Schwarz Gruppe: Das Lidl-Imperium schraubt den Umsatz in die Höhe
114,8 Milliarden Euro Umsatz spielten die weltweit rund 12.000 Lidl-Filialen 2022 ein, 13,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Foto: imago imagesBegleitet von reichlich Werbegetöse feiert der Discounter Lidl dieser Tage den 50. Geburtstag. Doch auch die Muttergesellschaft, die Schwarz Gruppe mit Sitz in Neckarsulm, hat allen Grund zum Feiern. Das Unternehmen, zu dem neben Lidl, der Großflächendiscounter Kaufland, zahlreiche Lebensmittelproduktionsbetriebe sowie die Umweltsparte PreZero gehören, hat im Geschäftsjahr 2022 einen neuen Umsatzrekord aufgestellt.
Über alle Geschäftsfelder hinweg erzielte die Schwarz Gruppe einen Umsatz von 154,1 Milliarden Euro und damit 15,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Wobei ein großer Teil des Anstiegs Preiserhöhungen, Übernahmen und sonstigen Effekten geschuldet sein dürfte.
So integrierte Kaufland zahlreiche Real-Märkte in das Filialnetz. Auch dadurch stieg der Umsatz der SB-Warenhäuser auf 31,8 Milliarden Euro, ein Plus von 16,1 Prozent. Die Umweltsparte PreZero erhöhte unter anderem durch frühere Zukäufe, die nun in der Bilanz berücksichtigt wurden, ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Milliarden Euro (84,7 Prozent) auf 3,9 Milliarden Euro. Und die produzierenden Unternehmen der Schwarz Gruppe lieferten Waren im Wert von rund 3,4 Milliarden Euro zu internen Verrechnungspreisen an Lidl und Kaufland. Dies entspricht einer Steigerung von 29,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Darin enthalten sind auch die Warenumsätze einer im Oktober 2022 erworbenen Teigwarenfabrik sowie der neu aufgebauten Kaffeefabrik.
Die mit Abstand wichtigste Sparte im Schwarz-Reich bleibt aber Lidl. Der Discounter steht für 79 Prozent der Konzernerlöse. 114,8 Milliarden Euro Umsatz spielten die rund 12.000 Lidl-Filialen in über 30 Ländern 2022 demnach ein, 13,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Einstieg ins Cloud-Geschäft
Über den Gewinn schweigt der Konzern. Nur so viel: „Trotz Inflation und gestiegener Zinsen erzielten die Unternehmen der Schwarz Gruppe damit einen stabilen Jahresabschluss“, heißt es in einer Pressemitteilung. Kostensteigerungen bei Handelswaren, Rohstoffen, Energie und Transport seien nur zum Teil an die Kunden weitergegeben worden.
Insgesamt arbeiten mehr als 575.000 Mitarbeiter bei Lidl, Kaufland & Co., längst zählt die Gruppe zu den weltweit größten Handelskonzernen und wird beim Umsatz nur von den amerikanischen Schwergewichten Walmart, Amazon und Costco übertroffen.
Die Unternehmensgeschichte der Schwarz Gruppe reicht bis ins Jahr 1930 zurück. Damals gründete Josef Schwarz den Lebensmittelgroßhändler Lidl & Schwarz KG. Sein Sohn Dieter Schwarz, 83, stieg später in den väterlichen Betrieb ein und eröffnete 1973 in Ludwigshafen die erste Discountfiliale. Er schuf damit die Grundlagen für die rasante Entwicklung der Gruppe.
Inzwischen stellt sich die Schwarz-Gruppe auch als Digitaldienstleister auf und gehört heute etwa schon zu den größten deutschen Cloud-Anbietern.
Zudem sind rund um den Firmensitz in Neckarsulm finanziert durch die Stiftung des zurückgezogen lebenden Dieter Schwarz zuletzt nicht nur Bildungseinrichtungen oder eine Programmierschule aus dem Boden geschossen. Das Geld des Mäzens, der das operative Geschäft bereits 1999 aus der Hand gab und laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ der reichste Mensch Deutschlands ist, fließt demnächst auch in ein großes Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz im nahen Heilbronn.
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