Inauguration Day: Trumps triumphale Rückkehr
Nicht alles läuft nach Plan, wenn Donald Trump an diesem Montag zur Mittagszeit erneut als US-Präsident vereidigt wird. Anstatt sich von Hunderttausenden Anhängern vor der Westseite des Kapitols in Washington feiern zu lassen, wird der bald 47. Präsident der Vereinigten Staaten mit einer kleineren Zeremonie vorliebnehmen müssen.
Der Grund: Eine Kältewelle hat die amerikanische Hauptstadt in diesen Tagen fest im Griff. Meteorologen erwarten Maximaltemperaturen von minus fünf Grad und heftige Böen. Grund genug, die offizielle Amtseinführung ins Innere des Kapitolgebäudes zu verlegen, um die Gesundheit des nächsten Staatsoberhaupts und der geladenen Gäste nicht zu gefährden. Unvergessen ist das Schicksal von William Henry Harrison, dem neunten US-Präsidenten, der sich während seiner Rede zum Machtantritt eine Lungenentzündung einfing und wenige Wochen später an den Folgen verstarb.
Kein Wunder, dass sich Trump, immerhin der älteste neu ins Amt eingeführte Präsident der US-Geschichte, ein Beispiel an Ronald Reagan nahm. Auch der legte seinen zweiten Amtseid wegen heftiger Kälte in der Rotunde des Kapitolgebäudes ab. Statt jubelnder Massen wohnten der Vereidigung damals nur 96 Zuschauer bei.
Trotzdem wird die wohl deutlich kleinere Veranstaltung nicht vom Wesentlichen ablenken: Die Rückkehr des mittlerweile 78-Jährigen auf den Capitol Hill wird die Krönung seines beeindruckenden politischen Comebacks sein. Vor vier Jahren hatte Trump Washington in Schimpf und Schande verlassen, brach mit der jahrhundertealten Tradition, bei der Amtseinführung seines Nachfolgers auf der Bühne zu sitzen, um so die friedliche Übergabe der Macht symbolisch zu verdeutlichen. Joe Biden wird am Montag indessen anwesend sein, wenn sein Vorgänger zu seinem offiziellen Nachfolger wird.
Lesen Sie auch: Joe Bidens Abschiedsrede ist ein Weckruf
Es dürfte ein Moment sein, der dem Noch-Präsidenten einen Stich versetzt. Biden war 2019 aus dem politischen Ruhestand gekommen, um das Land von Trump zu befreien, erklärte seine Kandidatur fürs Weiße Haus als Kampf um die Seele der Nation. Seine Partei nominierte ihn auch deshalb, weil sie ihm die besten Chancen einräumte, den ungeliebten Republikaner aus dem Oval Office zu vertreiben. Es gelang. Vorerst. Doch vier Jahre später muss der 82-Jährige mitansehen, dass er 2020 zwar die Schlacht gewonnen hat, aber nicht den Krieg. Trump ist zurück, siegte erstmals nicht nur im Electoral College, sondern holte eine Pluralität der abgegebenen Stimmen.
Nicht wenige Demokraten lasten diese Niederlage vor allem Biden an. Obwohl Umfragen ihm bescheinigten, dass die Bevölkerung ihn als zu alt für eine zweite Amtszeit ansah, klammerte er sich lange an eine erneute Kandidatur. Er zog erst im Sommer des vergangenen Jahres zurück, nachdem ein desaströser Auftritt bei der TV-Debatte gegen den Republikaner verdeutlicht hatte, dass er diesem Wettbewerb nicht mehr gewachsen war. Seine Vizepräsidentin Kamala Harris konnte die sich abzeichnende Niederlage nicht mehr abwenden. Damit ist Trump gelungen, was zuvor erst ein US-Präsident in der Geschichte zustande gebracht hatte: nach einer Niederlage erneut zu kandidieren. Und zu gewinnen.
Und Trump will diesen Sieg genießen. Schon am Wochenende lud er seine Anhänger nach Washington ein, um sie auf einer seiner Rallys auf die Inauguration einzustimmen. Am Montag werden ihn seine Anhänger wetterbedingt nicht auf der National Mall, sondern in einem nahegelegenen Stadion feiern. Immerhin ist es dem Republikaner diesmal gelungen, hochkarätige Stars für seine Zeremonie zu gewinnen. Country-Superstar Carrie Underwood wird singen, Tenor Christopher Macchio und Lee Greenwood, dessen Song “God Bless The USA” zu einer inoffiziellen Trump-Hymne geworden ist. Und am Abend werden die Village People bei einem der zahlreichen Bälle auftreten, mit denen Washington die Amtseinführung eines neuen Präsidenten traditionell begleitet. Deren Hit „YMCA“ war ein Dauerbrenner in Trumps Wahlkampf. In der Vergangenheit hatte die Band versucht, dem Politiker die Nutzung ihrer Musik zu untersagen. Jetzt tritt sie für ihn auf.
Das Trump-Lager ist vorbereitet
Damit bleibt die Frage, welche Akzente Trump während seiner Rede nach dem Amtseid setzen wird. Vor acht Jahren zeichnete er ein düsteres Bild vom Zustand des Landes, beschwor ein „Amerikanisches Gemetzel“ und verstörte damit Teile des Publikums. „Das war ein merkwürdiger Scheiß“, kommentierte Ex-Präsident George W. Bush damals die Rede seines nominellen Parteifreunds.
Im Wahlkampf bemühte Trump ähnliche Rhetorik wie damals. Gleichzeitig verspricht sein Team, mit seinem erneuten Amtsantritt werde ein „Goldenes Zeitalter“ für die Vereinigten Staaten anbrechen. So oder so: Der 47. US-Präsident will sich schnell an die Arbeit machen. Man bereite mehr als 100 Executive Orders vor, die Trump an seinem ersten Tag zurück im Amt unterschreiben werde, ließen seine Verbündeten streuen. Zum Vergleich: 2017 hatte Trump in der ersten Woche 14 Dekrete in Kraft gesetzt, Biden an seinem ersten Tag 17. Das zeigt: Trump will keine Zeit verlieren, dem Land erneut seinen Stempel aufzudrücken. Die triumphale Rückkehr vor das Kapitol ist nur der erste Schritt.
Lesen Sie auch: „Putin, Xi und Trump spielen sich in die Hände“