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KarriereleiterSo binden Sie das Publikum ein, ohne es zu unterfordern

Fragen stellen, auf die Bühne holen, Luftballons unterm Stuhl: Wenn Sie das Publikum nicht instrumentalisieren oder unterfordern, sondern ernst nehmen, ist die Interaktion mit Ihren Zuhörenden ein großes Plus. Hier ein paar Tipps, wie Sie das schaffen, ohne den Bogen zu überspannen.Marcus Werner 01.06.2022 - 12:55 Uhr

Das Publikum einbinden und begeistern wie einst Obama? So geht's!

Foto: dpa

Nicht nur Kinofilme funktionieren ohne. Es gibt wunderbare Reden, die ohne Interaktion mit dem Publikum auskommen. Warum also die Leute aktiv in Ihren Vortrag einbinden?

Letztendlich dient die Interaktion allein dem immer gleichen Ziel: die Überzeugungskraft Ihres Auftrittes zu erhöhen. Als Argument untauglich für die Aktion mit den anderen ist: „Das macht man doch mittlerweile so.“ Na und? Gucken Sie sich bitte an, was das bringt, wenn der Sinn des Ganzen alleine lautet: ein bisschen die Stimmung auflockern.

Da werden etwa dutzende oder hunderte von Leuten aufgefordert, einen bestimmten Gedanken zum Thema in ihr Handy zu hacken und der erscheint dann zusammen mit zig anderen Einfällen vorne auf der Leinwand und verpufft in Sekunden. Im Zweifel sucht jeder und jede den eigenen Beitrag im Kuddelmuddel und stellt dann fest, dass der am Ende niemanden gejuckt hat. Ergebnis: Enttäuschung über das sinnlose Engagement.

Nicht alles, was technisch und finanziell bei Ihrem Auftritt möglich ist, bringt Sie Ihrem Ziel näher, Ihr Publikum von Ihrem Anliegen zu überzeugen. Gehen wir es einmal durch: Fragen ans Publikum – worin liegt der Wert der Antwort? Fragen ans Publikum zu stellen, ist nach meinem Geschmack die eleganteste und gleichzeitig unprätentiöseste Art, Ihrem Vortrag Schwung zu geben. Wenn die Fragen gut sind.

1. Ja-Fragen

Es ist eine nachweislich wirksame Methode, Menschen dazu zu bringen, Ihnen und Ihren Thesen zuzustimmen, wenn Sie sie in Zustimmungslaune gebracht haben. Wer Ihnen auf nette Kuschelfragen in den ersten Minuten zwei, dreimal im Geiste zugestimmt hat, dem fällt es beim vierten Mal schwerer, sich jetzt mit einem Nein von Ihnen zu distanzieren, selbst wenn es ans Eingemachte geht. Viele Rednerinnen und Redner verfallen deshalb in die Routine, in den ersten Minuten Fragen zu stellen, deren Antworten so sonnenklar „Ja“ lauten, dass die Zustimmung praktisch unausweichlich ist.

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Wollen Sie auch gerne mehr Geld verdienen? Wäre es nicht schön, wenn endlich der Hunger auf der Welt besiegt würde? Kennen Sie das auch: Da wollen Sie einen Kaffee trinken und die Milch ist aus.

Natürlich. Aber sofern Sie nicht mit Menschen reden, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rede hören, denken Sie daran: Bei solchen Fragen besteht die Gefahr, dass die Leute genervt mit den Augen rollen und schon aus Gegenwehr bei solch kränkender Unterforderung zu sich selbst sagen: Nein!

Dennoch kann es sehr wohl gelingen, das Publikum zum Zustimmen zu bekommen und damit zu einer Verschwisterung mit Ihnen. Wenn etwa die Antwort auf die Frage eine Art Bekenntnis ist, auf das Sie alle vorab einschwören wollen. Wenn Sie also mit offenen Karten spielen, dass es Ihnen auf eine kollektive Zustimmung ankommt, ist viel mehr möglich, weil Sie ehrlich sind. Etwa so: Sehen Sie es so wie ich, dass die nächste Stunde der Startschuss sein soll für eine neue vertrauensvolle Firmenkultur?

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Sie könnten sogar sagen: „Mir kommt es darauf an, dass Sie sich einmal zur Einstimmung innerlich dazu bekennen. Damit wir hier alle gedanklich an einem Strang ziehen.“

2. Fragen für einen kleinen Talk

Unterhaltungen mit einzelnen Zuhörenden können sehr, ja, unterhaltsam sein. Für alle. Verbunden mit dem Risiko, dass die Antworten der Befragten vom Thema wegführen oder gar Ihre Thesen konterkarieren. Neben der Wahl der geeigneten Stelle im Vortrag kommt es auch darauf an, gute Fragen zu stellen, wenn Sie Antworten wie „Pfff, da fragen Sie mich was. Keine Ahnung“ vermeiden wollen.

Ich selbst habe in solchen Situationen auch schon den Fehler gemacht, nach den schönsten, einmaligsten, eindringlichsten Erfahrungen zu einem bestimmten Thema zu fragen: der beste Urlaub, der größte berufliche Erfolg. Das Ergebnis: Der Befragte sucht nach dem wahren Superlativ in seinem Leben und muss in Windeseile Abwägungen treffen. War dieser Moment wirklich der allerschönste?

Das ist zu viel verlangt in dieser Situation. Ich könnte spontan noch nicht einmal mein Lieblingsessen nennen. Fragen Sie lieber offener nach Erlebnissen, die in Erinnerung geblieben sind, oder nach Erfahrungen, die die Menschen im Publikum gerne teilen würden, weil sie ihnen wichtig waren.

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3. Meinungsbild-Abfragen

Ich habe in einem meiner Vorträge einmal ein Video von einer Spinne gezeigt und das Publikum gefragt: „Wer findet die Spinne eklig?“ Ich war mir sicher, dass sich nicht alle einig sind. Und in der Tat war das Meinungsbild fast hälftig gespalten. Das hätte ich so nicht erwartet, sondern auf mehr Geekelte getippt.

Dabei kam es mir vor allem darauf an, dass sich das Publikum nicht einig ist, um dann zu sagen: „Sehen Sie: Es ist alles eine Frage der Einstellung.“ Denn um die innere Haltung, etwa zum eigenen Job, ging es auf dieser Veranstaltung. Der Zweck der Umfrage war gerade zu zeigen, dass man objektiv Dinge diametral gegensätzlich bewerten kann.

Was ich damit sagen will: Das Meinungsbild abzufragen, muss nicht in jedem Fall sofort dazu führen, dass Sie Ihren Vortrag je nach Ausgang ad hoc abändern. Aber die Frage sollte schon so ausgewählt sein, dass das Publikum am Ausgang der Umfrage interessiert ist. Sind Sie dann sogar bereit, Ihren Vortrag je nach Stimmungsbild spontan neu auszurichten: Kompliment, Sie besitzen offenbar schon die Coolness der Erfahrung.

4. Die Fragerunde – besser nicht am Schluss!

Das Publikum um Fragen zu bitten – ich würde sagen, das ist die Königsdisziplin der Interaktion mit Fragen. Und sie ist nicht Pflicht. Überlegen Sie, ob Sie sich dabei wohl fühlen, mit den Unwägbarkeiten einer Fragerunde umzugehen. Immerhin kann hier theoretisch von Ihren Zuhörenden alles „in Frage gestellt“ werden, was Sie gerade zum Besten gegeben haben: „Sie haben eben gesagt... Aber das stimmt doch gar nicht.“

Überlegen Sie sich vorab gut, wie Sie in einer solchen Situation reagieren. Wie weit sind Sie bereit, mit den Zweiflern in die Diskussion zu gehen? Oder könnten Sie anbieten, den Dissens bilateral zu klären und dafür die Kontaktdaten auszutauschen? Oder wollen Sie es dabei belassen zu sagen: „Ich kann Sie da wirklich beruhigen: Was ich gesagt habe, stimmt ohne Zweifel und ist belegt“. Wenn Sie sich das vorher überlegen, eiern Sie nicht zwischen den Optionen.

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Was, wenn die Fragen über das hinausgehen, das Sie fachlich aus dem Stegreif parat haben? In der Pandemie haben wir gelernt, dass Wissenschaftler oft von sich sagen: „Auf dem Gebiet bin ich kein Experte.“ Ist es für Sie also schädlich, lässt es Sie kalt oder macht es Sie sogar sympathisch, Mut zur Lücke zu zeigen? Je nach Ihrer Einschätzung sollten Sie die Fragerunde weiter oder enger fassen, etwa indem Sie eingrenzen: „Wo habe ich mich unklar ausgedrückt?“ Das begrenzt die Fragerunde auf den besprochenen Themenkomplex.

Aber tun Sie sich selbst einen Gefallen: Beenden Sie Ihren Auftritt nicht mit der Antwort auf die letzte mögliche Frage und mit Blick auf die Uhr. Planen Sie einen kleinen Abschluss ein, den Sie abgekoppelt von der Fragerunde alleine ausgestalten. Ein Schlusswort mit Zusammenfassung und Blick auf die nächsten Schritte etwa. Überlassen Sie dem Publikum nicht den Ausgang Ihres Auftritts. Runden Sie ihn selbst ab.

5. Interaktion zwischen Sitznachbarn

„Stellen Sie dem Menschen zu Ihrer Linken jetzt eine Frage, die Ihnen spontan zum Thema XY in den Sinn kommt“. Kann man machen, vielen im Publikum sind diese Momente unangenehm; sie brechen aber oft das Eis. Wer mit dem Nachbarn im Gespräch war, beteiligt sich nach meiner Erfahrung auch aufgeschlossener an Fragen ins Publikum von der Bühne aus.

Kaum jemandes Sache sind meiner Meinung nach hierzulande Interaktionen, bei denen es körperlich wird: Hände reichen, ins Ohr flüstern, Augen schließen, Hand auf Schulter. Das funktioniert unter Leuten, die sich bereits vorher kannten. Bei bunt zusammen gewürfelten Teilnehmenden, auf Kongressen etwa, würde ich drauf verzichten. Es sorgt bei vielen für Unbehagen und trübt im Zweifel die Stimmung.

Ein Eisbrecher, der die Sitznachbarn persönlich näher bringt, ohne zu viel Nähe einzufordern, ist die Bitte: Greifen Sie unter Ihren Stuhl nach Papier und Stift und zeichnen Sie ein Porträt Ihres Nachbarn. Meist sorgt das für gute Laune. Aber es sollte natürlich zum Thema Ihres Auftritts passen.

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