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Neobank Bunq„Es ergibt total Sinn, in die USA zu expandieren“

Die niederländische Neobank Bunq plant, in die USA zu expandieren und hat eine US-Bankenlizenz beantragt. Im Interview verrät Bunq-CEO Ali Niknam wie das in Zeiten der Angst vor einer erneuten Bankenkrise klappen soll und was er besser machen will als Konkurrent N26.Theresa Rauffmann 04.04.2023 - 15:04 Uhr

"Jetzt ist ein großartiger Zeitpunkt, in die USA zu gehen", sagt Bunq-Chef Ali Niknam.

Foto: PR

WirtschaftsWoche: Herr Niknam, Sie haben bei der FDIC im Bundesstaat New York einen Antrag auf eine US-Bankenlizenz gestellt und wollen in alle 50 US-Bundesstaaten expandieren. Nachdem die Silicon Valley Bank pleite gegangen ist und die Schweizer Großbank Credit Suisse von der UBS übernommen wurde, hat alle Welt Angst vor einer Bankenkrise. Eine ungewöhnliche Zeit für so einen Schritt.
Ali Niknam: Das sehe ich anders. Ich finde, jetzt ist ein großartiger Zeitpunkt, weil es Bunq außergewöhnlich gut geht. Wir waren die erste europäische Neobank, die im letzten Quartal profitabel geworden ist. Und wir arbeiten schon seit anderthalb Jahren daran, in die USA zu expandieren. Wir waren sehr sorgfältig und sind akribisch vorgegangen, haben uns die Zeit genommen und jetzt sind wir so weit. Wenn man sich die Gründe ansieht, warum die Silicon Valley Bank oder andere Banken Probleme haben, dann treffen diese Gründe auf uns nicht zu. Für uns macht das also keinen Unterschied. Natürlich haben wir uns umgesehen, weil wir sicherstellen wollen, dass wir nicht ähnliche Fehler machen – und das tun wir nicht.

Der Antrag auf eine Bankenlizenz ist der erste Schritt. Wie lange wird es dauern, die Lizenz zu bekommen? Und wann können die ersten Kunden in den USA ein Konto bei Ihnen eröffnen?
Grob gesagt gibt es drei große Meilensteine. Der erste ist die Beantragung der Lizenz, was eine Menge Vorbereitung benötigt, eine Menge Arbeit, eine Menge Dokumentation, eine Menge Anwälte. Dann schauen die Regulierungsbehörden die Unterlagen an und kommen mit Fragen auf uns zu. Je nachdem, wie diese Dinge ablaufen, könnte es im besten Fall mit unglaublicher Geschwindigkeit in sechs Monaten klappen. Mit der Bankenlizenz können wir dann anfangen, uns mit der Zentralbank und mit Zahlungssystemen zu verbinden – auch das dauert eine gewisse Zeit. Und dann können wir neue Nutzer akzeptieren. Es wird also noch einige Zeit dauern, ist aber ein großer Schritt nach vorn. Und es ist eine sehr seltene Begebenheit, dass ein europäisches, geschweige denn ein niederländisches Unternehmen, eine US-Bankenlizenz beantragt.

Eine Expansion in die USA will gut überlegt sein. N26 war Ende 2019 in die USA expandiert, hat sich Ende 2021 dann aber wieder zurückgezogen. Was wollen Sie besser machen?
Also erstmal hatte N26 – glaube ich – keine eigene US-Bankenlizenz. Das ist schonmal ein Unterschied. Außerdem sind wir nicht in Eile, wir wollen die Dinge richtig machen. Wir haben eine spezifische Nutzergruppe identifiziert, die von unserem Service profitiert. Das sind die digitalen Nomaden. Die haben wir schon heute als Kunden. Wenn etwa ein Deutscher ein Haus in Frankreich besitzt, braucht er normalerweise ein lokales Bankkonto, um seine Gasrechnungen oder Ähnliches zu bezahlen. Bei uns kann man das in einem Konto bei Bunq regeln. Unsere Recherche hat dann ergeben, dass die USA die größte Region außerhalb Europas für digitale Nomaden ist. Das gibt uns eine Zielgruppe von fünf Millionen Nutzern – gemischt aus Amerikanern, die in Europa leben und Europäern, die in den USA leben – die ein Bankkonto brauchen. Das ist also eine sehr spezifische Nutzergruppe und es ergibt total Sinn, in die USA zu expandieren.

Zur Person
Ali Niknam, Jahrgang 1981, ein iranischstämmiger Kanadier, gründete seine erste Firma mit 16. 2012 gründete er in Amsterdam die Neobank Bunq. Es war die erste Bank seit 35 Jahren, die in den Niederlanden eine europäische Bankenlizenz erhalten hat, wie es vom Unternehmen heißt. Lange Zeit finanzierte Niknam sein Start-up selbst. 2021 investierte der Kapitalgeber Pollen Street 193 Millionen Euro in das Unternehmen und machte es damit zum Einhorn.

Als N26 sich aus den USA zurückzog, sagte deren Chief Growth Officer, dass das Unternehmen „deutlich mehr Ressourcen und Kapazitäten unserer zentralen Teams investieren“ müsste, um seine „ehrgeizigen Ziele für den Markt“ zu erreichen. Brauchen Sie auch mehr Ressourcen und Kapazitäten und ein größeres Team für den amerikanischen Markt?
Ich weiß, dass wir definitiv mehr Leute brauchen. Diese zusätzliche Gruppe ist schon in unserem Business-Plan berücksichtigt. Für uns wird es einfacher, denn wir denken erst und machen dann.

Wir sprachen schon über das Thema Bankenkrise. Vor allem für junge Fintechs, wie Sie, dürfte es schwierig werden, in Zukunft das Vertrauen von Kunden zu gewinnen.
Wenn man sich die Bankenkrise jetzt ansieht, dann sind es vor allem die alten Banken, die betroffen sind und nicht die neuen. Sowohl bei der Silicon Valley Bank als auch bei der Credit Suisse sind die Aufsichtsbehörden eingeschritten und haben die Sache für alle, die dort Einlagen hatten, geregelt. Ich denke also, dass das auf lange Sicht Vertrauen schaffen wird, denn trotz des Rückschlags wurde alles ordnungsgemäß gehandhabt.

Als die Silicon Valley Bank Ende Februar pleite ging, chatteten Gründer und Investoren panisch auf WhatsApp und forderten einander auf, rechtzeitig ihr Geld rauszuholen – und lösten damit einen Bankrun aus. Wie haben Sie diese panischen Tage erlebt?
Der große Unterschied zwischen der Silicon Valley Bank und uns ist, dass die SVB wenige Nutzer mit viel Geld hatte. Wenn da mehrere etwas abziehen, eskaliert es schnell. Wir haben hingegen viele Nutzer, die unter der 100.000-Euro-Marke sind. Die sind nicht in Panik verfallen, weil die Einlagen bis zu dieser Höhe ja abgesichert sind. Was wir aber gesehen haben: Unsere Einlagen haben sich in der Zeit erhöht, weil die Leute angefangen haben, ihr Geld anders zu verteilen, so dass es überall versichert ist. Die aktuelle Unsicherheit im Markt ist also gut für uns.

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Das heißt, Ihre bestehenden Kunden haben mehr Geld auf ihre Konten gepackt, oder haben Sie da auch Neukunden gewonnen?
Beides.

Wie viele Neukunden kamen dazu?
Dazu kann ich nichts sagen. Die letzte Zahl, die wir vor ein paar Wochen veröffentlicht haben, war, dass wir Einlagen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro haben. Ende 2022 betrug die Höhe der Einlagen noch 1,8 Milliarden Euro.

Zu ihrer Kundenzahl schweigen Sie sich prinzipiell aus. Dennoch bezeichnen sich als die „zweitgrößte Neobank Europas“.
Wir haben kürzlich ein anderes Unternehmen übernommen, das seine Kundenzahl offenlegt. Kombiniert wären wir seither die zweitgrößte Neobank Europas. Seither haben wir aber keine Nutzerzahlen offengelegt.

Das Unternehmen, das Sie übernommen haben, ist Tricount und hatte 5,4 Millionen Nutzer. Allerdings ist Tricount keine Neobank, sondern eine App, die hilft, Kosten von Gruppenaktivitäten besser zu tracken und aufzuteilen. Sind die Kunden, die Sie so hinzugewonnen haben, jetzt also wirklich Bankkunden von Ihnen oder nutzen sie weiterhin bloß die Anwendung zum Kostenteilen?
Ich würde sagen: Wenn man sich die aktiven Nutzer anschaut – worauf wir als Tech-Unternehmen schauen – dann könnten wir sogar die größte Bank sein.

Aber dann in der Kombination von Leuten, die ein Bankkonto bei Ihnen haben und denen, die die anderen Services nutzen, aber kein Bankkonto haben?
Genau.

Wir haben vorhin schon darüber gesprochen, dass Sie dieselben Standards einhalten müssen und genauso reguliert werden wie andere Banken.
Wir sind vermutlich die sicherste Bank, auf der man aktuell sein Geld parken kann. 50 Prozent aller Einlagen liegen direkt bei der Europäischen Zentralbank. Sicherer kann es nicht sein.

Glauben Sie, dass die Regulierungen, gerade für junge Banken, im Zuge der Unsicherheit in Zukunft verschärft werden?
Regulierungen für Banken werden sowieso jedes Jahr verschärft. Das ist ein Trend, den es schon lange gibt.

Wie viele Kunden wollen Sie in den USA gewinnen? Sie sprachen davon, dass es bis zu fünf Millionen Kunden sein könnten.
Das ist der Gesamtmarkt. Wenn wir ein paar Jahre nach dem Start 25 Prozent davon gewonnen haben, bin ich froh.

Bunq ist schon in allen europäischen Märkten vertreten, außerdem in Norwegen und Island. Jetzt kommen die USA. Was steht dann an, etwa Asien?
Der nächste Markt ist eine Überraschung.

Lesen Sie auch: Steigende Zinsen und das Ende der Credit Suisse haben das Bankensystem erschüttert. Warum die Lage angespannt bleibt – und wie Anleger auf die Krise reagieren.

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