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Heidi ReichinnekHype hält an – Linken-Fraktionschefin ist nun Deutschlands beliebteste Politikerin

Mit 8,8 Prozent schaffte die Linke den Wiedereinzug in den Bundestag. Einen großen Teil des Waahlerfolges schreiben Beobachter einer Frau zu: Heidi Reichinnek. Wer ist die Politikerin?Thomas Regniet 26.04.2025 - 23:59 Uhr

Heidi Reichinnek nach einer Klausur der Linken im Februar 2025.

Foto: imago images

Lange vor und auch noch im Wahlkampf waren die Aussichten trüb: Die Linke lag in den Monaten vor der Bundestagswahl oft unter der Fünf-Prozent-Hürde. Drei Direktmandate durch Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch sollten den Einzug in den Bundestag noch sichern. Die waren letztlich gar nicht notwendig. Eine anderen Person bescherte der Linken neue Höhenflüge: Heidi Reichinnek. Sie ist laut einer neuen Umfrage sogar die beliebteste Politikerin in Deutschland. Was über das neue Gesicht der Partei bekannt ist.

Kindheit, Jugend und Ausbildung von Heidi Reichinnek

Die 37-jährige Heidi Reichinnek wurde im April 1988 in Merseburg, Sachsen-Anhalt, geboren. Ein paar Kilometer weiter in der Zweitausend-Einwohner-Gemeinde Obhausen ist die Tochter einer Chemikantin und eines Elektrikers aufgewachsen. Heute lebt die Linken-Politikerin in Osnabrück.

Ihre berufliche Laufbahn führt sie zuerst an die Universität Halle-Wittenberg, später an die Universität Marburg. Schwerpunkt ihres Studiums dabei jeweils: Der Nahe Osten. Von 2007 bis 2011 absolviert sie ein Bachelorstudium in Nahoststudien und Politikwissenschaft, von 2011 bis 2013 Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens im Master. Im Rahmen des Studiums hält sie sich auch zeitweise dort auf, erlebt den Arabischen Frühling unter anderem vom ägyptischen Kairo aus. Davon berichtet sie unter anderem auf ihrer Webseite.

Nach dem Studium forscht sie bis 2015 am Marburger Centrum für Nah- und Mitteloststudien zum Thema Islamismus und Salafismus. Dann zieht es sie in die Kinder- und Jugendarbeit, weil „sie gerne in den sozialen Bereich wechseln wollte“, erklärt Reichinnek auf ihrer Homepage. Ab 2015 arbeitet sie daher in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, zunächst als Sprach- und Kulturfachkraft. Später engagiert sie sich in einem Projekt für Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention. Zu dieser Zeit tritt die damals 26-Jährige auch in die Linke ein. Ab diesem Zeitpunkt beginnt ihre politische Karriere.

Über Reichinneks Privatleben sind kaum Details bekannt. Ausschnitte davon teilt sie, wenn dann, via Social Media. Auf der offiziellen Präsenz des Bundestages gibt sie an, sie sei konfessionslos und zudem ledig.

Politische Laufbahn von Heidi Reichinnek

Reichinnek zählt zu den jüngsten Spitzenpolitikerinnen in Deutschland. Nach ihrem Parteieintritt mit Mitte 20 setzt sie sich binnen weniger Jahre zu einer prägenden Figur in ihrer Partei durch.

Nur ein Jahr nach ihrem Eintritt in die Linke wird sie in den Osnabrücker Stadtrat gewählt, wird 2017 Mitbegründerin und Sprecherin der Linksjugend Niedersachsen, 2019 dann Landeschefin der Linken. Mit 86 Prozent wählt sie der Landesparteitag in Hannover zur jüngsten Landesparteivorsitzenden.

Um die Linke und ihre strategische Ausrichtung gibt es zu dieser Zeit viele Konflikte: Führende Mitglieder wie Katja Kipping und Sahra Wagenknecht sind im Disput um Migrationspolitik, Wokeness und Lifestyle-Linke. In der Bundespolitik herrscht Uneinigkeit. Mit 4,9 Prozent reicht es bei der Bundestagswahl 2021 nur dank drei Direktmandaten für eine Fraktion im Bundestag. Über die Landesliste Niedersachsen zieht auch Reichinnek im November 2021 ein und wird frauenpolitische Sprecherin der Partei.

Als nach dem Rückzug von Susanne Henning-Welsow erneut Streit um die Spitze der Linken ausbricht, schaltet sich Reichinnek ein. Sie kandidiert an der Seite von Sören Pellmann um den Parteivorsitz. Bekannt ist sie damals vor allem politischen Insidern. In Medienberichten ist von einer Kampfkandidatur Reichinneks zu lesen, die die Partei auffordert, sich wieder auf soziale Gerechtigkeit zu besinnen. An die Parteispitze gelangen jedoch am Ende Janine Wissler und Martin Schirdewan.

Zur Bundestagswahl 2025 kandidiert Reichinnek (zusammen mit Jan van Aken) als Spitzenkandidatin für die Linke. Auf der Landesliste Niedersachsen ist sie auf Listenplatz eins zu finden und ist zudem Direktkandidatin für den Wahlkreis Osnabrück. Nach dem innerparteilichen Bruch mit den heutigen BSW-Politikern ist sie außerdem ab Anfang 2024 zunächst Gruppenvorsitzende der Linken im Bundestag. Im neu gewählten Bundestag führt sie die Fraktion der Linken nun als Vorsitzende an. Als Direktkandidatin holt sie 11,8 Prozent der Erstimmen, unterliegt jedoch den Kandidaten von CDU, SPD und Grünen. Das Mandat geht letztlich an Mathias Middelberg (CDU).

Öffentliches Auftreten und Social-Media-Aktivitäten von Heidi Reichinnek

Im Bundestagswahlkampf 2025 setzten die Spitzenkandidaten van Aken und Reichinnek auf klassisch linke Kernthemen: Wiedereinführung der Vermögensteuer, Erhöhung des Spitzensteuersatzes, Abrüstung, genossenschaftlicher Wohnungsbau, Mindestrente.

Bei Asyl- und Migrationsfragen versuchte sich die Partei in der bewussten Abgrenzung, setzt auf einen asyl- und migrationsfreundlichen Kurs. Reichinnek trägt die Unterschiede in Reden gerne nach außen: Im Bundestag ruft sie Kanzler Olaf Scholz Ende Januar 2025 entgegen, er lasse sich von Rechtsextremisten in Asylfragen treiben. Kanzlerkandidat Friedrich Merz fordert sie nach einer Abstimmung mit der AfD dazu auf, als Kanzlerkandidat zurückzutreten, stimmt im März 2025 gegen das billionenschwere Schuldenpaket der neuen Koalition. Die Linken-Politikerin gilt als bürgernah, betreibt vier Wählerbüros, drei davon in Niedersachsen. Im Wahlkampf steht sie für Selfies bereit.

Vor allem macht sich Reichinnek aber durch das Internet einen Namen. Auf Social Media ist die 36-Jährige vernetzt wie wenige andere Politiker. Auch im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 lässt sich deshalb eine unausgesprochene Aufgabenteilung der Spitzenkandidaten beobachten. Van Aken ist in Zeitungen, TV-Duellen und Polittalks zugegen, Reichinnek übernimmt das Netz, posiert dort mit Internetstars und diskutiert vor allem mit jungen Wählern. Und während van Aken für die Rückbesinnung auf soziale Themen steht, verkörpert Reichinnek, die ein Rosa-Luxemburg-Tattoo trägt, die Modernisierung der Partei. 610.000 Menschen (Ende Januar 2025 waren es noch 310.000) folgen ihr auf TikTok. Auf Instagram sind es rund 640.000 User. Auf X sind es derzeit 48.000 Menschen. Allerdings gibt Reichninnek wenige Tage nach der Bundestagswahl bekannt, auf Plattform X (ehemals Twitter) nicht mehr zu posten. Sie begründet dies damit, dort von „Nazis und Konservativen zugelappt“ zu werden. Die Reichweite auf den anderen Plattformen steigt jedoch weiter und verhilft ihr zu wachsender Bekanntheit. Dabei gilt sie zugleich als streitbar, in ihren Ansichten kompromisslos.

Als Indikator dafür gelten nicht nur gut besuchte Wahlkampfveranstaltungen: Seit dem Jahresbeginn 2025 hat ihre Partei mehrfach neue Mitgliederrekorde verzeichnet. Zuletzt waren 110.300 Personen (Stand: 28. März 2025) Mitglied der Linken. Das gibt die Partei an. Die Linke hat das nun sicher wieder in den Bundestag getragen.

Heidi Reichinnek: Die beliebteste Politikerin

Das Insa-Politikerranking vom bestätigt Reichinnek aktuellen Höhenflug. Die Umfrage unter 2.010 Personen kommt zu dem Ergebnis, dass Reichinnek aktuell die beliebteste Politikerin in Deutschland ist, gefolgt von Bärbel Bas (SPD). Sie liegt jedoch in der Gunst der Bürger weiter hinter einigen männlichen Politikern. Unter anderem ist Boris Pistorius (SPD) weiter vorn. Die Befragungen basieren auf Daten vom 17. bis 22. April 2025.

Gehalt und Nebenverdienst von Heidi Reichinnek

Als Bundestagsabgeordnete erhält Reichinnek ein festgeschriebenes Abgeordnetengehalt. Das liegt seit Juli 2024 bei 11.227,20 Euro (brutto) im Monat. Hinzu kommen 5.349,58 Euro (steuerfrei) für Reisekosten, Ausstattung für Abgeordneten- und Wahlkreisbüro und andere laufende Kosten.

Zusätzlich zu den Diäten erzielen viele Politiker weitere Einkünfte. Zum Beispiel durch Buchverkäufe, Reden auf Kongressen oder für Unternehmen oder durch eine Firmenbeteiligung. Die Nebeneinkünfte sind gegenüber dem Bundestag meldepflichtig, bis auf einige Ausnahmen und Freigrenzen. Laut dem Abgeordnetengesetz dürfen sie zudem öffentlich bekannt gemacht werden. Für die vergangene Legislaturperiode hat Reichinnek Nebeneinkünfte von 10.371,59 Euro für das Jahr 2023 und 5.511,35 Euro für das Jahr 2024 mitgeteilt. Dabei geht es jeweils um Gelder, die zwei Stiftungen an Reichinnek ausgezahlt haben, um ungedeckte Reisekosten zu übernehmen. Darüber hinaus gibt es keine bekannten Einkünfte. Von ihrer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe ist Reichinnek seit 2021 freigestellt.

Politischer Lebenslauf von Heidi Reichinnek im zeitlichen Überblick

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