Außenhandel: Kanada plant 100 Prozent Strafzoll auf chinesische Elektroautos
Premierminister Justin Trudeau soll die Pläne in Kürze vorstellen. Aktuell tagt sein Kabinett in Halifax, um über die Wirtschaftspolitik und internationalen Beziehungen Kanadas zu beraten.
Die kanadische Wirtschaft ist sehr exportorientiert und hängt stark vom Handel mit den USA ab. Schon die US-Regierung hatte hohe Zölle auf chinesische Elektroautos, Batterien, Solarzellen, Stahl und andere Produkte eingeführt. Die kanadische Autoindustrie ist stark mit dem großen Nachbarn verflochten. Ein Großteil der 1,5 Millionen Fahrzeuge, die 2023 in Kanada gebaut wurden, wird in den USA verkauft.
Finanzministerin Chrystia Freeland hatte sich bereits in den vergangenen Monaten für ein härteres Vorgehen gegen Fahrzeugimporte aus China und für eine engere Handelsbeziehung zu den USA ausgesprochen. Die Autoindustrie, so Freeland, sei „einem unlauteren Wettbewerb durch Chinas vorsätzliche, staatlich gelenkte Überkapazitätspolitik ausgesetzt, die die Wettbewerbsfähigkeit des kanadischen Elektrofahrzeugsektors untergräbt“.
In einem Interview mit Bloomberg News im Juli warb sie für eine neue wirtschaftliche Außenpolitik des Landes. „Geopolitik und Geo-Ökonomie sind wieder da“, sagte sie damals. „Das bedeutet, dass die westlichen Länder – und ganz besonders die USA – Wert auf sichere Lieferketten legen und eine andere Haltung gegenüber chinesischen Überkapazitäten einnehmen müssen."
Furcht vor chinesischer Billigkonkurrenz
Die Europäische Union hatte zuletzt ebenfalls vorgeschlagen, neue Zölle auf wichtige Elektrofahrzeuge aus China zu erheben, allerdings in geringerem Umfang als die USA.
Auf Produkte des chinesischen Staatskonzerns SAIC sollen demnach zusätzliche Zölle in Höhe von 36,3 Prozent erhoben werden, während Geely und BYD jeweils mit Zöllen in Höhe von 19,3 Prozent bzw. 17 Prozenz belegt werden sollen, wie aus einem letzte Woche veröffentlichten Entscheidungsentwurf hervorgeht. Tesla muss dagegen mit einem Zoll von neun Prozent für Modelle rechnen, die aus China nach Europa exportiert werden.
Der Wert der von Kanada importierten chinesischen Elektrofahrzeuge lag im vergangenen Jahr bei 2,2 Milliarden kanadischen Dollar (1,46 Milliarden Euro), im Jahr 2022 waren es nur 100 Millionen kanadische Dollar, wie aus Daten von Statistics Canada hervorgeht. Dafür ist vor allem Tesla verantwortlich: Das Model Y für den kanadischen Markt wird in Shanghai produziert.
Trotzdem gilt die Hauptsorge der kanadischen Regierung jedoch nicht Tesla, sondern der Aussicht, dass billige Autos chinesischer Hersteller auf den Markt kommen könnten. BYD hatte die kanadische Regierung im Juli darüber informiert, dass das Unternehmen auch in Kanada seinen Markteintritt plan.
Subventionen für westliche Hersteller
Damit war der politische und industrielle Druck auf Trudeau gewachsen. Die kanadische Automobilindustrie drängte darauf, die Zölle zu erhöhen, um die heimischen Arbeitsplätze und Löhne zu schützen. Die Regierung setzt auf Kooperationen mit anderen Herstellern des Westens: Die Regierung hat unter anderem Stellantis, Volkswagen und Honda milliardenschwere Subventionen für Elektrofahrzeugwerke oder Batteriefabriken zugesagt.
Stahl- und Aluminiumhersteller in Kanada haben die Regierung ebenfalls öffentlich und wiederholt aufgefordert, den Zugang Chinas zu beschränken, da Xis Industriepolitik es dem asiatischen Machtzentrum erlaube, ausländische Märkte auf unfaire Weise zu überschwemmen und dadurch lokale Arbeitsplätze zu gefährden.
„China hält sich nicht an die Regeln“, sagte Catherine Cobden, Präsidentin und Geschäftsführerin der Canadian Steel Producers Association, Anfang des Monats gegenüber Reportern.
Die chinesische Führung plant, das Thema Zölle bei einem Besuch des nationalen Sicherheitsberaters der USA, Jake Sullivan, in dieser Woche anzusprechen, wie die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Sullivan wird mit Außenminister Wang Yi und möglicherweise auch mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammentreffen