Ethereum-ETFs: Nach Spot-ETF-Zulassung: So profitieren Anleger jetzt vom Ethereum-Boom
Die US-Börsenaufsicht hat Ethereum-ETFs zugelassen
Foto: REUTERSWer Neuigkeiten in der Kryptowelt live mitbekommen will, muss auch schon mal eine Nachtschicht einlegen. Am späten Donnerstagabend nach US-Börsenschluss hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Tür für Ethereum-ETFs geöffnet. Für viele Marktbeobachter war das eine Überraschung.
Mit den neuen Indexfonds wird der Handel für Privatanleger nun deutlich einfacher – und für institutionelle Investoren öffnet sich erstmals die Möglichkeit, in die zweitgrößte Kryptowährung nach Bitcoin zu investieren. Die positive Entscheidung der SEC nahm der Kryptomarkt weitgehend unbeeindruckt auf.
Bis zur finalen Handelsfreigabe fehlt noch ein Schritt. Zunächst gestattet die SEC nun Handelsplätzen, Ethereum-ETFs anzubieten. Dafür benötigen die Emittenten eine gesonderte Genehmigung. Bis die ETFs handelbar sind, kann es laut Experten noch einige Wochen dauern.
„Erstaunlich ist, dass die erste Marktreaktion ungewöhnlich verhalten ausfällt“, sagt Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus Emden Research. Ether notierte zuletzt bei rund 3640 Dollar und damit gut vier Prozent unterm Vortagesniveau. Dass Anleger nach der Positivmeldung erstmal Gewinne mitnehmen, gilt unter Experten als wenig überraschend. „Investoren sollten sich in den kommenden Stunden dennoch auf eine erhöhte Volatilität einstellen“, so Emden.
Ethereum-Spot-ETFs: „Katalysator für den Kryptomarkt“
Langfristig aber spricht aus Sicht von Marktbeobachtern vieles für steigende Kurse. „Die Genehmigung könnte Ethereum zu neuen Höhen treiben und als starker Katalysator für den gesamten Kryptomarkt wirken“, sagt Ulli Spankowski, Chef der Krypto-Handels-App Bison.
Für deutsche Anleger gibt es allerdings einen Haken: Sie können gar nicht in die neuen Ethereum-ETFs investieren. Sie sind nämlich nur in den USA zugelassen und in Deutschland nicht handelbar. Daran dürfte sich auch nichts ändern, denn es gibt hierzulande andere regulatorische Beschränkungen. So müssen ETFs und Fonds gemäß den sogenannten UCITS-Richtlinien zum Beispiel mehrere Werte umfassen – und nicht nur eine Kryptowährung.
Wer auf eine Wertsteigerung bei Ether spekulieren will, braucht die ETFs aber gar nicht. Hierzulande stehen Anlegern mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um in die Kryptowährung zu investieren. Die WirtschaftsWoche stellt verschiedene Optionen vor – und benennt deren Risiken.
Für viele Investoren sind spezielle Kryptobörsen die erste Anlaufstelle für den Handel mit Digitalwährungen. Dort finden sie mit Abstand größte Auswahl. Das Angebot reicht von Bitcoin und Ether bis hin zu nischigen und besonders schwankungsanfälligen Mini-Coins mit niedriger Marktkapitalisierung. Anleger müssen ihre Kryptowerte nicht selbst verwahren. Sie lagern auf den Konten der Plattformen. Das kann jedoch zum Problem werden, falls die Kryptobörse in die Insolvenz rutscht. Das Vermögen kann dann als Teil der Insolvenzmasse betrachtet werden.
Umwege für Anleger
Nur wenige Anbieter wie etwa Coinbase, Bitpanda oder die Krypto-Plattform der Börse Stuttgart – Bison – haben eine Lizenz der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Handeln können Anleger zwar auch über Kryptobörsen, denen diese Genehmigung fehlt. Doch hier gehen sie größere Risiken ein. Viele Plattformen wie Binance, die weltgrößte Kryptobörse, sind für Anleger eine Blackbox und stehen im Visier staatlicher Aufsichtsbehörden. Das sollte zumindest Skepsis wecken.
Für den Handel über Kryptobörsen sprechen auch die teils niedrigeren Kosten. Insbesondere die Spreads – also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis – sind dort niedrig. Wer lieber alle seine Vermögenswerte in einer App haben möchte, kann auch über Neobroker in Kryptowährungen investieren. Trade Republic zum Beispiel bietet den direkten Handel mit Ether und Co. an.
Bei klassischen Anbietern wie der ING oder der Consorsbank geht das nicht. Hier müssen Kunden für ein Krypto-Engagement Umwege gehen, nämlich über sogenannte Exchange Traded Products (ETPs). Solche ETPs bilden einen Basiswert – in dem Fall Ether – eins zu eins ab und sind so etwas wie das europäische Pendant zu den amerikanischen Krypto-ETFs.
Mit diesem Konstrukt werden Assets, die eigentlich nicht an der Börse gehandelt werden, über die Integration in ein anderes Produkt handelbar gemacht. Anders als ETFs dürfen ETPs und ETNs (Exchange Traded Notes) aus nur einem Vermögenswert bestehen. Ein ETN ist ein börsengehandeltes Wertpapier und verbrieft in der Regel Kryptowährungen oder auch gehebelte Produkte.
Vier Risiken, auf die Anleger achten sollten
Die Vergleichsplattform JustETF listet aktuell zwölf Ethereum-ETNs bzw. ETPs, die in Deutschland handelbar sind. Investmentmöglichkeiten gibt es zum Beispiel bei den Anbietern 21shares (ISIN CH0454664027) und VanEck (ISIN DE000A3GPSP7). Allerdings gibt es ein paar Nachteile bei ETPs.
Erstens: Sie sind nur während herkömmlicher Handelszeiten handelbar. Wer direkt in Kryptowährungen investiert, kann seine Anteile zu jeder Zeit verkaufen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Gerade bei einem volatilen Asset wie Ether sind Anleger mit ETPs also eingeschränkt.
Zweitens: Zwar haben auch Anbieter von in Deutschland zugelassenen Produkten seit Einführung der Bitcoin-ETFs die Kosten gesenkt, dennoch sind die Gebühren für Krypto-ETPs weiterhin relativ hoch. Bei vielen Produkten liegt die jährliche Gesamtkostenquote bei rund einem Prozent. Zum Vergleich: Ein ETF auf den Weltaktienindex MSCI World kostet um die 0,2 Prozent im Jahr.
Drittens: Viele Fonds sind klein und umfassen zum Teil nur wenige Millionen Euro Anlegergeld. Dann kann Nachteile mit sich bringen. Fonds können erst ab einem gewissen Mindestvolumen kosteneffizient arbeiten. Experten beziffern die Schwelle auf 100 Millionen Euro. Das Problem für Anleger: Je niedriger das Fondsvolumen, desto höher die Gefahr, dass er geschlossen wird. Unter Umständen müssen Anleger ihre Anteile dann verkaufen. Notiert die Position zum Verkaufszeitpunkt im Minus, könnten Anleger Verluste realisieren.
Und viertens: Auch bei ETPs gibt es ein Emittentenrisiko. Rutscht der Anbieter des Krypto-Produkts in die Zahlungsunfähigkeit, droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Kurzum: Wer in Kryptowährungen wie Ether investiert, muss eine ganze Reihe von Risiken aushalten können.
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