Gewinnwarnung: Lanxess-Aktie fällt um mehr als 16 Prozent
Der trübe Ausblick des Spezialchemie-Konzerns Lanxess versetzt der gesamten Branche einen Dämpfer.
Foto: REUTERSDie Gewinnwarnung von Lanxess schürt Sorgen vor weiteren Prognosesenkungen in der Chemieindustrie. Die von vielen Unternehmen erwartete Erholung im zweiten Halbjahr scheint auszubleiben, vor allem in China. Lanxess-Aktien fielen am Dienstag um mehr als 16 Prozent auf 26,33 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren.
Nach der Gewinnwarnung bei Lanxess bekräftigte der Kunststoffkonzern Covestro allerdings seine Ziele. „Unsere Prognose basiert auf einem stabilen makroökonomischen Umfeld und geht nicht von einer wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2023 aus.“ Seit dem zweiten Quartal 2022 beobachte Covestro bei seinen Kunden einen Trend zum Abbau von Lagerbeständen, insbesondere in der Möbel-, Elektro- und Baubranche. Die Talsohle sollte jedoch Ende vergangenen Jahres durchschritten worden sein. Seine Quartalsergebnisse veröffentlicht Covestro am 1. August.
Lanxess überrascht die Branche nicht völlig
Die Prognosesenkung von Lanxess sei nach den jüngsten Warnungen aus der Branche wie die von Croda und Victrex zwar keine völlige Überraschung mehr, aber vor allem das zweite Quartal enttäusche, sagte ein Händler.
Lanxess hatte am Montagabend mitgeteilt, dass im zweiten Quartal wohl nur ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von etwa 100 Millionen Euro zu Buche stehen dürfte statt des ursprünglich erwarteten Ergebnisses auf dem Niveau des ersten Quartals von 189 Millionen Euro.
„Die Nachfragebelebung, die wir für das zweite Halbjahr erwartet haben, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar – weder in China noch in anderen für uns wichtigen Märkten“, sagte Vorstandschef Matthias Zachert. Die sehr schwache Nachfrage, vor allem aus der Bau- und Elektronikindustrie, sowie der Lagerabbau bei Kunden dauerten an. Sollte es nicht zu einem Anziehen der Nachfrage kommen, rechnet Lanxess nun in diesem Jahr mit einem bereinigtem Ergebnis von 600 bis 650 Millionen Euro. Zuletzt hatte Zachert 850 bis 950 (2022: 930) Millionen prognostiziert.
Chemieaktien waren bereits zum Wochenstart wegen Konjunktursorgen auf Talfahrt gegangen. Nach den jüngsten Schwächezeichen der Wirtschaft in China hatten Großbanken reihenweise ihre Wachstumsprognosen für das Land gesenkt. Jüngste Daten zeigen, dass Chinas Wirtschaft bei der Aufholjagd nach der Coronakrise nicht mehr so schnell vorankommt. Die Industrieproduktion stieg im Mai mit 3,5 Prozent so langsam wie seit Februar nicht mehr.
Nach Einschätzung von Analyst Konstantin Wiechert von Baader Helvea lässt die Entwicklung bei Lanxess darauf schließen, dass die Prognosen aller Unternehmen, die eine spürbare Verbesserung in China im zweiten Halbjahr erwarten, gefährdet sind. Dies dürfte vor allem BASF, Evonik, EMS-Chemie und Lenzing betreffen.
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