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Ifo-PrognoseDer Wohnungsneubau in Europa bricht ein – nur wenige Länder überraschen positiv

Der Wohnungsbau ist hierzulande dramatisch zurückgegangen. Und der Blick auf die europäischen Nachbarn zeigt: Deutschland ist keine Ausnahme. In welchen Ländern es aber positive Signale gibt. 19.07.2023 - 15:10 Uhr

Nicht nur in Deutschland steht der Wohnungsbau unter Druck.

Foto: imago images

In vielen Ländern Europas erwarten Experten in den kommenden Jahren eine deutlich sinkende Wohnungsbautätigkeit. Deutschland gehört dabei zu den Staaten mit den stärksten Rückgängen, wie aus am Mittwoch vom Münchner Ifo-Institut veröffentlichten Berechnungen der Forschergruppe Euroconstruct hervorgeht. In den 19 untersuchten Ländern erwarten die Experten im Jahr 2025 demnach einen Saldo von 1,58 Millionen Wohnungsfertigstellungen. Das wäre ein Rückgang um 14 Prozent im Vergleich zu 2022. Für Deutschland ist das erwartete Minus mit 32 Prozent mehr als doppelt so groß.

Einen ähnlich kräftigen Einbruch fertiggestellter Wohnungen haben in den Jahren 2023 bis 2025 auch Schweden (minus 39 Prozent), Dänemark (minus 33 Prozent) und Ungarn (minus 29 Prozent) zu erwarten. Positive Impulse kommen dagegen aus Irland (plus 17 Prozent), Portugal (plus 15 Prozent), Spanien (plus 12 Prozent) und der Slowakei (plus 11 Prozent), so die Vorhersage. Für Deutschland prognostiziert das Ifo-Institut im Jahr 2025 die Fertigstellung von 200.000 Wohnungen nach 295.000 im vergangenen Jahr. Diese Zahlen hatten die Münchner allerdings schon im Juni bekanntgegeben.

„Neben der abrupten Zinswende und dem Kostensprung für Bauleistungen führt die allgemeine Verunsicherung über die mittelfristige Entwicklung der Immobilienpreise bei Bauherren und Interessenten zu ausgeprägter Zurückhaltung“, erklärt Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister die Prognose der Forschergruppe.

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Warum einzelne Länder bei der Entwicklung besser oder schlechter abschneiden, könne viele Ursachen haben. Dabei komme es unter anderem darauf an, wie viel in den Vorjahren gebaut wurde, von welchem Niveau man also komme. Auch Förderung und Zuwanderung könnten eine Rolle spielen. „Über eine attraktive Neubauförderung berichtet derzeit nur rund ein Drittel der Länderexperten“, erläutert Dorffmeister.

Ziele der Bundesregierung zu ambitioniert

Laut ifo hat sich der Auftragsmangel im deutschen Wohnungsbau zuletzt weiter verschärft. 34,5 Prozent der befragten Firmen berichten im Juni, sie hätten zu wenig Aufträge. Das ist der höchste Wert seit April 2010. Mit 19,2 Prozent wurde bei den Stornierungen bestehender Aufträge ein neuer Rekordwert erreicht.

Die deutsche Ampel-Regierung hatte sich zu Beginn der Legislaturperiode das Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, ein Viertel davon als Sozialwohnungen. Doch das Ziel rückt in weite Ferne. Baukosten und gestiegene Zinsen sind auch in Deutschland die zentralen Gründe für den Rückgang im Wohnungsbau.




So sind die Bauzinsen für Immobiliendarlehen seit Januar 2022 stetig gestiegen. Vor einem Jahr lag der durchschnittliche Zinssatz bei einer Sollzinsbindung von zehn Jahren bei 2,79 Prozent. Im Juni 2023 lag der Zinssatz bei 3,9 Prozent. Für viele Menschen rückt damit der Traum vom Eigenheim in weite Ferne – sie können sich die Finanzierung des Kredites nicht mehr leisten. Ein Grund für die steigenden Bauzinsen ist schnell gefunden: Aufgrund der hohen Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine politische Vollbremsung hingelegt. Sie straffte ihre Geldpolitik und hob den Leitzins an.

Starke Preissprünge setzen Immobilienbauern ebenfalls zu: Lieferengpässe, Materialknappheit, gestiegene Energiepreise durch die Coronapandemie und den Ukraine-Krieg trieben die Preise wie auch in anderen Sektoren in der Baubranche nach oben. (Die dramatische Lage beim Wohnungsbau und ihre Ursachen finden Sie hier in drei Grafiken erklärt.)

Bereits zu Beginn des vergangenen Jahres warnten Experten davor, dass die Wohnungsbauziele der Bundesregierung zu hochgesetzt und die Ausweitung des Sozialwohnungsbaus nicht finanzierbar sei. 

Um den absehbaren Einbruch der privaten Bauinvestitionen zumindest teilweise auszugleichen, plädiert das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) für eine spürbare Aufstockung der öffentlichen Ausgaben für den sozialen Wohnungsbau. Diese würden von privaten Bauträgern angesichts zu hoher Bau- und Finanzierungskosten zu selten gebaut.

Lesen Sie auch: Der Wohnungsbau-Schlamassel und seine Lösung in Zahlen

rtr, dpa, cha
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