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Die ZahlenfrauFintech-Exits: Warum Deutschland den Anschluss nicht verpassen darf

Der globale Fintech-Markt ist in Bewegung. Anders als die USA hängt jedoch gerade Deutschland in den Bereichen M&A-Exits und Börsengänge hinterher. Eine Kolumne.Miriam Wohlfarth 13.11.2024 - 10:16 Uhr

Die Fintech-Branche wurde in den letzten Jahren durch wirtschaftliche Unsicherheiten gebremst. Jetzt stabilisiert sich der Markt, doch Deutschland und Europa bleiben zurück.

Foto: imago images

Der globale Fintech-Markt ist in Bewegung, doch gerade in Deutschland hinken wir in den Bereichen M&A-Exits und Börsengänge hinterher. Während in den USA etablierte Finanzdienstleister bereits Fintechs aufkaufen, ist bei uns in Europa und besonders in Deutschland von dieser Dynamik wenig zu spüren. Deutschland muss jetzt handeln, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Um das Thema besser zu verstehen, habe ich mich mit Julian Ostertag von Drake Star, einem absoluten FinTech-Experten im Bereich Exits, unterhalten. Gemeinsam werfen wir einen Blick darauf, wie sich der globale Exit-Markt entwickelt und welche Empfehlungen sich daraus für den Standort Deutschland ableiten lassen.

Globaler Exit-Markt: Was uns die USA voraushaben

Die Fintech-Branche hat in den letzten Jahren eine massive Entwicklung durchlaufen, wurde aber durch wirtschaftliche Unsicherheiten gebremst. Nun stabilisiert sich der Markt allmählich, jedoch mit deutlichen Unterschieden zwischen den Regionen. „Die USA sind im M&A-Markt weit voraus“, erklärt Julian Ostertag. „Dort haben etablierte Finanzdienstleister längst erkannt, dass Fintechs ihre Geschäftsmodelle ergänzen, und kaufen aktiv zu.“

Deutschland und Europa hingegen bleiben zurück. Ein Hauptgrund dafür ist das regulatorische Umfeld. In den USA gibt es mehr staatliche Unterstützung und Anreize, die Innovationen und M&A-Transaktionen fördern. In Deutschland hingegen bremst die Bürokratie viele Deals aus. Zudem fehlt es häufig an ausreichend Risikokapital, um Fintechs die nötige Größe zu verschaffen, die für Übernahmen attraktiv ist.

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Die wachsende M&A-Pipeline

Trotz der Hürden gibt es in Europa dennoch Hoffnung. „Die M&A-Pipeline wächst“, so Julian Ostertag. Investoren müssen Ergebnisse liefern und stehen unter Druck, ihre Fonds müssen performen. Besonders im Bereich der B2B-Software-Fintechs ist die Nachfrage hoch. Diese Unternehmen bieten technologische Lösungen für traditionelle Finanzinstitute, die in Innovationen investieren wollen, um ihre eigenen Prozesse zu verbessern.

Für Fintechs, die noch nicht profitabel sind, bleibt ein M&A-Exit jedoch herausfordernd. „Wachstum allein reicht nicht aus“, betont Ostertag. „Investoren suchen nach profitablen Modellen.“ Gleichzeitig wird der Exit für größere Fintechs mit Bewertungen von mehr als fünf Milliarden Dollar schwieriger. „Traditionelle Finanzdienstleister haben oft selbst eine geringere Marktkapitalisierung und können solche Übernahmen nicht stemmen. Für diese Unternehmen bleibt der Börsengang als realistischer Weg.“

IPO-Markt: Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend

Auch der IPO-Markt ist in Bewegung – wenn auch langsam. „Die Fintech-Börsenkurse haben sich in den meisten Fällen von den Tiefständen erholt, doch die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sorgen für Volatilität“, sagt Julian. „Viele Unternehmen warten auf den richtigen Moment, um an die Börse zu gehen, aber es ist unklar, wann dieser Moment kommt.“

Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit vieler Fintechs von Vergleichsunternehmen. „Sie warten darauf, dass ein anderes Unternehmen zuerst an die Börse geht, um ihre eigene Bewertung besser einzuschätzen“, so Julian Ostertag. Die ersten IPOs werden also eine Art Standortbestimmung für den Markt sein. Doch: „Wer wird diese Börsengänge finanzieren? Private-Equity-Investoren werden zunehmend eine Rolle spielen und die Lücke schließen, da nicht alle Fintechs gleichzeitig an die Börse gehen können“, erklärt er.

Mehr Risikokapital und innovationsfreundlichere Regulierung nötig

Deutschland muss dringend aufholen. Die „Innovationsagenda“ des Bundesverbandes Deutsche Start-ups zeigt klare Handlungsfelder auf. Ein zentraler Punkt ist der Zugang zu Risikokapital. „Ein leistungsfähiger Venture-Capital-Fonds auf Bundesebene, wie ihn die Agenda fordert, könnte entscheidend sein“, erklärt Julian Ostertag. Ein solcher Fonds würde nicht nur deutsche Fintechs stärken, sondern auch internationale Investoren anziehen.

Die Innovationsagenda schlägt zudem vor, dass mehr steuerliche Anreize für Beteiligungen geschaffen werden. Diese steuerlichen Vergünstigungen könnten den Zugang zu Kapital auch für kleinere Investoren attraktiver machen, was wiederum den deutschen Markt beleben würde. Wenn es Deutschland schafft, den VC-Markt mit solchen Maßnahmen zu stärken, können Fintechs nicht nur schneller wachsen, sondern auch international wettbewerbsfähig werden.

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Ein weiteres zentrales Problem ist die Komplexität von M&A-Transaktionen in Deutschland. „Bürokratische Hürden und lange Genehmigungsverfahren der BaFin verzögern oder verhindern viele Deals“, so Julian. Eine Vereinfachung und Deregulierung der M&A-Prozesse wäre dringend notwendig, um mehr Dynamik in den Markt zu bringen. Viele Fintechs bleiben zu lange im Markt, ohne eine klare Exit-Strategie – ein Problem, das durch zu komplexe Prozesse verstärkt wird.

Private Equity und Secondaries als Brücke

Ein spannender Trend, den Julian Ostertag hervorhebt, ist der zunehmende Kauf von Secondaries – Anteilen von Spätphasen-Start-ups – durch Private-Equity-Investoren. „Immer mehr Private-Equity-Gesellschaften kaufen sich in späten Phasen von Fintechs ein, um die Lücke zwischen Venture Capital und einem möglichen IPO oder eines Mehrheitsverkaufs zu schließen“, sagt Ostertag. Diese Entwicklungen könnten auch in Deutschland eine wichtige Rolle spielen, um Fintechs zusätzliche Mittel für Wachstum zu geben und gleichzeitig den Druck auf den IPO-Markt zu verringern.

Was sollte Deutschland konkret tun? 

  1. Regulatorische Erleichterungen für M&A-Prozesse: Die bürokratischen Hürden in Deutschland sind nach wie vor ein großes Hemmnis für Fusionen und Übernahmen im Fintech-Sektor. Die Regierung muss die Genehmigungsverfahren beschleunigen und regulatorische Barrieren abbauen, damit Transaktionen einfacher und schneller abgewickelt werden können.
  2. Venture-Capital-Fonds auf Bundesebene schaffen: Ein solcher Fonds würde dringend benötigtes Kapital in den Markt bringen und den Finanzierungsengpass, insbesondere in der Wachstumsphase von Fintechs, lindern. Dies könnte den Weg für größere Exits und nachhaltige Geschäftsmodelle ebnen.
  3. Private-Equity-Investoren stärker einbinden: Private Equity kann eine Brücke zwischen Venture Capital und IPOs und M&A-Exits schlagen. Deutschland muss sich als attraktiver Markt für diese Investoren positionieren und dabei sowohl steuerliche als auch regulatorische Anreize schaffen, um Kapitalströme ins Land zu lenken.
  4. Innovationsfreundliche Gesetzgebung: Neben der Vereinfachung von M&A-Prozessen und dem Zugang zu Kapital muss die Regierung innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen, die den technologischen Fortschritt fördern und Fintechs das Wachsen erleichtern.

 

Fazit: Deutschland muss jetzt handeln

Der Fintech-Exit-Markt steht weltweit vor einem Wandel, und Deutschland darf nicht den Anschluss verlieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die regulatorischen Hürden für M&A-Deals abgebaut und der Zugang zu Risikokapital erheblich verbessert werden. Ein Venture-Capital-Fonds und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um den Fintech-Sektor zu stärken. Zudem wird Private Equity eine wachsende Rolle spielen, um die Lücke zwischen VC und Börsengängen zu schließen.

Wie Julian Ostertag sagt: „Deutschland darf nicht länger warten. Wenn wir nicht bald handeln, werden uns andere Märkte endgültig überholen.“ Es ist Zeit, die Weichen für den Fintech-Sektor neu zu stellen – bevor es zu spät ist.

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