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ArbeitskampfFlughafen-Streik hat massive Auswirkungen auf Münchener Sicherheitskonferenz

Weil am Freitag kaum Flugbetrieb in München möglich sein wird, dürfte die Anreise vielen Gästen Probleme machen. Die Organisatoren planen bereits um. 15.02.2023 - 14:18 Uhr

Am Freitag dürften kaum Maschinen in München landen, erwartet Verdi.

Foto: IMAGO/Christian Offenberg

Der für Freitag geplante Verdi-Streik wird den Flugbetrieb an sieben deutschen Airports voraussichtlich komplett lahmlegen. Zugleich dürfte es massive Auswirkungen auf die Münchner Sicherheitskonferenz geben, zu der ranghohe Politiker und Diplomaten aus der ganzen Welt anreisen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem 24-stündigen Arbeitskampf ab 22.00 Uhr am Donnerstag an den Airports Frankfurt, München, Stuttgart, Hamburg, Dortmund, Hannover und Bremen aufgerufen. Airlines und Flughäfen sprachen von einer beispiellosen Eskalation. „Hiermit überspannt Verdi den Bogen völlig und trägt den Tarifkonflikt auf dem Rücken der Passagiere aus“, sagte der Präsident der Luftfahrtlobby BDL, Jost Lammers. „In unzumutbarer Weise soll ein ganzes Land vom internationalen Luftverkehr abgeschnitten werden“, monierte auch der Flughafenverband ADV.

Verdi hat offenbar seine Streiktaktik geändert. Denn die Gewerkschaft hat in drei laufenden Tarifkonflikten gleichzeitig die Beschäftigten zum Ausstand gerufen, um den Druck zu erhöhen. Im öffentlichen Dienst verlangt Verdi 10,5 Prozent höhere Löhne, auch bei örtlichen Tarifverträgen für das Bodenpersonal und den bundesweiten Verhandlungen für die Luftsicherheit geht es um mehr Geld. „Die Beschäftigten machen gemeinsam Druck auf die jeweiligen Arbeitgeber, weil in den bisherigen Verhandlungen keine Ergebnisse erzielt werden konnten“, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. Verdi hatte bereits Ende Januar mit einem Streik beim Bodenpersonal, der Luftsicherheit und den Beschäftigten des Flughafenbetreibers den Hauptstadtflughafen BER für Passagierflüge komplett lahmgelegt.

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Regierungsmaschinen können landen

Der Streik betrifft auch die am Freitag beginnende dreitägige Münchner Sicherheitskonferenz. Erwartet werden neben Bundeskanzler Olaf Scholz und US-Vizepräsidentin Kamala Harris Dutzende Regierungschefs sowie Verteidigungs- und Außenministerinnen und -minister, Diplomaten und viele Sicherheitsfachleute. „Wir gehen davon aus, dass die Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz, die in Regierungsmaschinen kommen, über den Notdienst landen können“, sagte Verdi-Expertin Manuela Dietz der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu gebe es am Donnerstag Gespräche mit dem Flughafen München. Wer seine Anreise in anderen Maschinen plane, müsse Alternativen finden.

Die Organisatoren der Münchner Sicherheitskonferenz sind besorgt: „Hunderte Entscheidungsträger aus allen fünf Kontinenten haben ihre Teilnahme bereits bestätigt“, sagte eine Sprecherin. Der Streik werde sich auch auf den Konferenzablauf auswirken. „Wir stehen mit allen relevanten Behörden und besonders unseren Gästen im engen Austausch, um diese Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“ Vom Münchner Flughafen hieß es dazu zunächst nur: „Wir versuchen eine Abfertigung von Flügen, die im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz geplant sind, zu gewährleisten.“

Hunderttausende Passagiere betroffen

An den Flughäfen fallen damit voraussichtlich Starts und Landungen aller Passagierflüge und kommerziellen Verbindungen aus. Ausgenommen sein dürften militärische, medizinische und Regierungsflüge und aktuell auch Flüge rund um Hilfslieferungen für die Erdbebenopfer in der Türkei. „Alle Aufgaben, die einen vollumfänglichen Flugbetrieb ermöglichen, sind aufgrund des Streiks ausgesetzt“, teilte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport mit. Gewährleistet seien nur Tätigkeiten zur Gefahrenabwehr und Sicherung technischer Anlagen. „Ein Ausstand in solch einem Ausmaß ist zu diesem Zeitpunkt völlig überzogen“, sagte Fraport-Personalchefin Julia Kranenberg. Für Freitag seien etwa 1005 Flugbewegungen mit rund 137.000 Passagieren geplant.

Die Lufthansa empfahl ihren Passagieren mit innerdeutschen Flügen bis Sonntag auf die Bahn auszuweichen. Fluggäste der Airline wurden bereits am Mittwoch mit Verspätungen und Ausfällen konfrontiert, da es einen

IT-Ausfall

bei der Lufthansa gab. Der Düsseldorfer Flughafen hat nach eigenen Angaben bereits Anfragen von Airlines, die wegen des Streiks Flüge zum Airport der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt umleiten wollen.

„Wenige Tage vor der zweiten Runde der Tarifverhandlungen am 22. und 23. Februar setzt die Gewerkschaft Verdi den deutschen Luftverkehr einer beispiellosen Eskalation aus“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Ein Arbeitskampf an sieben Airports habe „nichts mehr mit einem Warnstreik zu tun“. Die Leidtragenden seien Hunderttausende Passagiere, Privat- wie Geschäftsreisende sowie zusätzlich Teile der Luftfracht und Warenlogistik. BDL-Präsident Lammers betonte, der Konflikt müsse am Verhandlungstisch und nicht auf Kosten der Fluggäste geklärt werden. Gewerkschafterin Behle verwies darauf, die Beschäftigten litten unter hohen Preisen für Energie und Lebensmitteln.

Der Bus- und Zuganbieter Flix dürfte kaum vom Arbeitskampf profitieren. „Die Flughafen-Streiks werden uns sehr gering betreffen“, sagte Firmenchef und Mitgründer André Schwämmlein. Denn in Deutschland konkurriere man nicht mit Airlines.

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rtr
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