Mehr Erfolg mit Englisch: 40 englische Kurzwörter, die man kennen sollte (aber nicht in der Schule lernt)
You can do it – Glückskeks mit motivierendem Text.
Foto: imago imagesIn der Kürze liegt die Würze, lautet eine bekannte deutschsprachige Regel. Dabei macht es einem gerade die deutsche Sprache schwer, sich kurz zu fassen! Wenn ich nur an den furchtbaren „Geschlechtsverkehr“ denke – ein Lustkiller von Wort, vor allem im Vergleich zum englischen sex.
Weniger anzüglich sind etwa die „Krankschreibung“ – auf Englisch kurz sick note; die „Andeutung“ – hint; die „Zeichenerklärung“ – key; der „Scharfsinn“ – wit (kann auch ein „geistreicher Mensch“ sein); der „Charakterzug“ – trait. Oder der „Waffenstillstand“, der gegenwärtig in der Weltpolitik diskutiert wird: Im Englischen reichen dafür fünf Buchstaben: truce.
Alleine diese sieben Beispiele zeigen, dass die KISS rule in der englischen Sprache eingehalten wird: Keep it short and simple! (Manche sagen: Keep it short and sweet!) Sie gilt für ganze Sätze wie für einzelne Wörter – die ich „Wortzwerge“ nenne und über die ich schon ein ganzes Buchkapitel geschrieben habe.
Die Wortzwerge sind typisch englisch, äußerst praktisch, lassen sich leicht aussprechen und haben manchmal nicht mehr als drei Buchstaben. Wie air, bug, con oder dud. Sex ist also keineswegs eine Ausnahme.
Dass sie oft nur aus einer Silbe bestehen, macht sie alles andere als einsilbig. Tatsächlich haben sie mehr Glanz und Kraft als viele längere Begriffe. Das einzige Problem für unseren mehrsprachigen Alltag besteht darin, dass wir sie oft nicht draufhaben – ganz einfach, weil wir sie nicht kennen. Schließlich hat sie einem im Englischunterricht niemand beigebracht.
Darüber hinaus liegt es in der Natur von Zwergen, dass sie leicht übersehen werden. Erst seitdem ich auf die englischen Kurzwörter achte, tauchen sie fast überall auf – they pop up almost everywhere: in Überschriften, in Vorträgen, in Präsentationen. Es ist wie eine Schnäppchentour auf dem Flohmarkt: Man muss genau hingucken oder -hören und macht dann die schönsten Entdeckungen.
Hier nun eine Liste mit 40 Wortzwergen, die Sie kennen sollten – von air bis zest. Sie helfen nicht nur im Büroalltag sondern auch bei der nächsten Runde Scrabble:
1. air – nicht nur die „Luft“, die wir atmen, sondern auch die „Aura“, die einen umgibt: also „Ausdruck“, „Mimik“ und „Miene“. Und unsere Haltung: air of despair = ein Gesicht der Verzweiflung. Air of importance = Wichtigtuerei. Mehr kann man von drei Buchstaben nicht erwarten!
2. awe – Die Größe eines Menschen und die Ehrfurcht vor dem Individuum in einem Miniwort: to fill me with awe oder to feel awe for someone. Echter, tiefer „Respekt“.
3. bait – mit dem „Köder“ der Seeleute kann man nicht nur Fische fangen, sondern auch Kunden. In der digitalen Welt wurde daraus click bait – Inhalte im Netz, die möglichst viele Klicks generieren sollen.
4. bliss – „Glück“, „Glückseligkeit“, „Wonne“. Das Schönste: „bliss of love“. Für die Dummen auch ein Segen: ignorance is bliss.
5. clout – ursprünglich „Lappen“, bedeutet heute „Einfluss“ oder „Schlagkraft“. Zum Beispiel: Germany’s economic clout.
6. con – „Schwindel“ und „Betrug“ sowie „Betrüger“ und „Gauner“.
7. dash – „Energie“, „Elan“, „Schwung“ und „Schmiss“. Ein bisschen Milch im Kaffee. Ein Farbspritzer auf einem Gemälde. Ein schneller Schritt heraus aus dem Büro ins Wochenende. Ein Wort, das ausdrückt, dass wir leben!
8. edge – bedeutet nicht nur „Kante“, „Schnitt“, „Saum“, „Schwelle“ oder „Bande“, sondern auch „Vorteil“ und „Vorsprung“. Als messerscharfe Kante (cutting-edge) ist er gar nicht mehr einzuholen, weil er dann „topaktuell“, „erstklassig“ und „auf dem neuesten Stand“ ist.
9. feint – ist nicht verwandt mit unserem „Feind“, aber vielleicht mit der „Finte“. Auf jeden Fall muss man sich vor Täuschungsmanövern in Acht nehmen – a feint serves to deceive the enemy. Und apropos – as per – „Feind“:
10. foe – das kürzeste Wort für enemy.
11. fraud – das Standardkurzwort für „Betrug“.
12. fuss – der große Bruder von ado: die Aufregung, der Wirbel, das Gewese.
13. gab – ein Wortzwerg, den man nicht überhören kann, weil er „Gequassel“ bedeutet. Hat jemand the gift of the gab gilt er/sie als „schlagfertig“.
14. gaffe – der „Ausrutscher“, die „Entgleisung“, der „Patzer“ – my columns and books deal with English-language gaffes by myself and many other German speakers.
15. gist – Erfasst man „das Wesentliche“ eines Textes oder eines Vortrags, sagt (oder denkt) man: I got/know the gist! Noch kürzer ist nub – die „Pointe“, der „Kern“. The nub of the matter = „der springende Punkt“.
16. glee – Obwohl es immer heißt, „Schadenfreude“ gebe es im Englischen nicht, kann „glee“ genau das bedeuten. Aber auch ohne bösen Beigeschmack ist es „große Freude“, „Frohsinn“, „Entzücken“ oder „Fröhlichkeit“.
17. glitch – eine kleinere bis mittlere „Panne“. Die Deutsche Bahn nennt es „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Für manche Briten eine Notlüge – a white lie – nach einem verschwitzten Termin: There was a glitch.
18. hack – der spezielle „Kniff“ oder alltägliche „Dreh“ (wenn das keine deutschen Wortzwerge sind!).
19. hint – ein „Hinweis“, ein „Wink“, ein „Tipp“ (was schließlich auch ein englischer Wortzwerg ist). Und die viel bessere „Empfehlung“, die sich im Unterschied zur „recommendation“ leicht aussprechen lässt. Kommt manchmal leise um die Ecke: Peter dropped a hint. Und manchmal als Zaunpfahl: Peter gave a broad hint.
20. ilk – ein Wort, das ich vor allem in den USA gehört habe, aber schottischer Herkunft ist und genau das bedeutet: „Herkunft“ oder „Abstammung“ und zwar geistiger Natur – he/the text is of the same ilk as Peter/Peter's book.
21. knack – die Gabe, etwas zu können. Mal als „großes Talent“ oder „Virtuosität“, mal als „die Fertigkeit“, etwa eines Kindes, die Schuhe zu binden. Das Oxford English Dictionary kennt ein schönes Alltagsbeispiel: John has the knack of falling asleep anywhere.
22. leap – der „Satz“ einer Katze, der „Sprung“ eines Menschen und manchmal der „sprunghafte Anstieg“, zum Beispiel von Zinsen, Preisen, Arbeitslosigkeit, Gewinnen – und was einem sonst noch in den Sinn … springt.
23. ploy – „Trick“, „Masche“, „List“. An advertising/marketing ploy = eine „Werbemasche“.
24. prank – „Streich“, „Schabernack“, auf gut Deutsch: eine herrliche „Verarschung“.
25. qualm – gesprochen [quahm]. Ein Wort, nach dem wir oft suchen: „Skrupel“, „Zweifel“.
26. quirk – ziemlich genau das, was wir pseudoenglisch „Spleen“ nennen: der „Tick“ einer alten Dame, auf dem Fahrrad zu singen, oder einer jungen Kollegin, sich im Büro die Nägel zu schneiden – oder eines ganzen Volkes, Klimaanlagen immer viel zu kalt zu stellen. Modische „Ticks“ heißen unterdessen: fad oder tic.
27. slip – vier Buchstaben und eine beachtliche Bandbreite von Bedeutungen! 1. „Zettel“, „Kassenbon“; 2. „Fehltritt“, „Flüchtigkeitsfehler“, „Patzer“, „Ausrutscher“, „Versehen“; 3. „Unterrock“; 4. „Setzling“, „Sprössling“; 5. „Erdrutsch“. Nur Schlüpfer bedeutet slip nicht – das ist ein Scheinanglizismus!
28. spat – „Knatsch“ zwischen Nachbarn. „Zank“ zwischen Geschwistern. „Krach“ unter Colleagues. Meistens ein Streit um Nichtigkeiten und aus verletzter Eitelkeit. Also Gekabbel mit viel Gebabbel. Härter sind: row, feud und tussle.
29. spin – der besondere, der freche, der erfundene „Dreh“ einer Geschichte. Man könnte sagen: der Schuss Fiktion oder Interpretation, der die Geschichte aufpeppt.
30. stint – „Arbeitspensum, Aufgabe, Schicht – „he shed his daily stint before he went to the cinema“. Auch Einschränkung – „he can afford anything without stint“.
31. stride – „Schritt“, „Fortschritt“. Und auch „Gleichschritt“ – he took his work in his stride = Er kam gut mit seiner Arbeit zurecht/wurde spielend mit ihr fertig. He got into his stride = „Er kam auf Touren/fand seinen Rhythmus“.
32. stub – ein „Stummel“ oder „Stumpf“, der sich zum Beispiel auf (Online) Formularen zum „Platzhalter“ entwickelt hat.
33. tenet – „Grundsatz“, „Dogma“, „Lehre“ – the tenets of Karl Marx’s social theory are based on Hegel’s tenet of dialectics.
34. tag – „Etikett“, „Auszeichnung“, „Bezeichnung“, „Schlagwort“, „Preiszettel“, „Marke“, „Charakterisierung“, „Spitzname“, „Zitat“ und als tag line auch „Slogan“. Ohne tags wären wir weder sortiert noch organisiert oder registriert.
35. trifle – gesprochen [traifl] – eine „Belanglosigkeit“, „Lappalie“, „Bagatelle“. We shouldn’t bother father over such trifle = Wir sollten Vater nicht mit solchen Kleinigkeiten behelligen. Trifle amount ist ein „Kleinstbetrag“. Die „Kleinlichkeit“ und „Haarspalterei“ von Leuten ist unterdessen quibble.
36. turf – „Fachgebiet“ oder wörtlich „Gehege“. Man kann auf „feindlichem Terrain“ – on enemy turf – den Gegnern ins Gehege kommen: He is violating my turf. Dann muss man ihn rausschmeißen: She is turfing him out.
37. vice – Das richtige Wort für Ihre „Laster“ (womit nicht Lastwagen gemeint sind) – cigars were my father’s vice and drinking claret is mine.
38. void – Es kann die „Leere“ sein oder auch nur das „Gefühl von Leere“. Ein Hohlraum oder das Nichts. Ein genialer Begriff, der noch taugt, wenn sonst gar nichts mehr geht: I feel … the void.
39. wink – „Augenblick“, „Augenzwinkern“: In a wink = „in Nullkommanichts“. I didn’t get a wink of sleep = „Ich habe kein Auge zugemacht“.
40. zest – Freude, Lust, Begeisterung, Elan, Eifer – so animierend wie eine frische Zitronenzeste. Weniger beflissen als zeal, weniger vergnügungssüchtig als fun oder festlich als joy: has zest for his business.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im März 2023 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.
Unser Kolumnist ist u. a. Autor des Bestsellers „Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet“. Das Buch ist bei C.H. Beck erschienen.