Kryptowährungen: Handel mit Ether-ETFs startet: Was Anleger jetzt wissen müssen
In den USA können Anleger nun auch in Ether-ETFs investieren.
Foto: REUTERSWas für manche nur nach einem weiteren Vertriebsweg für Finanzinstitute klingt, ist für die Kryptobranche ein Meilenstein. Die US-Börsenaufsicht SEC gab in der Nacht zum Dienstag bekannt, dass ETFs für Ether – nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung – starten dürfen. Anleger haben große Erwartungen: Mit den Indexfonds wird Ether einfacher und erstmals auch für institutionelle Investoren handelbar. Nun hoffen Anleger auf weitere Kurssteigerungen.
Im Mai hatte die US-Börsenaufsicht den Weg für eine Genehmigung frei gemacht, eine finale Zulassung stand bislang aus. Nun dürfen acht Anbieter die Ether-ETFs zum Handel anbieten. Dazu gehören neben BlackRock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, auch 21Shares und Ark, hinter der die bekannte Tech-Investorin Cathie Wood steht.
„Dies ist ein zusätzlicher Schritt in den Investmentmainstream und unterstreicht die jüngste Zeitenwende im Sektor“, sagt Timo Emden von Emden Research über die Zulassung der Ether-ETFs. „Die regulatorischen Daumenschrauben werden weiter gelockert.“
Lange war unklar, ob die SEC den Anträgen auf Ether-ETFs stattgeben wird. Vor allem der Mechanismus, um neue Digitalmünzen zu generieren, löste Bedenken bei den Aufsehern aus. Der unterscheidet sich von dem beim Bitcoin. Neue Ether-Einheiten entstehen durch das sogenannte Staking. Stark vereinfacht ausgedrückt geben Ethereum-Anleger beim Staking ihre Coins für die Erzeugung weiterer Digitalmünzen frei und bekommen als Belohnung neue Ethereum-Einheiten. Die US-Börsenaufsicht sieht hier ein Wertpapiergeschäft, für das aber eine entsprechende Lizenzierung fehlt.
Die Anbieter haben auf die Skepsis der SEC reagiert und bieten die ETFs ohne Staking an. Es steht also die Frage im Raum, ob Anleger zu den Indexfonds greifen oder doch lieber direkt in Ether investieren. Hier können sie nicht nur von möglichen Kurssteigerungen profitieren, sondern auch laufende Erträge durch Staking-Rewards erzielen.
Bislang keine Kursexplosion bei Ether
Dass der Ether-Kurs bislang kaum auf die finale Zulassung reagierte, überrascht Analyst Emden nicht: „Die Marktreaktion fällt überschaubar aus, da Anleger die finale Zulassung im Vorfeld antizipiert haben.“ Allein seit Jahresbeginn stieg der Kurs um gut 46 Prozent auf zuletzt 3440 Dollar.
Die Zulassung der Bitcoin-ETFs im Januar hatte den gesamten Kryptomarkt nach oben gezogen. Außerdem profitiert auch Ether von der Aussicht auf sinkende Zinsen und einer möglichen Rückkehr von Ex-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus. Der Republikaner hat sich zuletzt kryptofreundlich positioniert.
Womöglich könnte der Ether-Kurs nach der Zulassung auch erst mal nachgeben. Anleger, die auf die Genehmigung spekuliert hatten, könnten ihre Gewinne versilbern und den Ether-Preis damit drücken. Beim Bitcoin war dies zunächst der Fall. „Erst auf mittelfristige Sicht dürfte sich die Wirkung der jüngst zugelassenen Anlagevehikel entfalten“, erwartet Analyst Emden.
Für deutsche Anleger sind die neuen Ether-ETFs aus regulatorischen Gründen nicht investierbar. Sie profitieren nur, wenn der Ether-Kurs durch Liquiditätszuflüsse steigt. Deutsche Anleger haben aber andere Möglichkeiten, um in die Kryptowährung zu investieren. Über börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen (ETPs) können sie über klassische Anbieter wie die Consorsbank oder die ING bei Ether einsteigen. Auch bei Neobrokern wie Trade Republic können Anleger in die Digitalwährung investieren.
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