Chefsuche bei der Autobahn GmbH: „Eine Besetzung nach Gusto und Gutdünken“
Verkehrsminister Volker Wissing muss einen neuen Chef für die Autobahn GmbH finden.
Foto: imago imagesEs sind klare Worte, die Ampel-Partner gerade für Verkehrsminister Wissing (FDP) finden. „Eine Besetzung nach Gusto und Gutdünken wäre fehl am Platze“, kommentierte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, die Personalpolitik Wissings gegenüber der WirtschaftsWoche. Standards wie „Transparenz und Bestenauslese“ müssten gerade für bundeseigene Unternehmen wie der Autobahn GmbH unbedingt gelten. „Es ist gut, dass die Suche nach geeignetem Personal jetzt diesen Standards folgen soll“, sagte Gelbhaar.
Was war passiert? Eigentlich hatte Wissing seinen Parteifreund, den früheren niedersächsischen FDP-Fraktionsvorsitzenden und Umweltminister Stefan Birkner, für den Posten vorgesehen – seinerseits auch Schwager von Wirtschaftsminister Robert Habeck. Birkner aber hatte vergangenes Wochenende über ein Zeitungsinterview seine Absage für die Stelle mitgeteilt. Grund sei ein wochenlanges Gezerre um seine Person sowohl in den Gremien der Autobahn GmbH als auch in der Öffentlichkeit.
Zuvor hatte unter anderem der Beamtenbund heftige Kritik an Wissings Personalwahl geübt: Der Minister habe den Aufsichtsrat der Autobahn nicht mit in die Entscheidung einbezogen. Auch habe Wissing versucht, einen Parteifreund zu versorgen und die Organisation stärker unter seine Kontrolle zu bringen.
Die Posse um den neuen Chef kommt zur Unzeit. Die Autobahn GmbH braucht dringend eine neue Führung, nachdem der ehemalige Vorsitzende Stephan Krenz im Frühjahr sein Aus angekündigt hatte. Seit Anfang 2021 kümmert sich die GmbH um 13.000 Kilometer Asphalt und löste damit die Bundesländer ab, die bisher für Bau und Instandsetzung sorgten. Seitdem türmen sich die Aufgaben für die notorisch überlastete Organisation regelrecht auf.
Vertreter aus Industrie, Politik und Wissenschaft skizzieren noch heute das Bild eines überforderten Unternehmens mit Personalmangel, das in bürokratischen Strukturen eingeklemmt ist. Die Folge: Innovative und nachhaltige Autobahnprojekte in Deutschland bleiben stecken. Auch ist die Rede von personellen Doppelstrukturen in Bezug auf die Bundesländer. Die GmbH hatte für ihre Gründung einen Teil ihrer Beschäftigten aus den bisher zuständigen Landesämtern abgezogen. „Jetzt haben beide Seiten notorisch zu wenig Leute“, heißt es. Noch im vergangenen Jahr berichteten Insider gegenüber der WirtschaftsWoche von Burn-outs und der zähen Zusammenarbeit mit langjährigen Beamten.
Unklar bleibt deshalb, wie die Autobahn die ehrgeizigen Pläne zur Planungsbeschleunigung bei Baustellen umsetzen soll, die das Verkehrsministerium vorgibt. Allein 400 Brücken gilt es in Deutschland jährlich zu sanieren, zusätzlich zu 144 Autobahnprojekten, die Wissing priorisieren möchte. Die GmbH kann so viele Vorhaben kaum stemmen – zumal noch nicht einmal klar zu sein scheint, wer die Organisation jetzt leiten soll.
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