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Frauen in Führungspositionen"Chinesinnen gehen dahin, wo die Chancen warten"

Deutsche Managerinnen sollten sich an Chinesinnen orientieren, sagt die ehemalige Topmanagerin Bettina Al-Sadik-Lowinski – vor allem in Sachen Karriereplanung.Claudia Tödtmann 08.07.2018 - 13:15 Uhr

Die ehemalige Topmanagerin Bettina Al-Sadik-Lowinski nutzte einen längeren Aufenthalt in China und führte Forschungen bei weiblichen Führungskräften durch. Sie arbeitet außerdem als Coach für Führungskräfte und Karriereentwicklung.

Foto: PR

WirtschaftsWoche: Frau Al-Sadik-Lowinski, Sie haben mehrere Jahre in China gearbeitet. Was machen die Frauen dort anders?
Bettina Al-Sadik-Lowinski: Sie arbeiten viel selbstverständlicher, gelassener und selbstbewusster in Führungspositionen. China hat mit 38 Prozent einen der höchsten Anteile von Frauen im Top-Management im internationalen Vergleich, ganz ohne Frauenquote.

Wie erklären Sie sich das?
Ich habe für mein Buch unter anderem 35 chinesische Top-Managerinnen befragt. Ihr Erfolgsrezept besteht aus einer Mischung von Umweltfaktoren und individuellen Faktoren. Die Zustimmung in der Gesellschaft für berufstätige Frauen, die gleichzeitig Kinder haben, ist in China extrem hoch. Frauen mit erfolgreichen Managementkarrieren sind gesellschaftlich sehr angesehen, ihr Image als Führungskraft extrem positiv. Wenn ich die weiblichen Führungskräfte nach Unterschieden zu männlichen Kollegen befragte, lautete die häufigste Antwort: „Das Geschlecht ist kein Thema“.

Und warum nicht?
Die meisten Frauen sind in China voll berufstätig und haben auch ein Kind – sie sind der Normalfall. Zum Vergleich: In Deutschland sind 77 Prozent der Managerinnen kinderlos.

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Wie vereinbaren die Chinesinnen Kind und Karriere?
Sie bekommen von ihren Familien volle Unterstützung, vor allem von den Großeltern, die für Haushalt und Kindererziehung quasi im zweiten Beruf zuständig sind. Deshalb können sie sich ihrer Karriere genauso widmen wie hier in Deutschland nur die Männer, denen ihre Ehefrau alles abnimmt.

Gibt es sonst noch Unterschiede?
Chinesinnen verfolgen ihre Karrieren von Anfang an sehr zielstrebig. Sie haben exzellente Ausbildungen an einer oder mehreren Top-Universitäten, haben fließende Fremdsprachenkenntnisse und sind extrem flexibel, was Arbeitsort und Inhalte angeht. Meistens stellen sie berufliche Interessen über private. Sie tun, was nötig ist, um im System der globalen Unternehmen die nächste Karrierestufe zu erreichen, und passen sich schnell an neue Situationen und Menschen an.

Was raten Sie demnach anderen Frauen?
Die Managerinnen, mit denen ich gesprochen habe, beschreiben ihre Karrierestrategie so: „Dahin gehen, wo die Chancen warten“. Sie sind flexibel und risikobereit, sie mögen Veränderungen und suchen sie ganz bewusst. Und alle sind extrem mobil und nehmen in Kauf, dass sie zwischen Arbeit und Familie pendeln oder für die Karriere umziehen müssen – innerhalb Chinas oder besser noch ins Ausland.

Und die eigenen Eltern und der Ehemann ziehen immer mit?
Tatsächlich ziehen manchmal Ehemann und Großeltern mit um – aber es gibt auch andere Modelle. Ja, chinesische Mütter delegieren ihre Kinder, aber eben oft an ihre eigenen Mütter. Das ist Delegieren im positivsten Sinne. Die Großmütter verbringen daher oft mehr Zeit mit ihren Enkeln als die Mütter. Oder sie engagieren eine Nanny, die sich – wenn nötig – rund um die Uhr um das Kind kümmert.

Woher kommt dieser Ehrgeiz?
Die Frauen sind Teamplayer und wollen gleichzeitig die erste sein. Fairer Wettbewerb spornt Chinesinnen an und hat seine Wurzeln in ihrer frühen Erziehung. Ihr Führungsstil dann ist situativ demokratisch, aber auch autoritär, was in China heute immer noch durchaus gewünscht wird.

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Und trotzdem arbeiten chinesische Managerinnen erfolgreich mit westlichen Unternehmen zusammen?
Ja, die größte Fähigkeit der chinesischen Frauen im globalen Unternehmenskontext ist ihre Fähigkeit, zwischen den Kulturen zu wandeln und zu agieren. Sie sprechen nicht nur die Sprache der ausländischen Unternehmen fließend, sondern sind ehrlich neugierig auf fremde Kulturen. Die Frauen führen diese Fähigkeit auch auf ihre konfuzianischen Traditionen zurück, wonach lebenslanges Lernen der Garant ist für ein besseres Leben.

Was können Frauen in Deutschland davon lernen?
Sie sollten sich zuerst klar machen, ob sie wirklich ins Top-Management aufrücken wollen und was die Entscheidung mit sich bringt. Dann sollten sie die nötigen karriererelevanten Fähigkeiten und Eigenschaften schon früh ausbauen. Schließlich ist es unerlässlich, sich längerfristig einen guten Coach zur Karrierebegleitung zu suchen. So wie man ja auch in Gesundheit und gutes Aussehen investiert, muss man auch in die eigene Karriere investieren.

Bettina Al-Sadik-Lowinski: „How Chinese Women Rise”. Cucillier Verlag, 336 Seiten, 29,90 Euro

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