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  4. Bitcoin-Mining: Warum das Abschalten einer Bitcoin-Farm in Norwegen Strom teurer macht

StrompreisDarum ärgern sich Norweger über die Abschaltung einer Bitcoin-Farm

In Norwegen wird eine Bitcoin-Farm nach Bürgerprotesten geschlossen. Die Folge: Der Strompreis vor Ort steigt. Warum?Sören Imöhl 26.09.2024 - 12:15 Uhr

Bitcoin Mining kann als variabler Stromabnehmer dazu führen, dass der Strompreis für Endverbraucher sinkt.

Foto: imago images

Das Erzeugen neuer Bitcoin, auch Mining genannt, wird immer wieder heftig kritisiert: Es verbrauche zu viel Energie. In Hadsel, einer Gemeinde im Norden Norwegens, muss eine sogenannte Bitcoin-Farm nach Bürgerprotesten dicht machen. Die Schließung dürfte allerdings andere Folgen haben als gedacht: Sie treibt den Strompreis vor Ort deutlich in die Höhe.

Bisher zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Hadsel für Strom pro Jahr 12.000 bis 13.000 norwegische Kronen (rund 1010 Euro bis 1100 Euro). Nach Schließung der Bitcoin-Farm sind es laut Schätzungen des norwegischen Energieversorgers Noranett jedes Jahr 2500 bis 3000 Kronen (210 Euro bis 260 Euro) mehr. Wie kann das sein?

Bitcoin-Miner als große Stromabnehmer in Hadsel

Die Bitcoin-Farm in Hadsel war bisher der größte Kunde von Noranett. 20 Prozent der von Noranett erzeugten Energie floss dorthin. Ein Problem? Nicht unbedingt: Die Bitcoin-Farm trug nämlich als großer Abnehmer dazu bei, die Stromnetze zu entlasten und vorgegebene Maximaleinnahmen der Energieversorger zu erfüllen.

Norwegen bezieht einen großen Teil seines Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, nutzt viel Wind- und Wasserkraft. Für die Umwelt ist das gut, für die Netze hingegen eine Herausforderung. Sie sind auf eine gleichmäßige Auslastung ausgelegt. Der Wind weht aber nicht immer gleich. Im Fall Hadsel ist der Anstieg der Strompreise allerdings hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Energieversorger an festgelegte jährliche Maximaleinnahmen gebunden sind. Wenn nun also ein Großkunde ausfällt, müssen die verbleibenden Kosten auf die restlichen Verbraucher umgelegt werden, um den Betrieb und die Wartung des Netzes zu gewährleisten.



Mining-Farmen arbeiten flexibel, sie passen sich schnell an die verfügbare Strommenge an und sind darüber hinaus sehr mobil einsetzbar. So können sie überschüssige Energie sozusagen aufsaugen und in Spitzenzeiten Druck von den Stromnetzen nehmen. Das senkt den Durchschnittspreis für Verbraucher. Denn Überkapazitäten kosten, und den Preis dafür zahlt der Endkunde.

In Hadsel wird der Strom hingegen insbesondere deswegen teurer, weil die Mining-Farm als großer Stromabnehmer weggefallen ist und diese nun nicht mehr zur Erreichung der jährlichen Maximaleinnahmen beiträgt. Dass es auch leiser wird, dürfte Bürgern, die überdies sich über den Lärm der Farm beklagt hatten, aber nur ein schwacher Trost sein.

Bitcoin-Mining: Ungenutztes Potenzial

Der Fall Hadsel zeigt eindrucksvoll, welche Vorteile das Bitcoin-Mining unter bestimmten Voraussetzungen bieten kann. Dies gilt nicht nur für Norwegen, sondern auch für Deutschland – hier jedoch insbesondere in Bezug auf die Nutzung von volatiler grüner Energie aus Wind- und Solarkraft zur Stabilisierung der Stromnetze. Deutschland zählt weltweit zu den führenden Nationen in der Erzeugung erneuerbarer Energien. In Zeiten mit hohem Wind- und Sonnenaufkommen wird oft mehr Strom produziert, als benötigt wird, bei wenig Wind und Sonne müssen dagegen kostenintensive und emissionsreiche Gas- oder Kohlekraftwerke einspringen, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Lesen Sie auch: Deutsche zahlen doppelt so viel für Strom wie Norweger

Bitcoin-Farmen könnten als flexible und mobile Stromverbraucher dazu beitragen, die Nachfrage zu glätten und so helfen, dieses Problem zu entschärfen. Insbesondere in ländlichen Regionen, wo der Ausbau von Wind- und Solarenergie schnell voranschreitet, aber vergleichsweise wenige Stromabnehmer vorhanden sind, könnte das Bitcoin-Mining als Übergangslösung dienen, bis die nötige Speicherinfrastruktur aufgebaut ist.

Wissenswertes zum Thema Bitcoin (BTC):

Das sagen Kritiker und Befürworter zum Bitcoin-Mining

Auch wenn Mining Energie verbraucht, die sonst ungenutzt verpuffen würde: Der Energieverbrauch an sich ist Fakt. Kritiker prangern daher den ökologischen Fußabdruck von Bitcoin-Mining an. Norwegens Energieminister Terje Aasland fordert nicht zuletzt wegen der durchwachsenen Umweltbilanz, Bitcoin-Mining strenger zu regulieren. Damit bekommt er viel Beifall aus umweltpolitischen Kreisen.

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Daniel Batten etwa, Risikokapitalgeber im Bereich Klimatechnologie, kritisiert auf der Onlineplattform X (ehemals Twitter) die jüngste Entscheidung gegen das Bitcoin-Mining in Hadsel. Seiner Meinung nach wird dadurch eine Chance vertan. Die Bürger von Hadsel, die demnächst mehr für ihren Strom zahlen müssen, könnten ihm mittlerweile Recht geben.


Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im September 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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