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AlibabaWarum Jack Ma plötzlich überall in Europa auftaucht

Der Alibaba-Gründer hatte sich vor zwei Jahren mit der chinesischen Regierung überworfen. Doch nun scheint man zu einer Übereinkunft gekommen zu sein: Ma zieht sich zurück, Alibaba darf weitermachen.Jörn Petring 14.08.2022 - 15:47 Uhr

Alibaba-Gründer Jack Ma

Foto: imago images

Jack Ma ist in diesen Tagen auf großer Europa-Tour. Die Yacht des Alibaba-Gründers wurde zuletzt vor Mallorca gesichtet. Auch machte der 57-Jährige einen Abstecher nach Österreich und besuchte eine Universität in den Niederlanden, um sich dort über nachhaltige Landwirtschaft zu informieren. So oft in so kurzer Abfolge wurde der einst reichste Mann Chinas nicht mehr gesehen, seitdem er vor gut zwei Jahren den Zorn der chinesischen Führung zu spüren bekam.

Ma hatte in einer Rede im Oktober 2020 die chinesischen Regulatoren scharf kritisiert. Kurz darauf geriet der von ihm gegründete Online-Riese Alibaba ins Kreuzfeuer der Regulatoren. Völlig unvermittelt stoppten die Behörden den geplanten Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group. Auch wurden Ermittlungen gegen Alibaba wegen unterstellter Monopolvergehen eingeleitet. Das alles war nur der Auftakt einer breit angelegten Kampagne Pekings gegen Chinas Tech-Konzerne.

Zuletzt hatte sich die Lage jedoch deutlich beruhigt. Peking ist zu der Einsicht gekommen, dass es besser ist, die Konzerne vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise zumindest ein Stück weit wieder von der kurzen Leine zu lassen. So können sie helfen, der Konjunktur neuen Schwung zu verleihen.

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Dass Alibaba-Gründer Ma sich nun wieder häufiger unbeschwert in der Öffentlichkeit zeigt, ist ein Zeichen dafür, dass auch er und sein Konzern zu einer Übereinkunft mit Peking gekommen sind: Ma hält sich aus allen Geschäftsbelangen raus, dafür darf Alibaba wieder prosperieren.

Ma war zwar bereits 2013 als CEO von Alibaba und 2019 als Vorstandschef zurückgetreten – also lange vor dem Zerwürfnis mit Peking. Bislang hatte er jedoch weiterhin die Kontrolle bei der Finanztochter Ant, wo er über seine Aktien 50,52 Prozent der Stimmrechte hält. Zwar hatte Ma bereits 2014 öffentlich gesagt, dass er seine Beteiligung an Ant auf höchstens 8,8 Prozent reduzieren und Aktien für wohltätige Zwecke spenden wolle.

Schwieriger Börsengang von Ant

Doch ursprünglich hätte dieser Plan vorgesehen, dass Ant zunächst an die Börse geht. Nun gibt Ma die Kontrolle offenbar deutlich schneller ab, wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Quellen berichtet. Ma plant demnach, eine Großteil seine Stimmrechtsanteile an Führungskräfte der Ant Group, unter anderem an CEO Eric Jing, zu übertragen. Die Beteiligung Mas an Ant soll dann auf jene 8,8 Prozent sinken, die schon früher vorgesehen waren.

Das Eingeständnis an die Behörden ist für Ant eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Einerseits dürfte die Kontrollabgabe von Ma endlich den Weg für den lang ersehnten Börsengang frei machen. Jedoch wird es noch dauern. Denn nach chinesischem Recht ist ein Listing unmittelbar nach einem Eigentümerwechsel nicht möglich. Bei einem Wechsel des Mehrheitseigentümers müsste Ant in Shanghai zunächst mindesten zwei Jahre warten. In Hongkong ist es nur ein Jahr. Der Plan von Ant sah vor, zur gleichen Zeit in Shanghai und Hongkong an die Börse zugehen.

Klar ist schon jetzt, dass Ant bei einem möglichen Börsengang nur noch ein Schatten seiner selbst sein wird. Der Konzern musste sich auf Druck Pekings in den vergangenen zwei Jahren auf zahlreiche neue Regeln einlassen, die zu einem Gewinneinbruch geführt und das Geschäftsmodell nachhaltig verändert haben. Zum laufenden Umbau gehört auch, dass sich Ant als eine Finanzholdinggesellschaft registrieren muss, womit es noch strengeren Auflagen unterliegen würde und offiziell kein Tech-Unternehmen mehr wäre. Das alles hat sich schwer auf die Bewertung des Konzerns ausgewirkt.

Noch kurz vor dem geplatzten Börsengang lag sie bei 235 Milliarden US-Dollar. Vor einem Jahr schätzte Fidelity dann den Wert der Alibaba-Tochter auf lediglich noch 78 Milliarden Dollar. Erfolgt die von Peking verlangte Umwandlung in ein Finanzinstitut, könnte der Wert im schlimmsten Fall sogar auf nur noch 29 Milliarden Dollar sinken, wie Analysten von Bloomberg errechnet haben.

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