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Kampf gegen CoronaArzneimittelbehörde entscheidet über Impfstopp von Astra-Zeneca – Hausärzte mahnen zur Eile

Heute urteilt die EMA über Astra-Zeneca, am Freitag und am Montag treffen sich Bund und Länder. Die zentrale Frage: Wann wird weiter geimpft? 18.03.2021 - 07:32 Uhr

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will heute entscheiden, ob der Astra-Zeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus weiter verwendet werden soll. Sein Gebrauch war in Deutschland und anderen Ländern nach einigen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen ausgesetzt worden. Wie es nach der Bewertung durch die EMA weiter geht, wollen Bund und Länder am Freitag bei einem „Impfgipfel“ beraten.

Im Fall der Aufhebung des Impfstopps für das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers fordern Hausärzte, das Mittel rasch in ihren Praxen zu verabreichen. „Auch wenn sich zeigt, dass der Impfstoff für die meisten unbedenklich ist, wird es leider nicht gerade leicht werden, das Vertrauen wieder aufzubauen“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Dies wird eines enormen Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient bedürfen.“ Im Impfzentrum werde das nicht möglich sein.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich darauf geeinigt, Mitte April mit dem Impfen in Praxen zu starten. Endgültige Beschlüsse sollen am Freitag gefasst werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn war für seine Entscheidung, die Impfung mit Astra-Zeneca auszusetzen, zunächst heftig kritisiert worden. Zuletzt regte sich von vielen Seiten aber auch Unterstützung für den CDU-Politiker. Spahn habe keine andere Möglichkeit gehabt, als den Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts zu folgen, sagte CDU-Chef Armin Laschet am Mittwochabend in der ARD.

Das für die Impfstoff-Sicherheit zuständige Institut hatte wegen möglicher Gesundheitsrisiken dazu geraten, Impfungen mit dem Astra-Zeneca-Stoff auszusetzen. Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, sagte der „Berliner Zeitung“: „Der Stopp zeigt, dass unser System funktioniert.“

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, hält künftig auch eine eingeschränkte Zulassung für den Astra-Zeneca-Impfstoff für möglich. „Die Experten prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Einnahme von Verhütungsmitteln, Rauchen und Impfen gibt. Möglicherweise haben sich hier Risiken potenziert. Dann könnte es vielleicht eine Zulassung mit Einschränkungen geben – etwa nur für bestimmte Altersgruppen oder beispielsweise ohne gleichzeitige Nutzung der Pille“, sagte Bergmann der „Rheinischen Post“.

Meinungsunterschiede vor Impfgipfel

Vom „Impfgipfel“ fordert er Klarheit: „Ich hoffe auf klare Ansagen, wie es mit Astraz-Zeneca weitergeht. Zudem hoffe ich auf klare Ansagen der Politik zum Osterurlaub. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man angesichts der steigenden Infektionszahlen in den Flieger nach Mallorca steigen kann.“

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte verärgert auf die Streichung Mallorcas von der Liste der Corona-Risikogebiete. „Wir haben durch die Virusmutationen eine richtig schwierige Situation. Da müssen wir doch nicht sehenden Auges weitere Risiken eingehen“, sagte der SPD-Politiker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Streichung von der Risikoliste erfolgt aktuell automatisch, wenn die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen unter 50 sinken. „Liebe Leute, bleibt zu Hause“, lautet der Appell des Regierungschefs mit Blick auf die nahenden Osterferien.

Ähnlich äußerte sich seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz. Malu Dreyer (SPD) sagte der „Welt“: „Ich will lieber, dass die Menschen bei uns Wandern und mit Abstand und Hygiene in ein Gartenlokal gehen können, statt für die Osterferien nach Mallorca zu fliegen und uns möglicherweise Infektionen einzuschleppen.“ Sie plädierte für Modellregionen, in denen stärker ausprobiert werden solle, welche Möglichkeiten es zusätzlich gibt. „Wir werden die Gesellschaft nicht für weitere Monate in ihre vier Wände verbannen können.“

Innenminister Horst Seehofer forderte eine Vereinfachung der Maßnahmen. „Die Regelungen sind mittlerweile zum Teil recht kompliziert geworden und nicht immer logisch“, sagte der CSU-Politiker dem „Münchner Merkur“. „Die Leute verstehen nicht, wenn der Blumenladen schließen muss, aber der Supermarkt nebenan Blumen verkaufen darf.“

Nach ihrem „Impfgipfel“ am Freitag kommen die Spitzen von Bund und Ländern am Montag wieder zusammen, um über das weitere Vorgehen in der Pandemie zu beraten.

dpa
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