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Bitcoin-Kursziel 100.000 Dollar?Warum Anleger auf einen weiteren Bitcoin-Boom spekulieren

Nach Joe Bidens Verzicht auf die Präsidentschaftskandidatur setzen Bitcoin und Co. ihre jüngste Rally fort. Optimisten sehen weiteres Aufwärtspotenzial für Kryptowährungen. Zu Recht?Philipp Frohn 23.07.2024 - 06:52 Uhr

Krypto-Anleger spekulieren auf eine Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus.

Foto: REUTERS

Donald Trump ist ein Mann der Extreme – und ob er etwas extrem gut oder extrem schlecht findet, kann sich auch schon mal schnell ändern. Noch vor fünf Jahren schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die […] auf dünner Luft basieren.“ Zwischenzeitlich hat er eine 360-Grad-Wende vollzogen und wird als „Krypto-Präsident“ in spe gefeiert. Erst letzten Monat kündigte er an, den „Krieg gegen Kryptowährungen“ unter dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden beenden zu wollen.

Die Aussicht auf einen Präsidenten Trump beflügelt gerade die Kurse von Kryptowährungen wie Bitcoin. „Wir erwarten, dass der Markt unter einer Trump-Regierung viel investierbarer wird“, sagte Benjamin Celermajer, der für das Investmentgeschäft bei Magnet Capital mitverantwortlich ist, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Diese Erwartungshaltung lässt sich am Bitcoin-Kurs ablesen: Seit dem Attentat auf Trump hat sich die Kryptowährung um gut 17 Prozent verteuert und notierte zuletzt bei gut 67.000 Dollar. Nachdem Präsident Biden am Sonntag nach wochenlanger Kritik seinen Verzicht auf die Kandidatur bekanntgab, erreichte der Bitcoin zwischenzeitlich sogar mit über 68.000 Dollar den höchsten Stand seit einem Monat.

Der Bitcoin als Trump-Trade? Tatsächlich dürfte die Branche profitieren, wenn der Republikaner erneut ins Weiße Haus zieht. So will er zum Beispiel den Bitcoin als staatliche Währungsreserve etablieren. Und vor kurzem forderte er, dass alle neuen Bitcoins in den USA erzeugt werden sollen. Mit gut 35 Prozent sind bereits die meisten Miner in den USA tätig, gefolgt von Kasachstan (18 Prozent) und Russland (11 Prozent). Als Miner bezeichnet man, grob gesagt, all jene, die mit daran mitarbeiten, die Bitcoin-Technologie am Laufen zu halten und als Belohnung neue Bitcoin erhalten. Trump hat angekündigt, die regulatorischen Vorschriften für die Kryptowährung zu lockern. Seine Umgarnungen kommen in der Branche an: Mit 100 Millionen Dollar wollen Unternehmen aus dem Sektor seinen Wahlkampf stützen. Biden hingegen hatte es sich mit Kryptoanlegern verscherzt. Jüngst liebäugelte er zum Beispiel mit einer Sondersteuer von 30 Prozent auf Mining-Erträge.

Steigt der Bitcoin-Kurs auf 100.000 Dollar?

Seine letzte Schwächephase hat der Bitcoin offenbar überwunden. Unter anderem der Verkauf von Bitcoin-Beständen deutscher Behörden hatte den Kurs zwischenzeitlich auf rund 55.800 Dollar gedrückt. Nun hat sich der Kurs wieder zwischen 60.000 und 70.000 Dollar eingependelt. Spannend dürfte nun sein, ob der Bitcoin den Widerstand bei etwa 71.900 Dollar reißen kann. Hier, ganz knapp unterm Rekordhoch, war die Digitalwährung im März und Mai mehrfach abgeprallt. Ein erfolgreicher Ausbruch könnte charttechnisch die Bahn frei machen für weitere Kursteigerungen.

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Investoren trauen das dem Bitcoin offenbar zu. Darauf deuten zumindest Zahlen vom Optionsmarkt hin. Das Analysehaus Glassnode identifiziert zum Beispiel für den 27. Dezember dieses Jahres besonders viele Call-Optionen auf den Bitcoin mit einem Ausführungspreis von 100.000 Dollar allein auf der Handelsplattform Deribit. Investoren, die diese Call-Optionen gekauft haben, wetten also auf einen sechsstelligen Bitcoin-Kurs zum Jahresende. Das Volumen dieses Calls beläuft sich demnach auf über 550 Millionen Dollar.

Mit Optionsscheinen können Anleger auf steigende (Call-Option) oder fallende (Put-Option) Kurse setzen, ohne den zugrunde liegenden Basiswert zu besitzen. Schon mit kleinem Einsatz können Investoren hier überproportional profitieren – oder verlieren. Mit Optionsscheinen ist im schlimmsten Fall ein Totalverlust möglich. Inhaber von Optionsscheinen haben das Recht, aber nicht die Pflicht, den Vermögenswert an einem festgelegten Tag zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Liegt der Kurs des Basiswerts dann über dem Ausführungspreis, machen Investoren Gewinn. Ihre Optionsscheine können sie auch vor dem Verfallstag verkaufen.

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Ein Warnsignal für Anleger

Auch die Nachfrage nach Bitcoin-Calls mit einem Ausführungspreis von 75.000 und 85.000 Dollar ist hoch. Kurzum: Das Gros der Options-Investoren traut dem Bitcoin ein Kursplus zwischen 11,3 und 48 Prozent zu. Das Volumen der Call-Optionen übersteigt das der Put-Optionen am 27. Dezember um das 3,3-Fache. Selbst die meisten Skeptiker orientieren sich recht nach am aktuellen Kursniveau und glauben, dass der Bitcoin bis Ende des Jahres bei 60.000 Dollar notieren wird. Allerdings gibt es auch Investoren, die Call-Optionen kaufen, um bestehende Short-Positionen abzusichern. 

Auch die Put/Call-Ratio zeigt an, dass die Marktstimmung gerade sehr optimistisch ist. Der Wert liegt laut Daten der Analyseplattform „The Block“ zurzeit etwa bei 0,5. Das bedeutet, dass es doppelt so viele Calls wie Puts gibt. Das kann Anleger optimistisch stimmen – oder ein Warnsignal sein. Irren sich die Marktteilnehmer und es kommt zu starken Rücksetzern, sind zu viele verkaufswillige Anleger investiert. Wenn diese ihre Kryptowährungen dann verkaufen wollen, gibt es nicht genug Abnehmer und sie müssen Abschläge in Kauf nehmen. Schlagen viele Investoren ihre Digitalwährungen los, werden oft technische Verkäufe ausgelöst. Viele Anleger setzen eine sogenannte Stopp-Loss-Order, um Verluste zu begrenzen. Unterschreitet der Bitcoin diese Schwelle, werden automatisch Anteile verkauft. Das wiederum befeuert den Kursrückgang. 

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Auch die Sentimentanalyse sollte allmählich vorsichtig stimmen. Der „Fear and Greed“-Index (zu Deutsch: Angst und Gier) der Analyseplattform Alternative misst auf Basis von Volumen- und Volatilitätsdaten die Stimmung am Kryptomarkt. Zuletzt notierte das Barometer bei einem Wert von 70 von 100 Punkten. Oder anders gesagt: Gerade herrscht „Gier“, wie die Analyseplattform es formuliert. Tendenziell gilt: Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist ein Kursrückgang, weil die, die kaufen wollen, schon im Markt sind und der Kurs bei Verwerfungen empfindlich reagieren kann.

Es gibt aber viele Gründe für weiter steigende Krypto-Kurse, etwa die im Januar zugelassenen Bitcoin-ETFs, die immer weiter Geld in den Markt spülen. Experten raten dennoch zur Vorsicht, auch weil die Hoffnung einiger Krypto-Investoren auf einen Präsidenten Trump keine ausgemachte Sache ist. „Der Abgang Joe Bidens legt offen, dass ein Wahlsieg Donald Trumps alles andere als in Stein gemeißelt ist“, meint Timo Emden von gleichnamigen Analysehaus Emden Research. „Die bereits verteilten Vorschusslorbeeren könnten Investoren zum Verhängnis werden.“

Ähnlich argumentiert Caroline Bowler, Chefin der Investmentplattform BTC Markets: „Was wir noch nicht wissen, sind Harris' Ansichten zur Kryptowährung.“ Biden hat seine Vizepräsidentin Kamala Harris für die Nominierung als demokratische Kandidatin vorgeschlagen. Ihre Zustimmungswerte sind zwar in etwa so niedrig wie die des amtierenden Präsidenten. Sollte sie die Amerikaner für sich gewinnen können und an Bidens recht strenger Krypto-Politik festhalten, dürften Bitcoin-Investoren Verluste drohen.

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