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Pharmakonzern Roche„Wir brauchen neue Preismodelle“

Der Verwaltungsratschef des Schweizer Pharmakonzerns Roche über den Kampf gegen Google und Co. und die fragwürdigen Praktiken seiner Branche.Jürgen Salz 22.07.2017 - 08:48 Uhr

Franz, 57, leitet den Roche-Verwaltungsrat seit 2014. Zuvor war er Chef der Lufthansa.

Foto: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Franz, messen Sie Ihre Körperfunktionsdaten, um zu wissen, wie fit Sie sind?
Christoph Franz: Wie Sie sehen, trage ich kein Fitbit oder ähnliches am Unterarm. Ich habe mal ein Vorläufermodell genutzt, aber irgendwann kannte ich meine Schlafphasen. Ständige Pulskontrolle wollte ich auch nicht. Insgesamt war der Erkenntnisgewinn dann eher marginal.

Roche aber ist ganz versessen darauf, Gesundheitsdaten von Patienten zu sammeln.
Es gibt noch Tausende von seltenen Krankheiten, die nicht behandelt werden können, und das Wissen darüber ist über die ganze Welt verstreut. Die Daten wollen wir zusammenführen, um neue Erkenntnisse über die Krankheiten und ihren Verlauf zu gewinnen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will mithilfe von Daten gleich alle Krankheiten weitgehend ausrotten und steckt Milliarden in die Grundlagenforschung.
Das Geld wird nicht reichen. Zuckerberg will über zehn Jahre drei Milliarden Dollar investieren. Roche investiert pro Jahr etwa acht bis neun Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, dazu gehört auch die Grundlagenforschung. Und unsere Forscher publizieren ungefähr so viele Ergebnisse in den wichtigen Fachjournalen wie die Forscher von Harvard und Stanford zusammen. Krankheiten gibt es aber immer noch.

abbvie Deutschland

Umsatz 2015: 22,8 Milliarden US-Dollar

Aus der Pharmasparte von Abbott ging 2013 das BioPharma-Unternehmen abbVie hervor, das an den deutschen Standorten in Wiesbaden, Ludwigshafen und Berlin circa 2600 Mitarbeiter beschäftigt. Diese sind für die jährliche Produktion von etwa 1,8 Milliarden Tabletten und Kapseln zur Behandlung von Krebs, Hepatitis C und Erkrankungen des zentralen Nerven- sowie Immunsystems verantwortlich. Innerhalb von drei Jahren hat sich die ehemalige forschungsbasierte Pharmasparte laut Studie eine derart gute Reputation in Facharztkreisen erarbeitet, dass der Konzern - gemessen an der Gesamtbeurteilung - auf Platz 18 im Pharma-Trend-Ranking landet.  

Quelle: Pharma-Trends 2016

Foto: Presse

Gilead Sciences
Umsatz 2015: circa 32 Millionen US-Dollar

Die deutsche Niederlassung des biopharmazeutischen Unternehmens Gilead Sciences besteht seit 1991 in München. Der Konzern, der innovative Therapeutika für Bereiche entwickelt und vermarktet, in denen der medizinische Bedarf bisher noch nicht gedeckt werden konnte, hat sich eigenen Angaben zu Folge zum Ziel gesetzt, die Versorgung von Patienten zu verbessern,  die an lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. Am deutschen Standort liegt der Fokus auf dem Vertrieb medizinischer Produkte.

Die im Rahmen der Studie befragten Fachärzte schätzen das Unternehmen nicht nur aufgrund seiner Marketing-, Vertriebs- und Servicequalitäten, die sich der Konzern selbst auf die Fahne schreibt, sondern auch hinsichtlich der Gesamtwirkung, die im Ranking ebenso stark gewichtet wurde. Insgesamt landet Gilead Science auf einem soliden 17. Platz.

Foto: AP

Celgene Deutschland
Umsatz 2015: 9,2 Milliarden US-Dollar 

Das 1986 in den USA gegründete biopharmazeutische Unternehmen Celgene ist seit 2006 auch in Deutschland am Standort München vertreten und beschäftigt dort inzwischen 300 Fachkräfte, die sich neben der Behandlung von bösartigen hämatologischen Erkrankungen außerdem für die Onkologie, entzündliche Erkrankungen und Erkrankungen des Immunsystems engagieren. Da Celgene (ähnlich wie der Konkurrent Gilead Science) von sich selbst sagt durch die Entwicklung innovativer Arzneimittel Menschenleben retten zu wollen, fließt ein überdurchschnittlicher hoher Anteil der Gelder in die Forschung und Entwicklung.

Wenn man nach den Studienergebnissen geht, scheinen Fachärzte dieses Engagement zu würdigen. In dem Ranking, das unter anderem auf der Grundlage der fachärztlichen Beurteilung der Innovationskraft, dem Geschäftserfolg und dem ethischen Handeln basiert, landet Celgene Deutschland auf Platz 16.

Foto: Presse

Biogen
Umsatz 2015: 10,8 Milliarden US-Dollar

Aufgrund der Wirksamkeit und Innovationskraft des Medikaments Tecfidera wurde der US-amerikanische Biotechnologiekonzern Biogen im letzten Jahr bereits im Rahmen der Pharma-Trend-Awards mit der „Goldenen Tablette“ zur Behandlung von Multiple Sklerose ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr ist der Konzern, der seit 1997 auch über eine Niederlassung in Ismaning bei München verfügt, wieder im Ranking der besten Pharma-Unternehmen Deutschlands vertreten. In der Gesamtbeurteilung landet Biogen auf Platz 15. Seinen guten Ruf hat der Biotechnologiekonzern insbesondere seinen Entwicklungen im Bereich der Therapien für Autoimmunerkrankungen und dem und seinen ökologischen Prinzipien zu verdanken, für die Biogen 2014 sogar zum Spitzenreiter des Dow Jones Sustainability Index erklärt wurde.   

Foto: AP

Pfizer
Umsatz 2015: 48,9 Milliarden US-Dollar

Mehr als 200 Millionen Medikamentenpackungen wurden 2014 alleine an den deutschen Niederlassungen des Pharmakonzerns Pfizer hergestellt. Das lässt die Relevanz der 2000 Mitarbeiter in Berlin, Freiburg, Karlsruhe und München zumindest erahnen – zumal das „grüne Werk“ am Standort Freiburg nach Angaben des Unternehmens als Vorreiter „in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der pharmazeutischen Industrie“ fungieren soll. Die Beurteilung der Fachärzte, die unter anderem die Dimensionen „Ethisches Handeln“, „Verantwortung“ und „Gesamtwirkung“ bewerten mussten, scheint diese Aussage zu bestätigen. Insgesamt reicht die Bewertung für Platz 14.

Foto: dpa

Platz 13: Bayer HealthCare
Umsatz 2015: 46,3 Milliarden Euro

Bayer kann auf eine 150-Jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken und wirbt mit seinen innovativen Produkten „für ein besseres Leben“. Die Kernkompetenzen des Life-Science-Unternehmens liegen in den Bereichen Gesundheit und Agrarwirtschaft. Von den weltweit 55.900 Mitarbeitern sind alleine 36.7000 an den zahlreichen deutschen Standorten beschäftigt. In der medizinischen Forschung liegt der Fokus unter anderem auf Infektionskrankheiten, Onkologie, Neurologie und Kardiologie. Aufgrund der Gesamtbeurteilung der befragten Fachärzte landet Bayer (Deutschland) auf Platz 13 des Rankings.

Foto: REUTERS

Sanofi
Umsatz 2015: 34,54 Millionen Euro

Die im Rahmen der diesjährigen Pharma-Trend-Studie durchgeführten Fachärztebefragungen über die deutschen Tochtergesellschaften von Sanofi fielen insgesamt sehr positiv aus, sodass der Pharmakonzern auf Platz zwölf des Pharma-Trend-Rankings landet. Insgesamt etwa 9200 Mitarbeiter sind an den deutschen Niederlassungen in Frankfurt und Berlin beschäftigt, alleine 8400 bei der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH in Frankfurt. An den beiden Standorten kümmern sie sich genauso um die Produktion, Fertigung und Verwaltung wie um die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe für Arzneimittel. Die Forschungsschwerpunkte liegen hier bei Diabetes und Alterserkrankungen.

Foto: Presse

MSD
Umsatz 2015: 39,5 Milliarden US-Dollar; davon in Deutschland 1,4 Milliarden Euro

Allein am Umsatz gemessen ist MSD der fünftgrößte Arzneimittelhersteller der Welt, der Corporate Responsibility groß schreibt. Zum Kerngeschäft des Pharmaunternehmens gehören neben verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auch Impfstoffe und Präparate für die Tiergesundheit. Von den weltweit circa 68.000 Mitarbeitern sind etwa 1800 in Deutschland tätig. Im Ranking der besten Pharmaunternehmen landet MSD nach der Bewertung von Fachärzten auf Platz elf.

Foto: dpa

Merck Deutschland
Umsatz 2015: 12,8 Milliarden Euro

Unter die besten zehn Unternehmen der Pharmabranche haben es die deutschen Merck-Gesellschaften geschafft. Die Niederlassung in Gernsheim ist Produktionsstandort und ist eigenen Angaben zufolge der zweitgrößte Arbeitgeber im Kreis Groß-Gerau. Die im Rahmen der Studie befragten Fachärzte waren sich darüber einig, dass der Chemiekonzern, der in den Bereichen Healthcare und Life Science zu Hause ist, zu Recht eine gute Reputation genießt. In der Gesamtwertung landet Merck Deutschland daher auf Rang zehn.

Foto: Presse

AstraZeneca
Umsatz 2015: 24,7 Milliarden US-Dollar

Auch für AstraZeneca spielt gesellschaftliche Verantwortung eine große Rolle – das zumindest geht aus den eigenen Angaben des Unternehmens hervor, laut denen das Forschungsunternehmen 12 Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen finanziell unterstützt. AstraZeneca gehört nicht nur zu den weltweit führenden Arzneimittelherstellern, sondern auch zu den Marktführern Deutschlands. Seit 1978 werden am Produktionsstandort in Wedel Tabletten, Kapseln, Tuben, Ampullen und Flaschen verpackt, die Beschwerden von Patienten mit Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und entzündlichen Erkrankungen mindern sollen. Auch für Krebs-Erkrankungen, Infektionen und neurologische Krankheiten wird stetig an innovativen Medikamenten geforscht.

Unter Berücksichtigung der Dimensionen „Kompetenz“, „Zuverlässigkeit“, „Empfehlung“, „Transparenz“ und „Verantwortung“ schneidet AstraZeneca bei den befragten Fachärzten gut ab, was für einen soliden neunten Platz im Ranking reicht.

Foto: Presse

Astellas Pharma
Umsatz 2015: 109 Millionen Euro

Astellas Pharma, das 2005 aus der Fusion der japanischen Firmen Fujisawa und Yamanouchi entstanden ist, beschäftigt mittlerweile 17.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Am deutschen Standort in München arbeiten etwa 400 Fachkräfte an der Herstellung, Vermarktung und dem Vertrieb von Arzneimitteln für verschiedene medizinische Fachbereiche, darunter Transplantation, Schmerztherapie und Onkologie. Fachärzte scheinen das Leitbild wertzuschätzen, laut dem „Patienten oberste Priorität“ in der Forschung genießen und „therapeutische Lücken“ geschlossen werden sollen. Platz acht im Ranking.

Foto: dpa

Bristol-Myers Squibb
Umsatz 2015: 16,6 Milliarden US-Dollar

Den achten Platz teilt sich Astellas Pharma mit Bristol-Myers Squibb, dem weltweit operierenden Pharma- und Biotech-Unternehmen, das seinen deutschen Sitz in München hat. Einen besonderen Fokus legt Bristol-Myers Squibb auf Innovationen, die im Pharma-Trend-Ranking als Unterkategorie „Innovationskraft“ eine starke Beachtung finden und von Fachärzten als Dimension bewertet wurden. Therapeutisch liegt der Fokus auf der Entwicklung verschreibungspflichtiger Arzneimittel für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, HIV, Hepatitis und Krankheiten des Immunsystems.

Foto: Presse

Boehringer-Ingelheim
Umsatz 2015: 14,8 Millionen Euro

Mit einem Umsatz von 14,8 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr zählt auch Boehringer-Ingelheim zu den umsatzstärksten Pharmaunternehmen der Welt. Zudem kommt das global orientierte Unternehmen, das bereits seit 1885 besteht, bei Fachärzten gut an. Das zumindest geht aus der Studie hervor. Durch eine gute Gesamtbeurteilung landet das Unternehmen, das am Standort Deutschland rund 14.893 Mitarbeiter beschäftigt, auf Platz sieben im Ranking.

Foto: dpa

Novo Nordisk
Umsatz 2015: 65,9 Millionen DKK

Das dänische Unternehmen Novo Nordisk erlangte durch die Produktion des Medikaments Insulin in den 20er Jahren weltweiten Ruhm. Seitdem gehört der Arzneimittelhersteller zu den Weltmarktführern im Bereich der Diabetesversorgung und konzentriert sich zudem auf die Herstellung von Blutgerinnungsmedikamenten und Wachstumshormontherapien. Der Deutschlandsitz befindet sich seit 1958 in Mainz. Unter den insgesamt 39 bewerteten Pharmaunternehmen zählt Novo Nordisk – laut fachärztlicher Gesamtbeurteilung – zu den sechs besten der Welt.

Foto: REUTERS

Lilly Pharma
Umsatz 2015 (Deutschland): 610,1 Millionen Euro

Mit einem Jahresumsatz von circa 20 Millionen US-Dollar zählt auch Lilly Pharma zu den größten Pharmaunternehmen der Welt. Alleine in Deutschland sind 956 Mitarbeiter für den Pharmakonzern tätig, sodass die Tochterfirma auch hierzulande zu den umsatzstärksten zählt. Die Hauptniederlassung befindet sich in Bad Homburg. Seinen Aufstieg hat das Unternehmen vor allem dem Antidepressivum Prozac zu verdanken. Bis heute liegen die Forschungsschwerpunkte bei der medizinischen Behandlung von Diabetes, Krebserkrankungen und psychischen Krankheiten - das umsatzstärkste Präparat ist Zyprexa gegen Schizophrenie. Das scheinen Fachärzte zu schätzen zu wissen, denn laut deren Beurteilung landet Lilly Pharma auf Platz fünf.

Foto: Presse

Novartis Pharma (Novartis AG)
Umsatz 2015: 49,4 Milliarden US-Dollar

Nach der Beurteilung der Fachärzte landet Novartis auf Platz vier der besten Pharmaunternehmen Deutschlands. Überzeugen kann es insbesondere durch seine Erfahrungswerte. Novartis Pharma ist 1996 aus der Fusion der beiden ehemaligen Basler Pharma- und Chemieunternehmen Ciba-Geigy AG und Sandoz hervorgegangen und kann auf eine rund 250-Jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Im letzten Jahr machte der Konzern durch die Übernahme der Krebssparte des Konkurrenten GlaxoSmithKline von sich Reden, dem das Unternehmen im Gegenzug die eigene Impfstoff-Produktion für 7,1 Milliarden Dollar verkaufte.

Foto: obs

GlaxoSmithKline
Umsatz 2015: 23.923 Millionen britische Pfund

Gleich zwei Pharmariesen landen auf Platz drei des diesjährigen Rankings – GlaxoSmithKline ist eines davon. Als weltweit sechstgrößtes Pharmaunternehmen zählt es auch deutschlandweit nicht nur gemessen am Umsatz und der Anzahl der Mitarbeiter zu den größten Konzernen, sondern schneidet auch bei Fachärzten überdurchschnittlich gut ab. An den deutschen Produktionsstätten forschen rund 3800 von weltweit rund 100.000 Mitarbeitern in den drei Geschäftsbereichen Pharma, Biologicals und Consumer Healthcare.   

Foto: WirtschaftsWoche

Roche Pharma
Umsatz 2015: circa 44 Milliarden Euro

Über die gleiche Platzierung kann sich Roche Pharma mit Hauptsitz in Basel freuen. Der Konzern beschäftigt mehr als 90.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern; die Standorte in Deutschland zählen zu der zweitwichtigsten Länderorganisation des Konzerns. Alleine in Berlin, Grenzach, Mannheim, Penzberg und Waiblingen arbeiten rund 15.400 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung. Den Forschungsschwerpunkt bilden die Gebiete Onkologie, Virologie und Transplantationsmedizin. Den Erkenntnisgewinn wissen auch Fachärzte zu schätzen. Platz drei.

Foto: dpa/dpaweb

Takeda Pharma
Umsatz 2015: 1,78 Milliarden Yen

Gemessen an der fachärztlichen Beurteilung landet Takeda deutschlandweit auf dem zweiten Platz im Ranking. Das weltweit operierende Pharmaunternehmen ist seit 1981 auf dem deutschen Markt vertreten. Während am Hauptsitz in Berlin das Hauptaugenmerk auf dem Vertrieb liegt, steht im Stadtteil Oranienburg die Herstellung fester, flüssiger und steriler Arzneimittel im Vordergrund. Neben der reinen Medikamentenforschung engagiert Takeda Deutschland sich – eigenen Angaben zu Folge für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems.

Foto: dpa

Janssen-Cilag
Umsatz 2015: 1,07 Milliarden Euro

Das seit 1959 auch in Deutschland vertretene Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Janssen-Cilag schneidet nach der fachärztlichen Beurteilung im diesjährigen Ranking am besten ab. Das Unternehmen, das am Hauptsitz in Neuss mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt, hat im letzten Jahr allein in Deutschland einen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro erwirtschaftet und überzeugt durch Innovationskraft, insbesondere auf den Forschungsgebieten der Infektiologie, Immunologie, Psychiatrie und Onkologie. Seit 2003 hat der Gesundheitskonzern als Teil von Johnson & Johnson mehr als 20 Produkte neu auf dem Markt eingeführt, davon sechs alleine im Jahr 2014.

Foto: Presse

Zuletzt hat Roche nur Datenspezialisten wie Foundation Medicine oder Flatiron Health erworben. Wird Roche ein Techkonzern?
Nein, wir bleiben Roche. Bei uns stehen medizinische Fragen im Vordergrund. Aber wir bewegen uns da sicherlich aufeinander zu. Das muss ja nichts Schlechtes sein. Tesla hatte ja auch eine durchaus stimulierende Wirkung auf die Autoindustrie.

Der Exchef Ihrer US-Tochter Genentech hat den Google-Ableger Calico gegründet, der das Altern bekämpfen will. Wird die Pharmabranche bei Innovationen bald ähnlich vorgeführt wie die Autokonzerne von Tesla?
Wir sind gegen die Konkurrenz gut gewappnet. Wir haben ein großes Spezial-Know-how, auch bei digitalen Tools, das so leicht nicht einzuholen ist.

Stört es Sie gar nicht, dass viele Roche-Forscher zu den Biotech-Start-ups abwandern?
Das ist ja zunächst ein Kompliment für uns, denn so werden wir als qualifiziertes Unternehmen wahrgenommen. Nach einer Weile stellen viele fest, dass das Gras auf der anderen Seite auch nicht grüner ist, und kehren von den Start-ups wieder zu Roche zurück.

Wo es ja auch noch einiges zu tun gibt. Roche ist zwar Marktführer für personalisierte Medizin – bei Medikamenten, die genauer auf Patientengruppen und deren genetische Veranlagung abgestimmt sind. Seit Jahren hört man aber nur vom Brustkrebsmittel Herceptin. Haben Sie sonst nichts zu bieten?
Herceptin war sicher unser Frontrunner. Damit können Frauen, die bestimmte genetische Merkmale aufweisen und unter einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs leiden, sehr gut behandelt werden. Das betrifft etwa 16 bis 20 Prozent der Patientinnen. Aber es gibt natürlich andere zielgerichtete Medikamente, etwa eine Kombinationstherapie gegen Hautkrebs oder ein kürzlich zugelassenes solches Medikament gegen Lungenkrebs, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir arbeiten zudem an einer personalisierten Krebsimpfung und an gezielten Antibiotika.

Für die Branche ist das ein kritischer Trend. Bislang kassieren die Hersteller immer für ein Medikament ab – egal, ob es wirkt.
Wir brauchen neue Preismodelle in der Pharmaindustrie. Bei uns heißt das: Pay for performance.

Wie funktioniert das konkret?
In einigen Ländern ist es bereits möglich, Informationen über den Erfolg einer Behandlung zu erhalten. Dies kann die Grundlage für ein Preismodell sein, bei dem die Erstattung davon abhängt, ob ein klar definiertes Behandlungsziel erreicht wird.

Macht sich die Industrie aber nicht ihr Geschäftsmodell so kaputt?
Nein, ganz und gar nicht. Wenn wir hervorragende Medikamente haben, dann können wir auch gute Preise verlangen. In Italien zahlen die Krankenversicherer schon für unser Krebsmittel Avastin nur, wenn sich eine Wirkung zeigt.

Hepatitis-Medikament Sovaldi

Was aus der 1000-Dollar-Pille wurde

von Jürgen Salz

Warum nicht auch in Deutschland?
Wir sind da im Gespräch, und eine leistungsabhängige Vergütung ist vom Gesetzgeber her möglich. Aber solche Modelle stoßen nicht überall auf Begeisterung. Schließlich brauchen Sie dafür entsprechende Daten und Statistiken. Viele Entscheider im Gesundheitssystem sind da eher konservativ.

Scheitern Ihre schönen Pläne an der hohen Datensensibilität der Deutschen?
Ach was. Ich war ja auch mal Vorstandschef der Lufthansa. Da habe ich erlebt, wie viele Daten die Passagiere freiwillig zur Verfügung stellen, um an zusätzliche Meilen zu kommen. Und im Gesundheitsbereich ist der Nutzen ungleich größer. Zudem: Bei unseren Anwendungen der Daten geht es ja stets um zusammengefasste, anonymisierte Daten, nicht um Daten von Einzelpersonen.

Und wer sich weigert, erhält dann einen schlechteren Tarif bei der Versicherung?
Das ist eine schwierige Diskussion, da habe ich auch noch keine abschließende Antwort. Natürlich haben die Versicherer ein Interesse, nur die guten Risiken zu versichern. Damit genau das nicht passiert, gibt es im Gesundheitswesen Versicherungen nach dem Solidarprinzip.

Bei ihren Preisforderungen würden die Medikamenten-Hersteller „über Leichen gehen“, sagte der designierte US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Namen nannte er nicht. Etliche Unternehmen dürfen sich dennoch angesprochen fühlen:

Foto: AP

Mylan

Der US-Konzern Mylan erhöhte den Preis für seine Allergiespritze EpiPen von 100 auf 600 Dollar. EpiPen ist ein lebenswichtiges Medikament, das im Notfall sofort verabreicht werden muss. Die Herstellungskosten dürften sich auf wenige Dollar belaufen.

Foto: AP

Gilead

Das amerikanische Biotech-Unternehmen Gilead verlangt für die Drei-Monats-Packung seines Mittels Epclusa gegen Hepatitis C insgesamt 74.760 Dollar. Allerdings ist das Mittel in der Lage, Hepatitis C tatsächlich zu heilen. Das Vorgängermedikament Sovaldi erlangte schon Preis-Berühmtheit: 1000 Dollar kostete die Einnahme einer einzigen Pille.

Foto: AP

Bayer und Roche

Auch europäische Hersteller könnten in das Visier von Trump geraten. Für Krebsmedikamente verlangen Hersteller wie Bayer oder Roche aus der Schweiz  oft mehrere tausend Euro pro Monat. Nexavar von Bayer verlängert das Überleben von Nierenkrebspatienten im Schnitt um 2,8 Monate. Mit Tarceva gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs können Patienten im Schnitt 14 Tage länger leben.

Foto: dpa

Turing Pharmaceuticals

Zur Hassfigur wurde vor gut einem Jahr Martin Shkreli, dessen Unternehmen Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim kaufte und den Preis von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille anhob – eine Erhöhung um 5555 Prozent. Daraprim hilft unter anderem Aids-Patienten – für viele war das Medikament damit unerschwinglich geworden. Nach einem Shitstorm gelobte Shkreli jedoch, den Preis wieder zu senken.

Foto: AP

Ihre Branche steht seit Jahren in der Kritik, zu hohe Medikamentenpreise zu verlangen. Ihr Konkurrent Gilead etwa hat 1000 Dollar für eine Pille gegen Hepatitis C verlangt.
Gilead ist völlig zu Unrecht in die Kritik geraten. Die haben es geschafft, eine bestimmte Krankheit vollständig zu beseitigen. Wenn Sie diese Pillen einige Wochen lang einnehmen, sind Sie von Hepatitis C geheilt. Die Kosten für Lebertransplantationen oder für Krankenhausaufenthalte fallen damit weg. Das Volumen an Patientinnen und Patienten schrumpft, also müssen sie die Gewinne gleich am Anfang machen. Es geht auch darum, Innovationen zu belohnen.

Medikamente sind auch deswegen oft so teuer, weil Kosten für gescheiterte Medikamente mit eingerechnet werden.
Das ist eine Sitte in unserer Branche, die zu Recht hinterfragt wird. Die ineffizientesten Unternehmen könnten so ja schlimmstenfalls die höchsten Preise verlangen. Ich bleibe dabei: Die Preise müssen sich am Nutzen für die Patienten orientieren.

Diese Pharmafirmen zahlten 2016 die größten Geldsummen an Mediziner, Fachkreisangehörige und Institutionen
23,6 Millionen Euro
17 Millionen Euro
12,1 Millionen Euro
11,7 Millionen Euro
11,2 Millionen Euro

US-Präsident Donald Trump wirft Ihnen und ihren Kollegen Wucherpreise vor. Wie gefährlich ist er für das Roche-Geschäft auf dem größten Markt der Welt?
Es gab in den USA viele schlechte Beispiele. Denken Sie an den Fall Martin Shkreli, der sich das Monopol an einem Notfallmedikament erkauft hat, um den Preis um mehr als das 50-Fache hochzusetzen. Das wäre bei Roche undenkbar. Wir bieten in den USA etwa unser neues Mittel gegen multiple Sklerose zu einem Preis an, der 25 Prozent unter dem des aktuellen Wettbewerbers liegt.

Trump verlangt auch, dass die Konzerne verstärkt in den USA produzieren.
Wir sind da gut aufgestellt und haben keine weiter gehenden Pläne. Tatsächlich ist Roche einer der größten Exporteure aus den USA.

Eine weitere Bedrohung ist das Ende von Obamacare, der staatlichen Zwangsversicherung. Zehntausende Patienten fallen künftig als Kunden für Sie in den USA aus.
Für ein Pharmaunternehmen ist so eine Entwicklung grundsätzlich schlecht, ebenso aus volkswirtschaftlicher Perspektive für eine Gesellschaft. Der Zugang zu Medikamenten und eine umfassende medizinische Versorgung ist eine wichtige Errungenschaft.

Die Umsätze fehlen jetzt. Zudem laufen bei Roche die Patente wichtiger Krebsmedikamente aus. Wie verkraften Sie den Ausfall?
Sehr gut. Wir bringen innerhalb von anderthalb Jahren fünf neue Medikamente auf den Markt, das liegt klar über dem Schnitt, etwa Präparate gegen multiple Sklerose oder gegen die Bluterkrankheit. Einen solchen Schub hat es bei Roche noch nie gegeben.

In der Krebsimmuntherapie, wo der Krebs durch das Immunsystem bekämpft wird, liegt Roche hinter den US-Konzernen Bristol Myers Squibb und Merck und Co. zurück. Wie war das mit den Innovationen noch mal?
Wir haben zunächst nicht geglaubt, dass der Ansatz funktioniert. Dann haben wir unsere Studiendaten gesehen, und da war klar, dass wir vor einem Durchbruch stehen. Nun sind wir schon die Nummer drei. Ich bin begeistert davon, was wir in dem Gebiet noch zeigen werden. Meine Hoffnung ist, dass Krebs immer mehr von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit wird.

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