Voelkel: Das Erfolgsgeheimnis des Biosaft-Herstellers
Erben: Biosafthersteller Voelkel brachte die Firma in eine Stiftung ein.
Foto: Arne Weychardt für WirtschaftsWocheAn diesem Vormittag gibt es Streit. Boris Voelkel will 20 Tonnen Mirabellen kaufen, weil der Bauer sonst auf den Früchten sitzen bleibt. Sein Bruder Jacob möchte nur zehn Tonnen kaufen – so viele, wie die Firma tatsächlich benötigt. Boris leitet den Einkauf, Jacob die Produktion. Zwei der vier Brüder, die Deutschlands größten Biosafthersteller eines Tages übernehmen sollen. Wenn das mal gut geht.
Streit unter Firmenlenkern ist so eine Sache: Reibereien können das Unternehmen ins Schlingern bringen oder lähmen. Sie können aber auch Energie und Fortschritt erzeugen. Bei den Voelkel-Brüdern scheint Letzteres der Fall zu sein. Die angehenden Unternehmenserben haben ein Modell gefunden, aus ihren Unterschieden Energie zu ziehen und der Mission der Gründer treu zu bleiben.
Margret und Karl Voelkel, die Urgroßeltern der vier, wollten den Bauern im Wendland helfen, ihre Äpfel loszuwerden. Deshalb fuhren sie mit einer Saftpresse von Dorf zu Dorf. 1936 war das, und im 700-Einwohner-Dörfchen Höhbeck ging man nicht davon aus, dass die ortsansässige Safterei ein bundesweit bekanntes Unternehmen werden würde; dass bio nicht nur ein Kennzeichen bestimmter Produkte sein, sondern auch für einen Lebensstil stehen würde. Und dass die Kunden ein feines Gespür haben für jene Unternehmen, die diesen Stil nur imitieren, und jenen, die ihn tatsächlich leben.
Rang 20: Liebherr International
Branche: Nutzfahrzeuge
Umsatz 2015: 9,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 41.500
Über die Dachgesellschaft kontrolliert die Familie Liebherr das Firmenimperium, das unter anderem Baufahrzeuge, Kräne, Verkehrstechnik, Hausgeräte und Hotels umfasst.
Quelle: FAZ, Unternehmen
Foto: dpaRang 19: Maxingvest
Branche: Nahrung und Genuss
Umsatz 2015: 10,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 30.000
Unter dem Dach der Maxingvest sind der Kaffeehändler Tchibo und der Nivea-Hersteller Beiersdorf vereint. Kontrolliert wird die Holding von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz.
Foto: APRang 18: Würth
Branche: Befestigungstechnik
Umsatz 2015: 11,0 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 69.000
Als Schraubenkonzern ist Würth vielen bekannt. Dabei hat sich der Konzern unter Reinhold Würth, Sohn des Firmengründers Adolf Würth, zu einem weltweiten Großhandel mit Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt. Sitz des Unternehmens ist Künzelsau bei Stuttgart.
Foto: dapdRang 17: Marquard & Bahls
Branche: Mineralölhandel
Umsatz 2015: 11,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 8.700
Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung – aber auch die erneuerbaren Energien. Sitz des Familienunternehmens ist in Hamburg.
Foto: dpa/dpawebRang 16: Mahle
Branche: Autozulieferer
Umsatz: 11,5 Milliarden Euro
Beschäftigte: 75.600
Der Autozulieferer aus Stuttgart blickt auf eine fast 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und zählt heute zu den größten Firmen der Branche. Der Konzern ist zu 99,9 Prozent im Besitz der Mahle-Familienstiftung.
Foto: dpaRang 15: Otto
Branche: Handel
Umsatz 2015: 12,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.600
Hinter Amazon ist Otto einer der größten Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass die diversen Web-Shops in den vergangenen Jahr stark gewachsen sind.
Foto: dpaRang 14: Oetker-Gruppe
Branche: Mischkonzern
Umsatz 2015: 12,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 30.800
Zur Oetker-Gruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker ist unter anderem in den Bereichen Lebensmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier (Radeberger), Sekt und Wein (Henkell), Schifffahrt (Hamburg Süd) und dem Bankwesen (Bankhaus Lampe) tätig.
Foto: dpaRang 13: Merck KGaA
Branche: Pharma
Umsatz 2015: 12,8 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.600
Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern gab sich zuletzt ein neues, frisches Logo. Doch die Geschichte des Unternehmens geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auch auf die Familie Merck zurückzuführen ist das amerikanische Unternehmen Merck & Co.
Foto: PRRang 12: Schaeffler
Branche: Wälzlager
Umsatz 2015: 13,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 84.200
Im September 2015 brachte Maria-Elisabeth Schaeffler (Bild), die Witwe des Unternehmensgründers, die Schaeffler AG in Teilen an die Börse. Die Stimmrechte liegen allerdings weiterhin bei Schaeffler und ihrem Sohn Georg Schaeffler. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Konzern durch die Übernahme des Autozulieferers Continental.
Foto: REUTERSRang 11: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharma
Umsatz 2015: 14,8 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 47.500
Boehringer Ingelheim ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes forschendes Pharmaunternehmen. Weltweit ist es das größte, das sich noch vollständig in Familienbesitz befindet. Sitz ist in Ingelheim am Rhein.
Foto: dpaRang 10: Bertelsmann
Branche: Medien
Umsatz 2015: 17,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 117.200
Die Bertelsmann AG gehört zu den weltweit größten Medienkonzernen. Zum Unternehmen gehören unter anderem die RTL Group sowie der Gruner + Jahr-Verlag. Bertelsmann wird kontrolliert von der Bertelsmann-Stiftung und der Familie Mohn. Bei der Matriarchin Liz Mohn (Bild) laufen alle Fäden zusammen.
Foto: dpaRang 9: Henkel
Branche: Konsumgüter
Umsatz 2015: 18,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.500
Der Dax-Konzern aus Düsseldorf gehört zu den am stärksten international ausgerichteten Unternehmen in Deutschland. Henkel stellt unter anderem Pritt und Persil her. Bekanntestes Mitglied der Familie Henkel ist die Aufsichtsratschefin und Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel Simone Bagel-Trah.
Foto: dapdRang 8: Phoenix
Branche: Pharmagroßhandel
Umsatz 2015: 23,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 47.100
Die Phoenix Group ist einer der größten Pharmahändler Europas. Das Mannheimer Unternehmen gehört zur Gruppe des verstorbenen Adolf Merckle.
Foto: dpaRang 7: Fresenius
Branche: Gesundheit
Umsatz 2015: 27,6 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 222.300
Das Unternehmen ist unter anderem einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands und Mehrheitseigner beim Dialysespezialisten Fresenius Medical Care.
Foto: REUTERSRang 6: Metro
Branche: Handel
Umsatz 2015: 59.2 Milliarden Euro
Beschäftige 2015: 223.500
Die in Düsseldorf ansässige Metro-Gruppe ist eines des größten Handelsunternehmen der Welt. Die Familien Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim besitzen knapp die Hälfte der Aktien.
Foto: dpaRang 5: Bosch
Branche: Technologie
Umsatz 2015: 70,6 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 374.800
Was als Autozulieferer begann, wuchs zu einem weltweiten Technologie- und Werkzeugkonzern heran. Die Robert Bosch Stiftung besitzt die meisten Anteile am Unternehmen, über eine Kommanditgesellschaft hat die Familie Bosch großen Einfluss.
Foto: dpaRang 4: Aldi-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2015: 76 Milliarden Euro
Beschäftigte 2014: 300.000
Der Lebensmittelhändler konnte mit der Kombination aus Qualität und Discount seine Kundschaft immer wieder erweitern. Der „Nordteil“ von Albrecht-Bruder Theo (verstorben 2010) ist der deutlich kleinere. Der wesentliche größere Teil ist der „Südteil“ von Karl Albrecht (verstorben 2014).
Foto: dpaRang 3: Schwarz-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2015: 85,7 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 375.000
Zur Schwarz Beteiligungs GmbH gehören unter anderem Lidl und Kaufland. Die Gruppe ist Europas größter Handelskonzern.
Foto: APRang 2: BMW
Branche: Automobil
Umsatz 2015: 92,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 122.200
Größter Anteilseigner des Münchener Premiumautobauers ist die Familie Quandt. Bekanntestes Familienmitglied ist Susanne Klatten (geborene Quandt, rechts im Bild). Neben ihr stehen ihre Mutter Johanna Quandt sowie ihr Bruder Stefan Quandt.
Foto: APRang 1: Volkswagen
Branche: Automobil
Umsatz 2015: 213,3 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 610.100
Der Wolfsburger Autobauer ist europaweit der größte seiner Art. Seit September 2015 setzt Volkswagen der Abgasskandal zu. Größte Anteilseigner sind die Familien Piëch und Porsche.
Foto: dpaVoelkel schaffte es über die Jahrzehnte, alle Konkurrenten hinter sich zu lassen. Der Familienbetrieb macht etwa 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Nun gilt es, dieses Unternehmen in die nächste Generation zu überführen und ein paar Widersprüche zwischen den Erben aufzulösen: Soll man idealistisch oder pragmatisch sein? Prinzipientreu oder effizient? Und welche Unternehmensform hilft bei der Antwort auf diese Fragen?
Obstanbau nach Mondphasen
Jacob Voelkel trinkt gerne Espresso. Auf seinem großen Schreibtisch steht ein Macbook Air, seine blonden Haare sind gegelt. Er sagt Sätze, die auch Manager jedes börsennotierten Konzerns sagen würden: „Die Implementierung moderner Managementsysteme war wichtig für uns.“ Oder dass nun Prozesse optimiert und Produktionskapazitäten erweitert werden würden.
Sein Bruder Boris ist für den Einkauf der Früchte zuständig. In der Rohwarenhalle stehen mehrere Paletten, auf denen Kartons voller Zitronen gestapelt sind. Sie stammen aus einem Projekt in Südafrika, das den Einheimischen Arbeit und Geld bringen soll. Während sein Bruder stets von technischen Parametern spricht, steht für ihn der humanitäre Zweck von Voelkel im Mittelpunkt.
Deshalb entscheidet er sich immer für Früchte aus anthroposophischem Anbau, also angebaut nach der Lehre des Waldorf-Pädagogen Rudolf Steiner. Die Vorgaben sind deutlich strenger als bei der reinen Biozertifizierung. Die Landwirte wollen die Bodenfruchtbarkeit steigern, orientieren sich an Mondphasen oder verwenden Kräuterpräparate. Für die einen ist das High-End-Bio, für die anderen Hokuspokus. Unstrittig ist nur: Die entsprechenden Produkte sind teurer als konventionelle Ware.
Platz 15: Bender
Standort: Grünberg
Unternehmensfokus: Elektrotechnik
Umsatz 2014: 100 Mio. Euro
Innovationsscore: 163
Um Deutschlands innovativste Mittelständler zu ermitteln, wertete die Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) zunächst die Daten von 3300 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro umsetzen. Die Berater analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden und Branchenexperten sowie Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten der Unternehmen.
Nach den Experteninterviews und Erfolgsanalysen nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes errechnete die Beratung einen eigenen Innovations-Score. Dabei achteten die Berater darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuheiten auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat. Zudem flossen zu einem Drittel auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatz- und Gewinnwachstum in die Bewertung ein. „Ein innovatives Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es mehr als 25 Prozent seines Umsatzes mit Produkten macht, die erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind“, sagt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold.
Das erste Ranking dieser Art hatte MSG im vergangenen Jahr für die WirtschaftsWoche erstellt (Heft 15/2014). Anders als im Vorjahr haben es diesmal auch viele Hersteller von Konsumprodukten unter die Top 50 geschafft, so etwa Ravensburger (Spiele), Rügenwalder (Wurst) oder Soldan (Bonbons).
Der Großteil der Innovations-Champions entstammt allerdings nach wie vor der traditionellen Paradedisziplin des deutschen Mittelstands: dem Maschinenbau.
Foto: PRPlatz 14: Biotest
Standort: Dreieich
Unternehmensfokus: Bioheilmittel
Umsatz 2014: 582 Mio. Euro
Innovationsscore: 164
Platz 13: Rapunzel
Standort: Legau
Unternehmensfokus: Biolebensmittel
Umsatz 2014: 169 Mio. Euro
Innovationsscore: 166
Unternehmensgründer Joseph Wilhelm bringt jährlich etwa 20 neue Produkte auf den Markt. Die ersten Müslis des 1974 gegründeten Unternehmens mischte er noch selbst in der Badewanne. Um Kontrolle über die Herkunft der Zutaten zu haben, initiiert das Unternehmen selbst Anbaustrategien und kauft direkt vom Bauern.
Foto: PRPlatz 12: Metabo
Standort: Nürtingen
Unternehmensfokus: Elektrowerkzeuge
Umsatz 2014: 374 Mio. Euro
Innovationsscore: 167
Foto: PR
Platz 11: Brückner
Standort: Siegsdorf
Unternehmensfokus: Folienmaschinen
Umsatz 2013: 754 Mio. Euro
Innovationsscore: 171
Platz 10: Sennheiser
Standort: Wedemark
Unternehmensfokus: Mikrofone
Umsatz 2014: 635 Mio. Euro
Innovationsscore: 172
Platz 9: Rügenwalder Mühle
Standort: Bad Zwischenahn
Unternehmensfokus: Wurst
Umsatz 2014: 175 Mio. Euro
Innovationsscore: 173
Platz 8: Ravensburger
Standort: Ravensburg
Unternehmensfokus: Spiele
Umsatz 2014: 373 Mio. Euro
Innovationsscore: 175
Platz 7: Beumer
Standort: Beckum
Unternehmensfokus: Fördertechnik
Umsatz 2014: 680 Mio. Euro
Innovationsscore: 177
Platz 6: Balluff
Standort: Neuhausen a.d. Fildern
Unternehmensfokus: Sensortechnik
Umsatz 2013: 335 Mio. Euro
Innovationsscore: 178
Platz 5: Hansgrohe
Standort: Schiltach
Unternehmensfokus: Armaturen
Umsatz 2014: 874 Mio. Euro
Innovationsscore: 182
Platz 4: Rimowa
Standort: Köln
Unternehmensfokus: Koffer
Umsatz 2014: 275 Mio. Euro
Innovationsscore: 185
Platz 3: Infiana
Standort: Forchheim
Unternehmensfokus: Spezialfolien
Umsatz 2014: 200 Mio. Euro
Innovationsscore: 186
Platz 2: Kaeser Kompressoren
Standort: Coburg
Unternehmensfokus: Druckluftsysteme
Umsatz 2013: 650 Mio. Euro
Innovationsscore: 188
Platz 1: Rational
Standort: Landsberg am Lech
Unternehmensfokus: Großküchengeräte
Umsatz: 497 Mio. Euro
Innovationsscore: 192
Der dritte Bruder Jurek ist häufig der Vermittler zwischen den Fundi- und Realo-Flügeln der Familie. Er hat BWL studiert, aber gleichzeitig die Bücher von Steiner gelesen. Heute leitet er den Voelkel-Vertrieb und weiß, dass ein Unternehmen nur nach gewissen Kennzahlen funktioniert. Doch er weiß auch, wie viel ein Saft im Laden kosten muss, damit ein Obstlieferant ebenfalls davon leben kann. Genau dieser Spagat ist die Herausforderung: „Wir wollen etwas aus der großen Welt der Ideale in die Realität hinüberretten“, sagt Jurek.
Denn trotz aller Unterschiedlichkeit sind sich die Brüder in einem Punkt einig. Im Mittelpunkt steht nicht Gewinnmaximierung, sondern Fairness. Deshalb bekommen die Lieferanten deutlich mehr Geld als bei den meisten anderen. Voelkel will sie nicht auspressen, um möglichst viel Gewinn abzuschöpfen – selbst wenn das Unternehmen dadurch auf Geld und Kunden verzichtet. „Wer einen Saft für 99 Cent haben will, soll sich jemanden suchen, der seine Lieferanten mit Dumpingpreisen unter Druck setzt und den Saft aus Konzentraten und Wasser macht“, sagt Vertriebsleiter Jurek Voelkel, „dann ist er auch billig.“ Deshalb beliefert die Familie konsequent nur den Biohandel. Edeka, Rewe und andere große Ketten haben schon angefragt, doch die Voelkels lehnen weiter ab.
Voelkel-Säfte stehen in 95 Prozent aller Biogeschäfte
Aus Sicht von Experten ist das genau die richtige Entscheidung. „Wenn relativ hochpreisige Biomarken in den konventionellen Handel gehen, ist das immer ein Risiko“, sagt Achim Spiller, Professor für Lebensmittelmarketing an der Universität Göttingen.
Der Wettbewerb und damit der Preisdruck seien dort härter, gleichzeitig setzten die Fachhändler auf andere Marken, weil sie nicht mit den großen Ketten konkurrieren können. So jedoch bleiben sie der Marke treu, und das zahlt sich letztlich aus: Die Voelkel-Säfte stehen in 95 Prozent aller Biogeschäfte in Deutschland. Und dank des Biotrends haben genau diese Geschäfte mehr und mehr Kunden, die wiederum auf die Säfte des Marktführers stoßen.
An einem warmen Sommertag besucht Stefan Voelkel, Vater der vier Brüder und derzeit alleiniger Geschäftsführer, den Basic Supermarkt in München. Als er das Familienunternehmen übernahm, gab es weniger als 20 Mitarbeiter, heute sind es knapp 200. Nun ist er ein paar Tage auf Tour durch Bayern: Hände schütteln, Partnerschaft bekräftigen. Doch auch hier zeigt sich die Herausforderung des Familienbetriebs.
Beschäftigung…
Insgesamt arbeiten bei den 678 deutschen Familienunternehmen, die einen Jahresumsatz von mindestens 300 Millionen Euro erzielen, fünf Millionen und sechshundertneunundfünfzigtausend Beschäftigte – Stand Ende 2014. Das waren 191.048 Angestellte mehr als ein Jahr zuvor.
Mehr zu Deutschlands Familienunternehmen finden Sie in unserer interaktiven Tabelle.
Foto: dpaNachhaltig…
Die für Familienunternehmen typischen Attribute von Kontinuität und langfristiger Planung scheinen sich auszuzahlen: 73 Prozent der Unternehmen konnten 2014 ihren Umsatz gegenüber 2013 steigern, immerhin 63 Prozent meldeten steigende Mitarbeiterzahlen.
Foto: dpaOld Economy…
Deutschland wird seinem Ruf gerecht: Die meisten Familienunternehmen gibt es in der Industrie. 116 Firmen sind in der „Old Economy“ tätig. Es folgen die Branchen Lebensmittel (71), Handel (59) und Automobil (56).
Foto: dpaNordrhein-Westfalen…
beheimatet 197 Familienunternehmen mit mindestens 300 Millionen Euro Umsatz. Mehr gibt es in keinem anderen Bundesland.
Foto: dpaHamburg….
zählt 34 große Familienunternehmen. In keiner Stadt sind mehr angesiedelt. Mit weitem Abstand folgen Düsseldorf (16), München 15) und Stuttgart (13).
Foto: dpaAuto…
Die Automobilindustrie beschäftigt die meisten Mitarbeiter. 1,185 Millionen Menschen arbeiten bei Familienunternehmen in der Autobranche.
Foto: APDie Autobranche erzielt auch den höchsten Umsatz mit insgesamt 447 Milliarden Euro. Weit dahinter folgen der Handel (246 Millionen Euro) und die Industrie (144 Millionen Euro).
Foto: dpaDas größte Unternehmen...
Deutschlands größtes Familienunternehmen ist Volkswagen. Das von den Familien Porsche und Piëch geführte Unternehmen erwirtschaftet über 200 Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigt 610.000 Mitarbeiter, davon 278.685 in Deutschland.
Foto: dpaBörse…
72 der 678 deutschen Familienunternehmen mit einem Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro sind börsennotiert. Die Größten sind Volkswagen mit den Familien Piech und Porsche und BMW mit der Quandt-Familie.
Foto: dpaDas älteste Unternehmen..
Deutschlands ältestes Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro sind die BGH Edelstahlwerke Freital. Die Boschgotthardshütte (BGH) produziert Edelstahl und Sonderlegierungen und hat eine über 500-jährige Geschichte. Schon 1467 wurde BGH als „Hammer an der Ferndorf“ erwähnt - vor den Toren der Stadt Siegen. Heute ist die BGH Edelstahl Freital ein in der Stahl- und Montanindustrie tätiges Unternehmen mit Sitz in Freital bei Dresden und beschäftigt rund 600 Mitarbeiter.
Foto: dpaVoelkel lehnt am Stehtisch im Eingangsbereich, als zwei junge Frauen mit Kinderwagen den Biomarkt betreten. Sie gehen an die Theke der Bäckerei und lassen sich einen frischen Orangen-Möhrensaft mixen. Solche Smoothies gibt es inzwischen an jeder Ecke, selbst Kantinen, Supermärkte und Discounter bieten die mehr oder weniger frisch gepressten Säfte an. Trotzdem lächelt Stefan Voelkel. Er stelle sich dem Wettbewerb gerne, auch im Biosegment müsse man sich neue Sortimente erkämpfen und bestehende verteidigen.
Platz 20 (26): Big Dutchman
Branche: Fütterungs-/Stallanlagen
Marken-Performance*: 54,4 (46,3)
Unternehmens-Performance*: 58,5 (54,3)
Gesamt-Performance²: 112,9 (100,6)
(Investitionsgüterhersteller, in Klammern: 2013)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Über die Studie: Die Studie „Die Marken der deutschen Hidden Champions 2015“ untersucht nach 2011 und 2013 zum dritten Mal die Bedeutung der eigenen Marke für den wirtschaftlichen Erfolg, den mittelständische deutsche Firmen im Geschäft mit anderen Unternehmen haben. Berücksichtigt wurden von Eigentümern geführte Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind und maximal 1,1 Milliarden Euro umsetzen. 285 Branchenexperten wurden dazu befragt. Der Marken-Performance-Index beschreibt den Erfolg der Marke. Der Unternehmens-Performance-Index bewertet unter anderem Umsatzwachstum, Rentabilität und Innovationskraft.
Foto: PressePlatz 19 (14): Max Weishaupt
Branche: Energietechnik
Marken-Performance*: 52,6 (52,6)
Unternehmens-Performance*: 60,6 (59,0)
Gesamt-Performance²: 113,2 (111,6)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Max Weishaupt GmbH
Foto: PRPlatz 18 (17): Sennheiser
Branche: Kopfhörer
Marken-Performance*: 58,1 (55,5)
Unternehmens-Performance*: 56,6 (54,1)
Gesamt-Performance²: 114,6 (109,7)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 17 (16): Renolit
Branche: Kunststofffolien
Marken-Performance*: 55,6 (52,3)
Unternehmens-Performance*: 60,5 (58,0)
Gesamt-Performance²: 116,1 (110,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: RENOLIT SE
Foto: PressePlatz 16 (11): KWS Saat
Branche: Saatgut
Marken-Performance*: 51,1 (53,3)
Unternehmens-Performance*: 65,4 (64,9)
Gesamt-Performance²: 116,5 (118,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: KWS SAAT AG
Foto: PRPlatz 15 (15): Abeking & Rasmussen
Branche: Schiffbau
Marken-Performance*: 61,4 (54,2)
Unternehmens-Performance*: 57,9 (56,8)
Gesamt-Performance²: 119,4 (111,0)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: ScreenshotPlatz 14 (13): Mennekes
Branche: Industriesteckverbindungen
Marken-Performance*: 66,1 (64,7)
Unternehmens-Performance*: 53,3 (53,0)
Gesamt-Performance²: 119,4 (117,7)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 13 (Neu): Sick
Branche: Sensortechnik
Marken-Performance*: 45,3
Unternehmens-Performance*: 75,3
Gesamt-Performance²: 120,7
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: SICK AG
Foto: PRPlatz 12 (12): Dorma Holding
Branche: Gebäudetechnik
Marken-Performance*: 56,3 (56,3)
Unternehmens-Performance*: 65,3 (61,5)
Gesamt-Performance²: 121,6 (117,8)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Dorma Holding
Foto: PRPlatz 11 (Neu): Schunk
Branche: Greifsysteme
Marken-Performance*: 64,8
Unternehmens-Performance*: 58,3
Gesamt-Performance²: 123,1
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 10 (7): Peri
Branche: Schalungen / Gerüste
Marken-Performance*: 54,9 (58,1)
Unternehmens-Performance*: 68,2 (72)
Gesamt-Performance²: 123,1 (130,1)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 9 (8): Kaeser
Branche: Kompressoren
Marken-Performance*: 61,9 (67,5)
Unternehmens-Performance*: 63,1 (57,6)
Gesamt-Performance²:124,9 (125,2)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 8 (6): Duravit
Branche: Badausstattung
Marken-Performance*: 65,0 (67,6)
Unternehmens-Performance*: 61,9 (63,8)
Gesamt-Performance²: 126,9 (131,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: Philippe Starck
Foto: PRPlatz 7 (Neu): Haver & Boecker
Branche: Drahtweberei / Maschinenbau
Marken-Performance*: 68,7
Unternehmens-Performance*: 60,6
Gesamt-Performance²: 129,3
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 6 (5): Grimme Landmaschinenfabrik
Branche: Landmaschinen
Marken-Performance*: 66,6 (64,9)
Unternehmens-Performance*: 64,6 (67,2)
Gesamt-Performance²:131,2 (132,1)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 5 (Neu): Windmöller & Hölscher
Branche: Verpackungsmaschinen
Marken-Performance*: 72,7
Unternehmens-Performance*: 61,3
Gesamt-Performance²:134,0
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: PRPlatz 4 (Neu): Delo
Branche: Industrieklebstoffe
Marken-Performance*: 69,2
Unternehmens-Performance*: 68,6
Gesamt-Performance²: 137,7
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Bild-Quelle: ©DELO
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3 (2): Lürssen Maritime Beteiligungen
Branche: Schiffbau
Marken-Performance*: 74,7 (68,9)
Unternehmens-Performance*: 64,2 (65,6)
Gesamt-Performance²: 138,9 (134,5)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 2 (4): Otto Bock
Branche: Prothesen
Marken-Performance*: 70,7 (64,7)
Unternehmens-Performance*: 73,1 (67,6)
Gesamt-Performance²: 143,8 (132,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpaPlatz 1 (1): Herrenknecht
Branche: Tunnelbohrmaschinen
Marken-Performance*: 72,8 (72,9)
Unternehmens-Performance*: 76,6 (78,5)
Gesamt-Performance²: 149,4 (151,4)
* maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company
Foto: dpa/dpaweb
Damit das funktioniert, blubbert es in einer kleinen Küche in der Firmenzentrale ständig. In einem Topf stehen ein Gläschen Spinatpüree und drei Gläser Bananenmark. Daneben allerlei Messkolben, Thermometer, ein Einmachtopf und zwei Tabletts voll mit kleinen Gläsern. Dahinter sitzen zwei Frauen an Computern, eine der beiden trägt Nährwerte in eine Tabelle ein. Rund 15 neue Produkte bringt Voelkel jedes Jahr heraus, alle werden hier kreiert; Neuschöpfungen wie Limonade mit Möhrensaft oder ein Smoothie aus Grünkohl und Spinat. Die Erfindungen sind seit Jahrzehnten Voelkels Antwort auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck. Während sich andere Hersteller auf ein Produkt konzentrieren und es so effizient wie möglich herstellen wollen, gibt es bei Voelkel vom Aloe-Vera-Saft über Pfefferminzsirup bis Zitronensaft fast 200 verschiedene Getränke.
Eine logistische Herausforderung, die nach betriebswirtschaftlichen Parametern nicht besonders sinnvoll ist, gesteht Vertriebsleiter Jurek Voelkel.
Doch die Logik stehe eben bisweilen im Gegensatz zur Leidenschaft: „Das prallt bei uns schon manchmal aufeinander“, sagt der Junior. Allerdings liegt in dieser breiten und teilweise speziellen Produktpalette ein weiterer Erfolgsfaktor des Mittelständlers.
Kapitalistische Spielregeln - auch für Idealisten
Andere Biounternehmen sind an ihrem schnellen Wachstum und Erfolg zugrunde gegangen. Sie haben sich entweder an Konzerne verkauft – siehe Bionade an Radeberger – oder konnten nicht mithalten in einem Markt, der nach kapitalistischen Spielregeln spielt.
Als seine Firma immer stärker wuchs, war daher auch Vater Stefan Voelkel besorgt. „Ich wusste einfach nicht mehr, wie es weitergehen kann, ohne dass wir unsere Ideale gefährden“, sagt er. Mittlerweile hatte sein jüngster Sohn ebenfalls eine Ausbildung im Unternehmen angefangen. Wer sollte eines Tages die Firma übernehmen – der Idealist, der Pragmatiker, der Diplomat? Und würde damit nicht das Erfolgsrezept von Voelkel kaputtgehen, die Kombination verschiedener Herangehensweisen?
Er schilderte einem Bekannten sein Dilemma – und der brachte ihn auf eine Idee. Wie wäre es, eine Stiftung zu gründen? Hier könnte er festschreiben, was das Unternehmen tun und lassen soll. Alle Gewinne könnten in die Stiftung fließen. Und der Streit um Unternehmensnachfolge und Erbe wäre mit einem Schritt erledigt: Alle Anteile gehören der Stiftung, bei ihr sind alle Familienmitglieder angestellt. Gesagt, geplant.
„Wir Geschwister waren anfangs natürlich skeptisch“, sagt Jacob Voelkel. „Doch es hat uns letztendlich auch sehr frei gemacht.“ Niemand mache sich mehr Gedanken darüber, wer das Unternehmen eines Tages übernimmt – oder was passiert, wenn sich einer auszahlen lässt: „Wir alle arbeiten hier, weil wir das gerne tun“, sagt Jacob, „und für alle ist klar, wohin die Reise geht.“
In der Stiftung hat die Familie die Ziele definiert: Voelkel macht Saft, darf weder konventionell herstellen noch an ein anderes Unternehmen verkauft werden. So können die Brüder auch mal unterschiedliche Entscheidungen treffen, solange die grundsätzliche Ausrichtung stimmt. „Damit bleibt die Mission der Gründer bestehen: biodynamische Landwirtschaft fördern“, sagt Stefan Voelkel.
Sein Sohn Jacob kann nicht ganz verhehlen, dass er das etwas anders sieht. Ein zentraler Zweck des Unternehmens sei aus seiner Sicht, dass die Mitarbeiter ihre Familien ernähren können. Doch dann zögert er kurz und schiebt hinterher: „Auch wenn der primäre Stiftungszweck die biodynamische Landwirtschaft ist. So können wir unseren Teil dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen.“
Denn natürlich gehören bei Voelkel die gleichen Geschichten zum Repertoire wie bei den meisten Ökounternehmen: Sie bieten Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz, schenken Rhabarbersaft an Antiatomlageraktivisten im benachbarten Gorleben aus, starten Initiativen für alte Apfelsorten, der Chef fährt Fahrrad. Doch genauso gehört dazu, dass Voelkel ein Tochterunternehmen gegründet hat, um Säfte für andere Biohandelsmarken abzufüllen. Nur so werden die Maschinen in den zwölf Hallen ausgelastet.
Den Seniorchef zieht es immer wieder in die Großstadt, um Inspiration für neue Produkte zu bekommen. Deshalb kann er den Streit um die Liefermenge nicht schlichten. Doch der Laden läuft auch ohne Papa. Die beiden Brüder haben sich schnell geeinigt: auf die kleinere Menge Mirabellen – zu einem Preis über dem Marktdurchschnitt.
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