Spionage: Russland rekrutiert Wegwerf-Spione in Deutschland
Anwerbung russischer Spione mitten in Deutschland, über Foren bei Telegram oder TikTok.
Foto: dpaMoskau betreibt aktuell eine Kampagne zur Onlineanwerbung von Amateurspionen in der Bundesrepublik. Hochrangige Vertreter deutscher Nachrichtendienste sprachen gegenüber der WirtschaftsWoche von „einer neuen Qualität systematischer Rekrutierungsversuche, die seit einigen Monaten klar messbar ist“.
Russische Kontaktpersonen werben dabei potenzielle Single Use Agents (zu Deutsch: Einwegspione) gezielt in russlandfreundlichen Social-Media-Gruppen an. Etwa auf Telegram. Dann erteilen sie ihren Zielpersonen mit der Aussicht auf Belohnung in Kryptowährungen Spionage- und Sabotageaufträge.
„Das kann bei einem prorussischen Graffiti oder Onlineposting losgehen und bis zum Einbruch oder zur Vor-Ort-Überwachung militärischer oder kritischer Infrastrukturen führen“, sagt ein Geheimdienstler.
Ähnliche Strategien hat der Kreml schon früher angewandt, neu ist vor allem die Dimension der Anwerbeversuche. Dahinter vermuten deutsche Behörden einen Strategiewechsel: Nach der Invasion der Ukraine habe Russland seine geheimdienstlichen Aktivitäten neu aufsetzen müssen, weil die Bundesregierung einen Großteil der ihr bekannten russischen Agenten des Landes verwiesen hatte.
Statt auf Qualität setze der Kreml nun auf Masse: Heute registrieren Behörden eine kräftige Zunahme dezentraler Aktionen in der gesamten Bundesrepublik, die sie auf russische Anwerbekampagnen zurückführen. Von einem regelrechten „Ereignis-Spam“ ist unter Beteiligten die Rede, der zu einer massiven Auslastung der Sicherheitsbehörden im ganzen Land führe. Und das selbst, wenn Russland gar nicht direkt beteiligt war.
„Wenn hinter jedem Brand ein russischer Laienspion stecken kann und wir alles überprüfen müssen, kommen wir mit der Arbeit schnell nicht mehr hinterher“, sagt ein Beteiligter. Gleichzeitig blieben die Kosten solcher Aktionen für die russische Regierung äußerst gering. Dank der verschlüsselten Kryptowährungen seien Zahlungsströme nur schwer nachzuverfolgen, und auch die Verantwortung für die Taten könne der Kreml abstreiten.
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