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Voelkel Das Erfolgsgeheimnis des Biosaft-Herstellers

Vier Brüder, vier Meinungen, ein Unternehmen: Biosaft-Hersteller Voelkel hat ein Modell gefunden, damit die Nachfolge auf die Erben nicht nur reibungslos funktioniert, sondern auch Energie aus den Unterschieden zieht.

Erben: Biosafthersteller Voelkel. Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

An diesem Vormittag gibt es Streit. Boris Voelkel will 20 Tonnen Mirabellen kaufen, weil der Bauer sonst auf den Früchten sitzen bleibt. Sein Bruder Jacob möchte nur zehn Tonnen kaufen – so viele, wie die Firma tatsächlich benötigt. Boris leitet den Einkauf, Jacob die Produktion. Zwei der vier Brüder, die Deutschlands größten Biosafthersteller eines Tages übernehmen sollen. Wenn das mal gut geht.

Streit unter Firmenlenkern ist so eine Sache: Reibereien können das Unternehmen ins Schlingern bringen oder lähmen. Sie können aber auch Energie und Fortschritt erzeugen. Bei den Voelkel-Brüdern scheint Letzteres der Fall zu sein. Die angehenden Unternehmenserben haben ein Modell gefunden, aus ihren Unterschieden Energie zu ziehen und der Mission der Gründer treu zu bleiben.

Margret und Karl Voelkel, die Urgroßeltern der vier, wollten den Bauern im Wendland helfen, ihre Äpfel loszuwerden. Deshalb fuhren sie mit einer Saftpresse von Dorf zu Dorf. 1936 war das, und im 700-Einwohner-Dörfchen Höhbeck ging man nicht davon aus, dass die ortsansässige Safterei ein bundesweit bekanntes Unternehmen werden würde; dass bio nicht nur ein Kennzeichen bestimmter Produkte sein, sondern auch für einen Lebensstil stehen würde. Und dass die Kunden ein feines Gespür haben für jene Unternehmen, die diesen Stil nur imitieren, und jenen, die ihn tatsächlich leben.

Welche Familien in Deutschland die Macht haben
Rang 20: Liebherr InternationalBranche: Nutzfahrzeuge Umsatz 2015: 9,2 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 41.500 Über die Dachgesellschaft kontrolliert die Familie Liebherr das Firmenimperium, das unter anderem Baufahrzeuge, Kräne, Verkehrstechnik, Hausgeräte und Hotels umfasst. Quelle: FAZ, Unternehmen Quelle: dpa
Rang 19: MaxingvestBranche: Nahrung und Genuss Umsatz 2015: 10,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 30.000 Unter dem Dach der Maxingvest sind der Kaffeehändler Tchibo und der Nivea-Hersteller Beiersdorf vereint. Kontrolliert wird die Holding von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz. Quelle: AP
Rang 18: WürthBranche: Befestigungstechnik Umsatz 2015: 11,0 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 69.000 Als Schraubenkonzern ist Würth vielen bekannt. Dabei hat sich der Konzern unter Reinhold Würth, Sohn des Firmengründers Adolf Würth, zu einem weltweiten Großhandel mit Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt. Sitz des Unternehmens ist Künzelsau bei Stuttgart. Quelle: dapd
Rang 17: Marquard & BahlsBranche: Mineralölhandel Umsatz 2015: 11,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 8.700 Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung – aber auch die erneuerbaren Energien. Sitz des Familienunternehmens ist in Hamburg. Quelle: dpa/dpaweb
Rang 16: MahleBranche: Autozulieferer Umsatz: 11,5 Milliarden Euro Beschäftigte: 75.600 Der Autozulieferer aus Stuttgart blickt auf eine fast 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und zählt heute zu den größten Firmen der Branche. Der Konzern ist zu 99,9 Prozent im Besitz der Mahle-Familienstiftung. Quelle: dpa
Rang 15: OttoBranche: Handel Umsatz 2015: 12,1 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 49.600 Hinter Amazon ist Otto einer der größten Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass die diversen Web-Shops in den vergangenen Jahr stark gewachsen sind. Quelle: dpa
Rang 14: Oetker-GruppeBranche: Mischkonzern Umsatz 2015: 12,2 Milliarden Euro Beschäftigte 2015: 30.800 Zur Oetker-Gruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker ist unter anderem in den Bereichen Lebensmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier (Radeberger), Sekt und Wein (Henkell), Schifffahrt (Hamburg Süd) und dem Bankwesen (Bankhaus Lampe) tätig. Quelle: dpa

Voelkel schaffte es über die Jahrzehnte, alle Konkurrenten hinter sich zu lassen. Der Familienbetrieb macht etwa 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Nun gilt es, dieses Unternehmen in die nächste Generation zu überführen und ein paar Widersprüche zwischen den Erben aufzulösen: Soll man idealistisch oder pragmatisch sein? Prinzipientreu oder effizient? Und welche Unternehmensform hilft bei der Antwort auf diese Fragen?

Obstanbau nach Mondphasen

Jacob Voelkel trinkt gerne Espresso. Auf seinem großen Schreibtisch steht ein Macbook Air, seine blonden Haare sind gegelt. Er sagt Sätze, die auch Manager jedes börsennotierten Konzerns sagen würden: „Die Implementierung moderner Managementsysteme war wichtig für uns.“ Oder dass nun Prozesse optimiert und Produktionskapazitäten erweitert werden würden.

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Sein Bruder Boris ist für den Einkauf der Früchte zuständig. In der Rohwarenhalle stehen mehrere Paletten, auf denen Kartons voller Zitronen gestapelt sind. Sie stammen aus einem Projekt in Südafrika, das den Einheimischen Arbeit und Geld bringen soll. Während sein Bruder stets von technischen Parametern spricht, steht für ihn der humanitäre Zweck von Voelkel im Mittelpunkt.

Deshalb entscheidet er sich immer für Früchte aus anthroposophischem Anbau, also angebaut nach der Lehre des Waldorf-Pädagogen Rudolf Steiner. Die Vorgaben sind deutlich strenger als bei der reinen Biozertifizierung. Die Landwirte wollen die Bodenfruchtbarkeit steigern, orientieren sich an Mondphasen oder verwenden Kräuterpräparate. Für die einen ist das High-End-Bio, für die anderen Hokuspokus. Unstrittig ist nur: Die entsprechenden Produkte sind teurer als konventionelle Ware.

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