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Beste Aktien der Welt: Sartorius„Der Fachkräftemangel wird gravierender“

Joachim Kreuzburg, Chef des Pharmazulieferers Sartorius, sieht Effizienzpotenzial bei Biopharmaka, stuft das eigene Chinarisiko als begrenzt ein und glaubt, dass der Fachkräftemangel sich verschärft.Martin Gerth 08.05.2023 - 10:20 Uhr

Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg.

Foto: imago images

Deutsche Unternehmen müssen international um Wettbewerbsfähigkeit kämpfen. Das belegt auch die exklusive Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zur Ertragsstärke von weltweit über 2000 Unternehmen. Nur wenige Konzerne aus Deutschland schaffen es unter die Top-Werte ihrer jeweiligen Branche. Zu diesen Ausnahmen gehört der Pharmazulieferer Sartorius.

Unter den deutschen Unternehmen belegte Sartorius im BCG-Ranking Platz zwei, hinter dem Logistiker Hapag-Lloyd. Im internationalen Branchen-Vergleich erreichten die Göttinger Rang drei. Über die vergangenen fünf Jahre hat der Dax-Konzern den Aktionären im Schnitt einen Ertrag von 36 Prozent pro Jahr gebracht. BCG rechnete dabei sowohl den Kursgewinn als auch die ausgeschütteten Dividenden ein. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche erklärt Vorstandschef Joachim Kreuzburg, warum es für den erfolgsverwöhnten Konzern zuletzt an der Börse nicht mehr rund lief. Er beschreibt auch, wie Sartorius nach dem Ende des Booms durch die Coronapandemie weiter wachsen will und wo in der Produktion von Biopharmaka noch Effizienzgewinne möglich sind.

WirtschaftsWoche: Herr Kreuzburg, Ihre jüngsten Quartalszahlen haben viele Investoren enttäuscht. Die Aktie brach um rund zehn Prozent ein. Was steckt dahinter?
Joachim Kreuzburg: Wir haben frühzeitig darauf hingewiesen, dass wir in den Jahren 2021 und 2022 von Sondereffekten durch die Coronapandemie profitiert haben. Ein Aspekt war dabei, dass das Geschäft mit Impfstoffherstellern nun wegfällt, ein weiterer, dass viele Pharmaunternehmen in dieser Zeit angesichts gestörter Lieferketten ihre Lager deutlich aufgestockt haben. Jetzt bauen sie den Lagerbestand wieder auf ein normales Niveau ab und bestellen temporär weniger. Danach wird der Bedarf an Verbrauchsmaterial wie Filter und Einwegbeutel wieder steigen.

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Die Coronapandemie läuft aus. Was sind die künftigen Wachstumstreiber für Sartorius?
Das sind dieselben wie vor der Pandemie. Mit unseren Produkten ermöglichen wir unseren Kunden eine schnellere und kostengünstigere Entwicklung und Produktion von Biopharmaka. Grundlegende Wachstumstreiber sind die insgesamt steigende und alternde Weltbevölkerung, verbunden mit einem verbesserten Zugang zu Gesundheitsleistungen in Schwellenländern. All dies führt zu einem höheren Bedarf an Medikamenten. Ein weiterer wichtiger Treiber ist Innovation, zum Beispiel der Fortschritt bei Zell- und Gentherapieansätzen. Dafür bedarf es dann neuer Technologien für die Entwicklung und Herstellung. Diese Treiber sind so nachhaltig, dass wir unsere Aussichten nach wie vor sehr positiv einschätzen.

Gibt es bei der Effizienz Grenzen nach oben?
Die biopharmazeutische Branche hat da bereits einen unheimlichen Sprung gemacht. So hat sich die Effizienz bei der Kultivierung von Zellen seit der Einführung der ersten Biopharmaka in den 80er-Jahren um etwa den Faktor zehn erhöht. Auch beim anschließenden Separieren der Wirkstoffe sind in erheblichem Maße Produktivitätsfortschritte erzielt worden. Es wäre aber sehr ambitioniert, die Effizienz nochmals um das Zehnfache zu steigern. Für möglich halten wir auf langfristige Sicht etwa den Faktor drei. Wirksam wird das allerdings nur bei neuen Medikamenten. Denn die Produktionsprozesse für Medikamente, die bereits auf dem Markt sind, werden nicht geändert.

Zur Person: Joachim Kreuzburg
Joachim Kreuzburg, Jahrgang 1965, ist seit 20 Jahren Vorstandsvorsitzender des Dax-Konzerns Sartorius. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des Unternehmens Carl Zeiss.

Warum?
Weil der Produktionsprozess eines Wirkstoffs Bestandteil des Produktzulassungsverfahrens ist. Ändern Sie den Produktionsprozess, müssen Sie den Genehmigungsprozess zumindest teilweise erneut durchlaufen. Das ist für Pharmaunternehmen nicht effizient.

Wie wird die Biopharmaindustrie ihre Effizienz weiter steigern?
Die chemische Industrie hat seit Jahrzehnten kontinuierliche Produktionsprozesse, die rund um die Uhr laufen. Sie führen vorne Rohstoffe zu und hinten kommt das fertige Produkt heraus. Biopharmaka werden dagegen in vielen Einzelschritten in Chargen hergestellt. Nach der Produktion einer Charge wird der ganze Prozess neu gestartet. Weitere Produktivitätsfortschritte lassen sich also dann erzielen, wenn man möglichst viele Prozessschritte in der Produktion kontinuierlich fährt.

Die Pharmaindustrie sucht derzeit nach Durchbrüchen, beispielsweise bei Alzheimer. Bescheren künftige Erfolge dort Sartorius mehr Geschäft?
Bei Alzheimer besteht sicher ein großer, bisher nicht erfüllter Bedarf. Unsere Technologien sind jedoch unabhängig von der therapeutischen Anwendung. Ob es sich um ein Alzheimer- oder Krebsmedikament handelt, ist für uns kein Unterschied.

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Was ist dann für Sartorius entscheidend?
Wichtig ist für uns, um welche Art von Biopharmazeutikum es sich handelt. Denn das macht einen Unterschied in Bezug auf die Größe und Struktur von Molekülen und damit auch hinsichtlich der Technologien, mit denen sich Wirkstoffe produzieren lassen. Die Moleküle von Wirkstoffen in der Gen- oder Zelltherapie sind beispielsweise größer und komplexer als die von monoklonalen Antikörpern, also immunologisch aktiven Proteinen. Diese Antikörper haben vor Jahrzehnten den Erfolg der Biopharmazie eingeläutet und sind für den Großteil des Fortschritts in der Krebstherapie verantwortlich.

Die Generationen auf dem Arbeitsmarkt
Die Baby-Boomer (1946 - 1964) sind die älteste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Diese Jahrgänge verzeichneten die höchste Geburtenrate, daher rührt auch der Name.
Die Jahrgänge der Generation X (1965 - 1979) haben einiges miterlebt: Wirtschaftskrisen, Techniksprünge, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen. Sie gilt als eine, die vor allem Wert auf ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz legt.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, wurde zwischen 1980 und 1995 geboren. Sie sind die erste Jahrgangskohorte, die als Digital Natives gelten.
Sie treten seit einigen Jahren in den Arbeitsmarkt ein: die Generation Z, geboren von 1996 bis 2010. Sie sind von klein auf mit dem Internet aufgewachsen, digitale Medien haben ihr Leben von Beginn an geprägt.

Was bedeuten die Molekülgröße und deren Struktur für Technologien, die Sartorius entwickelt?
Ein Beispiel sind die Verfahren, mit denen die Wirkstoffe von den restlichen Molekülen getrennt werden, die sich ebenfalls in den Zellkulturen befinden. Je komplexer die Moleküle sind, desto anspruchsvoller ist es oft auch, sie zu separieren. Neue Molekülklassen erfordern daher häufig neue Technologien oder mindestens die Modifikation bereits bestehender Technologien.

Werden damit die bisherigen Technologien von Sartorius überflüssig?
Nein. Denn die Medikamente, die auf bestehenden Molekülklassen basieren, werden noch Jahrzehnte lang produziert. Insofern erweitern wir unser Produktportfolio genauso, wie das Portfolio der biopharmazeutischen Industrie immer breiter wird.

Sie übernehmen gezielt Spezialisten wie demnächst Polyplus. Viele Investoren halten diesen Zukauf zwar für richtig, aber für zu teuer.
Die Bewertungen für erstklassige, innovative Unternehmen in der biopharmazeutischen Industrie sind derzeit hoch. Polyplus setzt mit seinen Produkten an einer ganz kritischen Stelle für zukunftsträchtige Gentherapien an und hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt.

Was liefert Ihnen Polyplus an Innovationen und damit an Zukunftsgeschäft?
Polyplus produziert Transfektionsreagenzien, die bei der Produktion von Gentherapeutika eingesetzt werden. Diese Reagenzien ermöglichen die Übertragung von DNA, durch die die Zellen und damit der Wirkstoff seine spezifischen Eigenschaften erhält.

Die Entwicklung neuer Wirkstoffe ist sehr kostspielig. Wie unterstützt Sartorius in diesem Bereich?
Nichts ist teurer, als mit einem Medikament erst in der klinischen Testphase zu scheitern. Viele unserer, teilweise über Akquisitionen erworbenen, Innovationen automatisieren die Analyse und Entwicklung von Medikamentenkandidaten und ermöglichen es, Wirkstoffe, die nicht funktionieren, schneller auszusortieren. In Zukunft könnten daten- und softwaregestützte Tests die Kosten der Biopharmaka-Entwicklung weiter senken.

China ist für viele Unternehmen der größte Wachstumsmarkt. Die politischen und rechtlichen Risiken dort wachsen jedoch. Ist auch Sartorius hier einem Risiko ausgesetzt?
In China selbst produzieren wir praktisch ausschließlich für den chinesischen Markt. In unseren Lieferketten sind wir ebenfalls nicht direkt abhängig, allerdings sind die Wertschöpfungsketten so global, dass kein Unternehmen behaupten kann, es wäre völlig unabhängig.

Sie wollen also weiter in China investieren?
Ja, weil der Bedarf dort über Jahre hinaus weiter wachsen wird und weil wir erwarten, dass der Marktzugang mittelfristig zunehmend auch davon abhängen wird, dass ein Großteil der Wertschöpfung im Land stattfindet. Das gilt für China, aber bekanntlich wird auch in den USA zunehmend bewertet, wie viel ein Unternehmen vor Ort produziert.

In Teilen der Wirtschaft wird über Fachkräftemangel geklagt. Hat auch Sartorius damit zu kämpfen?
Natürlich. Allerdings finde ich den Begriff Fachkräftemangel nicht glücklich. Er suggeriert, dass ein Teil der Beschäftigten nicht qualifiziert sei. Wir suchen nicht nur Ingenieure und Wissenschaftler, sondern auch Mitarbeiter, die in der Produktion arbeiten. Auch dort haben die Beschäftigten einen verantwortungsvollen Job. Das Problem wird künftig gravierender, weil viele Babyboomer erst noch in den Ruhestand gehen werden. Ein Stück weit können wir diesem Trend mit umfassender Automatisierung von Arbeitsprozessen im eigenen Unternehmen entgegentreten.

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