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Gazprom-VertragRussland stoppt Gasexport durch Ukraine – EU-Staaten entspannt

Ein Vertrag zwischen Gazprom und einem ukrainischen Versorger hatte Europas älteste Gasroute bislang am Laufen gehalten. Dieser Deal ist nun Geschichte. 02.01.2025 - 07:02 Uhr Quelle: Reuters

„Freundschaft“ wurde die rund 5000 Kilometer lange Pipeline in den 1960er-Jahren getauft.

Foto: REUTERS

Russland hat wie erwartet die Gaslieferungen nach Europa durch die Ukraine zum Jahresbeginn gestoppt – aber die Auswirkungen scheinen begrenzt zu sein. Deutschland sei nicht betroffen, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Man helfe Ländern in Osteuropa, die auch die Kapazitäten der deutschen LNG-Terminals nutzen könnten.

Der größte slowakische Gasimporteur meldete bereits, man beziehe als Alternative nun Gas über Deutschland und Ungarn. Auch die EU-Kommission gab sich gelassen. Seit dem Morgen fließe kein Gas mehr, hatte der russische Konzern Gazprom mitgeteilt.

Der Grund ist das Auslaufen eines langjährigen Vertrages zwischen Gazprom und dem ukrainischen Versorger Naftogaz zum Jahreswechsel. Das Ende der russischen Transitgas-Lieferungen durch die Ukraine war deshalb seit längerem erwartet worden. Die Route über die Ukraine war die älteste Gasroute Russlands nach Europa.

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Über die TurkStream-Pipeline auf dem Grund des Schwarzen Meeres exportiert Russland weiterhin Gas. Seit dem russischen Überfall auf das Nachbarland Ukraine im Februar 2022 hatte die EU nach und nach ihre Gaslieferungen aus Russland zurückgefahren. Länder wie die Slowakei, Tschechien und Ungarn bezogen aber noch Pipeline-Gas aus Russland, sie müssen sich also um neue Lieferungen bemühen.

Auch Österreich erhielt bis zuletzt einen erheblichen Teil seines Erdgases aus Russland. Allerdings sieht sich das Land dank gefüllter Gasspeicher und alternativer Importrouten über Italien und Deutschland gut auf den Lieferstopp vorbereitet.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und waren auf dieses Szenario gut vorbereitet“, teilte die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler am Mittwoch mit.

„Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet, wir sind unabhängig von russischem Gas“, sagte auch eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Grundsätzlich gebe es verschiedene Möglichkeiten, um den Gastransit nach Mittel- und Osteuropa zu regeln, über Pipelines (TurkStream) und LNG-Terminals wie die deutschen Terminals.



„Die betroffenen Staaten und Unternehmen haben sich alle auf die Situation vorbereitet, so dass die Versorgungssicherheit gewährleistet wird“, betonte sie zudem. Die deutschen und europäischen Gasspeicher seien zudem für die Jahreszeit sehr gut gefüllt. Auch das weltweite Angebot an Flüssiggas (LNG) sei ausreichend. Die neu gebauten LNG-Terminals an der deutschen Küste dienten in Krisenzeiten der Sicherung der deutschen und europäischen Gasversorgung, sagte die Sprecherin.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Ende des Gastransits durch sein Land nach Europa als „eine der größten Niederlagen Moskaus“. Auf Telegram forderte er die USA auf, mehr Gas nach Europa zu liefern.

„Je mehr von Europas echten Partnern auf dem Markt ist, desto schneller werden wir die letzten negativen Folgen der europäischen Energieabhängigkeit von Russland überwinden“, schrieb er in der Nachrichten-App.

Slowakei versorgt, Republik Moldau mit Problemen

Der größte slowakische Gasimporteur SPP teilte am Mittwoch mit, man sei auf die Situation vorbereitet und werde alle Kunden über alternative Routen, hauptsächlich über Pipelines aus Deutschland und Ungarn, beliefern. Dabei würden aber zusätzliche Kosten für Transitgebühren anfallen.

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Der pro-russische Regierungschef Fico sprach dagegen von dramatischen Folgen für Europa. Allerdings dürfte der Effekt auf die EU in Wirklichkeit gering sein, weil über die ukrainische Pipeline nur noch fünf Prozent des europäischen Gasbedarfs gedeckt wurden. Die meisten EU-Staaten wie Deutschland versorgen sich längst aus anderen Gasquellen wie etwa mit LNG-Gas aus den USA.

Gravierend sind die Auswirkungen in der Republik Moldau und in der dortigen abtrünnigen pro-russischen Region Transnistrien, die bisher ebenfalls mit über die Ukraine geliefertem russischem Gas versorgt wurden – und aus Transnistrien mit Strom. In Transnistrien wurde am Mittwoch die Heizungs- und Warmwasserversorgung der Haushalte eingestellt. Hilfe der moldawischen Regierung in Chisinau lehnte die separatistische Führung des Gebietes aber ab.

Die Republik Moldau selbst hat schon seit Tagen Beschränkungen und Auflagen etwa für Straßenbeleuchtungen eingeführt, um den Verbrauch von Energie um mindestens ein Drittel zu verringern. Das Land will künftig einen Großteil seiner Energie über das EU-Land Rumänien beziehen.

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rtr
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