Mobilfunk: Telekom holt Nokia zurück: Ein Feigenblatt für Trump

Die Deutsche Telekom holt Nokia zurück in ihr Mobilfunknetz.
Foto: imago imagesDie Technologiechefin der Deutschen Telekom, Claudia Nemat, will offenbar ganz sicher gehen, dass jeder sie versteht: „Das hier ist heute die Neuigkeit für unsere technologische Souveränität“, leitet Nemat auf der Bühne des jährlichen Netzetags ihres Unternehmens ein, bevor sie dann einen Großauftrag für die Ausstatter Nokia und Fujitsu verkündet. Die sollen 3000 Telekom-Antennenstandorte mit ihrer Open-RAN-Technologie versorgen.
Bei der Entwicklung dieser offenen Lösung, bei der Bauteile verschiedener Anbieter zusammenspielen, sei zunächst das Problem der Energieeffizienz zu lösen gewesen, jetzt habe man auch die höheren Kosten in den Griff bekommen, berichtet Nemat. Und ja, es sollen bestehende Standorte versorgt werden: „Open-RAN ersetzt Sites von Huawei.“
Es ist schwer vorstellbar, dass dieser Auftrag nicht mit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA zusammenhängt – und auch nicht mit den anstehenden Neuwahlen in Deutschland. Die bequeme Lösung der jetzigen Bundesregierung und der Netzbetreiber, Huawei einfach im 5G-Netz zu behalten, dürfte erneut auf den Prüfstand kommen.
CDU-Sicherheitspolitiker Norbert Röttgen bezeichnete die derzeit geltende Entscheidung zum 5G-Netz jüngst als „ungenügend“, weil sie nur das Managementsystem betreffe, nicht aber die Basisstationen, in denen weiter Huawei-Antennen und Software verbaut werden dürften: „Die Bundesregierung gewichtet Lobbyinteressen und den Zugang zum chinesischen Markt höher als unsere Sicherheitsinteressen.“ Das könnte Trump noch sauer aufstoßen.
Der Einkauf von Nokias Open-RAN-Lösung soll nun wohl als Beweis dienen, dass die Telekom sich nach Kräften bemüht, sich von Huawei unabhängig zu machen. Einen zweiten Partner, Ericsson, hat der Konzern bei der Netztechnik zwar schon länger – allein auf diesen zu setzen, würde aber neue Abhängigkeiten schaffen.
Nun also Nokia. Ein öffentlichkeitswirksamer Wechsel – wohl aber mit längst nicht so weitreichenden Dimensionen, wie es zunächst klingen mag. Branchenbeobachter vermuten, dass die Telekom lediglich altes Huawei-Equipment, das ohnehin ausgetauscht werden muss, ersetzen lassen wird – nicht aber gerade erst ausgestattete 5G-Antennen.
Der Rollout dürfte Huaweis Präsenz im Telekom-Netz gerade einmal um etwa 15 Prozent reduzieren, geschätzte 18.000 Basisstationen bleiben unberührt.
Der Auftrag dient wohl als Absicherung, um im Zweifel schnell agieren zu können, falls eine neue Bundesregierung über die Umsetzung der europäischen 5G-Verordnung noch einmal neu entscheidet. Denn eine eigene Managementsoftware zu programmieren und einzusetzen, adressiert nur die Sorge vor einem unbemerkt aufgespielten korrumpierenden Update, nicht aber die Sorge vor einer unbemerkten Hintertüre und eines Lieferboykotts.
Ob diese Strategie aufgeht, darf jedoch bezweifelt werden: Denn die Deutsche Telekom hat nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den USA viel zu verlieren. Dort macht sie einen Großteil ihres Geschäfts und ihrer Gewinne – und muss sich bald mit einem Präsidenten auseinandersetzen, der für Details der Netztechnik kaum ein Ohr haben dürfte, sobald einmal das Wörtchen „Huawei“ gefallen ist.
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