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AktienmarktWas Trumps Sieg für Börsen und Anleger bedeutet

Donald Trump hat überraschend schnell die US-Wahlen gewonnen. Die Finanzmärkte reagieren vorerst abwartend. Und Privatanleger?Martin Gerth 06.11.2024 - 10:39 Uhr

Die Folgen eines Wahlsiegs von Donald Trump für die Börsen sind derzeit kaum absehbar 

Foto: Boris Roessler/dpa

Vor den US-Wahlen hatte ein Analyst von CFRA Research versucht, aus dem Verlauf des Aktienindex S&P 500 den Ausgang abzulesen. Weil der Index zulegte, sollte die aktuelle Regierungspartei gewinnen, also die Demokraten. Diese Spekulation ging gründlich schief. Denn die Republikaner liegen bisher deutlich vorn, mehrere Medien ahben Sie bereits als Sieger ausgerufen. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass Kamala Harris, die Kandidatin der Demokraten, noch das Rennen macht.  

Die Finanzmärkte mögen gewöhnlich keine Unsicherheit. Und Donald Trump, der die US-Wahlen wohl gewinnen wird, ist häufig unberechenbar. Gemessen daran reagieren die internationalen Börsen relativ gelassen. In Asien haben sich die Börsen bisher weder euphorisch noch deprimiert gezeigt. Einzige Ausnahme ist China. Dort geht die Furcht vor höheren Zöllen auf chinesische Waren um. Es liegt derzeit so etwas wie gespannte Erwartung in der Luft.

Größere Bewegungen bei US-Aktien zeigen sich dort, wo relativ klar ist, wo ein möglicher US-Präsident wirtschaftspolitisch hinsteuern wird. Kursabschläge gab es vor allem bei Indizes, die erneuerbare Energien und Elektroautos abbilden. Trump hatte angekündigt, für diese Branchen die Subventionen abzubauen. In der Amtszeit von Joe Biden haben diese Branchen vom Inflation Reduction Act (IRA) profitiert. Unter Trump dürften für sie schwierigere Zeiten anbrechen. 

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Kursgewinne im vorbörslichen Handel gab es bei Rüstungskonzernen wie beispielsweise Lockheed Martin. Das ist keine Überraschung, hat Trump doch mehrfach von den Nato-Staaten eingefordert, mehr Geld für Verteidigung auszugeben. Insbesondere im Hinblick mit einem möglichen Konflikt mit China könnte eine Trump-Regierung mehr Mittel für den Verteidigungshaushalt locker machen. Davon dürften die Rüstungsschmieden profitieren. Allerdings sind die Aktien der Kampfjet- und Panzerbauer schon weit gelaufen. Für eine erneute Rally müsste schon deutlich mehr Geschäfts in Aussicht sein.  

Der Ölpreis geriet nach den ersten Ergebnissen unter Druck. Von Trump wird erwartet, dass er Wert auf preisgünstiges Benzin legt. Die Angst vor Inflation hat ihm viele Wähler beschert, die zuvor noch die Demokraten gewählt hatten. Jetzt muss er liefern. Anders als Biden könnte er der Ölindustrie mehr Freiheiten geben, neue Fördergebiete in den USA zu erschließen. Beides spricht für einen niedrigeren Ölpreis. Ob das von Dauer sein wird, bleibt jedoch offen. Letztlich schmälert ein niedriger Ölpreis die Margen der Ölkonzerne. Ohne hohe Profite können die Ölmultis weniger in die Erschließung neuer Ölfelder investieren.  

Trump muss Rücksicht auf die US-Wirtschaft nehmen

All das sind kurzfristige Reaktionen auf einen möglichen US-Präsidenten Donald Trump. Wie sich der politische Wechsel im Weißen Haus langfristig auf die Märkte auswirken wird, hängt stark von der Handelspolitik einer neuen US-Regierung ab. Setzt Trump, wie bereits angekündigt, auf höhere Zölle und mehr Autonomie, könnte der weltweite Handel leiden. Die Industrie müsste mit höheren Kosten in der Lieferkette rechnen und die Inflation dürfte anziehen.  

Allerdings haben die Börsianer dieses Szenario bereits durchgespielt. Es kommt also weniger darauf, ob Trump eine aggressivere Handelspolitik fährt. Wichtiger ist, ob er die Befürchtungen übertrifft oder sich langfristig doch pragmatischer zeigt als erwartet. Vieles spricht für das letztere Szenario, denn Konflikte mit der US-Industrie, die eben auch von Exporten und Zulieferungen abhängt, will und kann er sich nicht leisten. Gut möglich, dass er anfangs radikal agiert, dann aber zurück rudern muss.  

Trotz seiner bisweilen markigen Worte wird sich Trump den wirtschaftlichen Gegebenheiten beugen müssen. Dazu gehört eben auch, dass China als Wirtschaftsmacht weiter an Bedeutung gewinnen wird, unabhängig von Zöllen. Auch die internationale Arbeitsteilung in der Industrie wird nicht verschwinden. Daran kann auch der vorübergehende Trend zum Decoupling, also der Entkopplung von Volkswirtschaften,  nichts ändern.   

Insofern sollten sich Anleger nicht zu kurzfristigen Deals hinreißen lassen. Noch ist Donald Trump nicht im Amt. Und noch haben die Märkte ihr abschließendes Urteil über seine Politik nicht gefällt. Wer investiert ist, sollte die Märkte und die fundamentalen wirtschaftlichen Trends zunächst beobachten. Denn Trump ist immer für Überraschungen gut.  

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