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Münchner Sicherheitsreport 2024Die Welt befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale

Die Münchner Sicherheitskonferenz präsentiert ihre alljährliche geopolitische Bestandsaufnahme – und sieht die Gefahr einer weltweiten Lose-Lose-Situation.Max Biederbeck 12.02.2024 - 10:00 Uhr

Düstere Momentaufnahme aus dem Ukrainekrieg: Die Kämpfe zwischen Russland und der Ukraine sind nur ein Bespiel, wie militärische Konflikte derzeit die weltweite Wirtschaft und die internationale Politik bestimmen.

Foto: dpa

Der bayerische Hof in München bietet rund 300 Zimmer, 74 Suiten, fünf Restaurants, sechs Bars und 40 Veranstaltungsräume. Wenn dort tausende Staatschefinnen, Diplomaten und Politikerinnen samt Entourage am kommenden Wochenende die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) besuchen, wird es ordentlich Gedränge geben.  

Zu klein sei die Location für das internationale Event, werden Besucher mal wieder schimpfen. Und einzig die Veranstalter selbst werden tapfer dagegenhalten: Im verwinkelten Hotel seien sie eben noch möglich, die intimen Treffen und Absprachen, welche die internationale Politik als Schmiermittel am Laufen halten. Anders ausgedrückt: Man soll doch bitte mal wieder miteinander reden in einer Welt, die sich wirtschaftlich wie politisch entfremdet. Letzteres zumindest suggeriert der aktuelle MSC-Sicherheitsreport – quasi das jährliche Logbuch der weltweit wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Trends.

Im vergangenen Jahr hatten dessen Autorinnen den Westen noch dazu aufgerufen, sich auf die dringende Aufholjagd nach neuen Partnern des Globalen Südens zu begeben. Die Idee einer wirtschaftlich vernetzten Gemeinschaft auf Augenhöhe müsse russisch-chinesische Fantasien auf ein Recht des Stärkeren kontern, so die Botschaft. Dieses Jahr wiederholt der Report diese Forderung nur am Rande, sein Fazit fällt deutlich pessimistischer aus.

Tauchsieder

Wir bekommen nichts mehr erledigt

Der Westen wirtschaftet ab. Die USA drohen Russland das Feld in der Ukraine zu überlassen. Die EU kann nicht mal eine Munitionsfabrik bauen. Deutschland verwaltet seinen Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Ein Abgesang.

von Dieter Schnaas

Wegen zunehmender Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten gerieten die Vorteile der weltweiten Zusammenarbeit zunehmend aus dem Fokus, schreiben die Autoren. Gemeinsame Wirtschafträume und Sicherheitsstrukturen verlieren demnach an Relevanz anstatt sie zu gewinnen. Regierungen heute seien vor allem besorgt, „dass sie weniger profitieren als andere.“ Damit stellten Staatsoberhäupter das eigene Wohl und die eigene Sicherheit zunehmend über den gemeinsamen Fortschritt – und setzten so eine gefährliche Spirale nach unten in Gang.

Eigentlich könne die internationale Ordnung, „trotz ihrer Mängel dazu beitragen, den sprichwörtlichen Kuchen zum Wohle aller zu vergrößern“, heißt es im Report. Stattdessen drohe aber eine „Lose-Lose-Dynamik“ – das Prinzip der Rivalität produziere zunehmend schlechtere Ergebnisse für alle. Damit gerate auch die marktgetriebene Globalisierung ins Wanken.

Stattdessen bestimmten sicherheitspolitische Lagerbildung und Konflikt sowohl die weltweite Wirtschaft als auch die internationale Politik.

Ein Beispiel sei die Situation in der Ukraine: Mit seinem einseitigen Wunsch nach Geltung bedrohe Russland nicht nur das Überleben eines bislang unabhängigen Staats, sondern Wladimir Putin schade auch seiner eigenen Bevölkerung massiv. Die EU-Staaten könnten auf der anderen Seite „nicht länger von der Friedensdividende profitieren und müssen mehr für ihre eigene Verteidigung und zur Unterstützung der Ukraine ausgeben.“ Das alles führe zum Ende jeglicher gemeinsamer Sicherheit und begrabe die Idee eines gemeinsamen Wirtschaftsraums in Europa. Ein Lose sowohl für Russland als auch für den Westen.

Ein ähnliches Momentum löst laut MSC auch die aggressive Vision Chinas aus, als Regionalmacht im asiatischen Raum seine Nachbarn kontrollieren zu wollen. Anstatt den Anrainer-Staaten eine Zusammenarbeit sowohl mit sich als auch den USA zu ermöglichen, zwinge Peking diese zu einer Entscheidung. Dadurch entstehen „engere Bündnisse mit den USA“, wachsende militärische Spannungen und eine wirtschaftliche Schwächung der gesamten Region, heißt es im MSC-Report.

„All das sind menschengemachte Probleme“, schreibt MSC-Chef Christoph Heusgen. Er ist überzeugt, dass sich die Rivalitäts-Spirale nach Unten noch aufhalten lässt. Auf den Fluren des Bayerischen Hofs werden sie es dicht gedrängt noch einmal versuchen. Russland wird allerdings wie schon im vergangenen Jahr nicht dabei sein.

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