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Unstoppable FinanceWie die Finanzaufsicht den neuesten Krypto-Hype auszubremsen droht

Unstoppable Finance will das dezentrale Finanzwesen massentauglich machen. Jetzt startet deren App in Deutschland, allerdings abgespeckt. Wegen Problemen mit der Finanzaufsicht erwägt das Fintech drastische Schritte.Philipp Frohn 17.05.2023 - 09:00 Uhr

Mit ihrer App wollen die Unstoppable-Finance-Gründer Maximilian von Wallenberg-Pachaly (von links), Peter Grosskopf und Omid Aladini das dezentrale Finanzwesen in den Massenmarkt bringen.

Foto: WirtschaftsWoche

Hinter einer kryptischen Abkürzung mit vier Buchstaben verbirgt sich der neue Hoffnungsträger der Kryptowelt: DeFi. Das steht für „Decentralized Finance“, Finanzdienstleistungen ohne Intermediäre wie Banken – dezentral eben. Bislang tummeln sich vor allem Krypto-Enthusiasten im DeFi-Bereich, für Otto Normalanleger sind DeFi-Anwendungen noch zu kompliziert. Doch das will ein Berliner Fintech nun ändern.

Die Kryptofirma Unstoppable Finance hat eine neue Smartphone-App gestartet: Über diese sollen Anleger in Deutschland Kryptoassets selbst verwahren, mit ihnen handeln und über Investitionen in ausgewählte DeFi-Protokolle Zinsen verdienen können. Zumindest theoretisch.

Das Problem: Die Wallet – also die digitale Geldbörse – mit den Namen Ultimate ist in Deutschland nur in einer Light-Version erhältlich. Nutzer können zwar Token-Preise in Echtzeit überprüfen und ihre eigenen Coins verwalten. Sie können aber über die App nicht handeln, obwohl das eine der Kernfunktionen sein soll. Die App startet also nach dem Prinzip: Nur gucken, nicht anfassen.

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Hintergrund sind Probleme mit der Finanzaufsicht BaFin. Eigentlich war der Launch der Ultimate-App bereits für November vergangenen Jahr geplant gewesen. In den meisten westlichen Ländern ist die App seitdem verfügbar. Doch aus dem Deutschland-Start wurde vorerst nichts.

Laut Finanzkreisen teilte die BaFin Unstoppable Finance kurz vor dem Launch mit, dass das Unternehmen unter die Aufsicht der BaFin falle und zunächst deren Zustimmung benötige. Passiert ist bis heute – über ein halbes Jahr später – nichts. Das Fintech steht weiter im Austausch mit der Aufsicht.

Gründer Peter Grosskopf sträubt sich nicht gegen Regulierung. Mit der BaFin hatte er immer wieder zu tun: Er hat die Solarisbank mit aufgebaut und die Börse Stuttgart Digital Exchange geleitet. Grosskopf wirft der BaFin vor, zu langsam zu handeln – und sein Fintech in eine Regulierung zu pressen, die die Charakteristik des DeFi-Bereichs nicht abbilde.

Deutsche Kryptounternehmen „stark benachteiligt“

Die BaFin prüft, ob das Angebot von Unstoppable Finance aufsichtsrechtlich relevant ist. „Geschäftsmodelle, die nicht nur angeblich, sondern tatsächlich dezentral ablaufen, sind nicht per se erlaubnisfrei“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Grosskopf sieht das anders: Seine App sei vergleichbar mit einem Internetbrowser, über den Nutzer selbstständig verschiedene Webseiten aufrufen können. Sie sei also nur das Werkzeug, kein Vermittler.

Über die Verzögerung ist Grosskopf enttäuscht. Halte die BaFin an ihrer Haltung fest, würde das Unstoppable Finance „gegenüber konkurrierenden Anbietern, die ihre Dienste in Deutschland ohne Lizenz weiter anbieten, stark benachteiligen,“ moniert er. Die BaFin erkennt derweil keine Bevorzugung ausländischer Anbieter. Es gelte die Devise „same risk, same rules“. „Agieren sie ohne eine notwendige Lizenz in Deutschland, dann betreiben sie unerlaubte Geschäfte, die wir verfolgen, untersagen und abwickeln“, so eine BaFin-Sprecherin

Tatsächlich gibt es von Anbietern wie der Kryptowallet Metamask bereits ähnliche Produkte, die ganz ohne BaFin Genehmigung in Deutschland genutzt werden können.Auch die Kryptobörse Binance beispielsweise zählt inzwischen mehrere Millionen deutsche Kunden, obwohl sie noch keine BaFin-Lizenz hat. Solange die Anbieter nicht aktiv um deutsche Kunden werben, intervenieren die Aufseher nicht. Deutsche Unternehmen dagegen unterliegen generell der BaFin-Aufsicht. Eine Einschränkung, die auch andere Fintech-Unternehmer kritisieren.

Nach Angaben von Unstoppable Finance warten 500.000 Interessenten darauf, für die Nutzung der Ultimate-App zugelassen zu werden. Bislang seien erst rund 10.000 Nutzer auf der Plattform aktiv. Der Grund: Die App ist erst seit einigen Wochen fürs Android-Betriebssystem verfügbar, und ein Großteil der Interessenten stammt eben aus Deutschland.

Fintech will Vollbank gründen

Gründer Grosskopf hält an seinem Plan fest, bald eine vollständige Version der App in Deutschland anzubieten. Zeitplan: ungewiss. Grosskopf plant für den Notfall die Flucht nach vorne: „Wenn dafür der Schritt ins Ausland notwendig ist, ist dies eine traurige Konsequenz.“

Operiert Unstoppable Finance von einem anderen Land aus, kann es seine App auch in Deutschland in der Vollversion starten. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass die Notlösung ausgerechnet in einem Schritt liegen könnte, den das Fintech bei anderen kritisiert. Ökonomisch wäre der Gang ins Ausland im Zweifel aber sinnvoll. Schließlich haben Investoren einen zweistelligen Millionenbetrag in das Start-up investiert und wollen Erträge sehen.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Während sich Unstoppable Finance weiter um die Zustimmung der BaFin bemüht, plant das Fintech parallel einen weiteren Schritt: Vergangene Woche verkündete es, eine Vollbank gründen zu wollen. Die Kryptofirma will ein Geldinstitut im dezentralen Finanzwesen eröffnen und damit Bank und Blockchain zusammenführen. Die Blockchain, die Technologie hinter Kryptowährungen wie Bitcoin, ist das digitale Datenprotokoll, auf dem sämtliche Transaktionen gespeichert werden. Geplant ist der Start der Vollbank im kommenden Jahr – falls die Gespräche mit der BaFin gut laufen.

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