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Kinder, Küche, Karriere #2„Du kannst es als berufstätige Mutter niemandem recht machen“

Daniela ist Steuerberaterin in einer internationalen Kanzlei – und hat zwei kleine Kinder. Sie erzählt, wie sie sich mit ihrem Mann aufteilt, was im Alltag herausfordernd ist und welche Sätze sie als berufstätige Mutter nicht mehr hören möchte.Nora Sonnabend 06.11.2024 - 14:44 Uhr

„Wenn der Terminkalender voll ist und das Kind am Morgen überraschend Fieber bekommt, ist das nicht so einfach“, erzählt Daniela (Symbolbild) im WirtschaftsWoche-Interview.

Foto: Canva

In unserer Interview-Reihe sprechen wir regelmäßig mit Berufstätigen, die Kinder haben. Sie berichten darüber, wie sie ihren Job und die Sorgearbeit miteinander vereinbaren, für welches Elternzeit- und Arbeitsmodell sie und ihr Partner sich entschieden haben und was ihnen dabei hilft, sich zu organisieren.

Daniela ist 38 Jahre alt und Steuerberaterin bei einer internationalen Kanzlei. Ihr Mann Jürgen (40 Jahre alt) arbeitet als Ingenieur in der Logistik. Die beiden leben mit ihren zwei Kindern (ein Jahr und vier Jahre alt) in Nürnberg.

WirtschaftsWoche: Wie beginnt euer Tag?
Daniela: Um 6.30 Uhr weckt uns unsere Tochter. Dann wickeln wir sie, wecken unseren Sohn, frühstücken, machen die ganze Truppe fertig und starten zur Krippe und zum Kindergarten. Ich fahre um kurz vor acht mit dem Fahrrad los. Der Kindergarten meines Sohnes ist sechs Minuten von uns entfernt und meine Tochter geht in die Betriebskrippe meines Arbeitgebers. Insgesamt bin ich also nur 15 Minuten unterwegs. Zur Zeit bringe ich in der Regel beide Kinder in ihre Einrichtungen.

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Wie lange sind eure Kinder in der Krippe und im Kindergarten und wann habt ihr in euren Jobs Feierabend?
Sie sind etwa von 8.30 bis 16 Uhr in der Betreuung. Wir haben beide auch gegen 16 Uhr Feierabend.

Wie viel Elternzeit habt ihr jeweils genommen?
Bei unserem vierjährigen Sohn habe ich zwölf Monate Elternzeit genommen und mein Mann zwei Monate. Bei unserer einjährigen Tochter haben sowohl mein Mann als auch ich je sieben Monate Elternzeit genommen.

Wieso habt ihr euch beim zweiten Kind für ein anderes Elternzeit-Modell entschieden als beim ersten?
Bei mir war es beim ersten Kind so, dass ich nach einem Jahr gemerkt habe: „Jetzt reicht’s.“ Mein Job macht mir Spaß und ich wollte auch geistig wieder anders gefordert werden. Beim zweiten Kind hat mein Mann dann gesagt, er würde gerne ein bisschen mehr Elternzeit haben. Das fand ich auch gut. Er ist übrigens der erste in seiner Abteilung, der sieben Monate Elternzeit genommen hat.

Wie viele Stunden arbeitet ihr pro Woche jeweils in eurem Job?
Ich habe jetzt eine 80-Prozent-Stelle, die 32 Stunden entspricht. Mein Mann arbeitet 100 Prozent – das sind bei ihm 35 Stunden pro Woche. Zwischenzeitlich habe ich meine Arbeitszeit auch nur auf vier Tage verteilt. So konnte ich teilweise sagen: Mein Kind ist am Dienstag krank, dann arbeite ich da nicht und dafür an meinem freien Tag am Freitag. Wir haben beide Vertrauensarbeitszeit und können zum Glück – dank unserer Arbeitgeber - unsere beruflichen Tätigkeiten relativ flexibel einteilen. Mein Mann hat auch immer wieder Geschäftsreisen.

Wie oft ist dein Mann auf Geschäftsreisen? Bist du auch manchmal außerhalb Nürnbergs unterwegs?
Ich bin nicht so oft auf Dienstreise, was mit Blick auf den Planungsaufwand und die Kinderbetreuung ganz gut ist. Insgesamt bin ich vielleicht sechs bis sieben Mal im Jahr auf Geschäftsreise. Mein Mann ist etwa 40 Mal im Jahr unterwegs, oft im Ausland.

Wie sprecht ihr euch ab und behaltet den Überblick, wer was wann macht?
Wir haben keinen festen Zeitpunkt, an dem wir unsere Woche planen, sondern sprechen immer nebenbei ab, wer wann im Büro, im Homeoffice oder auf Geschäftsreise ist. Das bekommen wir gut hin. Schwierig sind unvorhergesehene Dinge, zum Beispiel eine Krankheit oder eine geschlossene Kita. Wenn man so etwas vorher wüsste, könnte man die eigenen Termine drumherum legen und alles passend takten. Aber wenn der Terminkalender voll ist und das Kind am Morgen überraschend Fieber bekommt, ist das nicht so einfach.

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Was macht ihr, wenn ein Kind kurzfristig von euch betreut werden muss?
Das machen wir spontan. Wir schauen, wer welche wichtigen Termine hat, was abgesagt werden kann und was wahrgenommen werden muss. Uns ist aber wichtig, dass wir uns nicht nur gleichberechtigt, sondern auch „gleichverpflichtend“ aufteilen. Wenn wir wissen, dass das Kind länger nicht in die Kita kann, dann fahre ich manchmal auch zu meinen Eltern und arbeite dort in meinem alten Kinderzimmer.

Wie viel Zeit verbringt ihr jeweils mit unbezahlter Sorgearbeit (Kinderbetreuung und -erziehung, Hausarbeit)?
Wir fangen um 7 Uhr an und hören um 20 oder 21 Uhr auf, wenn unsere Kinder eingeschlafen sind. Dazwischen arbeiten wir etwa sieben Stunden bezahlt. Den Haushalt und ähnliches erledigen wir in der Regel auch, bis die Kinder im Bett sind. Manchmal schaffe ich es abends noch, 20 Minuten mit einem Online-Programm Sport zu machen.

Wie sieht es mit „unsichtbaren“ Aufgaben aus, an die ihr im Familienalltag denken müsst (Essensplanung, Geburtstagsgeschenke, Arzttermine) – wer übernimmt sie?
Beim „dran denken“ bin ich stärker mit dabei, glaube ich. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich zum Beispiel, wenn wir ein Geschenk brauchen, einfach spontan was besorge, wenn ich eh unterwegs bin, und nicht Tage lang recherchiere und durch die Innenstadt laufe. Ehrlicherweise habe ich nicht die Zeit und die Nerven, Geschenke selbst zu basteln. Ich bin da aber auch einfach nicht der Typ für. Insgesamt würde ich sagen, dass ich mehr Mental Load habe. Ich kenne aber tatsächlich in meinem Umfeld kein Paar, bei dem der Mann sagt: „Ich habe mir überlegt, was wir zu Weihnachten verschenken könnten“ (lacht).

Wie verbringt ihr eure Freizeit?
Wir verbringen unsere Freizeit mit unseren Kindern. Hier geht für uns „Qualität vor Quantität“. Wir versuchen, die Zeit mit den Kindern für Ausflüge zu nutzen. Wir gehen in Museen, in den Zoo, ins Legoland. Nach der Arbeit fahren wir nochmal Fahrrad und gehen auf den Spielplatz. Wir machen das, was den Kindern gefällt – mit den Kindern und für die Kinder. Wenn wir unterwegs sind, planen wir alles im Sinne der Kinder.

Wie werden eure Kinder betreut, während ihr mal Zeit nur zu zweit verbringt?
Gar nicht (lacht). Das kommt quasi momentan nicht vor, das muss man schon sagen. Also, die Zeit zu zweit oder alleine fehlt zurzeit. Ich sage mir immer, dass es eine Phase ist, solange sie so klein sind.

Ihr seid wirklich nie alleine oder zu zweit unterwegs, zum Beispiel abends?
Es kommt schon vor, aber echt selten. Ich würde sagen, alle zwei Monate vielleicht. Eher geht jemand von uns alleine aus. Wenn wir doch mal zu zweit unterwegs sind, kümmern sich meine Eltern um die Kinder.

In welcher Spanne liegt euer verfügbares Netto-Haushaltseinkommen pro Monat?
Wir haben zwischen 7.000 und 8.000 Euro Nettoeinkommen pro Monat zur Verfügung. Hinzu kommen noch Boni, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und natürlich Kindergeld. Mein Mann und ich bewegen uns mit unseren Gehältern mehr oder weniger in der gleichen Gehaltsspanne.

Wie wohnt ihr?
Wir wohnen in einer großen Mietwohnung (140 Quadratmeter, fünf Zimmer). Wir sind erst kürzlich von München nach Nürnberg gezogen, weil wir uns dort als gut verdienende Familie keine geeignete Wohnung leisten konnten. Man zahlt dort für eine Vier-Zimmer-Wohnung meist 3.000 bis 4.000 Euro. Nach der Änderung bei der Kita-Förderung in München (Münchner Förderformel) wären zudem noch Kita-Gebühren in Höhe von 1.600 Euro monatlich auf uns zugekommen. Diese Fixkosten waren uns einfach zu viel. Ich kenne viele Menschen, die München aus ähnlichen Gründen ebenfalls verlassen haben. Hier in Nürnberg ist der Mietspiegel noch niedriger.

Welche Tipps hast du für Eltern, die euer Vereinbarkeitsmodell interessant finden?
Ein ganz praktischer Tipp wäre, sich Hilfe zu holen, wenn es geht. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten, aber wir gönnen uns alle zwei Wochen ein bis zwei Stunden eine Haushaltshilfe, die die Wohnung putzt. So bleibt für uns mehr Zeit für andere Tätigkeiten.
Grundsätzlich wichtig finde ich aber auch, sich als Frau nicht vom Partner abhängig zu machen, wenn es bei einem Paar ein Gehaltsgefälle zu Lasten der Frau gibt. So viele Ehen – auch mit Kindern – gehen auseinander. Vielleicht kommt da die Steuerberaterin in mir durch, aber ich finde es wichtig, dass gerade Frauen, die aus Gründen der Kinderbetreuung beruflich zurückstecken, trotzdem Ihre Zukunft absichern; sei es zum Beispiel mit Blick auf die eigenen Rentenansprüche oder eine finanzielle Absicherung im Fall der Trennung.
Zudem würde ich schon bei der Arbeitgeber-Wahl schauen, wie es um die Familienfreundlichkeit im Unternehmen steht. Der Arbeitgeber hat natürlich einen großen Anteil, ob und wie Vereinbarkeit mit der Familie möglich ist. Wir haben beide zum Glück die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, haben Vertrauensarbeitszeit und sind in unserer Tätigkeit recht flexibel. Dies lässt uns Beruf und Familie besser vereinbaren. Ich persönlich könnte es mir nicht vorstellen, etwa als Apothekerin oder Ärztin, immer physisch an einem Arbeitsort präsent sein zu müssen. Oder Wochenend- und Nachtschichten zu arbeiten.
Ob und inwieweit Familienfreundlichkeit im Unternehmen gelebt wird, lässt sich meines Erachtens auch gut an dem Fakt sehen, wie viele Frauen beziehungsweise – wenn das bekannt ist – Mütter im Vorstand oder in Führungspositionen bei dem Unternehmen sind. Dies ist meist ein guter Anhaltspunkt dafür, ob man bei dem Unternehmen als Frau Karriere machen kann.

Welchen Umgang mit Müttern am Arbeitsplatz wünschst du dir?
Ich habe das Gefühl, du kannst es als berufstätige Mutter, oder vielleicht sogar generell als Mutter, in unserer Gesellschaft heutzutage quasi niemandem recht machen. Das ist jetzt natürlich zugespitzt, aber: Auf Arbeit bist du die „Teilzeit-Mutti“ und auf dem Spielplatz bist du wiederum die „Raben-Mutti“, weil du dich nicht genug um deine Kinder kümmerst. Gerade, wenn ich durch Social Media scrolle, sehe ich so viele Ideen davon, wie die perfekte Mutter zu sein hat. Hier sollten wir uns von diesen Klischees lösen und nicht vergessen, dass wir immer nur einen Ausschnitt aus dem Leben des Gegenübers sehen. Ich fände es gut, wenn wir uns weniger vergleichen und weniger gegenseitig in Rollenmuster pressen würden. Ich habe auch schon oft gehört: „Wenn man sein Kind so lange im Kindergarten lässt, wieso hat man denn dann Kinder?“

Welche Auswirkungen hat die Herangehensweise von dir und deinem Mann auf eure Karriere?
Sie geht vielleicht etwas langsamer voran, aber sie geht voran. Das gilt für uns beide.

Seid ihr zufrieden damit, wie ihr euch organisiert habt oder möchtet ihr etwas verändern?
Ich glaube, ein bisschen mehr Me-Time wäre schon schön.

Hinweis: Weil die Interviewpartnerinnen sehr persönliche Erfahrungen sowie konkrete Einblicke in ihre Finanzen teilen, möchten sie anonym bleiben. Die vollständigen Namen sind der Redaktion bekannt.

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