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BMW-JahreszahlenWenn Rekorde nicht mehr genug sind

BMW hat 2016 das siebte Rekordjahr in Folge eingefahren. Dennoch bekommt Vorstandschef Krüger vom Aufsichtsrat einen Rüffel. Die großen Herausforderungen stehen BMW und der Branche aber erst noch bevor. 21.03.2017 - 10:30 Uhr

Nach der Limousine zeigt BMW nun auch die Kombi-Variante der neuen 5er-Reihe. Der „Touring“ kommt knapp ein halbes Jahr nach dem Start des Viertürers. Die Preisliste dürfte bei knapp 48.000 Euro starten.

Foto: BMW

„Der BMW 5er Touring wurde gezielt für den europäischen Markt entwickelt, wo er mit seinem vielseitigen Karosseriekonzept bereits seit 25 Jahren erfolgreich ist“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Ian Robertson zu dem neuen Kombi. „In der fünften Generation erfüllt dieses Modell mehr denn je die hohen Ansprüche einer Zielgruppe, die den großen und variablen Gepäckraum zu nutzen, den souveränen Auftritt zu schätzen und die markentypische Fahrfreude zu genießen weiß.“

Foto: BMW

BMW zeigt den Business-Kombi erstmals im März auf dem Autosalon in Genf. Im Juni kommt er dann in den Handel – zunächst mit vier Motoren. Bereits zum Start gibt es zwei dieser Motoren in Kombination mit dem Allradantrieb xDrive. Weitere Varianten – sowohl mit dem klassischen Heckantrieb sowie dem Allrad – sollen laut BMW im Laufe des Jahres folgen.

Foto: BMW

Die besonders auf dem deutschen Dienstwagen-Markt wichtige Kombi-Variante übernimmt natürlich auch viele der Neuheiten von der 2016 vorgestellten Limousine – etwa die leichtere Karosserie, die neuen Motoren oder die Entwicklungen in den Bereichen Bedienung, Assistenzsysteme und Vernetzung.

Foto: BMW

Doch auch in der neuesten Generation bleiben einige Eigenheiten der BMW-Kombis erhalten: So kann, wie BMW-Fahrern bekannt, die Heckscheibe separat geöffnet werden. Oder...

Foto: BMW

...die Lehnen der Rückbank nicht nur zwei- sondern dreiteilig umgeklappt werden. Die Teilung im Verhältnis 40:20:40 statt der sonst üblichen 40:60 hat den Vorteil, dass noch vier Personen mitfahren können, selbst wenn lange Gegenstände – wie zum Beispiel Ski – transportiert werden. Natürlich lassen sich die Lehnen – wie bei einem Wagen des Jahrgangs 2017 schon fast üblich – vom Kofferraum aus umklappen. Der Schalter dafür befindet sich rechts an der Innenseite.

Foto: BMW

Es ist aber wohl diese Ansicht, die die meisten Kombi-Fahrer an ihrem Auto schätzen: Es passt einfach viel rein. Der Kofferraum fasst jetzt 570 bis 1700 Liter – 30 Liter mehr als bisher. Und mindestens genauso wichtig: Laut BMW wurde die Zuladung je nach Modellvariante um bis zu 120 Kilo erhöht – auf jetzt 720 bis 730 Kilo.

Foto: BMW

Wie oft der Touring dann im Freizeit-Einsatz, wie in dem BMW-Pressebild zum Tauchen, eingesetzt wird oder wie oft er im Dienst-Einsatz auf der Autobahn oder der täglichen Pendelstrecke unterwegs sein wird, hängt vom jeweiligen Fahrer ab. Hauptsache ist: Er kann beides souverän.

Foto: BMW

Der Touring gleicht bis zur B-Säule der Limousine, kommt somit massiger daher als der Vorgänger. Dahinter schließt sich dann ein durchaus dynamisch gezeichnetes Kombiheck an.

Foto: BMW

Mit 4,94 Metern ist die Neuauflage drei Zentimeter länger als ihr Vorgänger. Auch Breite, Radstand und Höhe haben leicht zugelegt.

Foto: BMW

Für den Antrieb stehen zunächst je zwei Benziner und Diesel zur Wahl. Einstiegstriebwerk ist ein Vierzylinder-Benzinmotor mit 252 PS im 530i, darüber rangiert ein 340 PS starker Sechszylinder des 540i, der an Allradantrieb gekoppelt ist.

Foto: BMW

Auch bei den Dieseln gibt es einen Vierzylinder, den 190 PS starken 520d, sowie einen Sechsender mit 265 PS im hier gezeigten 530d, der mit Heck- oder Allradantrieb zu haben ist. Die genauen Fahrleistungen und Verbrauchswerte der Motoren finden Sie am Ende dieser Fotostrecke in der Übersicht.

Foto: BMW

Bei der Technik orientiert sich der Kombi an der Limousine und rückt näher an den großen Bruder 7er. Unter anderem gibt es einen Spurführungsassistenten, der bis 210 km/h arbeitet und den BMW in Kombination mit dem Abstandstempomaten zumindest auf der Autobahn zu einem quasi-autonomen Fahrzeug macht. Auch den Display-Schlüssel übernimmt der 5er von der Oberklasse-Limousine. Mit diesem lässt sich der Fünfer mit dem Schlüssel in der Hand beim Einparken fernsteuern.

Foto: BMW

Nicht nur außen gleicht der Kombi der Limousine bis hinter die vorderen Sitze, sondern auch innen. Das Cockpit mit dem 10,25 Zoll großen Touchscreen, Gestensteuerung und hochwertiger Verarbeitung kommt so auch in der Limousine zum Einsatz.

Foto: BMW

Auf den ersten Blick ist die Bedienung mit Touchscreen nicht einfacher, sondern sogar komplexer geworden. Nach etwas Eingewöhnung spielt das neue System aber seine Vorteile aus: Da die Bedienung redundant ist – also dieselben Funktionen über unterschiedliche Wege angesteuert werden können – kann jeder Fahrer das machen, was für ihn intuitiv ist. Der eine greift zum iDrive-Controller neben dem Automatikwählhebel, der nächste zu den Lenkradtasten, ein anderer zum Touchscreen.

Foto: BMW

Preise hat BMW noch nicht genannt, sie dürften aber im Bereich von 48.000 Euro für den Vierzylinder-Benziner starten. Mit den angekündigten weiteren Varianten (etwa einem Benziner mit weniger als 200 PS) dürfte der Einstiegspreis im Laufe des Jahres – oder spätestens 2018 – noch etwas sinken.

Foto: BMW

BMW 530i Touring

Vierzylinder-Ottomotor mit Acht-Gang-Automatik
Hubraum: 1998 cm3
Leistung: 185 kW/252 PS bei 5200 – 6500 min-1,
max. Drehmoment: 350 Nm bei 1450 – 4800 min-1,
Beschleunigung [0 – 100 km/h]: 6,5 Sekunden,
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h,
Verbrauch kombiniert*: 6,3 – 5,8 l/100 km,
CO2-Emissionen kombiniert*: 143 – 133 g/km.

* Werte gemäß EU-Testzyklus, abhängig vom gewählten Reifenformat.

Foto: BMW

BMW 540i xDrive Touring

Reihensechszylinder-Ottomotor mit Acht-Gang-Automatik
Hubraum: 2998 cm3
Leistung: 250 kW/340 PS bei 5500 – 6500 min-1,
max. Drehmoment: 450 Nm bei 1380 – 5200 min-1,
Beschleunigung [0 – 100 km/h]: 5,1 Sekunden,
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h,
Verbrauch kombiniert*: 7,7 – 7,3 l/100 km,
CO2-Emissionen kombiniert*: 177 – 167 g/km.

* Werte gemäß EU-Testzyklus, abhängig vom gewählten Reifenformat.

Foto: BMW

BMW 520d Touring

Vierzylinder-Dieselmotor mit Sechs-Gang-Handschaltung (Acht-Gang-Automatik optional)
Hubraum: 1995 cm3
Leistung: 140 kW/190 PS bei 4000 min-1,
max. Drehmoment: 400 Nm bei 1750 – 2500 min-1,
Beschleunigung [0 – 100 km/h]: 8,0 Sekunden (7,8 Sekunden),
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h (225 km/h),
Verbrauch kombiniert*: 4,9 – 4,5 l/100 km (4,7 – 4,3 l/100 km),
CO2-Emissionen kombiniert*: 129 – 119 g/km (124 – 114 g/km).

* Werte gemäß EU-Testzyklus, abhängig vom gewählten Reifenformat.

Foto: BMW

BMW 530d Touring / BMW 530d xDrive Touring

Reihensechszylinder-Dieselmotor mit Acht-Gang-Automatik
Hubraum: 2993 cm3
Leistung: 195 kW/265 PS bei 4000 min-1
max. Drehmoment: 620 Nm bei 2000 – 2500 min-1,
Beschleunigung [0 – 100 km/h]: 5,8 Sekunden / 5,6 Sekunden,
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h / 250 km/h,
Verbrauch kombiniert*: 5,1 – 4,7 l/100 km / 5,7 – 5,3 l/100 km,
CO2-Emissionen kombiniert*: 134 – 124 g/km / 149 – 139 g/km.

* Werte gemäß EU-Testzyklus, abhängig vom gewählten Reifenformat.

Foto: BMW

Es mutet paradox an: Auf der einen Seite hat BMW 2016 ein neues Rekordjahr eingefahren. Zum siebten Mal in Folge hat der Autokonzern Absatz und Gewinn gesteigert, und das soll auch im laufenden Jahr so weitergehen. Und dennoch hat BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer seinen Managern die Leviten gelesen: Sie sollten sich gar nicht erst ans Verlieren gewöhnen.

Wie passt das zusammen?

Ganz einfach: BMW hat sich gut entwickelt und sauber gewirtschaftet. Nur war eben Daimler besser. Denn nach der Absatzkrone müssen die Münchner auch bei der Rendite den Spitzenplatz an den Dauerrivalen aus Stuttgart-Untertürkheim abgeben. Wie BMW bereits vor zwei Wochen mitteilte, blieb in der Kernsparte Automobile 2016 trotz Rekordverkaufszahlen weniger hängen als im Jahr zuvor. Die Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) sackte auf 8,9 Prozent ab – und lag damit unter den 9,1 Prozent, die Mercedes-Benz im vergangenen Jahr verbuchte.

Meilensteine der BMW-Geschichte
Gründung der Bayerischen Flugzeugwerke in München
Umbenennung in Bayerische Motorenwerke (BMW)
Bau des ersten Motorrads, der R32
Übernahme der Fahrzeugwerke in Eisenach und Bau des ersten BMW-Autos Dixi, mit Lizenz des englischen Autobauers Austin
BMW entwickelt den 303 – mit der seither charakteristischen Niere als Kühlergrill.
BMW baut Motoren für die Luftwaffe und beschäftigt rund 25.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Nach Kriegsende verliert das Unternehmen das Werk Eisenach.
Erstes Nachkriegsauto ist 1952 der große „Barockengel“ 501, 1955 folgt die winzige Isetta.
BMW steckt tief in den roten Zahlen, die 6500 Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze, Daimler will BMW übernehmen. Überraschend steigt der Batteriefabrikant Herbert Quandt als Sanierer ein.
Das Mittelklasse-Auto BMW 1500 bringt den Durchbruch.
Eberhard von Kuenheim wird Vorstandschef. In seiner 23-jährigen Amtszeit expandiert BMW weltweit.
Start der 3er-Reihe – bis heute das meistverkaufte BMW-Modell
Das US-Werk Spartanburg wird eröffnet, zudem wird der englische Autohersteller Rover (Land-Rover, MG, Mini) gekauft.
Nach Milliardenverlusten mit Rover zieht BMW die Reißleine, nur der Mini bleibt im Konzern. Joachim Milberg löst als Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ab.
BMW startet das erste Joint Venture in China
BMW verkauft mehr Autos als der bisherige Marktführer Mercedes – auch dank des 2003 erstmals eingeführten Kompaktmodells der 1er Baureihe.
Im BMW-Werk Leipzig läuft das Elektroauto i3 vom Band – mit einer modernen Kohlefaser-Karosserie.

Während die Schwaben den Betriebsgewinn im Pkw-Geschäft steigern konnten, verbuchten die Münchener in der Autosparte einen Rückgang um 1,8 Prozent auf knapp 7,7 Milliarden Euro. Vor allem der Preiskampf sowie der Hochlauf neuer Modelle – etwa dem Business-Modell 5er – und Technologien kosteten viel Geld. Und bei den Elektroautos, wo BMW unter den Premiummarken noch führt, werden die Münchner bald auch den Spitzenplatz abgeben müssen.

Derzeit liegt in der Produktionsprognose des Analysehauses IHS Markit Automotive BMW mit dem i3 vorne, die elektrische B-Klasse von Mercedes spielt kaum eine Rolle. Kommen aber der für 2018 angekündigte Audi etron quattro und der Mercedes-Benz EQ (2019) mit jeweils über 500 Kilometern Reichweite, hat dem BMW nichts entgegenzusetzen – der „iNext“ als nächste Elektroauto-Generation ist erst für 2021 geplant. Bis dahin ist die Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart längst an München vorbeigezogen, wie die Grafik zeigt.

Das wird dem Anspruch von BMW nicht gerecht. „Wir müssen als BMW die Nummer eins sein“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ Chefaufseher Reithofer, als er dem Management die Richtung vorgab. Sprich: Reithofers Nachfolger an der Vorstandspitze, Harald Krüger, muss nun angreifen.

„Waren immer ein ehrgeiziges Unternehmen“

Mit Platz zwei will er sich trotz der Rekordzahlen nicht zufrieden geben. „Wir schalten jetzt auf Angriff“, sagte Vorstandschef Krüger am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz. „Wir starten die größte Modelloffensive unserer Geschichte.“ 2017 und 2018 sollen mehr als 40 neue und überarbeitete Modelle der drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce auf den Markt kommen. „Wir waren immer ein ehrgeiziges Unternehmen“, sagte der BMW-Chef. „Ich verspreche Ihnen, das wird so bleiben.“ Der Absatz sei aber nur einer von mehreren Leistungsindikatoren. „Das sind neben Verkaufszahlen auch Profitabilität, Innovationskraft, Flexibilität und unsere Attraktivität als Arbeitgeber.“

Ein möglicher Grund für Reithofers Kritik: Er selbst kannte es nicht anders. Als er 2006 den Vorstandsvorsitz übernahm, war BMW gerade an den Schwaben vorbeigezogen – zuvor hatte Mercedes jahrzehntelang den Ton in der Oberklasse angegeben. 2011 wurde Mercedes auch noch von Audi überholt. Aber mit neuem Design, neuen Modellen und neuem Vertriebsnetz in China holte Daimler-Chef Dieter Zetsche die Krone jetzt zurück. „Mercedes steht an der Spitze des Premiumsegments“, sagte er stolz: „Number one.“

Es war ein Kampf und zwar ein sehr langer: Vier Jahrzehnte kratzte die BMW 7er Reihe mal mehr, mal weniger am Thron des Königs aller Luxuslimousinen. Doch so sehr sich die Münchner auch abmühten, abgesehen von einzelnen Motorvarianten konnte der Verfolger nie so ganz überholen.

Foto: BMW

Die Mercedes S-Klasse, offiziell knapp sechs Jahre vor dem ersten 7er geboren und mit einer umfangreichen Historie an elitären Vorgängermodellen ausgestattet, war einfach zu stark, zu gut, zu edel, als dass es zu Platz eins gereicht hätte.

Foto: BMW

Mit der vergangenen, fünften Generation des 7ers schaffte es BMW erstmals auf Augenhöhe mit dem Sternenschlachtschiff zu fahren. Beim aktuellen Siebener gelingt erstmals das komplette Überholmanöver – und dann gerade noch mit dem Zwölfzylinder-Topmodell.

Foto: BMW

Endlich konnten sich die Bayern durchringen, eine ebenso dynamische wie edle M-Variante ihres Aushängeschildes zu kreieren. Zugegeben keine echte, kompromisslose Sportversion mit dem M am Heck, aber ein abgeschwächtes Performance-Modell, wie es in Garching heißt.

Foto: BMW

Genau dieser BMW M 760 Li xDrive setzt in Sachen Fahrdynamik Maßstäbe und rauscht lässig an der elitären Konkurrenz von Mercedes-AMG S 63 oder S 65 und Audi S8 Plus vorbei. Andere Luxusmodelle wie den Maserati Quattroporte, Jaguar XJ oder Cadillac CT6 nimmt der 7er mit V12 allenfalls beim Überholen wahr.

Foto: BMW

Dabei ist es nicht der 6,6 Liter große V12-Motor, die 610 PS oder die 800 Nm maximales Drehmoment, die ab 1.550 U/min stilvoll erfreuen. Es ist schlicht die perfekte Fahrbarkeit, die Symbiose aus Sportlichkeit, nicht enden wollendem Luxus und einer fahrdynamischen Kompaktheit, die man sonst nur eins bis zwei Klassen darunter findet.

Foto: BMW

„Die Leistungsentfaltung geschieht beim M 760 Li xDrive besonders heckgeneigt und damit besonders agil“, sagt Frank van Meel, Chef der M GmbH, „wir wissen, dass die Kunden mit einem 7er kaum auf die Rennstecke gehen werden. Wir zeigen aber, dass sie es jederzeit könnten.“

Foto: BMW

Klar geht mit einem Siebener keiner auf die Rennstrecke, da macht die Topversion M 760 Li xDrive keinerlei Ausnahme. Und natürlich hört es sich immer gut an, wenn man sagt, dass man könnte, wenn man nur wollte.

Foto: BMW

Doch dass sich der 5,24 Meter lange und über 2,2 Tonnen schwere Koloss derart behände über kurvenreiche Straßen zirkeln lässt, dass die üppige Motorleistung dank variablem Allradantrieb und Vierradlenkung scheinbar mühelos und perfekt auf die Fahrbahn gebannt wird, das ist eben neu und besser als bei jeder anderen Luxuslimousine.

Foto: BMW

Die Lenkung, die bei flotter Fahrt vielleicht sogar noch etwas direkter und schwergängiger sein könnte, der bullige V12-Klang, der zumindest in den Sportprogrammen noch etwas bassiger wummern könnte – beides Kleinigkeiten in einer nahezu perfekten Gesamtorchestrierung. Die achtstufige Getriebeautomatik scheint die Wünsche des Piloten zu kennen, noch bevor er diese an Lenkrad und Gaspedal geäußert hat.

Foto: BMW

Die Luftfederung federt komfortabel, aber niemals zu schwammig über alles weg, was sich auf der Fahrbahn befindet. 0 auf Tempo 100 schafft der Koloss aus dem Stand in spektakulären 3,7 Sekunden und regelt den Tatendrang des Piloten mit Rücksicht auf Reifen und andere Verkehrsteilnehmer bei 305 km/h.

Foto: BMW

Der BMW M 760 Li bietet ansonsten allen Luxus, nicht enden wollende Assistenzsysteme, Hightech-Funktionen und Sonderausstattungen bietet, die einen daran zweifeln lassen, noch in einem Auto zu sitzen. Das ist nicht anders als bei den anderen Siebenerversionen, fügt sich jedoch passend in den Gesamtauftritt des Zwölfzylinders ein.

Foto: BMW

Wer einmal den V12 gefahren ist, bewegt derzeit jedoch das Maß der automobilen Dinge und schlicht die beste Luxuslimousine der Welt. Schön, wenn man sich zum 40. Geburtstag ein solches Geschenk machen kann.

Foto: BMW

Was dem Siebener jedoch unverändert fehlt, ist der Stern auf dem Kühlergrill und die Gunst des Erstgeborenen, die in dieser Klasse mehr als anderswo ihren Ausschlag bei der Kaufentscheidung gibt.

Foto: BMW

Wieso BMW im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz von Mercedes, Audi, Cadillac, Jaguar oder Bentley keine imageträchtige Panzerversion für Politiker, VIPs und Wirtschaftsbosse anbietet, dürfte allerdings ein Garchinger Geheimnis bleiben. Die schweren Panzerversionen hatte es seit 1977, als zwei Einzelstücke für den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß angefertigt wurden, immer gegeben.

Foto: BMW

Technische Daten: BMW M 760 Li xDrive

Motor: Zwölfzylinder, V-Form mit Turboaufladung
Hubraum: 6592 ccm
Leistung: 448 kW / 610 PS
Max. Drehmoment: 800 Nm ab 1.550 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 305 km/h
Normverbrauch: 12,8 Liter Super
Gewicht: 2255 kg
Preis: ab 166.900 Euro

Foto: BMW

Zetsches Bemerkung kann auch als Seitenhieb für BMW verstanden werden – schließlich hatte Krüger seine Langfrist-Strategie „Number One: Next“ genannt. An dieser Strategie – auch wenn man nicht mehr die Nummer eins ist – will Krüger aber nicht rütteln. „Wir fokussieren uns auf die konsequente Umsetzung unserer Strategie“, sagte der Vorstandschef. Der Autobauer werde auf die Zukunftsfelder Automatisierung, Vernetzung, Elektromobilität und Sharing ausgerichtet.

Diese Technologien und neuen Geschäftsmodelle ändern nach Meinung von Experten die Spielregeln der Branche grundlegend. „Wer hat die meisten Kunden? Das ist vielleicht bald interessanter als die Zahl der verkauften Autos“, sagt Frank Biller, Auto-Analyst bei der LBBW. Der Titel des Absatzkönigs verliert an Bedeutung. „In Zukunft gewinnen wird, wer die Kunden besser versteht, wer ihnen mehr Spaß, Emotionen, Komfort bieten kann, sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer. „Wer nur an Stahl und Reifen denkt, dem wird es gehen wie Nokia mit seinen Handys.“

Nach siebenjähriger Bauzeit und über zwei Millionen verkauften Exemplaren geht der aktuelle BMW 5er F10 in Rente. Sein bereits mit den Hufen scharrender Nachfolger hat uns zum ersten Ausritt nach Lissabon einbestellt.

Foto: BMW

Wie es sich gehört, wurde die mindestens 45.000 Euro teure Neuauflage umfassend aufgerüstet. So bietet der neue 5er mehr Assistenzsysteme und mehr Dynamik bei weniger Durst. Auch in Hinblick auf die Digitalisierung und Konnektivität zündet der Business-Bayer weitere Stufen.

Foto: BMW

Bereits die Schlüsselübergabe sorgt für große Augen, denn der Signalgeber ist nur noch in Nebenfunktion auch Zündschlüssel. Display Schlüssel nennt BMW den Handschmeichler, der mit integriertem Mini-Touchscreen nicht nur Statusdaten wie Reichweite feinauflösend und farbig anzeigen kann, sondern außerdem die Bedienung verschiedener Funktionen wie etwa eine Vorkonditionierung der Klimaanlage erlaubt. Der kommende 5er ist vernetzt wie kein BMW zuvor.

Foto: WirtschaftsWoche

Äußerlich bietet der Auftritt der Business-Limousine hingegen keine Überraschungen. Die Neuauflage trägt gut erkennbar alte 5er-DNA in sich, stellenweise sorgen vom 7er her bekannte Versatzstücke für etwas Frische. Neu interpretiert wurden zudem die Vieraugen-Scheinwerfer mit nun hexagonalen Ringen.

Foto: BMW

Trotz einiger Zentimeter Längenzuwachs wirkt der 4,94 Meter gewachsene Bayer nicht plump und wuchtig, sondern schnittig. Und das ist er auch, denn ausstattungsabhängig liegt der cW-Wert der Karosserie zwischen 0,22 und 0,25.

Foto: BMW

Dem Aero-Feinschliff sei Dank, bleiben die Windgeräusche innen erfreulich niedrig. So niedrig, dass BMW auf eine optionale Doppelverglasung der Seitenfenster verzichtet. Zusätzlich wirkt sich die windschlüpfige Außenhaut positiv auf den Verbrauch aus. So liegt der kombinierte Normverbrauch des 520d Efficient Dynamics bei nur noch 3,9 Liter.

Foto: BMW

Der von uns getestete 530d xDrive braucht gut einen Liter mehr, was angesichts des längsdynamischen Potenzials ein allerdings theoretischer Wert ist. Mit 195 kW/265 PS und 620 Newtonmeter Drehmoment prescht der allradgetriebene 1,8-Tonner in nur 5,4 Sekunden auf Tempo 100. 250 km/h verstehen sich in dieser Leistungsklasse von selbst. Wer ab und an aus dem Vollen schöpft, wird praktisch mit rund sieben Litern leben müssen. Acht oder neun sind auch möglich.

Foto: BMW

Zurückhaltung beim Gasfuß fällt schwer, angesichts der leichtfüßigen Art des 5ers. Der dumpf grummelnde Reihensechszylinder wirkt meist unangestrengt und schiebt stets mit viel Nachdruck die Limousine voran. Immer zum Sprung bereit ist der 530d vor allem auch dank der superben Achtgang-Automatik, die ganz unmerklich im Hintergrund ihre Arbeit höchst geschmeidig verrichtet und stets die optimale Übersetzung in den Vortrieb wirft.

Foto: BMW

Geschmeidig ist auch das Fahrwerk, bei dem BMW allerdings auf eine Luftfederung verzichtet. Mit einer solchen kann zum Beispiel die Mercedes E-Klasse in besonders sanfter Weise Unebenheiten egalisieren. Eben das gelingt auch dem neuen Fahrwerk des 5er überraschend gut, allerdings in einer etwas verbindlicheren Weise. Selbst grobe Unebenheiten werden sauber kaschiert, dennoch bekommt man als Fahrer die richtige Rückmeldung zur Fahrbahnbeschaffenheit.

Foto: BMW

Das passt gut zum gehobenen Fahrspaß-Niveau, denn die Business-Limousine lässt sich – besonders im Sportmodus und dank einer gegen Aufpreis mitlenkenden Hinterachse – sehr präzise und sehr flott für forcierte Links-rechts-Manöver hernehmen. Wer den 5er mit Könnerhand Richtung Grenzbereich führt, wird von den Handlichkeit und Neutralität des 1,8-Tonners verblüfft. Da gibt es kein zuckendes Heck, kein Wimmern und Rutschen. Allerdings fährt sich der Bayer so perfekt und präzise, dass fast schon Langeweile aufkommen kann.

Foto: BMW

Spannend sind dafür die digitalen Welten und parallelen Bedienkonzepte, die der Arbeitsplatz des neuen 5er bietet. Unser Testexemplar ist selbstredend mit allem erdenklichen Schnickschnack gerüstet, welche der BMW-Kosmos bieten kann. Dazu gehören ein volldigitales Kombiinstrument, ein 10-Zoll-Touchscreen für das Infotainment-System oder ein farbenfrohes Head-up-Display.

Foto: BMW

Bedienen kann man über den klassischen iDrive-Controller, diverse Schalter am Lenkrad, via Touchscreen, Sprachbefehl und Freihandgesten. Bei einer kurzen Einweisung wird uns klar, dass es vieler Erklärungen bedarf, dem Fahrer die komplexen digitalen Welten sowie die redundanten Bedienmöglichkeiten nahezubringen. Was zunächst kompliziert klingt, soll den 5er-Piloten in der Praxis entlasten.

Foto: BMW

Wie zum Beispiel der Abstandstempomat, der in Kombination mit der Verkehrszeichenerkennung seine Geschwindigkeit nicht nur auf den Vordermann sondern auch an das situative Limit automatisch anpasst. Als Fahrer hat man die Möglichkeit, Abstand sowie einen Toleranzwert, um wie viel km/h das Limit über- oder unterschritten werden darf, vorzudefinieren. Darüber hinaus lenkt das Auto selber. Zumindest für einige Sekunden kann man auf der Autobahn die Hände vom Steuer nehmen, während der 5er ganz automatisch über Richtung und Geschwindigkeit bestimmt. Bis Tempo 210 funktioniert dieser per Knopfdruck aktivierbare Geisterhand-Modus.

Foto: BMW

Doch 100 Prozent nach unserer Vorstellung in der Spur halten konnte der Co-Pilot den 5er auf den portugiesischen Autobahnen nicht. Mehrfach fühlten wir uns hierbei zum Eingreifen genötigt. Definitiv souverän funktionierte dafür das automatisierte Fahren mit dem Staufolgeassistenten. In Stop-and-go-Situationen bremste und lenkte die Technik tadellos. Pendler auf der morgendlichen Fahrt ins Büro könnten sich so während der Fahrt ihrer Rasur oder den E-Mails widmen.

Foto: BMW

Angesichts dieser technischen Innovationen erscheinen Fragen nach Qualitätsanmutung, Platzangebot im Innenraum oder Kofferraumvolumen fast schon nebensächlich. Sind sie auch, denn eigentlich ist der neue 5er hier fast über jeden Zweifel erhaben und verdammt nah am 7er. Lediglich Bein- und Fußfreiheit im Fond fallen angesichts der fast fünf Meter langen Karosserie nicht üppig aus.

Foto: BMW

Auch der Kofferraum bietet mit 530 Liter eben ein nur klassenübliches Format. Verarbeitung, Ambiente und Materialien sind hingegen top.

Foto: BMW

Das betrifft auch die Preise, die sich natürlich auf hohem Niveau bewegen. Knapp 45.000 Euro kostet die Basis 520d, die eine bereits umfangreiche Serienausstattung bietet. Hierzu gehören eine Klimaautomatik, das Navisystem Business, LED-Vollscheinwerfer, Tempomat, 17-Zöller und vieles mehr. Der Basispreis liegt damit zwar höher als bisher, doch laut BMW bekommt der Kunde im Gegenzug auch mehr Ausstattung. Unser 530d kostet in der Grundversion rund 57.000 Euro. Trotz einer guten Basisausstattung lassen sich Extras im Wert eines neuen 3er bestellen. Angesichts der vielen verlockenden Möglichkeiten wird es jedenfalls schwerfallen, sich mit der Basis begnügen.

Foto: BMW

BMW 530d xDrive – Technische Daten:

Viertürige, fünfsitzige Limousine der Oberen Mittelklasse; Länge: 4,94 Meter, Breite: 1,87 Meter (mit Außenspiegeln: 2,13 Meter), Höhe: 1,48 Meter, Radstand: 2,98 Meter, Kofferraumvolumen:530 Liter

3,0-Liter-Dieselmotor, 8-Gang-Automatik, Allradantrieb, 195 kW/265 PS, maximales Drehmoment: 620 Nm bei 2.000 – 2.500 U/min, 0-100 km/h: 5,4 s, Vmax: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,5 – 4,9 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 132 - 142 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A - A+, Preis: ab 56.900 Euro

Foto: BMW

Gerade die globale Spitzenposition von Mercedes, BMW und Audi könnte zum Nachteil werden, befürchtet Oliver Heil, Professor für Marketing an der Universität Mainz: „Wer das heutige Spiel am perfektesten und erfolgreichsten beherrscht, tut sich schwer, wenn alles anders wird“, sagt der Wirtschaftsprofessor. „IBM hat die besten Schreibmaschinen gemacht, Kodak die besten Filme, Nokia die besten Handys. Wo sind sie heute?“

ses, dpa, rtr
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