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Geldanlage global2024: Zentralbanken werden mit Zinssenkungen beginnen

Langsameres Wachstum, niedrigere Inflation und fallende Zinsen dürften das nächste Jahr prägen. Wie können sich Anlegerinnen und Anleger für das kommende Jahr positionieren? Eine Kolumne.Maximilian Kunkel 06.12.2023 - 13:48 Uhr

Europäische Zentralbank Gebäude mit Hauptsitz in Frankfurt am Main EZB, Frankfurt *** European Central Bank Building with headquarters in Frankfurt am Main ECB, Frankfurt

Foto: imago images

Die Coronapandemie hat die Regierungen weltweit dazu veranlasst, ihre Volkswirtschaften abrupt und fast gleichzeitig herunterzufahren und sie dann mit massiver Stimulierung wieder hochzufahren. Die Folgen sind Inflation, angespannte Arbeitsmärkte sowie ein Anstieg von Inflation, Zinssätzen, Anleiherenditen und Staatsschulden. Gleichzeitig verändern Kriege in erdölproduzierenden Regionen, eine reifere Wirtschaft in China und eine wieder viel aktivere nationale Industrie- und Umweltpolitik die geopolitische Bühne. Die alte Bedrohung durch Großmächte im Krieg scheint wiederaufzukommen.

Gleichzeitig könnten auch neue Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz fundamentale gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Damit befinden wir uns in einer neuen Welt, die von wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischer und ökologischer Instabilität, aber auch von tiefgreifenden technologischen Veränderungen geprägt ist. Wie schätzt das UBS Global Wealth Management die Aussichten für 2024 ein?

Wachstumsverlangsamung

Voraussichtlich wird sich das globale Wachstum weiter verlangsamen. In den USA ist die Geldpolitik inzwischen restriktiv, die Fiskalpolitik wird weniger expansiv sein und die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten ihre Ausgaben reduzieren angesichts geringerer Ersparnisse und weniger Möglichkeiten, Kreditkartenschulden auszuweiten. Das Wachstum in Europa wird gedämpft bleiben. Und in China sollte eine «neue Normalität» mit geringerem, aber qualitativ höherwertigem Wachstum als in der Vergangenheit eintreten.

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In diesem Umfeld sollten Anleger ihre Aktienallokationen auf Qualität ausrichten. In einem Umfeld mit schwächerem Wachstum dürften Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen und hoher Rentabilität am besten positioniert sein, um ein robustes Gewinnwachstum zu erzielen. Mit Blick auf die Vergangenheit haben wir festgestellt, dass Unternehmen mit der höchsten Kapitalrendite im Laufe der Zeit tendenziell besser abschneiden als diejenigen mit den niedrigsten Renditen. Und ein Großteil ihrer Überschussrendite konzentriert sich auf Zeiten einer Konjunkturabschwächung oder Rezession. Solche Qualitätsaktien sind unter anderem in Sektoren wie Technologie, Basiskonsumgüter und Energie zu finden.

Niedrigere Zinsen

Zweitens ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken mit Zinssenkungen beginnen werden. Das Basisszenario folgt der Annahme Ich erwarte, dass die Kerninflation der Verbraucherpreise in den USA und der Eurozone weiter fallen wird. Zuletzt sind die Inflationszahlen in Europa und den USA hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Die Inflation von 2021 bis 2022 war schnell vorüber (in den USA ging die Inflation bei langlebigen Konsumgütern innerhalb von neun Monaten von einem Rekordhoch zur Deflation über). Es könnte sein, dass das Ende der profitgetriebenen Inflationswelle (in der die Ausweitung der Profitmargen die Inflation antreibt) ähnlich schnell kommen wird.

Niedrigere Inflationsraten sollten den Zentralbanken genügend Vertrauen geben, um die Zinsen ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres graduell zu senken. Die Zentralbanken werden wohl versuchen, ihre Bilanzen weiter zu reduzieren. Sie werden aber nicht wollen, dass die inflationsbereinigten Zinsen noch deutlich weiter ansteigen. Somit erwarte ich, dass die Leitzinsen nächstes Jahr der Entwicklung der Inflation mit leichter Verzögerung folgen sollten. Wenn folglich die Zinsen 2024 wieder sinken, spricht dies dafür, überschüssige Barmittelallokationen zu hinterfragen und die Renditen von Qualitätsanleihen zu sichern.

Geopolitische Unwägbarkeiten

Drittens rechne ich damit, dass die Politik eine wichtige Rolle spielen wird. Die US-Präsidentschaftswahlen, die Kriege zwischen Israel und Hamas sowie zwischen Russland und der Ukraine oder auch die Rivalität zwischen den USA und China haben das Potenzial, 2024 die Märkte zu beeinflussen. Und die Entscheidungen der Politik, hohe und ungedeckte Haushaltsausgaben zu tätigen, schaffen sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsrisiken für die Wirtschaftsprognosen im Basisszenario. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, die Marktrisiken abzusichern. Eine ausgewogene Diversifikation und ein Fokus auf Qualität sollten die primäre Verteidigung der Anleger vor diesem Hintergrund bleiben. Aber es können auch zusätzliche spezifische Maßnahmen zum Schutz der Portfolios ergriffen werden. Vor allem Öl und Gold bieten sich als mögliche geopolitische Absicherung an. Eine Ausweitung des Krieges zwischen Israel und Hamas, einschließlich einer Unterbrechung der iranischen Exporte, könnte zu einem Anstieg in Richtung oder über 120 US-Dollar pro Barrel führen. Ich glaube außerdem, dass Gold bis zum Jahresende 2250 US-Dollar pro Unze erreichen könnte.

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