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Studie zur AltersvorsorgeDeutschen sind höhere Renten wichtiger als niedrige Steuern

Das Thema Rente bereitet den Deutschen im Jahr der Bundestagswahl große Sorgen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Befragten haben aber auch klare Vorstellungen davon, was der Staat tun soll – und was nicht.Nico Hornig 27.04.2017 - 08:00 Uhr

Durchschnittsrenten

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016

Foto: dpa

Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten

Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.

Aktuell bekommen männliche Rentner:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat

Foto: AP

Frauen mit deutlich weniger Rente

Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.

Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat

Foto: dpa

Beamtenpensionen deutlich höher

Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.

Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.

Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.

Foto: dpa

Rentenerhöhung

Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.

Foto: dpa

Reserven der Rentenkasse

Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.

Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:

Foto: dpa

Abweichungen vom Standardrentner

Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.

Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.

Foto: Fotolia

Durchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren

In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.

Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.

Foto: Fotolia

Halbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko

Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.

Foto: dpa

Maximale Rentenhöhe für Gutverdiener

Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.

Foto: dapd

Ein Großteil der deutschen Ruheständler und Berufstätigen hält die Rente für zu niedrig. Zu diesem Ergebnis kommt der Axa Deutschland-Report der gleichnamigen Versicherung. So gaben jeweils 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer aus beiden Gruppen an, dass die Rentenbezüge im Verhältnis zur Einzahlung nicht angemessen seien. Für die Studie, die der WirtschaftsWoche vorab vorliegt, wurden gut 3300 Erwerbstätige und Personen im Ruhestand im gesamten Bundesgebiet befragt.

Gleichzeitig glauben mehr Berufstätige, bisher nicht genug für die Rente getan zu haben. Waren dies beim vorangegangen Report 2016 noch 47 Prozent, so machten in der aktuellen Ausgabe 61 Prozent der Befragten diese Angabe.

Dabei offenbaren sich auch deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Niedersachsen 51 Prozent der Befragten bei sich eine Vorsorgelücke sehen, sind es in Berlin 74 Prozent. Die Bundeshauptstadt stellt damit den Negativrekord unter den Ländern auf.

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Diese Rentenversicherungen bieten die besten Leistungen

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Deutschlandweit gibt mehr als die Hälfte „zu geringes Einkommen oder Vermögen“ als Grund dafür an, dass sie zu wenig in die eigene Altersversorge investieren. Nicht einmal jeder Zehnte sagt, dass er sein Geld lieber für Konsum als für Sparanlagen ausgibt.

Dabei ist den Berufstätigen gute Altersvorsorge wichtig: Gut zwei Drittel der Befragten gaben an, dass Absicherung im Ruhestand für sie zu den drei wichtigsten Lebenszielen gehört.

Schlecht informiert

Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden.

Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB

Foto: Fotolia

Lückenhafte Vorsorge

Oft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören:

1) individuelle Vorsorgevollmacht

2) Patientenverfügung

3) Klärung der Finanzen im Pflegefall

4) Testament

Foto: Fotolia

Die falschen Berater

„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren.

Foto: Fotolia

Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge

Jeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler.

Foto: Fotolia

Schwarze Schafe

Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.

Foto: WirtschaftsWoche, Fotolia

Informiert ins Gespräch

Wer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen.

Foto: Fotolia

Vorsorge-Flickenteppich

Beraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist.

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Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen

Einige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind.

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Hochriskante Anlagen

Wer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente.

Foto: Fotolia

Alles auf eine Karte setzen

Winkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne.

Foto: Fotolia

Während die arbeitende Bevölkerung mit ihrer Vorsorge unzufrieden ist, sind es die heutigen Ruheständer mit ihrer aktuellen Lebensqualität. Fast 60 Prozent gaben an, dass sich ihre Lebensqualität im Vergleich zu ihrem Erwerbsleben verschlechtert habe. Nur elf Prozent sehen eine Verbesserung. Vor einem Jahr meinten nur 41 Prozent, dass sich ihre Lebensqualität verschlechtert habe, während ein Drittel eine Verbesserung ausmachen konnte.

Dementsprechend sind sich zwei Drittel der Berufstätigen und drei Viertel der Ruheständler einig, dass höhere Renten das wichtigste Staatsziel sind – noch vor geringeren Steuern und besserer Bildung.

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Für beide Gruppen ist dabei jedoch klar, dass ein höheres Rentenniveau nicht durch eine steigende Staatsverschuldung finanziert werden sollte. Jeweils gut die Hälfte der Deutschen sieht das so. Lediglich in Nordrhein-Westfalen würde sich für die Schuldenfinanzierung eine knappe Mehrheit finden.

Die private Altersvorsorge scheint dabei keine gute Alternative zu sein: Deutschlandweit weiß die Hälfte der Erwerbstätigen nicht, ob sie überhaupt noch Sinn macht. In Berlin sind es sogar 65 Prozent.

„Wovor haben Sie Angst, wenn Sie an das Älterwerden denken und was hoffen Sie, wenn Sie an das Älterwerden denken?“ Diese Fragen stellten Forscher des Sinus-Instituts für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft insgesamt 1000 Deutschen zwischen 40 und 55 Jahren – also den Rentnern von morgen. Heraus kam die Studie „Ruhestand 2040“, die Auskunft darüber gibt, wie die Rentner der Zukunft auf das Alter blicken.

Foto: dpa

Angst vorm Älterwerden

...betrifft 44 Prozent der Befragten. Die Rentner von morgen blicken jedoch mehrheitlich (56 Prozent) eher gelassen in die Zukunft.

Foto: dpa

Gesundheitliche Ängste

Zu den konkreten Ängsten gehört vor allem die Angst, krank zu werden. So machen sich über 90 Prozent der 40- bis 55-Jährigen Sorgen, im Alter gesundheitlich abzubauen. Vor körperlichen Einschränkungen fürchtet sich jeder Zweite, ebenso wie vor dem Verlust der geistigen Kraft.

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Soziale Ängste

Drei von vier Befragten haben Angst davor, dass sie im Alter allein und einsam zurückbleiben. Etwa 40 Prozent sorgen sich zudem, dass sie im Alter verstärkt von anderen abhängig sind und anderen zur Last fallen könnten.

Foto: dpa

Finanzielle Ängste

37 Prozent der 40- bis 55-Jährigen haben große Angst vor Altersarmut. Jeder Dritte fürchtet, dass der gewohnte Lebensstandard nicht gehalten werden kann oder ein sozialer Abstieg droht.

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Gesundheitliche Hoffnungen

Die größte Hoffnung der Rentner von 2040 ist es, bei guter Gesundheit zu bleiben. 62 Prozent wünschen sich vor allem, fit genug zu sein, um Reisen zu können.

Foto: dpa

Soziale Hoffnungen

Viel Zeit mit den liebsten Menschen zu verbringen ist ebenfalls eine viel genannte Hoffnung der 40- bis 55-Jährigen fürs Rentenalter. Ganz vorne liegt Zeit mit dem Partner zu verbringen, dicht gefolgt von Zeit mit der Familie und Zeit für Freunde und Bekannte.

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Finanzielle Hoffnung

Passend zur Angst vor Altersarmut hofft jede(r) zweite Befragte, dass er/sie im Alter finanziell so gut abgesichert sein wird, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Nur jedem Vierten ist wichtig, ein Vermögen angespart zu haben oder Geschenke machen zu können.

Foto: dpa

Sowohl Berufstätige als auch Ruheständler halten hingegen die betriebliche Altersvorsorge für eine gute Möglichkeit der Altersvorsorge und erwarten vom Staat diese zu stärken. So soll nach Meinung von fast drei Viertel der Berufstätigen jeder Berufsanfänger automatisch in eine betriebliche Altersvorsorge beitreten. Unter den Ruheständlern sprechen sich sogar mehr als vier von fünf Befragten für diese Maßnahme aus.

In beiden Gruppen wollen außerdem drei Viertel der Befragten, dass der Staat seine Zuschüsse für die betriebliche Altersvorsorge erhöht. Das dürfte auch im Jahr der Bundestagswahl ein interessantes Ergebnis sein.

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