Edelmetall: So profitieren Anleger von der Silber-Rally
Wenn von Edelmetallen die Rede ist, denken viele Anleger zuerst an Gold. Aus gutem Grund: Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn rasant gestiegen und hat zuletzt immer neue Rekorde erreicht. Zu Beginn dieser Woche stieg er erstmals auf über 2700 Dollar je Feinunze.
Oft übersehen wird dabei der „kleine Bruder“ von Gold: Silber. Das Edelmetall verzeichnet derzeit eigene Rekorde – und könnte weiter steigen. Vor wenigen Tagen kletterte der Silberpreis auf über 34 Dollar. Seit Jahresbeginn ist er rund 43 Prozent gestiegen. Damit kostet die Feinunze Silber so viel wie zuletzt vor knapp zwölf Jahren.
Meilenstein erreicht
Vergangenen Freitag übersprang Silber die Marke von 32,50 Dollar. Unter Charttechnikern gilt diese als starker Widerstand, an dem das Metall zuvor immer wieder abgeprallt war. Plötzlich ging es jedoch ganz schnell: Mit einem Tagesplus von rund sechs Prozent überwand Silber die zuvor so schwierige Grenze. Fällt ein charttechnischer Widerstand, geht es danach oft rasant weiter aufwärts.
Es gibt noch weitere Gründe, warum Silber und auch Gold weiter an Wert zulegen könnten. Beide Metalle profitieren etwa von den sinkenden Zinsen in Europa und den USA. Weil die Metalle keine Zinsen abwerfen, sind sie in einem Umfeld mit vergleichsweise hohem Zinsniveau gegenüber Anleihen weniger attraktiv für Anleger. Mit der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed ändert sich das.
Silber kommt auch in der Industrie zum Einsatz. Es wird unter anderem für die Herstellung von Solarzellen verwendet. Neuere Solarzellen haben einen höheren Silberanteil. Das treibt die Nachfrage zusätzlich. Auch in der Photovoltaik und in der Rüstungsindustrie wird das Metall verstärkt eingesetzt. Da Silber die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle besitzt, spielt es zudem in vielen Bereichen der Elektronik eine wichtige Rolle.
Die Kehrseite des Einsatzes in der Industrie: Silber ist dadurch konjunktursensibler als Gold. In den USA läuft die Wirtschaft gut, in Europa sieht es weniger rosig aus. Die Konjunktur bleibt ein Risiko für den Silberpreis.
Die starke Performance von Silber ist auch darauf zurückzuführen, dass Gold inzwischen vielen Anlegern zu teuer ist. Weil der Silberpreis oft nachzieht, wenn Gold steigt, scheint es jetzt relativ gesehen aussichtsreicher, auf Silber zu setzen. Gold kratzt am Rekord. Silber hingegen ist von seinem bisherigen Allzeithoch aus den Jahren 1980 und 2011 bei über 49 Dollar je Unze noch ein ganzes Stück entfernt.
Wie es beim Silber weitergeht, hängt von mehreren Faktoren ab. Einer ist die Konjunktur: Entwickelt sie sich gut oder gar besser als gedacht, stützt das die Silbernachfrage aus der Industrie. Auch Zinssenkungen der großen Notenbanken könnten Silber (ebenso wie Gold) weiter Auftrieb geben. Ob die Fed die Zinsen so stark senken wird wie angenommen, erscheint allerdings immer mehr Investoren fraglich.
Anleger, die auf einen weiteren Anstieg des Silberpreises setzen wollen, haben mehrere Möglichkeiten, in das Metall zu investieren.
Gedenkmünzen: Investment mit Hedge
Wer seine Geldanlage anfassen will, kauft Barren oder Münzen aus Silber. Spannend sind hier vor allem Sammler- oder Gedenkmünzen, erhältlich bei der Bundesbank. Herausgegeben werden sie vom Bundesfinanzministerium. Anleger können die Münzen zu einem aufgeprägten Nennwert von beispielsweise 10 oder 20 Euro erwerben. Sie sind in Deutschland auch als offizielles Zahlungsmittel verwendbar.
Der Vorteil der Münzen: Anleger bekommen damit ein Silber-Investment mit Sicherheitsnetz. Denn der Materialwert der Münze kann bei steigendem Silberpreis den Nennwert übersteigen. Geht es mit Silber abwärts, fallen die Münzen aber trotzdem nicht unter ihren Nennwert.
Das Problem: Steigt der Silberpreis zu stark, gibt der Staat manche Münzen nicht mehr wie geplant aus. Denn übersteigen die Materialkosten den Nennwert, macht der Finanzminister Verlust. Neue Münzen würden dann mit einem höheren Nennwert oder einem geringeren Silberanteil ausgegeben. Stand jetzt soll als nächste Gedenkmünze ab dem 21. November die 25-Euro-Silbermünze „Weihnachten – Adventskranz“ mit aufgeprägtem Adventskranz erhältlich sein.
Neben den Gedenkmünzen können Anleger in klassische Anlage- oder Bullion-Münzen investieren. Hier basiert der Preis rein auf dem Materialwert. Zu den beliebtesten Anlagemünzen zählen der Wiener Philharmoniker und der American Eagle mit einer Unze Gewicht. Kaufen und verkaufen lassen sie sich über Banken oder Edelmetallhändler.
Physisches Silber in Form von Barren gibt es in verschiedenen Größen, von 100 Gramm bis 5 Kilogramm. Größere Barren sind in der Anschaffung meist günstiger als kleine. Achtung: Für die sichere Aufbewahrung, etwa in einem Bankschließfach, fallen zusätzliche Kosten an. Bei physischem Silber ist zudem zu beachten, dass – anders als bei Gold – beim Kauf 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden.
Anlagezertifikate: Praktisch, aber komplex
Silberanleger können die Mehrwertsteuer umgehen, indem sie in börsennotierte Silberzertifikate investieren. So genannte Exchange-Traded Commodities (ETCs) sind Inhaberschuldverschreibungen. Sie bilden die Wertentwicklung eines Rohstoffs, in diesem Fall Silber, möglichst genau ab. Vor allem größere Silber-Investments lassen sich mit ETCs einfacher umsetzen als mit physischem Metall.
Größter Silber-ETC ist der WisdomTree Physical Silver ETC (JE00B1VS3333). Mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 0,49 Prozent liegt er unter den Silber-ETCs preislich im Mittelfeld. Günstiger ist der Invesco Physical Silver ETC (IE00B43VDT70) mit 0,19 Prozent Kosten pro Jahr. Oder auch der WisdomTree Core Physical Silver ETC (JE00BQRFDY49) mit ebenfalls 0,19 Prozent jährlichen Kosten. Silber-ETFs, also Exchange-Traded Funds, sind in Deutschland nicht zugelassen: Die Wertpapierrichtlinie UCITS erlaubt keine Indexfonds, die nur einen einzigen Wert abbilden.
Gewinne aus dem Verkauf von physischem Silber sind steuerfrei, wenn die Haltedauer mindestens ein Jahr beträgt. Das gilt auch für ETCs, die mit physischem Silber besichert sind. Allerdings nicht für alle: Der ETC muss einen Auslieferungsanspruch für das hinterlegte Silber verbriefen. Nur dann wird das Produkt steuerlich wie physisches Silber behandelt. Das ist beim Core Physical Silver ETC von WisdomTree der Fall, als bisher einzigem Silber-ETC in Deutschland. Edelmetallanleger, die nicht unnötig Steuern zahlen wollen, sollten die Unterlagen von Silber- oder auch Gold-ETCs gründlich studieren.
Transparenzhinweis: In einer ersten Version dieses Textes hatten wir die Steuerfreiheit nach Ablauf der Spekulationsfrist dem falschen WisdomTree-ETC zugeschrieben. Es handelt sich dabei um das Produkt mit der ISIN JE00BQRFDY49. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
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