Cannabis-Legalisierung in Deutschland: „Es ist nicht das, was uns von Anfang an versprochen wurde“
Die Bundesregierung hat die Cannabis-Legalisierung auf den Weg gebracht.
Foto: APWirtschaftsWoche: Die Bundesregierung hat die Cannabis-Legalisierung auf den Weg gebracht. Sind Sie zufrieden mit dem heute vorgestellten Gesetzesentwurf?
Niklas Kouparanis: Die positive Nachricht: Der Stein ist ins Rollen gekommen – das ist das wichtigste. Wir loben, dass Cannabis aus dem Betäubungsmittelrecht verschwindet. Damit wird es reklassifiziert, auch im medizinischen Rahmen. Das heißt, der Zugang zu den Prozessen für die Cannabis-Therapien für Ärzte, Apothekerinnen und vor allem Patienten und Patientinnen wird nun wesentlich einfacher.
Das klingt alles noch sehr positiv, was stört Sie?
Es ist nicht das, was uns von Anfang an versprochen wurde. Am Ende ist es aber der erste, wichtige Schritt. Wir waren als Unternehmen schon immer skeptisch, dass es der Bundesregierung gelingt, die ursprünglich angestrebte flächendeckende Legalisierung umzusetzen. Cannabis wird nun entkriminalisiert – das ist nicht dasselbe wie eine Legalisierung. Es bleibt aber ein Raum für Nachbesserungen.
Außerdem ist die geplante Überregulierung des Freizeitkonsums in den Cannabis Clubs ein Problem: Unter anderem soll die Abgabe für Mitglieder auf 25 Gramm pro Tag und 50 Gramm pro Monat beschränkt werden. Das könnte dem Schwarzmarkt in die Hände spielen.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach dem Beschluss im Kabinett muss das Gesetz durch den Bundestag. Bis die angekündigten Cannabis-Clubs entstehen, wird es aber noch dauern – da stehen ja bisher nur die Rahmenbedingungen im Gesetz. Details wie das Vergabe-, Lizenz- und Mitentscheidungsverfahren, welche Behörden in den einzelnen Ländern zuständig sind oder welche Anforderungen erfüllt werden müssen, sind noch offen. Ich rechne mit den ersten wirklich laufenden Cannabis Clubs in einem bis eineinhalb Jahren. In der Medizin wird die Reklassifizierung sofort stattfinden.
Was bedeutet das für Sie als Unternehmen?
Wir sind in den Startlöchern. Wir erleichtern jetzt schon den Zugang zu Cannabis für alle Parteien, mit dem neuen Gesetz würden die Therapie noch zugänglicher und einfacher werden, mehr Menschen könnten von einer Therapie profitieren. In den Apotheken, die auf unserem Apothekenmarktplatz vertreten sind, könnten Rezepte sofort eingelöst werden, außerdem können wir dann künftig die digitale Verschreibung per E-Rezept nutzen. Wir erwarten einen hohen Zulauf an neuen Patienten und Patientinnen und ein starkes Wachstum.
Die CDU befürchtet einen „kompletten Kontrollverlust“. Sind die Sorgen berechtigt?
Da habe ich eine klare Meinung zu. Der Kontrollverlust besteht seit 60 Jahren, seitdem es den illegalen Markt gibt. Es ist nahezu unmöglich, diesen Markt zu kontrollieren. Cannabis wird an jeder Straßenecke verkauft. Deswegen kann ich das Argument der CDU nicht nachvollziehen. Mit der Legalisierung kann die Kontrolle wiedergewonnen werden.
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