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Wirtschaft im WeitwinkelDigitalisierung muss ganz oben auf die GroKo-Tagesordnung!

Digitalisierung und Automatisierung verändern die Gesellschaft radikal, es drohen Facharbeitermangel und Arbeitslosigkeit zugleich. Und die Politik interessiert sich kaum dafür. Dabei müssen wir uns dringend vorbereiten.Stefan Bielmeier 07.02.2018 - 06:00 Uhr
Foto: Fotolia

Industrie 4.0, Blockchain, Cloud, künstliche Intelligenz und permanente Vernetzung sind einige Schlagworte zur Digitalisierung. Tatsächlich vergeht kaum eine Woche, in der man nicht einen Teilaspekt der Digitalisierung bespricht. Dies zeigt die Dominanz und Relevanz dieses Themas. Tatsächlich wird die Digitalisierung und Automatisierung unseren Lebensstil und die Arbeitswelt stark beeinflussen und nachhaltige Effekte haben. Und welchen Stellenwert hatte dieses Thema in den aktuellen Verhandlungen zur neuen großen Koalition? Es kam nur am Rande vor.

Digitalisierung und Automatisierung werden radikal in die Gesellschaft eingreifen. Kurz gesagt werden sämtliche Tätigkeiten, die wiederholbar sind, auf dem Prüfstand stehen, ob man diese nicht automatisieren kann. Und in den meisten Fällen wird das möglich sein.

Das Gleiche gilt für Tätigkeiten, die nicht sehr kreativ sind. Auch diese wird man in einigen Jahren durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz zumindest teilweise automatisieren können. Dabei ist natürlich nicht sicher, bis zu welchen Grad und vor allem mit welcher die Veränderung voranschreitet. So viel ist klar: Die Unternehmen müssen die Digitalisierung nutzen, um ihre Prozesse zu optimieren bzw. die Kosten zu senken.

Diese Prozessoptimierung mit Hilfe der Digitalisierung ist in der Industrie bereits schon fortgeschritten und gewinnt durch die Vernetzung der Maschinen und Werkzeuge (Schlagwort ist hier: Industrie 4.0) weiter an Dynamik. Im Dienstleistungsbereich und bei Banken steht man dagegen erst am Anfang und die Umwälzungen dürften in diesen wirtschaftlichen Sektoren in den kommenden Jahren noch viel deutlicher spürbar sein.

In früheren Phasen von technologischen Umbrüchen kam es zu einer deutlichen Reduktion der Zahl der Beschäftigten. Dies muss diesmal nicht der Fall sein. Diesbezüglich sind wird zurzeit in der der günstigen Situation, dass der Effekt der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt durch demographische Effekte Großteils ausgeglichen werden kann. Die Babyboomer gehen in den nächsten Jahren in Rente, wodurch man rein rechnerisch einen großen Teil der durch Digitalisierung gefährdenden Stellen ohne einen Anstieg der Arbeitslosigkeit abbauen kann.

Jedoch ergibt sich daraus ein anderes Problem. Das Anforderungsprofil an die Arbeitnehmer wird sich deutlich verändern. Zum einem verlassen mit den Babyboomern im Durchschnitt sehr gut ausgebildete Mitarbeiter den Arbeitsmarkt, zum anderen erfordert die Zusammenarbeit mit Robotern und künstlicher Intelligenz eine hohe Qualifizierung und teilweise auch ganz neue Fähigkeiten. Ohne nennenswerte qualifizierte Zuwanderung wird man in Deutschland nur einen Teil der Nachfrage nach diesen gut ausgebildeten Mitarbeitern finden können. Der Mangel an Facharbeitern könnte also noch erheblich zunehmen.

Einfache Tätigkeiten nehmen ab

Auf der anderen Seite wird die Nachfrage nach Mitarbeitern, die nur einfache Tätigkeiten wahrnehmen, deutlich nachlassen. Defizite in der Ausbildung machen sich entsprechend schnell ungünstig bemerkbar. In Folge dürfe sich am Arbeitsmarkt eine Zweiklassengesellschaft entwickeln, die sich durch das Qualifikationsniveau, aber auch durch das Gehaltsniveau deutlich unterscheiden. Diese Entwicklung könnte weitreichende gesellschaftliche Folgen haben. Die gesellschaftliche Teilhabe von ganzen Bevölkerungsschichten wäre dann nicht mehr gewährleistet. Dies dürfte sich dann auch unvorteilhaft in der politischen Willensbildung niederschlagen und populistische Parteien könnten entsprechend profitieren.

Diese Effekte der Digitalisierung und Automatisierung auf den Arbeitsmarkt sind unabwendbar und eigentlich nur eine Frage der Zeit. Entsprechend bräuchte man bereits jetzt eine ernsthafte Diskussion über politische Konzepte, die die ungünstigen Folgen erst gar nicht aufkommen lassen. Allen voran müsste man die Bildungspolitik modernisieren, die alten Strukturen überdenken und gegeben falls das Bildungssystem mit mehr finanziellen Mitteln ausstatten.

Grundeinkommen und Steuersystem auf den Prüfstand

Eine Diskussion nur über das Bildungssystem ist jedoch zu kurz gesprungen. In vielen Belangen kann man wohl auch gänzlich neue Wege gehen. Eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen ist hier notwendig. Damit verbunden sind aber auch Überlegungen über den Umbau des Steuersystems. Denn mit dem Voranschreiten der Digitalisierung wird immer mehr Wertschöpfung von den Maschinen erbracht. Diese Wertschöpfung wird zurzeit aber nicht gleichwertig zur normalen Wertschöpfung besteuert. Auf Dauer ein Zustand, der nicht durchhaltbar ist.

Diese Jobs sind durch die Digitalisierung entstanden
Der Data Engineer sorgt dafür, dass Data Analysten und Data Scientisten erfolgreich arbeiten können. Denn die Data Engineers sammeln, generieren und säubern die Daten und bereiten sie auf, um sie dann den Analysten und Scientists zur Verfügung zu stellen. Sie stehen in der Wertschöpfungskette quasi ganz am Anfang aber gleichzeitig in enger Abstimmung mit den Fachbereichen und konkreten Inhalten. Eine Herausforderung, mit der sich Data Engineers immer stärker beschäftigen, ist das Thema Big Data und die damit verbundene Komplexität der Daten.Quelle: Telefónica
Neben der Anwendung klassischer Analysemodelle zur Generierung von Business-Insights (Job des bisherigen „Data Analyst“), wendet der Data Scientist komplexere statische Methoden an, hat Kenntnisse im Bereich maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Außerdem spielt beim Data Scientist am Ende eines Projekts die Visualisierung der Ergebnisse und das sogenannte Storytelling eine große Rolle. Das heißt, er muss nicht nur gut mit Zahlen jonglieren, sondern auch kommunikative Fähigkeiten besitzen.
Bei der Arbeit mit Daten kommen die Spezialisten mit Themen wie Datensicherheit und Datenschutz in Kontakt, wodurch wiederrum neue Berufsprofile entstehen. So sucht Telefónica aktuell nach einem Data Protection & Data Security Consultant, der sich als erster Ansprechpartner und Berater um alle internen Themen rund um den Datenschutz bei der neuen Tochtergesellschaft Telefónica NEXT kümmert.
Der Take-to-Market Analyst ist Bindeglied und Übersetzter zwischen Analysten und externen Partnern. Wenn die Mitarbeiter anonymisierte Bewegungsdaten der Kunden nutzen wollen, um ihren Service zu verbessern, übersetzt der TTM Analyst die Anforderung jeweils in die Sprache des anderen. Dafür muss er – wie alle anderen Rollen auch – beide Parteien verstehen können. Er benötigt dazu ein gewisses technisch-analytisches Know-how und zugleich ein unternehmerisches Verständnis. Der TTM Analyst ist ein Allrounder, denn er schreibt ebenso Verträge und begleitet die Produktmanager zum Kundentermin. Anschließend erklärt er den Analysten, was genau zu tun ist.
Er gibt die Leitlinien für den Umgang mit Daten vor. Welche Informationen können bedenkenlos in welchem Zusammenhang verwendet werden? Wo liegen rechtliche Grauzonen bei der Auswertung von Daten? Wo ethische Barrieren? Seine Position ist meist nah am Vorstand angesiedelt, da eine Fehlentscheidung schnell ernsthafte Probleme verursachen kann.Sowohl Mathematiker und Informatiker als auch Physiker sind für die Tätigkeit des Data Strategist besonders geeignet. Denn hohes technisches Verständnis ist Grundvoraussetzung, um nachvollziehen zu können, wie die Daten überhaupt erhoben werden.
Der CDO ist der oberste Digitalisierungsbeauftragte eines Unternehmens – oftmals sogar auf Vorstandsebene. Er gibt die Leitlinien für die Digitalisierung vor: entwickelt neue Geschäftsmodelle, führt innovative Technologien ein und fördert vernetztes Arbeiten in seinem Konzern. In seiner Position muss er die zukünftige Richtung vorgeben, Mitarbeiter und Anteilseigner in die digitale Transformation mitnehmen. Dazu braucht er neben fachlichen Qualifikationen vor allem Überzeugungskraft, Risikobereitschaft und Neugier.
Dieser Entwickler kümmert sich um neue Programme für Smartphones und Tablets. Bei kleineren Unternehmen ist er nicht nur Ideengeber, sondern programmiert die Anwendungen auch selbst.Die meisten Mobile Developer sind entweder auf das Apple-Betriebssystem iOs oder Googles Konkurrenzprodukt Android spezialisiert. Früher ein Feld für Autodidakten, ist dieser Job heutzutage am besten für Informatiker geeignet – egal, ob studiert oder mit Berufsausbildung zum Fachinformatiker.
Der SEO-Manager – die Abkürzung steht für Search Engine Optimization, zu Deutsch: Suchmaschinen-Optimierung – ist der wohl bekannteste Performance Marketing Manager. Er ist dafür verantwortlich, Inhalte von Web-Seiten so zu optimieren, dass sie von Suchmaschinen möglichst gut gefunden werden.Ebenfalls dazu gehören der SEM- und der SEA-Manager. Sie sind für Search Engine Marketing beziehungsweise Search Engine Advertising zuständig. Das heißt, sie entscheiden unter anderem, bei welchen Suchbegriffen eine Anzeige ihres Arbeitgebers erscheint, und kontrollieren den Erfolg solcher Maßnahmen. Ebenfalls in den Aufgabenbereich von Performance Marketing Managern fallen Direktmarketingaktionen zum Beispiel via E-Mail oder die Schaltung von Werbebannern.

Digitalisierung und Automatisierung werden vielen Veränderungen mit sich bringen, für die Gesellschaft, aber auch für den einzelnen Menschen. Bei einer unzureichenden politischen und gesellschaftlichen Debatte dürfte der Standort Deutschland an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit verlieren, da die Konzepte für die Bewältigung der daraus entstehenden Herausforderungen dann fehlen.

Denn eins ist auch klar: Die Welt wartet auch in diesem Thema nicht auf Deutschland. Wenn Deutschland als Standort nicht die richtigen Angebote an die Unternehmen machen kann, werden die Investitionen in besser aufgestellte Länder getätigt werden.

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