1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Börse
  4. Riedls Dax-Radar: Ampeln für Aktienrally bis Januar stehen auf grün

Riedls Dax-RadarAmpeln für Aktienrally bis Januar stehen auf grün

Unter Führung der US-Börsen drehen immer mehr Aktien nach oben, die Vorzeichen für eine Börsenrally zum Jahresschluss stehen gut. Vor allem konjunktursensible Werte sind Favoriten für die nächsten Wochen.Anton Riedl 07.12.2016 - 13:17 Uhr

Dividendenarie

Erstmals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden die 30 größten börsennotierten Gesellschaften ihren Aktionären mehr als 30 Milliarden Euro an Dividende überweisen. Zwar geben die meisten Konzerne erst Anfang 2017 mit Vorlage der Jahresgeschäftszahlen die Höhe ihrer Dividende bekannt, aber die Neunmonatsbilanzen, die firmeneigene Dividendenpolitik und Aussagen der Vorstände, die das Handelsblatt ausgewertet hat, lassen schon jetzt belastbare Prognosen zu. Demnach dürften 22 der 30 Firmen ihre Ausschüttungen erhöhen. Gegenüber 2016 steigen die Dividenden um sechs Prozent auf knapp 31 Milliarden Euro. Ausgezahlt wird übrigens immer am Tag nach der Hauptversammlung. Einige Konzerne ragen positiv heraus, andere negativ.

Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.

Foto: DPA

Daimler
Jahr für Jahr steigen die Umsätze und Gewinne, 2016 dürfte der Daimler-Chef Dieter Zetsche mit rund 8,8 Milliarden Euro schon wieder einen Rekordgewinn einfahren. Niemand verdient in Deutschland mehr. Im Gleichklang steigen auch die Dividenden. Mit rund 3,5 Milliarden Euro schütten die Stuttgarter so viel Geld aus, wie kein anderes deutsches Unternehmen. Mit der Einjahresdividende ließe sich die halbe Lufthansa kaufen. Pro Aktie gibt es im Frühjahr vermutlich 3,35 Euro – zehn Cent mehr als in diesem Jahr.

Foto: AP

Fresenius

Die läuft und läuft und läuft: Die Aktie, aber auch die Dividende. Fresenius ist ein Dauerbrenner: Seit 24 Jahren erhöht der Gesundheitskonzern jedes Jahr seine Ausschüttung. Daran dürfte sich nichts ändern, weil die Geschäfte glänzend laufen. Damals kostete eine Aktie knapp einen Euro. Jetzt sind es 65,50 Euro. Aus damals rund 2000 DM (1000 Euro) wurden also 65.500 Euro. Nicht nur der Dividende wegen hat sich der Einsatz also gelohnt.

Foto: dpa

Pro Sieben Sat 1

Wer heute die Aktien von Pro Sieben Sat 1 kauft, fährt damit eine Dividendenrendite von 5,8 Prozent ein. Das ist Spitze im Dax. Voraussetzung dafür ist, dass der Medienkonzern im kommenden Frühjahr 1,95 Euro pro Aktie ausschüttet. Doch das erscheint wahrscheinlich. Denn der Vorstand verspricht, zwischen 80 und 90 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an seine Aktionäre weiterzureichen.

Foto: DPA

Munich Re

Der Rückversicherer hat seit 1969 seine Dividende nie mehr gesenkt. Damit sehen sich Chef Nikolaus von Bomhard und Munich Re seinen Aktionären so sehr verpflichtet wie kein anderer Dax-Konzern. Seit vielen Jahren fahren Aktionäre mit der Aktie eine Dividendenrendite von mehr als drei Prozent ein. Aktuell sind es sogar 4,9 Prozent.

Foto: REUTERS

Deutsche Telekom

Bei der Deutschen Telekom können Aktionäre wählen, ob sie eine Dividende oder stattdessen neue Aktien im gleichen Wert haben wollen. Im vergangenen Jahr haben sich 41 Prozent der Aktionäre für neue Aktien entschieden. Noch etwas ist besonders bei der T-Aktie: Die Dividende gibt es steuerfrei, wenn die Telekom-Aktien vor 2009 gekauft wurden. Ansonsten erhalten Aktionäre einen Steueraufschub. Das bedeutet: Der Einstandskurs wird jährlich um die Höhe der ausgezahlten Dividenden vermindert. Beim Verkauf fällt der Kursgewinn entsprechend höher aus – und die Steuer muss indirekt dann doch bezahlt werden. Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für die Aktie der Deutschen Post.

Foto: DPA

Eli Lilly

Nicht jeder kennt es, und die Firma notiert auch nicht im Dax, sondern im amerikanischen Dow Jones: Eli Lilly – ein Vorbild für viele Dividenden-Traditionalisten. Das 1876 in Indianapolis von dem Offizier Eli Lilly gegründete Unternehmen zählt mit 38.000 Mitarbeitern in 125 Ländern zu den größten Pharmakonzernen der Welt. Die Aktie notiert im amerikanischen S&P 500. Ob Krieg oder Rezession, seit 1885 hat Eli Lilly immer Dividenden bezahlt.

Foto: AP

Philip Morris

An der Wall Street sind übrigens noch andere Dividenden-Traditionalisten beheimatet. Der Tabakkonzern Philip Morris überweist seinen Anlegern seit mehr als 80 Jahren Dividende. Es geht aber noch länger.

Foto: Dpa

Exxon Mobil

Der Ölriese Exxon-Mobil zahlt seinen Aktionären sogar schon seit 125 Jahren eine Dividende. Dagegen sieht es aktuell bei den deutschen Banken mau aus.

Foto: AP

Commerzbank

Deutschlands zweitgrößte Bank überwies ihren Aktionären im vergangenen Frühjahr eine Minidividende von 20 Cents je Aktie. 2017 wird es nichts geben. Vorstandschef Martin Zielke steht mit seinem Institut aber noch immer besser da als Deutschlands größte Bank.

Foto: REUTERS

Deutsche Bank

Vorstandschef John Cryan hat frühzeitig keinen Hehl daraus gemacht, dass es nach 2016 auch 2017 eine Nullrunde geben wird. Zu groß sind die Baustellen der Bank in aller Welt – vor allem in den USA. Dort soll das Geldhaus 14 Milliarden Dollar zahlen. Es geht um Hypothekengeschäfte aus Zeiten des Immobilienbooms vor der Finanzkrise. Es wäre die höchste Strafe, die in den USA jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde.

Foto: AP

Die gemischten politischen Entscheidungen der vergangenen Tage – Erleichterung in Österreich, Unsicherheiten in Italien – haben den großen Trend an den Aktienmärkten nicht umdrehen können. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als ob sie nun sogar der Auslöser zur Jahresendrally geworden sind.

Auf den ersten Blick mag diese positive Dynamik sogar verwirren, sollten doch die dauernden Krisen die Märkte in die Knie zwingen – „endlich“, wie manche Pessimisten hoffen und seit Monaten große Short-Positionen aufbauen. Prominentester unter den Baisse-Aposteln ist George Soros, der seit längerem mit aller Gewalt auf sinkende Kurse setzt – und krachend daneben liegt, weil die Aktienmärkte wieder einmal ein neues Hoch markieren. Im S & P 500 fehlt zwar noch (gemessen am Schlussstand) ein einziger Punkt, doch das sollte kein Problem mehr sein. Fakt ist: Die entscheidenden Aktienmärkte der Welt setzen aus der seit Monaten robusten Verfassung heraus nun ihren großen Aufwärtstrend fort.

Während George Soros genug Geld haben dürfte, Verluste aus Short-Spekulationen zu verkraften, müssen kleinere Spekulanten ihre Baisse-Positionen schnell eindecken. Aus dieser Mechanik schöpft der Markt einen Teil seiner Aufwärtsdynamik, ganz nach dem Motto: Je negativer die Stimmung und je größer die Crash-Ängste, desto stärker steigen die Kurse.

Riedls Dax-Radar

Dauer-Krisen verlieren ihren Schrecken

von Anton Riedl

Ist der Aufschwung deshalb nur auf Sand gebaut? - Nun, es gibt sehr wohl Gründe für einen Kursanstieg, der im Dax 2017 zumindest bis zum bisherigen Hoch bei 12.375 Punkten gehen sollte.

Börsen stellen sich frühzeitig auf US-Zinserhöhung ein

Gerade weil die politische Situation um die EU anspannt ist, wird die Notenbankpolitik expansiv bleiben. Wahrscheinlich sogar länger als bisher angenommen. Auch wenn die langfristige Wirkung dieser Notenbankpolitik mittlerweile selbst unter traditionellen Beobachtern umstritten ist, an den Märkten wirkt das derzeit als Treibsatz für die Kurse.

Gute Signale kommen auch von der Konjunktur. Vor allem in den USA deutet immer mehr darauf, dass die Wirtschaft unter der neuen Regierung Trump kräftig angeschoben wird. Dieser Effekt wirkt stärker als die Angst vor einer Zinswende. So gesehen sollte es sicher sein, dass die Fed in den nächsten Tagen die Leitzinsen heraufsetzt.

Als die amerikanische Notenbank vor einem Jahr zum ersten Mal an der Zinsschraube drehte, kippten die Aktienmärkte nach unten. Angesichts der anstehenden Konjunkturprogramme in den USA sollte das Umfeld dieses Mal robuster sein und den zweiten Zinsschritt der Fed besser verkraften.

Zum positiven Bild passen anziehende Rohstoffpreise. Vor allem Rohöl hat nach oben gedreht. Für die Märkte hat das mehrere Vorteile: Es hilft der US-Wirtschaft, die mittlerweile einen wesentlichen Teil ihres Wachstums aus dem Ölgeschäft zieht; und es hilft wichtigen Schwellenländern wie Russland und Brasilien, womöglich aus der Krise der vergangenen Jahre zu kommen. Das wiederum ist ein Vorteil für die Exporteure hierzulande, die große Teile ihres Geschäfts außerhalb der EU abwickeln.

Einen besonderen Effekt im Dax gibt es durch die Finanzwerte. Allianz und Münchener Rück profitieren davon, dass die Zinsen schrittweise nach oben ziehen. In der Umlaufrendite sind mittlerweile wieder positive 0,11 Prozent erreicht. In den Kursen schlägt sich dieser Effekt umso stärker nieder, weil Allianz und Münchener Rück schon in den vergangenen Monaten trotz negativer Zinsen gut verdient haben.

Ein Schub kommt derzeit von den Banken. Auch wenn die Deutsche Bank mit 23 Milliarden Euro Börsenwert noch weit von der Kapitalisierung anderer europäischer Großbanken entfernt ist und im Dax längst nicht mehr die Bedeutung von früher hat, so läuft am Markt die Spekulation auf die Kurswende. Und eine Spekulation ist das nach wie vor, denn weder operativ noch bei ihren juristischen Problemen kann die Deutsche Bank derzeit substanzielle Erfolge melden.

BMW und Daimler kommen wieder in Fahrt

In Schwung kommen nun auch wieder die Autoaktien. Monatelang litten sie unter der Diskussion über manipulierte Abgase und der Angst vor Absatzschwierigkeiten auf den wichtigen Märkten in USA und China. Andererseits waren die erzielten Verkaufszahlen spitze – mit dem Effekt, dass Auto-Aktien im Dax von der Bewertung ziemlich günstig und von der Dividende sehr rentabel geworden sind. Dies gilt vor allem für die Favoriten BMW und Daimler. Letztere haben gerade einen wichtigen juristischen Sieg im Abgasstreit in den USA errungen.

Derzeit verlaufen 20 von 30 Dax-Werten oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Diese Quote von 67 Prozent ist Zeichen für einen stabil aufwärts gerichteten, aber noch nicht überschäumenden Trend. Vor allem klassische Defensivwerte wie Fresenius oder Beiersdorf hinken kurzfristig hinterher. Die aktuelle Aufwärtsbewegung ist vor allem ein von konjunktursensiblen Industriewerten befeuerter Aufschwung. Siemens hat mit seinem jüngsten Anstieg ebenfalls ein starkes Kaufsignal gegeben.

Fazit: Dass der Dax trotz politischer Turbulenzen den Anstieg über 10.800 Punkte geschafft hat, ist ein wichtiges Stärkesignal. Geht es nach dem vorherrschenden Saisonmuster, sollte sich die Kletterpartie zunächst bis Anfang Januar fortsetzen. Die Aussicht, dass sich die US-Wirtschaft und womöglich sogar wichtige Schwellenländer 2017 besser entwickeln als befürchtet, könnte als weitere Hoffnung die Märkte beflügeln. Mittelfristig liegt das Ziel im Dax, wie in WirtschaftsWoche 49 (Seite 78) beschrieben, bei rund 12.000 Punkten.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick