisierung des Landes. Ebenfalls am 7. Januar 2015 stürmten zwei Männer die Redaktionsräume des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und töteten elf Menschen. Das eine noch düstere Fiktion, das andere schon düstere Realität. Viele attestierten Houellebecq hellseherische Kräfte. Im Februar bringt das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg den Stoff auf die Bühne.
Foto: dpaBuch: Als Pilot fliegt es sich immer noch am meisten
Zuerst wird er Unternehmensberater, allerdings aus einem kuriosen Grund: Er will viel Zeit im Flugzeug verbringen, und das trifft auf Berater tendenziell zu. Doch dann bemerkt Mark Vanhoenacker seinen Fehler. Gibt es doch schließlich einen Beruf, der noch mehr Zeit in der Luft verspricht. Also schult er auf Pilot um, heute fliegt er Mittel- und Langstrecke, bevorzugt die Boeing 747. Und schreibt nebenher. Für die „New York Times“ oder die „Financial Times“ – und nun auch sein erstes Buch. Das Thema? Natürlich, es handelt vom Fliegen. Um genau zu sein: von der unglaublichen Faszination des Fliegens. Die Rezensenten des englischen Buchs äußerten sich nach der Lektüre euphorisch. „Himmelhoch“ erscheint am 1. Februar im Hanser Verlag.
Foto: PRSerie: Neue Folgen aus dem Kartenhaus
Macht und Sex, Intrigen und Verbrechen. Dazu der ebenso skrupellose wie charismatische Hauptdarsteller Frank Underwood, gespielt vom Oscar-Preisträger Kevin Spacey, und seine nicht minder machtgierige Frau Claire, dargestellt von Robin Wright. Die vom Streamingdienst Netflix produzierte Serie „House of Cards“ vereint gleich mehrere Erfolgszutaten auf einmal. Kein Wunder, dass sie nun in die Verlängerung geht. Im März erscheint die vierte Staffel und liefert den Fans hoffentlich Antworten auf drängende Fragen: Bleibt Underwood Präsident? Und verlässt Claire ihren Mann?
Foto: REUTERSAusstellung: Premiere einer ehrgeizigen Sammlerin
Als aus Gabriele Hünermann die Frau des Firmenerbes Konrad Henkel wurde, dachte sie nicht daran, von nun an ein trostloses Leben als Milliardärsgattin zu führen. Die ehrgeizige Journalistin entwickelte sich zu einer ebenso ehrgeizigen Kunstmäzenin, die für den Konsumgüterkonzern ihres Mannes über viele Jahre eine stattliche Kunstsammlung aufbaute. Ausgewählte Stücke werden im kommenden Jahr erstmals öffentlich gezeigt – natürlich in Düsseldorf, Sitz der Henkel-Zentrale. Schwerpunkt wird die amerikanische Malerei der Nachkriegsjahre sein, mit Werken von Frank Stella und Ellsworth Kelly. Vom 9. April bis zum 14. August in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.
Foto: APTheater: Not too big to play Theater
Es ist die wahre Geschichte eines beispiellosen Absturzes. Drei Brüder gründen 1850 eine Bank, die über 100 Jahre später zum Synonym für gierige Banker, Betrug und Größenwahn werden soll. Der italienische Autor und Theaterregisseur Stefano Massini hat die Geschichte der Gründer von Lehman Brothers verarbeitet: „Aufstieg und Fall einer Dynastie“. Uraufgeführt wurde das Stück bereits 2013 in Paris, 2016 feiert es in mehreren deutschen Städten Premiere: zum Beispiel am 18. März in Köln, am 14. Mai in Hannover und Ende Juni in München.
Foto: dpaWenn Gerhard Richter einen offenen Brief schreibt, herrscht Alarmstimmung, nicht nur in der Kunstszene. Zumal wenn es sich um einen Brandbrief handelt, in dem er einer ganzen Stadt mit Liebesentzug droht. Vor ein paar Tagen hat Deutschlands berühmtester Maler in einem Schreiben an den Leverkusener Oberbürgermeister gegen die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterbreiteten Pläne zur Schließung des Museums Morsbroich protestiert, einer „hoch angesehenen Institution“, wie Richter schreibt, die auch „zwei wichtige Gemälde“, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus seiner Hand beheimate.
Die Wirtschaftsprüfer haben dem Stadtrat vorgerechnet, dass durch „die Einstellung der Ausstellungstätigkeit“ und die „Auflösung der Sammlung“ von 2019 an ein jährlicher Betrag von 778.450 Euro eingespart werden könne. Richter sprach von einem „erschreckenden Vorschlag“. Eine öffentliche Sammlung sei „keine Geldanlage, die je nach Kassenlage geplündert werden kann“. Die Pläne zur Schließung des Museums müssten vom Tisch.
Er würde sich freuen, „auch künftig noch einen guten Grund zu haben, nach Leverkusen zu fahren“. Der Künstler als selbstloser Anwalt des Museums, in dem das Erbe einer Stadt bewahrt wird, ihr Gedächtnis, ihre kulturelle Identität?
Vor einigen Monaten spuckte Richter noch ganz andere Töne. Im Streit um den Entwurf des neuen Kulturgutschutzgesetzes, das den internationalen Handel mit national bedeutsamen Kunstgütern reglementieren soll, empfahl er, dem Beispiel seines Malerkollegen Georg Baselitz zu folgen, der Leihgaben in München abhängen ließ und in Dresden und Chemnitz zurückverlangte, um sie dem Zugriff des Staates zu entziehen. „Die Bilder aus den Museen holen“, riet Richter, „schnellstens auf den Markt bringen und verkloppen.“
Seine Leverkusener Intervention wäre daher „sehr viel glaubwürdiger“, meint der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich, wenn der Künstler den Bildungsauftrag der Museen auch während der Kulturschutzdebatte gewürdigt hätte, anstatt um die Zirkulation und Verkaufserlöse seiner Bilder zu bangen. Sein offener Brief wirke „extrem opportunistisch“ – und passe überdies ins Bild einer „Siegerkunst“, die von wenigen erfolgreichen Künstlern für einen exklusiven Kreis sehr reicher Menschen produziert werde.
Sind es also letztlich die Künstler selbst, die Finanzpolitiker und Wirtschaftsprüfer auf die Idee bringen, die Millionenwerte ihrer Museen zu versilbern? Warum sollen die klammen Kommunen an Rhein und Ruhr, in Duisburg, Mönchengladbach, Leverkusen, nicht auch etwas haben von den Preisexplosionen auf dem Kunstmarkt – und ihren Richter oder Sigmar Polke diskret zur Versteigerung freigeben?
Bisher hielt die Erbin der WestLB ihre Kunstschätze vor der der Öffentlichkeit geheim. Nach einem Bericht der Rheinischen Post wird jetzt erstmals der gesamte Umfang der Kunstwerke im Portigon-Besitz bekannt – insgesamt rund 400 Werke. Ihr Gesamtwert wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Zur Sammlung gehören etwa Werke der klassischen Moderne wie etwa ein „Gartenbild“ von August Macke.
Foto: Creative CommonsIm November versteigerte das Land Nordrhein-Westfalen in New York zwei Warhol-Gemälde aus Beständen der Westspiel-Gruppe für über 120 Millionen Euro und musste dafür Kritik einstecken. Auch der Portigon-Sammlung könnte eine Privatisierung bevorstehen, bisher ist unklar, was mit ihr geschieht.
Foto: APLaut einer bislang geheim gehaltenen Inventarliste des Finanzministeriums NRW sind neben August Mackes „Der Macke'sche Garten“ auch Werke wie Joseph Beuys „Selbstporträt“ und „Rechtecke versetzt“, Max Bills „Felder aus acht Farbgruppen“ und „Stab“ oder Sigmar Polkes „Widder im Vollmond“ eins bis vier Teil der Portigon-Kunstsammlung. Zu den Werken der klassischen Moderne in der Portigon-Sammlung gehören auch eine Ansicht Konstantinopels von Paul Signac (Bild) und das „Rote Haus“ von Gabriele Münter. Die Portigon-Rechtsvorgängerin WestLB hatte die Werke in den Sechziger und Siebziger Jahren erstanden.
Foto: Creative CommonsWie RP Online herausfand, ist auch die „Frau im Profil“ von Emil Nolde Teil der Portigon-Sammlung, ebenso „Zwei Mädchen“ von Hans-Peter Feldmann, das „Working Model for Stone Memorial 1961“ von Henry Moore, Robert Rauschenbergs „One more and we will be halfway there„ und „6 Anordnungen von Farben“ von Gerhard Richter. Auch der hoch gehandelte Fotokünstler Wolfgang Tillmans steht auf der Inventarliste, ebenso Künstler der Düsseldorfer Fotoschule wie Thomas Struth oder Candida Höfer. Auch einige Stierlithographien aus der berühmten Serie von Pablo Picasso (wie hier aus einer anderen Sammlung) gehören der Portigon.
Foto: dpa Picture-AllianceZur selben Zeit erstand die damalige WestLB auch eine Gruppe von abstrakten und konstruktivistischen Kunstwerken, darunter Arbeiten von Max Bill. Der Künstler ist etwa für die Dreiergruppe aus Bildsäulen (Bild) vor dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart verantwortlich. Portigon besitzt zudem Arbeiten von Morris Louis, Victor Vasarelys, Reliefs von Jan Schoonhoven, und Plastiken von Nicolas Schoeffer.
Foto: Creative CommonsEin großer Teil der Portigon-Sammlung besteht aus zeitgenössischer Kunst von 1960 bis heute, darunter sind Werke von Nachwuchskünstlern der Düsseldorfer Kunstakademie. Angesehene deutsche Künstler wie Joseph Beuys (Bild) sind vertreten, ebenso wie Imi Knoebel, Gotthard Graubner, die Zerokünstler Uecker, Piene, Mack und Luther, Isa Genzken, Hans Peter Feldmann und Katharina Grosse.
Foto: dpaEinen vierten Schwerpunkt der Kunstsammlung macht die zeitgenössische Fotokunst aus, sie ist ebenfalls eng mit der Düsseldorfer Kunstakademie verknüpft. Die international geschätzten Fotokünstler Bernd und Hilla Becher haben mehrere Generationen junger Nachwuchskünstler unterrichtet. Hier sieht man die Professoren im Museum K21 in Düsseldorf.
Foto: dpa-dpawebWerke der zeitgenössischen Fotografie aus der Portigon-Kunstsammlung stammen etwa von Candida Höfer (Foto), Thomas Struth, Jörg Sasse, Jitka Hanzlová oder Elger Esser.
Foto: dpa Picture-AllianceNeben Kunst gehört auch klassische Musik zur Sammlung der Portigon: So sind mehrere wertvolle Stradivari-Violinen im Besitz der Bank, ebenso wie ein Violoncello von Joseph Rocca. Die Instrumente befinden sich jedoch im Sinne der Hochbegabtenförderung derzeit in den Händen junger Künstler: Suyoen Kim darf die Stradivari „ExCroall“ von 1684 spielen, Lena Wignjosaputro das Rocca-Violoncello von 1860.
Foto: dpa Picture-AllianceAuch ein bekannter Violinist profitiert von der Portigon-Sammlung: Die wertvolle Violine „Lady Inchiquin“, von Antonio Stradivari 1711 in Cremona gefertigt, gehört seit 2002 zur Sammlung – seither spielt Violinist Frank Peter Zimmermann (Bild) das edle Instrument, auch Geiger und Komponist Fritz Kreisler spielte schon auf der „Lady Inchiquin“.
Foto: dpa Picture-Alliance
„Weil wir es uns nicht leisten können, kulturpolitisch abzudanken“, sagen Hans Wilhelm Reiners, Gert Fischer und Susanne Titz, der Oberbürgermeister von Mönchengladbach, der Kulturdezernent und die Direktorin des Museums Abteiberg. Die drei sind sich herzlich einig in fast allem, was sie sagen: Eine Schließung des überregional bekannten Hauses für zeitgenössische Kunst – das sei undenkbar, das käme einem Offenbarungseid gleich, das wäre eine Kapitulation.
Das 1982 eröffnete Haus, ein mit dem Pritzker-Preis dekoriertes Hauptwerk des Architekten Hans Hollein, in dem vorzügliche Arbeiten von Richter, Polke, Warhol, Beuys, Kippenberger und natürlich von den Lokalmatadoren Heinz Mack und Gregor Schneider zu sehen sind, ist neben dem Fußballbundesligisten Borussia die einzige überregionale Marke der Stadt – wenn auch nur für einen kleinen Kreis von Kunstinteressierten.
„Ohne das Museum könnten wir nicht mal mehr versuchen, für Großstadtmenschen mit guter Ausbildung und etwas dickerem Portemonnaie attraktiv zu bleiben“, sagen Reiners-Fischer-Titz und: „Wir weigern uns, in einer Welt zu leben, in der die öffentliche Hand nur noch die elementarsten Grundbedürfnisse ihrer Bürger, ihr Essen, Trinken, Wohnen organisiert.“
Künstlerkult à la Loriot. Sigmar Polke (hinten) und Gerhard Richter (im Jahr 1966), die Stars der Morsbroicher Ausstellung "Schöne Bescherung".
Foto: dpa
Was aber bedeutet es, in Zahlen ausgedrückt, wenn eine arme Mittelstadt sich den letzten Rest ihrer (Bildungs-)Bürgerlichkeit zu erhalten versucht? Mönchengladbach hat eine Milliarde Euro Schulden. Der Haushalt umfasst 900 Millionen. Fast die Hälfte davon verschlingt der Sozialetat: Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Asylbewerber ... – jeder sechste Mönchengladbacher ist Leistungsempfänger.
Für die Kultur hingegen, für das Surplus, das eine Stadt als Stadt erst lebenswert macht, erübrigt Mönchengladbach gerade mal 22 Millionen Euro – knapp 15 Millionen für das Orchester und den mit Krefeld geteilten Theaterbetrieb, rund 2,3 Millionen für das Museum. „Wir schämen uns für unseren Kulturetat“, sagen Reiners-Fischer-Titz. Die jährlichen Zuschüsse für Ausstellungen liegen seit drei Jahrzehnten bei immer gleichen 53.900 Euro (100.000 Mark). Und mit dem immer gleichen Ankaufsetat (25.000 Euro) kann Susanne Titz heute kaum mehr als fünf Quadratzentimeter einer frisch bemalten Richter-Leinwand erwerben.
Längst ist der Abteiberg, vor zehn Jahren für fünf Millionen Euro saniert, das Musterbeispiel eines Kunstmuseums, das teuer gebaut und billig betrieben wird. Künstlerisch über dem Schnitt kann Titz ihr Institut allein mit Co-Finanzierungen, Zuschüssen, Schenkungen halten.
Die Gründe für die Malaise der regionalen Kunstmuseen sind so zahlreich wie widersprüchlich. Da ist zum einen die übermächtige Konkurrenz der Metropolen, die ihre Museen in Erlebnisparcours für Stadttouristen umgewidmet haben und mit aufgeplusterten Blockbuster-Ausstellungen den schnellen Kulturkonsumhunger der Massen stillen: In die Londoner Tate Modern pilgern in zweieinhalb Tagen so viele Besucher (50.000) wie jährlich nach Mönchengladbach und Leverkusen zusammen.
Da sind zum anderen die Künstler, für die das Museum keine Letztinstanz mehr ist, keine Institution, die die Qualität der ausgestellten Kunst beglaubigt: Für die meisten Maler und Bildhauer ist der Erfolg in Topgalerien, auf Messen und Auktionen längst wichtiger als ein Ehrenplatz im Museum: Ihr Ruhm bemisst sich an steigenden Faktorpreisen und medialer Aufmerksamkeit, nicht an der Präsenz in einer öffentlichen Sammlung.
Und da sind schließlich drittens die Kunstmuseen selbst, die paradoxerweise unter zu viel Homogenität und Beliebigkeit zugleich leiden: Sie stellen einerseits das Leichtgängig-Stiltypische aus, um überhaupt Besucher anzuziehen – und ächzen andererseits unter der schieren Masse einer richtungslos gewordenen Kunstproduktion. In den Depots stapeln sich 95 bis 99 Prozent der Bestände, schätzt der Kunsthistoriker Walter Grasskamp – so manches Meisterwerk und auch so manches, was zu Recht vergessen ist.
Die Frage, ob auch Leverkusen – neben Köln, Düsseldorf, Duisburg, Mönchengladbach – ein paar Leinwände von Gerhard Richter sein Eigen nennen muss, liegt daher nahe. Zuletzt warnte Christiane Lange die Museen vor „ständigem Wachstum“. Die Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart schlug vor, kleinere Sammlungen zusammenzulegen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu bündeln.
Ihr Argument: Parallel zur Inflation der Museen – seit 1990 sind mehr als 700 neu gegründet worden – stünden viele von ihnen heute zur Disposition. Überraschend ist daher vor allem, dass es bisher noch nicht zu spektakulären Schließungen gekommen ist. Vielleicht, weil die Respektreste vor den klassischen Aufgaben des Museums zu groß sind?
Museum of Medieval Torture Instruments, Damrak 33, 1012 LK Amsterdam
Das niederländische Kulturzentrum Amsterdam bietet mit Häusern wie dem Van Gogh Museum oder dem Rijksmuseum nicht nur einige der besten Ausstellungshallen für die höhen Instinkte, sondern einiges für die weniger hohen. Neben Dingen, die dem lebensfrohen Image Amsterdams entsprechen wie Cannabisprodukten (Hash Museum) oder gleich zweien zum Thema Sex zählt das Foltermuseum zu den Touristenmagneten.
Von Guillotine und dem Judas Thron bis zu weniger bekannten Dingen wie der Heretiker-Gabel, alle Arten menschlichen Erfindergeistes in Sachen Sadismus fein systematisch aufgeteilt in Instrument zu Ganz-Körper-Folter, sowie Unterleib und Oberkörper. Dargestellt mit Hifle lebensechter Wachspuppen.
Foto: Ctny (Clayton Tang)
Foto: Creative CommonsCol·lecció de Carrosses Fúnebres, CArrer de la Mare de Déu de Port, 56-58, 08038 Barcelona
Warum ausgerechnet eine der lebensfrohesten Städte Europas die größte Schau von Leichenwagen hat, wird wohl eher ein Geheimnis der Katalanen bleiben. Freunde des Pomp auf der letzten Reise finden die Kutschen und Fahrzeuge vom späten 18. bis zu Mitte des vergangenen Jahrhunderts, viele davon mit stilecht in Uniformen und Perücken angetanen Puppen.
Foto: Anoryat
Foto: Creative CommonsInternational UFO Museum and Research Center, 114 North Main Street, Roswell, New Mexico 88203, USA
Es ist kein Ort für rationale Skeptiker: das Ufo Museum & Research Center dokumentiert akribisch alles rund um den Absturz eines Flugobjekts im Juli 1947 beim geheimen Flugplatz der Area 51 in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico.
Für die einen war es ein Ufo mit Außerirdischen, für die zuerst unsicheren Behörden ein Wetterballon, der da niederging. Das Ganze geschah nahe der Straße Richtung Corona - Verbindungen zum im Süden der USA sehr beliebten mexikanischen Bier des gleichen Namens sind sicher zufällig. Und wer die grünen Männchen mit den großen Augen im Trockeneis-Nebel oder die nachgestellte Alien-Autopsie nicht recht ernst nehmen kann, findet im Museumsladen immerhin eine Auswahl an Souveniers, die nicht so recht von dieser Welt ist. Dieser Tage sehr beliebt: außerirdischer Christbaumschmuck.
Foto: Sand
Foto: GemeinfreiMeguro Parasitological Museum, 4-1-1, Shimomeguro, Meguro-ku, Tokyo 153-0064, Japan
Japan vereint problemlos minimalistische Ästetik, hohe Sinnenfreuden und mit höchstem Ernst präsentierte Merkwürdigkeiten. Tokio-Besucher können entsprechend mit dem Grutt Pass für 60 Museen im Edo-Tokyo das Stadtleben früherer Jahrhunderte bestaunen, das kulturgeschichtliche Tokyo National Museum besuchen oder im obersten Stock des Mori Towers in Rappongi Hills Penthouse die Sammlung Moderner Kunst des Mori Museum bewundern.
Es geht aber auch skurril bis unappetitlich: Da wäre zum Beispiel das Surigami Animation für selbst erstellte Comics, das (leider nicht im Grutt Pass enthaltene) Cupnoodles Museum zur Geschichte der Instant-Ramen-Nudel-Becher und natürlich das Parasiten Museum. Die streng wissenschaftliche Schau bietet Hartgesottenen einen tiefen Blick in die „wunderbare Welt“ (Museumswerbung) von Würmern, Maden und anderen Bewohnern lebendiger Wesen.
Foto: CLARK/obsMuseum of Broken Relationships, Ćirilometodska ulica 2, 10000, Zagreb, Kroatien
Auch wenn die Internetadresse Brokenships.com eher auf Schiffunfälle deutet, am Ende geht es um Liebeskummer in allen Varianten und um die wohl größte Herausforderung: etwas darstellen, was nicht mehr da ist. Das Museum der zerbrochenen Beziehungen im kroatischen Zagreb versucht dies anhand von Gegenständen mit besonderem Erinnerungswert wie Kuschelbären, Gedichten und Dingen wie Nasensprays.
Das brachte dem Museum nicht nur jede Menge Auszeichnungen wie „Innovativstes Museum 2011“, sondern auch jede Menge Einladungen zu Gastausstellungen vom amerikanischen San Francisco über Berlin und Kapstadt, Südafrika, bis in die taiwanesische Hauptstadt Taiwan. Mitgereist sind die passenden Dinge des Geschenkeladens wie Bad Memory Eraser (Radiergummi für schlechte Erinnerungen) oder dem Anti-Stress-Stift mit Sollbruchstelle in der Mitte.
Foto: WirtschaftsWocheThe Museum of Witchcraft, The Harbour, Boscastle, Cornwall PL35 0HD, Vereinigtes Königreich
Die Liebe für das Mittelalter und alles Fantastische zeigt sich in der britischen Provinz nicht nur in Kult um Harry Potter oder dieser Tage besonders um J.R.R. Tolkien mit dem seiner Saga um den Hobbit und den Herrn der Ringe. Liebevoll pflegen sie auch viele kleine Museen. Das beliebteste ist das Museum of Witchcraft in Cornwall im Südwesten Englands, auch weil das Haus dank einem eigenen Twitter-Accopunt (@witchmuseum) recht zeitgemäß auftritt.
Und doch wäre aus der Sammlung rund um Zauberei und Okkultismus fast nichts geworden, weil beim ersten Versuch der Gründung 1947 in Stratford-upon-Avon der Widerstand der Bürger der Shakespeare-Stadt zu groß war. So startete der zweite Versuch in der irischen See auf der Isle of Man, stilecht mit einer „Resident Witch“. Weil dem Gründer Cecil Williamson da zu wenig los war, zog er – nach drei von Anwohnern vereitelten Gründungsversuchen in den USA, Windsor und Gloucestershire – ins offenere Cornwall.
Fragt sich nur, wie lange noch. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren Museen vor allem fürs Sammeln, Bewahren und Forschen zuständig; die Ausstellung der Bestände war zweitrangig. Das änderte sich Anfang der Siebzigerjahre mit der Losung „Kultur für alle“, eine gut sozialdemokratisch gemeinte Forderung mit Folgen: Seither zählt nicht mehr die Erschließung und kritische Sichtung von Kunstwerken, sondern ihre publikumswirksame Präsentation.
Das Bildungsmotiv, so Grasskamp, wurde „durch die Sozialmathematik der Quote ersetzt“ – und das „ursprünglich angepeilte Ziel einer breiten Teilhabe an der Kultur verflachte zur rein numerischen Messbarkeit ihrer Effizienz“. Eine Entwicklung, die weder rückgängig zu machen noch aufzuhalten ist, so Grasskamp, weil das Bildungsbürgertum, das einst dem Kunstmuseum seine historische Bedeutung verleihen konnte, „kulturpolitisch in keiner der konkurrierenden Parteien mehr tonangebend“ ist.
Schon gar nicht in Leverkusen, wo man ein Richter-Gemälde als Recheneinheit versteht, wo das Schloss Morsbroich ein Instrument des Stadtmarketings ist und ein Museum bestenfalls sozialinklusive Zwecke zu verfolgen hat. Es ist bezeichnend, dass das Museum Morsbroich von einem Leverkusener Ratsherrn als „elitärer Schuppen“ verunglimpft wurde, als „Luxusgut, das sich eine kleine Klasse dieser Stadt erhält“.
Das Thema Bildung sei „eigentlich durch“, der „point of no return“ längst erreicht, sagt Wolfgang Ullrich – und die angedrohte Schließung eines Museums paradoxerweise die „letzte Konsequenz“ der Formel „Kultur für alle“. Letztere werde heute von niemandem mehr in Zweifel gezogen. Die Folge sei eine Art von Klassenkampf, der sich vor allem in Nordrhein-Westfalen beobachten lässt: Das Museum solle den Resten des Bildungsbürgertums entrissen werden, um es für soziale Randgruppen zu öffnen. In einer Zeit, da die Künstler allenthalben nach dem Markterfolg schielen, so das Argument, ist es für die Museen nur billig, dass sie am Publikumsmarkt reüssieren.
Neues Verhältnis zum Besucher
Das bedeutet durchaus eine Aufwertung der Museen. Ullrich beobachtet das „gewandelte Selbstverständnis der Museen“ an der Karriere des Begriffs der Kunstvermittlung. Dass sie Werke berühmter Künstler wie Koons oder Gursky aus ihrem Ankaufsetats nicht bestreiten können, kompensieren die Museen durch Workshops, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene, auch Alzheimer-Kranke dazu motivieren sollen, in der Begegnung mit den Kunstwerken der großen Kreativen die eigene Kreativität zu entdecken.
Der Besucher wird nicht „von oben herab“ kunsthistorisch belehrt, sondern zur inspirierenden Mitarbeit eingeladen. Kurz, Beuys hat gesiegt, jeder ist im Museum kreativ, darf sich, neben den Genies, als „gleichberechtigter Künstler erfahren“. Wollte man in Leverkusen mit der Zeit gehen, könnte man hier ansetzen und das Museum Morsbroich zur „Kreativitätsagentur“ ausbauen, die „Hebammenarbeit“ leistet bei der Umgestaltung des Rezipienten zum „aktiven Kreativen“.
Maulkorb für die Museumschefs
Das Problem ist, dass sie in Leverkusen nicht mal mehr eine bildungsbürgerlich entkernte Museumskultur als einen Wert begreifen, sondern nur noch als haushalterischen Ballast. Wen wundert’s? Wer die Argumente für die Relevanz von Hochkultur verlernt, die Schwellen bis zur Selbstverleugnung senkt und sich auf das Spielfeld der betriebswirtschaftlichen Logik zwingen lässt, darf sich am Ende nicht wundern, wenn er den Insolvenzrichtern von KPMG vorgeführt wird.
Roswitha Arnold, Vorsitzende des Kulturausschusses in Leverkusen, erreicht viele ihrer Ratskollegen nicht mal mehr mit dem Selbstverständlichsten: dass der Haushalt nicht wegen der Kultur in Schieflage geraten ist und daher auch nicht auf Kosten der Kultur saniert werden kann. Dass die Schließung des Museums die Stadt noch ärmer machen würde. Dass ausgerechnet die Spitzenwerke einer Sammlung nicht verhökert gehören, weil ihre Präsentation (und die Einnahmen aus dem Leihgabensystem) die Bilanz verbessern. Leverkusen hat die Kultur 2002 in einen Eigenbetrieb ausgegliedert und ihr eine Million (von 9,3 Millionen) gestrichen. Leverkusen verschönert seit 2011 den Stadtteil Opladen – und erspart der Kultur eine weitere Million. Leverkusen strebt einen ausgeglichenen Haushalt bis 2018 an – und droht der Kultur mit einem Minus von weiteren 1,4 Millionen und der Schließung des Museums nun endgültig den Garaus zu machen.
Die Museumsleitung darf zu alledem nichts sagen, hat von den Stadtoberen einen Maulkorb verpasst bekommen. Und doch gelingt ihr nächsten Sonntag ein denkbar passender Kommentar: eine neue Ausstellung – mit Werken von Richter und Polke. Ihr Titel: „Schöne Bescherung“.