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BörsenWoche 394: EditorialDie Notenbanksitzungen werden zum Realitätscheck für die Börse

Diese Woche tagen die Währungshüter der USA und Europas. Der Markt pokert seit Wochen auf eine mittelfristige Entspannung der Zinswende – womöglich zu früh. Worauf Anleger sich einstellen müssen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Jan-Lukas Schmitt 30.01.2023 - 08:00 Uhr

Licht am Horizont, oder doch eher Schlechtwetterfront? Die kommende Woche dürfte Anlegern neue Anhaltspunkte geben und die Wetterlage an der Börse in den kommenden Wochen bestimmen.

Foto: Imago

Der dynamische Anstieg im Dax um in der Spitze neun Prozent seit Jahresbeginn war beeindruckend – denn nachrichtlich gab es keine relevanten Kurstreiber. Zumindest nicht direkt. Die in den USA und in Europa rückläufige Inflationsdynamik hat viele Investoren veranlasst, auf ein schnelleres Ende der Zinswende zu setzen; die jüngsten Daten haben sie in ihrer Markterwartung bestätigt. Demgegenüber stehen die Aussagen der Notenbankchefs, die bisher keineswegs von Zinssenkungen sprechen. Beim Weltwirtschaftsforum darauf angesprochen, ob der Markt die Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank (EZB) womöglich unterschätze, antwortete EZB-Chefin Lagarde: Zinsoptimistische Investoren sollten ihre Position noch einmal überdenken.

Das Szenario erinnert an den vergangenen Herbst. Auch damals ging die Hoffnung um, die Zinswende könnte möglicherweise schneller enden als gedacht. In Ausgabe 373 haben wir ein gegenläufiges Szenario entworfen und Shortwetten platziert – kurz darauf fiel der Markt auf das Jahrestief 2021. Denn die Notenbanken blieben tatsächlich am Ball, zogen den Zins weiter konsequent an.

Dass sich das Szenario in dieser extremen Form wiederholt, scheint unwahrscheinlich. Die EZB hat trotzdem gute Gründe, die Zinszügel nicht zu früh zu lockern: Zum einen steuert Geldpolitik Erwartungen. Mit ihrem Zögern hatte die EZB das Vertrauen der Investoren verspielt. Gigantische Beträge flossen in die USA, wo die Investoren ihr Geld besser aufgehoben sahen, und ließen den Euro gegenüber dem Dollar unter die Parität stürzen.

Die Notenbanksitzungen werden zum Realitätscheck für die Börse

Währungsstabilität aber zählt zu den Kernaufgaben der EZB, da selbst exportorientierte Unternehmen langfristig bei schwacher Heimatwährung an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Im schlimmsten Fall droht ein Ausverkauf an ausländische Investoren. Das Vertrauen in Lagarde und die EZB hat damals durch das Zaudern der Notenbank massiv Schaden genommen. Ein Fehler, den die EZB wohl nicht wiederholen will. Zum anderen sind Arbeitsmarkt und Konjunktur in Europa weiter robust. Eine zu frühe Abkehr von der Zinswende könnte deshalb in eine Wackelpartie münden.

Kritiker monieren indes, eine zu restriktive Geldpolitik könnte Europa in eine tiefe Rezession stürzen. Doch auch hier gehen die Prognosen auseinander, werden seit einigen Wochen teils nach oben korrigiert. So geht etwa die Deutsche Bank nun statt von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von einer Stagnation aus. Bei anderen Großbanken ist es ähnlich.

In den Kursen steckt aktuell also viel Mutmaßen. Die kommenden Wochen werden deshalb besonders spannend. EZB und Fed tagen diese Woche und dürften mehr über ihre mittelfristige Strategie offenbaren. Und die frisch angelaufene Berichtssaison könnte Aufschluss darüber geben, ob uns die Rezession wirklich erspart bleiben könnte. Selbst wenn die neuen Infos die Aktienkurse noch einmal drücken sollten, gibt es eine gute Nachricht: Investoren bekommen immer klarere Anhaltspunkte für ihre Szenarien. Falls es also zu einem Kursrücksetzer kommen sollte, könnte das die Basis für eine nachhaltige Rally bilden.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Foto: WirtschaftsWoche
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