Kryptowährung: Warum der Bitcoin nach dem Attentatsversuch steigt
Die Reaktion an der Börse folgte prompt: Bereits kurz nach dem Attentat auf Ex-Präsident Donald Trump legte der Bitcoin an Wert zu und durchbrach am Sonntag erneut die wichtige 60.000 Dollar-Marke. Aktuell notiert die Kryptowährung bei rund 62.400 Dollar, rund neun Prozent höher als vor einer Woche. Allein seit Sonntag beträgt das Plus rund 6,5 Prozent. Auch der Wert vieler anderer Kryptowährungen wie Ethereum oder Solana ist auf Wochensicht deutlich gestiegen.
So deutlich fielen die Marktreaktionen nicht in allen Segmenten aus. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind leicht um 1,4 Prozent gestiegen, auch der Wert des Dollar hat gegenüber anderen wichtigen Währungen zugelegt. Der Dax allerdings notierte nur leicht im Minus und zeigte sich von den Ereignissen am Wochenende recht unbeeindruckt. Etwas spannender dürfte die Reaktion der US-Börsen ausfallen, wenn diese am Nachmittag öffnen. Auch der Goldpreis lag mit 0,3 Prozent leicht im Plus.
Hat das Attentat auf Trump am Samstag in Pennsylvania also tatsächlich den Bitcoinkurs gestützt? Vermutlich ja. Zumindest hat es ordentlich zum Kursanstieg beigetragen.
Die Finanzmärkte preisen nun, knapp zwei Tage nach dem Mordversuch auf den Ex-Präsidenten, dessen Chancen auf einen erneuten Wahlsieg ein. Und die dürften – Stand jetzt – gestiegen sein nach den Ereignissen von Pennsylvania, obgleich längst nicht ausgemacht ist, ob das auch langfristig so bleibt. „Nach dem gescheiterten Attentat rechnet der Markt verstärkt mit einem Sieg Trumps bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst“, sagt Marcel Heinrichsmeier, Analyst bei der DZ Bank. Für die Kryptokurse sei das entscheidend. Der ehemalige Präsident habe sich „mehrfach positiv zu Kryptowährungen geäußert“, so Heinrichsmeier.
Tatsächlich hoffen wohl viele Marktteilnehmer nun mit Trump auf einen kryptofreundlichen nächsten US-Präsidenten. Trump will Ende Juli sogar als Redner auf einer Kryptokonferenz in Nashville auftreten – und hat bereits bestätigt, dass sich an diesen Plänen auch nach dem Attentat nichts ändern wird. Die Analysten des Krypto-Indexfondsanbieters ETC Group sehen auch darin einen Treiber am Markt. „Das stärkt die Aussicht auf eine kryptofreundliche Regierung“, sagt auch DZ-Analyst Heinrichsmeier.
Abseits der Kryptoszene spekulieren viele Marktteilnehmer darauf, dass Trump als möglicher neuer US-Präsident weitere Zölle einführt und damit die heimische Wirtschaft stärkt. Er gilt im Vergleich zu Biden und auch zu möglichen anderen demokratischen Kandidaten als wirtschaftsfreundlich.
Es gibt allerdings auch noch andere Faktoren, die aktuell den Markt beeinflussen. Zum einen sieht der Markt laut den ETC-Analysten nach den Inflationszahlen für Juni nun höhere Chancen auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed im September. Zudem sei die Nachfrage nach Krypto-Indexfonds (ETPs) wieder gestiegen und auch globale Hedgefonds hätten in Sachen Bitcoin zugekauft.
Hinzu kommt, dass laut Bloomberg wohl noch in dieser Woche der Handel mit dem lange erwarteten Ethereum-ETF starten soll. Die US-Börsenaufsicht hatte die Papiere im Mai zugelassen.
Eine kleine, zumindest psychologische Kursstütze dürfte für einige Marktteilnehmer auch aus Sachsen kommen: Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat ihre Bitcoin-Verkäufe beendet, die knapp 50.000 beschlagnahmten Bitcoin aus dem Ermittlungsverfahren gegen die Raubkopie-Plattform „Movie2k“ sind laut der Analyseplattform Arkham mittlerweile alle verkauft. Arkham hatte die zugehörige Wallet des Bundeskriminalamts (BKA) identifiziert, die Verkäufe galten als einer der Gründe für die sinkenden Bitcoinkurse in den vergangenen Wochen.
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